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Gesundheit

Friedlicher Protest von Spaziergängern in Nastätten – Und nun?

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Geboosterte und Durchgeimpfte demonstrieren mit Ungeimpften in Nastätten

NASTÄTTEN/KOMMENTAR Wie erklären wir das später einmal unseren Enkeln? Bitte geht nicht spazieren! Walken ist okay aber spazieren geht gar nicht. Früher war es ein Privileg ein Querdenker zu sein doch bitte nicht heute. Noch schlimmer sind die querdenkenden Spaziergänger. Wie wäre es mit walkenden kritischen Geist? Das klingt unverfänglich. Kerzen sind auch so eine Sache. Denn mittlerweile sind die Corona Spaziergänger mit der altertümlichen Lichtquelle unterwegs. Das Wort Kerze ist stark gefährdet.

Also noch einmal von vorne für unseren Nachwuchs. Wir nennen ihn einfach walkenden kritischen Geist mit Wachslichtquelle. Fantastisch. Wir sind da erfinderisch. Am heutigen Abend waren aber keine walkenden kritischen Geister mit Wachslichtquelle zu einem Protestmarsch in Nastätten unterwegs sondern vielmehr die einseitig verhassten oder auch belächelten querdenkenden Spaziergänger.

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Erstmalig unterstützten durchgeimpfte und geboosterte Menschen den Protestmarsch

Eindimensional geschichtlich betrachtet, würde man es zu gerne einen Fackelmarsch nennen doch dafür fehlten einfach die Nazis. Keine rechten Parolen waren zu hören und auch kein zum Himmel gestreckter Arm. Als Presse stehen wir da vor einem großen Dilemma. Der BEN Kurier befürwortet und unterstützt die Impfkampagne doch ohne grölende Nazis ist das alles Mist. Zum allen Trotz liefen da sogar noch Kinder mit und Ausländer. Was um Herrgotts Willen soll das? Ausländer? Genau. Das ist schwierig und kontraproduktiv für die neutrale Berichterstattung.

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Wenigstens ein wenig grölen hätten sie können doch der Protestmarsch war still. Man hätte die berühmte Stecknadel auf dem Boden fallen hören können. Wenn man nur gewollt hätte. Angemeldet war dieser Protest mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gewesen. Und dennoch beschlich uns als Presse ein mulmiges Gefühl: “Wer seid Ihr? Warum machen sie Fotos?”, wurden wir gefragt. Doch weshalb diese Skepsis den Medien gegenüber?

Vor wenigen Tagen gab es unangemeldete Spaziergänge in der Koblenzer Innenstadt. Zu sehen waren Videos von einem Mob, der versuchte die Polizeisperren zu durchbrechen. Nur zu gerne wurde das Video vielfach geteilt. Damit endete die Presseberichterstattung. Nicht gezeigt wurden die Bilder, wo Unbeteiligte von der Polizei eingekesselt wurden und über lange Zeit nicht heraus durften. Diese waren nicht an der Demonstration beteiligt. Als Presse sind wir verpflichtet beide Seiten zu zeigen doch genau das geschieht oftmals nicht.

Zur wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit gehört, dass die Presse in der (Wahlkampf-)Berichterstattung auch über Auffassungen berichtet, die sie selbst nicht teilt.

So wird versucht einseitig zu instrumentalisieren oder zu polarisieren. Als Presse haben wir keine Meinung sondern wir berichten. Die Meinung bilden sich die Leser. Doch genau dieses geht nur, wenn alle Fakten zugänglich gemacht werden.

Bei der Koblenzer Demo darf die Kausalitätskette nicht außer Acht gelassen werden frei nach dem Motto: “Wärst Du heute nicht unrechtmäßig hier, wäre das nicht passiert….” Doch was sagt man den eingekesselten Unbeteiligten?

Kommen wir zurück auf die Spaziergänger in Nastätten. Lügenpresse! Diese Worte kennen wir von Pegida Märschen in den neuen Bundesländern und setzen zu gerne die Parallelen auf die Impfskeptiker. Noch immer haben wir die Bilder aus Berlin vor dem Reichstagsgebäude im Kopf. Einige Rechtsextremisten haben sich unter die Aluhutträger gemischt und tanzten den Corona Blues. Doch wie weit lässt sich das auf die heutigen Lichtermärsche übertragen?

