Felix Thannheiser – Ältester Bürger in Dienethal

in VG Bad Ems-Nassau

DIENETHAL Eine bewegte Vergangenheit mit Höhen und Tiefen- letztlich mit Happy End. So könnte man das Leben von Felix Thannheiser beschreiben, dem mit nur 14 Jahren die Verantwortung für seine schwangere Mutter und seine beiden Geschwister vom Vater übertragen wurden als er in den Krieg eingezogen wurde.

1944 ist er mit der hochschwangeren Mutter und Schwester mit 2 Gespannen und dem Knecht ins Sudetenland geflüchtet. Als der Krieg beendet war, ging es am 08.05.1945 mit allen und dem inzwischen geborenen Säugling, zurück in die Heimat.

Ihr Hof haben die damals selbst vertriebenen Polen besetzt und sie mussten als Knechte auf Ihrem eigenen Hof arbeiten. Nach einem Jahr Arbeit wurden Sie an Pfingstmontag, den 10.06.1946 aus Ihrer Heimat vertrieben und mussten ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen, die Pferde und seinen besten Freund, seinen Schäferhund, was ihm das Herz zerriss.

Er hatte sein eigenes Gespann fertig gemacht für die Familie und Freunde und so zogen Sie nach Neise.

Dort angekommen, mussten Sie ihr gerettetes Hab und Gut auf dem Gespann zurücklassen und es ging mit dem Viehtransport übers Durchgangslager Uelzen/ bei Hannover nach Schillig/Ostfriesland ins Marinelager.

In einem Waggon waren 30 Personen untergebracht, die mit einer staatlichen Verpflegung für alle von 3 Broten und 3 Heringen auskommen mussten. Er hatte schon damals gut vorgesorgt und hatte seine Hosentaschen gefüllt mit getrocknetem Brot, dass er zuvor in kleinen Stücken getrocknet hatte.

In Schillig angekommen, wurde Ihnen ein Zimmer mit 12 qm zugewiesen. Mit 15 Jahren war Felix der Familienversorger, der als Knecht in der Landwirtschaft ein Monatsgehalt von 30 DM verdiente bis nach 4 Jahren das Marinelager verlassen werden musste.

Die Zugreise ging dieses Mal nach Siershahn/Westerwald, wo sie erst in Hübingen und dann in Zimmerschied lebten, wo er sich sehr wohl fühlte und in der Dorfgemeinschaft gut aufgenommen wurde.

Die Arbeitsverhältnisse waren derzeit schlecht, so dass der Jugendliche stempeln gehen musste – für 13,20 DM in der Woche im Arbeitsamt.

1951 ging es bergauf und er wurde bei der Familie TWER in Nassau, die schon damals den Zeitungsverlag besaß, angestellt. Dort war er als Mädchen für alles, er war Hausmeister, Chauffeur, Gärtner, Einkäufer, versorgte die Jagdhunde und war im Einsatz als Kindermädchen für Ulla, Hannegret und Walterpeter TWER.

ER setzte sich rund um die Uhr ein und hatte daher eine Arbeit mit Familienanschluss, was der damals noch junge Felix sehr genoss. Bekannt war er in Nassau und Umgebung nur als „TWERS FELIX“!

Er erinnert sich heute noch gerne an diese Zeit zurück, die für geprägt hat. Es war eine besonders schöne, wertvolle und lehrreiche Zeit. Direktor Walter Twer schätzte seinen lauteren Charakter, Verlässlichkeit sowie Ehrlichkeit und förderte ihn in seiner Entwicklung für flexible Einsatzfähigkeit und stärkte sein Selbstbewusstsein.

1955 lernte Felix seine heutige Ehefrau Elli geb. Stork kennen, die in ihm sofort den Wunsch nach der Gründung einer eigenen Familie weckte. Da sich beides zeitlich nicht realisieren ließ, beendet er seine Arbeit bei der Familie Twer. Bis heute fühlt er sich noch mit der Familie Twer verbunden und der Kontakt ist nie ganz abgerissen.

So folgte 1956 die Heirat und noch im gleichen Jahr die Geburt Ihrer ersten Tochter Isolde und mit der Geburt der zweiten Tochter Margit 1960 war die Familie komplett.

Verlässlich wie immer, kümmerte Felix sich um das Wohl und die Versorgung der Familie, arbeitete daher auf Akkord und machte Doppelschichten bei der Firma Jaspa in Baumbach, bis er mit 27 Jahren einen Herzinfarkt erlitt.

