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Lahnstein

1949 mussten die Feuerwehren aus Lahnstein gleich zu drei Katastrophen ausrücken

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Foto: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein | Nachkoloriert vom BEN Kurier
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LAHNSTEIN Im Herbst 1949 mussten die Feuerwehren aus Lahnstein gleich zu drei Katastrophen ausrücken.

Brand des Getreidelagers Fuchs

Das erste Unglück war der Großbrand des Getreidelagers Fuchs am Lahnsteiner Hafengelände. Das sechsstöckige Lagerhaus, das die Firma „M. Fuchs-KG, Oberlahnstein“ 1906 errichtet hatte, wurde am 18. September 1949 ein Raub der Flammen. Damaliger Inhaber war Martin Fuchs (1894-1970), ein Enkel des Firmengründers und zugleich Bruder des Diezer Malers Rudolf Fuchs.

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Nach dem Brand ließ er ein erheblich größeres Gebäude mit Schüttböden, Silos, Beförderungs-, Reinigungs- und Trocknungsanlagen mit einer Lagerfähigkeit von 6.000 Tonnen Getreide und Futtermittel errichten und nannte das Unternehmen „Fuchs Lagerhaus KG, Oberlahnstein“. 1978 stellte er in Lahnstein den Geschäftsbetrieb ein – das markante Gebäude wird heute von der Firma Jacobsen genutzt.

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Die Feuerwehr löscht den Brand des Getreidelagers Fuchs, hier Innenaufnahme | Foto: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein | Nachkoloriert vom BEN Kurier

Brand des Klosters Bornhofen

Die zweite Katastrophe ereignete sich zwei Monate später, am 21. November 1949. An jenem Tag stand das Kloster Bornhofen in hellen Flammen und die Feuerwehren aus zahlreichen Gemeinden und Städten des Mittelrheins rückten zur Brandbekämpfung an, auch aus Ober- und Niederlahnstein. Das Feuer brach gegen 21.00 Uhr im Westflügel des Klosters aus und griff rasch auf die anderen Gebäudeteile über.

Bereits nach einer halben Stunde brannte der gesamte Dachstuhl“, schrieb die damalige Tageszeitung „Rhein-Post“. „Durch den überaus starken Funkenflug war der gesamte Ortsteil Bornhofen arg gefährdet, aber die mittlerweile aus den Nachbarorten eingetroffenen Wehren konnten ein Übergreifen des Feuers auf die Nachbarhäuser verhindern.“ Der einheimischen Feuerwehr zu Hilfe eilten die Feuerwehren aller Nachbarorte von St. Goarshausen bis Neuwied und Andernach.

Die unteren Stockwerke des Klosters konnten erhalten werden. Der Absturz einer neuen Glocke verursachte einen neuen Brand in der Kirche, jedoch blieb das Kircheninnere vom Feuer verschont. Dichte Rauchwolken erschwerten den Feuerwehrleuten ihre Arbeit. Erst nach vielen Stunden war das Feuer eingedämmt.

Hermann Doneth, Brandmeister und stellvertretender Wehrleiter der Niederlahnsteiner Freiwilligen Feuerwehr, befand sich bei den Bergungsarbeiten im Inneren des Klosters, als plötzlich die Decke eines Zimmers einstürzte. Die herabstürzenden Trümmer verletzten ihn schwer. Er wurde von Kameraden in ein nahegelegenes Hotel gebracht, wo sich zwei Ärzte um ihn bemühten. Doch er erlag seinen schweren Verletzungen. Doneths Tod war für die Freiwilligen Feuerwehren der Rheinorte von Niederlahnstein bis Kaub Anlass, alljährlich an einem Gedächtnisgottesdienst teilzunehmen. In Lahnstein erinnert heute die Hermann-Doneth-Straße beim Feuerwehrgerätehaus der Wache Süd an den getöteten Kameraden, in Bornhofen ein Kreuz.

Eisenbahnunglück im Nauling

Genau acht Tage später ereignete sich das dritte Unglück, dieses Mal ein Eisenbahnunglück im Nauling. „Am 29. November, gegen 0.20 Uhr, stieß im Bahnhof Niederlahnstein ein aus Richtung Neuwied herannahender Durchgangsgüterzug mit einer zum Wassernehmen vorfahrenden Lokomotive zusammen. Fast gleichzeitig fuhr aus der Gegenrichtung ein Leergüterzug auf die Trümmer. Dabei wurde ein Eisenbahnbediensteter getötet und drei verletzt. Es entstand beachtlicher Sachschaden“ meldete die Eisenbahndirektion Mainz.