Gar nicht. Es fehlen schlichtweg die Aluhutträger und die Nazis. Nazis sind toll denn die sind immer der Joker in jeder Berichterstattung. Und wenn es die nicht gibt, wird eine Geschichte fade und lesensunwert. Somit bietet es sich für jede gute Presse an, eine Quotennazi auf eine Demonstration mitzunehmen. Das erheitert die Gemüter und bringt einige Social Media Likes.

Impfbefürworter gegen Impfgegner – Die Fronten sind verhärtet

Der BEN Kurier wagte heute ein Experiment. Wir fragten die Spaziergänger nach ihren Beweggründen für den stillen Protest. “Ich wohne außerhalb auf einem Hof. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste. Und ich habe mich gegen alles mögliche impfen lassen. Früher gab es zum Beispiel die Polio Impfung. Die habe ich verstanden denn Polio war bald ausgerottet. Das hat Sinn gemacht. Oder auch die Masern und Pockenimpfung. Doch bei Corona ist das anders. Wir impfen und impfen aber Corona ist immer noch da. Wenn man mir die Garantie gibt, dass nach einer Impfung die Pandemie verschwindet, bin ich sofort dabei…..

Ein anderer sagte: “Ich habe Angst vor der Impfung und möglichen Spätfolgen. Ich traue mich einfach nicht…..” Ob sie recht haben? Wahrscheinlich nicht aber spielt das eine Rolle? Wir haben längst aufgehört zu reden. Wir wollen nicht verstehen und zuhören. Und wir haben als Presse angefangen einseitig zu berichten und verstoßen dadurch gegen unseren eigenen Ethos. Der Kodex besagt: “Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien. Zur wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit gehört, dass die Presse in der (Wahlkampf-)Berichterstattung auch über Auffassungen berichtet, die sie selbst nicht teilt.

Wir als BEN Kurier teilen nicht die Auffassung der Impfskeptiker aber wir berichten neutral um den Lesern die Möglichkeit zu überlassen, sich selber eine Meinung bilden zu können. Und dazu gehören nun einmal beide Ansichten.

Somit müsste die tatsächliche Pressemitteilung für die Demonstration in Nastätten wie folgt lauten:

Friedlicher Protest von sogenannten Spaziergängern in Nastätten

NASTÄTTEN Am heutigen Abend trafen sich etwa 60 bis 80 sogenannte Spaziergänger zu einem friedlichen Protestzug durch die Innenstadt von Nastätten. Angemeldet war die Veranstaltung wahrscheinlich nicht. Ein Teil der Protestler hatte keine Atemschutzmasken auf. Abstände wurde zum Großteil eingehalten. Laut Aussagen von Demonstranten, wehren sich diese gegen mögliche Impfpflichten. Auffällig war, dass erstmalig auch durchgeimpfte und geboosterte Personen den Protestmarsch unterstützten. An dem Marsch nahmen sowohl Familien mit Kindern sowie auch Menschen mit Migrationshintergrund teil. Fremdenfeindliche Parolen waren nicht zu vernehmen. Gegendemonstrationen von Impfbefürwortern fanden an diesem Tag nicht in Nastätten statt.

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Rolf Krohmann

    17. Januar 2022 at 21:03

    Vielen Dank für diese faire Berichterstattung, sowie das selbstkritische Beleuchten der Pressearbeit in unserem Land. Bleiben Sie ehrlich in Ihren Publikationen. Gott segne Sie.

