Kulturelles Erbe Römerstraße in Reichenberg

in VG Loreley

REICHENBERG Durch die Reichenberger Gemarkung verläuft die Hessen- oder Römerstraße. Sie führte von Trier über eine Rheinfurt bei St. Goarshausen bis nach Kassel. Römerstraßen waren in Mitteleuropa ein Novum. Sie waren dank ihres straßentechnischen Aufbaus im Gegensatz zu den Naturwegen germanischen und keltischen Ursprungs nicht nur weitgehend unabhängig von der Feuchte des Bodens passierbar, sondern bahnten sich wenn immer möglich geradlinig, bei nur mäßigen Steigungen, ihren Weg durch Ebenen und mit Kunstbauten wie Stützmauern und Brücken durchs Gebirge. Die Befestigung erfolgte durch einen genauen Schichtaufbau der Straßen, welcher sich allenfalls durch die regionale Verfügbarkeit bestimmter Baumaterialien unterschied.

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Für eine Römerstraße waren zunächst gegebenenfalls Rodung und immer Aushub bis über einen Meter in die Tiefe nötig, um den Grund zu sichern. Danach wurden mit groben Steinen, dann mit Kies und darauf mit Sand immer feiner werdende Schichten aufgebracht, bis die Fahrbahndecke mit Pflastersteinen auf eine feste Breite ausgelegt wurde. Randsteine formten Rinnen in die Konstruktion.

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Kulturelles Erbe Römerstraße – Geomagnetische Prospektion findet statt

Ein solches Kopfsteinpflaster war für den Marsch, das Reiten und auch den Verkehr mit Ochsenkarren bestens geeignet. Im Laufe der Zeit stellten sich natürlich gewisse Abnutzungen der Decke ein, jedoch existieren auch heute noch zahlreiche Beispiele ausgesprochen gut erhaltener Römerstraßen.

Eingeführt wurde die Technik der Steinpflasterung für Fernstraßen vor allem unter Gaius Iulius Caesar, als er Proconsul in Gallien war. Pflasterung für innerstädtische Straßen ist für die Städte am Mittelmeer schon lange vor der Zeitenwende praktiziert worden. Die militärische Bedeutung der Steinpflasterung ist nicht zu unterschätzen. Mit Römerstraßen war es erstmals möglich, schnell und in großer Zahl Truppen von einem Ort zum anderen zu verschieben, um die Herrschaft zu behalten und neue Territorien zu erobern. Begleitend wurden von den Römern auch Kastelle errichtet. Für diese Aufgabe wurden u. a. die beherrschten Menschen zu Frondiensten herangezogen; ebenso wurden Arbeitssklaven eingesetzt. In rauerem Klima war (und ist) ein frostsicherer Unterbau eine Voraussetzung für wetterfeste Straßen.

In der Nähe der Schutzhütte wurde eine kurze Strecke freigelegt und mit einem Hinweisstein versehen. Studierende der Archäologie haben zuletzt das Stück erneut erlebbar gemacht. Bereits auf dem Weg von der großen Kreuzung Richtung Hausecker Wald tritt die feste Oberfläche mehrfach großflächig zu Tage.

Im Zuge der Planungen für Bau der Verbindungsleitung vom Hochbehälter Reitzenhain zum Hochbehälter Patersberg bzw. dem Neubau des Hochbehälter Patersberg/Reichenberg wurde von der Generaldirektion Kulturelles Erbe mit Hinweis auf die „Römerstraße“ eine Prospektion im Bereich der geplanten Leitungstrasse bzw. Standort des Hochbehälters gefordert. Hierbei wird mittels einer geomagnetischen Prospektion das Gelände auf mögliche archäologisch relevante Befunde abgesucht. Die Arbeiten werden voraussichtlich Mitte/Ende August durch eine Firma aus Marburg durchgeführt. Die hierzu erforderliche Nachforschungsgenehmigung der unteren Denkmalschutzbehörde (Kreisverwaltung) wurde erteilt. Die Gemeinde wird versuchen, über die Ergebnisse zu informieren.

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