Die Fahrten mit dem Motorrad plus Arbeitszeit konnten dann nicht mehr durchgeführt werden und es musste eine Änderung her. Ihm wurde in dieser Zeit ein Baugrundstück in Baumbach angeboten, wo er gerne ein Heim für seine Familie gebaut hätte.

Dies hat er letztlich auf Wunsch der Schwiegereltern abgeschlagen, die ihn baten, Sie nicht im Stich zu lassen , damit Sie im Alter versorgt sind. Aus Mitgefühl und dem Verantwortungsbewusstsein, was er schon früh erlernen musste, gab er seine gut bezahlte Arbeit in Baumbach für 4 DM pro Stunde

(auf Akkord) auf und fing im Steinmetzbetrieb Eschenauer in Nassau für 1,80 € pro Stunde an. Doch die Frostbeulen, die er dort erlitt, zeigten im auf, dass diese keine Arbeit auf Lebenszeit war.

Glücklicherweise bekam er 1967 in der Stiftung Scheuern eine Anstellung, wo er seine Lebensaufgabe fand. Da ihn diese Arbeit erfüllte und die Buben sein Leben waren, machte er seine Ausbildung als Heilerziehungshelfer mit Zusatzausbildung Medizin und Pädagogik.

Als späterer stellvertretender Bereichsleiter machte er sich unersetzlich- als Mensch, Berater und Freund bis er im Dezember 1983 in die wohlverdiente Rente ging.

Bis heute ist er ein gefragter Mann in der Stiftung, der am Kirchgang, am Jahresfest, Weihnachtsfeiern und Ausflügen teilnimmt, auf die er noch immer von den Eltern der Bewohner und Mitarbeiter eingeladen wird.

Felix Thannheiser, der älteste Bürger von Dienethal hat mit Herz und Schlesier Geselligkeit, Dankbarkeit und Verantwortung schwierige Zeiten gemeistert. Seit über 60 Jahren ist er Imker und lange Jahre war er 1. Vorsitzender im Imkerverein Nassau. Über 60 Jahre ist er mit seinen Sangesfreunden der Harmonie Dienethal innig verbunden und fehlt grundsätzlich keine Gesangsstunde.

Felix war überall wo man Hilfe brauchte, er hat im Dorf mit angepackt und sich stets gefordert im Leben. Seine Familie stand immer an erster Stelle sowie sein Wunsch das Harmonie in der Familie herrscht und es allen gut geht.

Aus dem alten Bauernhaus der Schwiegereltern entstand ein Dreifamilienhaus, dass er mit viel Eigenschweiß teilabgerissen und wieder neu aufgebaut hat, wo die Töchter samt Familien zusammen mit ihnen bis heute wohnen können.

Felix blickt zurück auf 90 Jahre und ist Gott sehr dankbar, das er ihn trotz schweren Zeiten doch stets in die gute Richtung führte. Er ist dankbar für seine Ehefrau Elli, die immer an seiner Seite stand, für seine beiden Töchtern die im gleichen Haus/Ort wohnen und immer greifbar sind sowie für die Enkel, und Urenkel die ihn wertschätzen und Lieben.

Sein emotionalstes Erlebnis der letzten Jahre war das Geschenk seiner Kinder /Enkelkinder zum 80.ten Geburtstag noch einmal seine alte Heimat zu besuchen wo er Freunde von früher und Ihre Familien wiedersah.

Was ihn in dieser Zeit von Corona sehr traurig macht, dass er seinen 90-igsten Geburtstag nicht mit all’ seinen Lieben und Freunden feiern kann.

Er hofft, dass dieses Ereignis bald ebenbürtig nachgefeiert werden kann.

2 Comments

  1. Eigentlich ein eindrucksvoller und interessanter Bericht. Am Anfang fragt man sich jedoch, wo denn die Heimat Felix Thannheiser eigentlich war? Es wird nur gesagt, dass mit seiner Familie ins Sudetenland flüchtete. Aber von woher? Irgendwann liest man dann, dass er Schlesier ist. Die vielen fehlenden Kommas machen das Lesen auch nicht einfacher. Fazit: ein sehr schönes Portrait. Aber eine Kontrolle der Rechtschreibung und ein Lektorat wären wichtig gewesen.

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