  2. Silke Gmann

    18. Januar 2022 at 0:33

    Vielen Dank für den wundervollen Artikel. Ich respektiere sogar die vielen Schlupflöcher des Autors, der sich keinesfalls als Teiler einer bestimmten Meinung verstanden wissen will. Du liebe Seele mit einer Maske auf offener Strasse, lass Die gesagt sein, Dein Zweifel hat volle Berechtigung. Warum werde ich ich, Mutter von drei Kindern, immer berufstätig gewesen, engagierter Teil der Gesellschaft plötzlich als Nazi beschimpft? Wer tut so etwas? Was macht überhaupt einen Menschen zum Nazi? Eine eigene Meinung zu haben? Stark und mutig zu sein? Lügen zu erkennen und anzuprangern? Reicht das schon aus? Ich klage alle Menschen an, die Ihre Kinder in diesen Zwang und diese Unterdrückung pressen. Schämt Euch, dass Ihr Euren Kindern die Luft zum Atmen abschneidet. Fangt endlich an selbst zu denken… jetzt

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Gesundheit

Ärzte schlagen Alarm: Düsteres Bild für den Gesundheitsstandort Bad Ems

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BAD EMS Das Bild, dass die Allgemeinmedizinerin Dr. Hildegard Simons und der Kardiologe Dr. Thomas Reisinger in einer Sitzung im Kreishaus, dem zahlreich erschienen Publikum aufzeigten, erschreckte. Die Rede ist von einem 70-jährigen Mann, de verstorben ist, weil Krankenhäuser trotz Aufnahme den Patienten wieder nach Hause schickten. Ähnlich erging es einem 88-Jährigen oder auch einem 55 Jahre alten Mann, dem ein Herzinfarkt drohte. Nach dem alle umliegenden Krankenhäuser ablehnten wegen fehlender freier Kapazitäten, erbarmte sich endlich in Kaiserslautern ein Hospital den Patienten aufzunehmen.

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Lebensgefahr oder Sterben wegen einer ausgedünnten Krankenhauslandschaft im Rhein-Lahn-Kreis? Genau davon gehen die Mediziner aus. Nach der Schließung der Paracelsus-Klinik in Bad Ems, hätte sich die medizinische Lage in der Region dramatisch verschlechtert. Zwar wäre es theoretisch möglich, innerhalb von etwa 20 bis 25 Minuten ein umliegendes Krankenhaus zu erreichen, doch nicht selten würden die Patienten nicht annehmen, weil das Haus bereits voll ist.

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Der Landtagsabgeordnete Josef Winkler sieht die Lösung eher in einem zentral gelegenen, gut ausgestatteten Hospital im Herzen der Region und spricht sich damit eher gegen eine Wiederbelebung des Standortes in Bad Ems aus. Ein ähnliches Konzept wird derzeit in Müschenbach im Westerwald erwogen, das einhergehen würde mit dem Ende für die Häuser in Altenkirchen und Hachenburg. Auch dort wehren sich die Mitarbeiter und auch Bürger vehement gegen das umstrittene Projekt.

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Für die 1. Kreisbeigeordnete Gisela Bertram wird es höchste Zeit, dass es in den Räumlichkeiten der ehemaligen Paracelsus-Klinik oberhalb von der Kurstadt wieder eine wohnortnahe Versorgung für Patienten geben wird. Ideen für den Standort brachte Dr., Dietmar Stephan mit. Er sprach von der Möglichkeit, 30 Betten vorzuhalten, damit die hochmodernen Operationssäle wieder genutzt werden. Eine Anfrage beim land soll dahingehend beschieden worden sein, dass der Standort doch geschlossen wäre. Die Porterhouse-Gruppe war maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Klinik auf der Höhe tot geritten wurde und wer möchte SCHON dem Konsortium vertrauen, auch wenn ein neuer Jockey mit Ideen übernehmen würde? Da dürfte die Skepsis überwiegen.

Quo Vadis: Wohin geht es mit dem Gesundheitsstandort Bad Ems?

Wie dramatisch die Situation im Rhein-Lahn-Kreis tatsächlich ist, zeigte sich bei Nachfragen aus dem Publikum, doch wer die Antwort nicht hören möchte, sollte besser nicht fragen. Die Rede war davon, dass man im Rhein-Lahn-Kreis besser nicht schwer erkranken sollte, denn es gibt keine Sicherheit mehr, dass man rechtzeitig eine Klinik erreichen wird, die einen Patienten aufnehmen kann. Dabei ist das nicht nur ein Problem für die Betroffenen, sondern auch für die Arztpraxen und die Rettungssanitäter. Sie sind es meist, die eine freie Klinik suchen und das kann zu bestimmten Zeiten sehr mühevoll sein.

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Die Forderungen werden laut nach einem landeseigenen Hospital. Geben wird es das wohl nicht, da das Ländergesetz so etwas nicht zulässt oder vorsieht. Nun möchte man aber, dass es in der Kurstadt wieder ein Krankenhaus gibt mit einer Grund- und Notfallversorgung. Für die Initiatoren der Veranstaltung bedeutet das, dass sogar ein Krankenhausneubau mit maximal 120 Betten und einer Notaufnahme debattiert werden soll. Mit einem Hubschrauberlandeplatz soll die Versorgung im Rhein-Lahn-Kreis sichergestellt werden. Eine Lösung wäre aus Sicht der beiden Ärzte auch ein angeschlossenes MVZ mit einem Hybrid-Arzt, der im MVZ und der Klinik tätig sein soll.

Am Ende der Versammlung formulierte die 1. Beigeordnete Gisela Bertram die Forderung an das Land nach einem Akutkrankenhaus am Standort Bad Ems.

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Gesundheit

Das sollten Sie wissen: Erschreckende Fakten zum Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein

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Foto: BEN Kurier

NASTÄTTEN/KOBLENZ In den vergangenen Tagen durfte man einiges zum Paulinenstift in Nastätten lesen, doch was stimmte da eigentlich noch? Und wie kommt es zu den besorgniserregenden Nachrichten zum Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein aus Koblenz und Mayen? Während der Rhein-Lahn-Kreis Landrat Jörg Denninghoff in den Printmedien unter anderem dafür kritisiert wurde, dass er sich geweigert haben soll, gesammelte Unterschriften für den Erhalt des Paulinenstifts in Nastätten anzunehmen, haben wir uns jetzt einmal nicht nur damit, sondern mit Zahlen und Fakten zum GKM beschäftigt, und was dabei herauskam, ist mehr als bemerkenswert. Die Menschen dürfen und sollen wissen, wer die Verhandlungen führt, welche Zahlen das GKM tatsächlich aufzuweisen hat, wer davon profitiert und welche erstaunlichen Verflechtungen es dabei gibt. Doch beginnen wir bei den jüngsten Ereignissen.

Landrat wollte keine Unterstützerunterschriften annehmen?

Am 9. Mai gab es in Nastätten eine kurzfristig einberufene Versammlung zum Erhalt des Krankenhausstandorts. Persönlich eingeladen wurde der Landrat Jörg Denninghoff kurioserweise nicht von den Organisatoren, und dennoch war er dort erschienen, um sich mit den Menschen zu solidarisieren. Medienwirksam sollte an dem Tag von den Veranstaltern eine von 5500 Personen unterschriebene Petition für das Paulinenstift an den Landrat übergeben werden. In seiner Rede auf dem Marktplatz betonte Jörg Denninghoff, dass die Menschen und Mitarbeiter nicht in Panik geraten sollten, da es dafür keine Gründe geben würde. Die Schließung des Standorts ist für den Landrat keine Option. Vielmehr geht es um die Frage, ob das Krankenhaus in Eigenregie mit dem Kreis oder weiterhin mit dem GKM betrieben wird. Um das überhaupt beurteilen zu können, braucht es verlässliche Zahlen, und die hatten die Verantwortlichen des GKM bislang nicht geliefert. Erst wollten sie eine unterschriebene Absichtserklärung haben, aus der hervorgeht, dass sich der Rhein-Lahn-Kreis in Zukunft an den Kosten für das Paulinenstift beteiligen würde. Würden Sie ein gebrauchtes Auto kaufen, ohne eine Probefahrt zu machen und sich nicht wenigstens einmal einen TÜV-Bericht anzusehen? Genau das wird aber von den Landkreisen Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück verlangt! 

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Aktuell entscheiden die kommunalen Träger durch ihr mehrheitliches Stimmrecht im GKM nahezu alleine, wie es weitergehen wird mit dem Krankenhauszusammenschluss. Vorsitzender der Gesellschafterversammlung ist der Mayener Landrat Dr. Alexander Saftig. Wem, außer ihm, hätte man die Unterschriften sinnvollerweise übergeben sollen? Genau diese forderten die Schließung der Krankenhausstandorte Boppard und Nastätten, ohne jemals zuvor die Fragen der Landräte Volker Boch und Jörg Denninghoff beantwortet zu haben. (Am Ende unseres Artikels finden Sie dazu ein Video. In der Minute 0:33 teilt der Landrat Denninghoff mit: »Die Unterschriften werde ich definitiv mitnehmen, aber dem anderen Landrat (Dr. Saftig) übergeben, denn er muss überzeugt werden und nicht ich«.)

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Schon mehrfach bekundeten beide Landräte, dass sie bereit sind, sich finanziell an den Kosten der beiden Hospitäler zu beteiligen. Nastätten gilt als bedarfsnotwendig, und damit ist nicht nur das Land in der Verantwortung, sondern auch der Kreis, sofern es keine Zusammenarbeit mit dem GKM oder andere Trägerschaft geben wird.

Mit dem Landrat Jörg Denninghoff und seiner Verwaltung wird es weitergehen mit dem Paulinenstift, aber ob unter der Flagge des GKM oder des Kreises muss geklärt werden, und dafür braucht es verlässliche Zahlen, die es bisher nicht gab von den Verantwortlichen aus Mayen und Koblenz. Weiter wurde in den Medien behauptet, dass sich nicht wenige gewundert hätten, dass der Landrat bei der letzten Sitzung des Kreisausschusses abwesend war, obwohl allen Beteiligten bekannt war, dass der Landrat im Monate vorher geplanten Jahresurlaub ist. Die Verwunderung dürfte tatsächlich eher gering gewesen sein, immerhin leitete die 1. Beigeordnete Gisela Bertram die Sitzung. Wir reden dabei von der Person, die monatelang den erkrankten ehemaligen Landrat Frank Puchtler vertrat und dessen Amtsgeschäfte weiterführte. Für eine medial geforderte Symbolpolitik dürften weder Denninghoff noch Bertram bei so wichtigen Themen zu haben sein. Hier geht es um Existenzen und medienwirksam geschürte Ängste, die ohne Substanz sind, da eine Schließung des Krankenhausstandortes in Nastätten, für die Verantwortlichen im Bad Emser Kreishaus nicht zur Debatte steht.

Zahlen und Fakten zum GKM

Obwohl das GKM 2015 und 2016 knapp 7,6 Millionen Verlust machte, gab es im berechneten Gesamtzeitraum von 2014 bis 2018 einen Gewinn in Höhe von etwa 3,24 Millionen Euro. 2019 steht ein Defizit in den Büchern in Höhe von mehr als 22 Millionen Euro. In den Coronajahren 2020 stehen ebenfalls Miese in Höhe von mehr als 4 Millionen Euro und 2021 knapp 10 Millionen Euro. 2022 soll es wieder einen Gewinn in Höhe von mehr als 2,5 Millionen Euro gegeben haben. Somit steht von 2014 bis 2022 ein Verlust in Höhe von knapp 34 Millionen Euro in den Büchern. Man muss an dieser Stelle unterscheiden zwischen dem Liquiditätsbedarf bis Ende 2024, der bei etwa 20 Millionen Euro liegen wird, und den realen Verlusten in jedem Jahr, die an die Substanz des Eigenkapitals gehen. Wie eine solche verheerende Bilanz zustande kommt, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Die Leitung und Verantwortung mit maßgeblichem Stimmrecht in der Zeit haben der Landkreis Mayen-Koblenz und die Stadt Koblenz.

Management

Boppard und Nastätten wird vorgeworfen, dass sie an der Misere Schuld wären, da beide Krankenhäuser Verluste erwirtschaften. Bisher war es so, dass die starken Krankenhäuser, die finanziell schwächeren Standorte mitgetragen haben. Gerade bei Nastätten war bekannt, dass es bedarfsnotwendig ist. Hier geht es um eine vollkommen andere Konzeption für die Versorgung der Menschen im ländlichen Raum und nicht in einem Ballungsgebiet wie Koblenz. Dennoch gab es bereits 2022 für die Standorte Boppard und Nastätten von dem Träger Sana Konzepte, um diese Krankenhäuser von ihren Verlusten wegzubringen. Anstatt diese Ideen ernsthaft in Erwägung zu ziehen, wurden jahrelange Verhandlungen zum Gesamtkonstrukt GKM mit der Sana geführt, die letztendlich aus bekannten Gründen zum millionenschweren Rentenfonds scheiterten. Kurz darauf sickerten Gesprächsinhalte aus nicht öffentlichen Sitzungen an verschiedene Medienvertreter. Selbst ein eilig erstelltes Sanierungskonzept mit der Information, dass die Standorte Nastätten und Boppard geschlossen werden sollten, durften die Landräte der Kreise Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück aus der Zeitung erfahren, statt direkt darüber informiert zu werden.

Hier wurde in den betreffenden Medien für eine Schlagzeile bewusst mit den Ängsten der Mitarbeiter und Menschen in der Region gespielt, wohl wissend, dass der Standort Nastätten gar nicht geschlossen werden konnte oder sollte vom Rhein-Lahn-Kreis und Land aus. Seriös und vertrauensvoll transparent von den Verantwortlichen des GKM dürfte anders aussehen. Die Landräte Denninghoff und Volker Boch ließen sich nicht von der Vorgehensweise beeindrucken und forderten in einem offenen Brief, dass ihre Fragen endlich beantwortet werden und die Fakten auf den Tisch kommen, damit auf Augenhöhe mit den Entscheidungsträgern des GKM verhandelt werden kann.

Soweit ist es noch nicht. Eine konkrete Beteiligung an den Zukunftsgesprächen wurde nicht angeboten. Richtig interessant wird es jetzt.

Verantwortliche Personen zum und beim GKM und deren Posten

In vielen Rechtsfragen wird das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein von der Koblenzer Anwaltskanzlei Martini, Moog, Vogt oder kurz MMV vertreten. Laut deren Webseite sind dort aktuell 31 Anwälte für die Kanzlei beschäftigt. Einer davon ist der ehrenamtliche CDU-Fraktionsvorsitzende im Landkreis Mayen-Koblenz Georg Moesta, der auch gleichzeitig geschäftsführender Partner der MMV Anwaltskanzlei ist.  Ein Ehrenamt unterliegt der Verschwiegenheitsverpflichtung.

Zudem ist er Mitglied im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Mayen und der Sparkasse Koblenz. Verwaltungsratsvorsitzender der Kreissparkasse Mayen ist Dr. Alexander Saftig, der gleichzeitig auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des GKM ist. Zugleich ist er ebenfalls CDU Mitglied. Von der Sparkasse Koblenz hat der Oberbürgermeister David Langner (SPD) das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden inne. Die vorgenannten Kreditinstitute sollen zu den Banken gehören, welche die Kreditlinie nicht mehr verlängern wollen. Bisher lebten die Banken gut von den Kreditlinien oder auch möglichen Überziehungen. Alle Kredite oder Überziehungen konnten bislang bedient werden. Doch nach dem Aus der Verhandlungen mit dem möglichen Übernahmepartner Sana wurde angedeutet, dass die Banken plötzlich nicht mehr mitspielen und somit eine Insolvenz drohen würde. Die MMV Kanzlei ist juristischer Partner der GKM. Mehr als 400.000 Euro zahlte das GKM an Anwaltskosten für die Jahre 2019 bis 2022.

Konsequenzen für den Rhein-Lahn-Kreis

Die Landkreise Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück möchten ihre Krankenhäuser retten. Dies ist nicht nur gesetzlich geregelt, sondern auch der Wille der Landräte und der Fraktionen in den jeweiligen Landkreisen. Wie der bisherige angenommen Verlust der Klinik Nastätten in angenommenen Höhen von 2 bis 3 Millionen Euro sich zusammensetzt, ist unklar. Ob das Paulinenstift für die Zukunft gewinnbringend aufgestellt werden kann, darf bezweifelt werden, aber der Standort ist alternativlos für die Menschen im Rhein-Lahn-Kreis und somit ist eine Schließung kein Thema für die Kreisverwaltung.

Kommentar

Vieles darf in der Vorgehensweise und der Konstellation hinterfragt werden. Dazu gehört sicherlich auch, ob die Sparkassen Mayen und Koblenz Verwaltungsratsvorsitzenden Dr. Alexander Saftig (KSK Mayen), der gleichzeitig auch Vorsitzender der GKM Gesellschafterversammlung ist und David Langner (Sparkasse Koblenz) keinen Einfluss auf Kreditlinien und Überziehungen des GKM haben und somit tatenlos zusehen mussten, wie zukünftig der Geldhahn zugedreht werden könnte. In einem Krankenhauszusammenschluss ist es nicht unüblich, dass große Kliniken die Mindereinnahmen von kleinen Häusern ausgleichen. Eine Solidargemeinschaft. Genau das war über Jahre nie in Frage gestellt worden, erst nachdem die Verhandlungen mit der Sana gescheitert sind. Mit den Kliniken in Nastätten und Boppard waren schnell die Sündenböcke ausgemacht. 22 Millionen Euro Defizit alleine in 2019, von dem die Häuser in Nastätten und Boppard am wenigsten Anteil haben, aber wer zieht sich denn nun den Schuh an und übernimmt Verantwortung für die vergangenen Jahre? Anscheinend nicht die, welche das GKM in die verheerende Situation über die Jahre gesteuert haben. Dort wird sich weggeduckt und schnell auf Nebenkriegsschauplätze verwiesen. Und jetzt kommen wir wieder zum Anfang. Für Symbolpolitik ist der Landrat Jörg Denninghoff gerade nicht zu haben und schon gar nicht für die großen polemischen Reden. Eine Schwäche? Zuhören ist eher seine Stärke und das ist eine Kunst, auf die es jetzt tatsächlich ankommt.

“Und nun? Zurücklehnen und entspannen. Mit Jörg Denninghoff wird es keine Schließung des Paulinenstifts in Nastätten geben. Es ist nicht die Aufgabe der Medien, die große Schlagzeile zu suchen und die Menschen in Panik zu versetzen, sondern vielmehr sachlich aufzuklären. Mit dem Krankenhaus in Nastätten wird es weitergehen, solange die Fraktionen im Kreishaus zusammenhalten, und daran hegen wir keinen Zweifel, denn in solch einer Situation stehen die Menschen zusammen. Schön!”

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Gesundheit

Spendable Kolpingfamilie: 500 Euro für das Hospiz in Nassau

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Foto: Lutz Zaun

NASSAUWir sind und bleiben auf Spenden angewiesen. Darum ist Ihre Spende ein willkommener Beitrag“, sagte Rainer Lindner, Schatzmeister des Fördervereins Stationäres Hospiz Rhein-Lahn, als er sich bei der Kolpingfamilie Nievern, Fachbach, Miellen herzlich für deren Unterstützung bedankte.

Wir unterstützen das Hospiz, weil es eine wichtige Einrichtung ist“, meinte Jessica Merz, die Vorsitzende der Kolpingfamilie Nievern, Fachbach, Miellen. Es könnte schließlich auch von den eigenen Mitgliedern einmal in Anspruch genommen werden.

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Zusammen mit Vorstandsmitglied Gerd Gilles übergab Jessica Merz an Rainer Lindner eine Spende in Höhe von 500 Euro. Das Geld war durch verschiedene Veranstaltungen übers Jahr, aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammengekommen. Dazu gehörten u.a. die Karnevalsfeier und Bildungsveranstaltungen. Den Überschuss spendet die Kolpingfamilie für soziale Zwecke.

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Schon einmal hatte die Kolpingfamilie Nievern, Fachbach, Miellen das Hospiz mit einer Spende bedacht. Damals kam dem Hospiz der Erlös aus dem Bräterkuchenverkauf an St. Martin zugute.(vy)

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