Das schwere Eisenbahnunglück hatte sich in Höhe der Unterführung der Johann-Baptist-Ludwig-Straße ereignet. Zwölf Güterwagen wurden zertrümmert oder schwer beschädigt. Vier Güterwagen gerieten in Brand. Die drei Lokomotiven erlitten gleichfalls schweren Schaden. Eine Maschine stürzte die Bahnböschung hinab und blieb in einem Garten liegen. Bei dem Zusammenstoß fand der Rangiermeister Fritz Euler aus Bad Ems den Tod. Sechs Eisenbahnbedienstete wurden leicht verletzt und kamen ins Niederlahnsteiner Krankenhaus.

Kurze Zeit nach dem Unglück trafen die beiden Hilfszüge Oberlahnstein und Engers sowie ein 57-Tonnen-Kran aus Ludwigshafen ein. Natürlich waren auch wieder die Feuerwehren aus Ober- und Niederlahnstein im Einsatz, nur eine Woche nach dem furchtbaren Brand von Bornhofen.

Auf gut 200 Metern war der Bahndamm aufgerissen und mit Trümmern übersät. 50 Eisenbahner und 80 Gleisarbeiter waren ununterbrochen am Werk, um die Strecke wieder fahrbereit zu machen, denn gleichzeitig mit den Aufräumarbeiten wurde auch der Oberbau wiederhergestellt. Der Verkehr wurde über Hohenrhein-Friedrichssegen umgeleitet. Abends traf noch ein 90-Tonnen-Kran aus Essen ein, um die 75 Tonnen schweren Loks zu heben.

Die Höhe des Schadens, so schrieb der Koblenzer Lokalanzeiger, belief sich auf etwa 120.000 bis 130.000 DM. Als Ursache des Unfalls nannte die Eisenbahndirektion Mainz „unterlassene Verständigung zwischen einzelnen Bediensteten“.

Fotos belegen die Unglücksstätte. Die unten liegende Lok 50 1561 des Bahnbetriebwerks Oberlahnstein war die Böschung herabgestürzt, nachdem die obere Lok – als Unfallverursacherin – das Nebengleis weggedrückt hatte.

Die Ruine des Getreidelagers Fuchs nach dem Brand | Foto: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein | Nachkoloriert vom BEN Kurier
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Lahnstein

Lahnstein eröffnet ersten zertifizierten Kur- und Heilwald in Rheinland-Pfalz

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Foto: Mira Bind / Stadtverwaltung Lahnstein
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Lahnstein. Am Freitag, 19. September 2025 wird in Lahnstein der erste zertifizierte Kur- und Heilwald in Rheinland-Pfalz eröffnet. Mit seinem Herz-Kreislauf-Pfad, den Fitness- und Atem-Parcours sowie dem sieben Kilometer langen Achtsamkeitspfad erhielt er zudem als erster deutscher Standort die internationale Auszeichnung „Healing Forest“. Damit ist der Kur- und Heilwald nicht nur ein regionales Leuchtturmprojekt, sondern auch Teil eines weltweiten Netzwerks, das die heilende Wirkung der Natur in den Mittelpunkt stellt. Rheinland-Pfalz erhält damit einen Gesundheitsort, der Tradition und moderne Prävention miteinander verbindet und einen nachhaltigen Beitrag zur Lebensqualität der Menschen leisten soll.

Alle Interessierten sind um 10.30 Uhr an der Schutzhütte des Fitness-Parcours zur Feierstunde eingeladen. Für musikalische Akzente sorgt das Duo Wood Vibrations und für eine kleine Stärkung ist gesorgt. Bei der Anreise sollte beachtet werden, dass die Stellplätze am Parkplatz Alte Landstraße an der L 327 begrenzt sind.

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Nach dem offiziellen Teil besteht die Möglichkeit, den Wald unter fachkundiger Anleitung zu erkunden und verschiedene Angebote wie Yoga, Atemübungen oder Achtsamkeitstraining kennenzulernen.

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Mit dem Kur- und Heilwald haben wir in Lahnstein einen Ort, an dem Natur, Gesundheit und Erholung auf besondere Weise zusammenfinden. Ich freue mich, dass wir dieses Angebot zur Stärkung von Körper und Geist, dieses weit über die Region hinausstrahlende Projekt für alle offiziell eröffnen können“, so Lahnsteins Oberbürgermeister Lennart Siefert.

Reine Luft, spezielle Lichtverhältnisse, ätherische Duftstoffe und die Geräusche des Waldes entfalten eine nachweislich beruhigende, regenerierende und stressreduzierende Wirkung. Die Terpene der Nadelbäume tragen zur Stärkung des Immunsystems bei und fördern das allgemeine Wohlbefinden. Ein weit verzweigtes Wegenetz mit mehr als 50 Therapiestationen macht diese natürliche Heilkraft für alle erlebbar.

Der Achtsamkeitspfad vermittelt, wie bewusste Übungen Stress abbauen und die Selbstwahrnehmung fördern können. Im Atem-Parcours lernen Besucherinnen und Besucher, die Verbindung zwischen Körper, Gefühlen und Atmung bewusster wahrzunehmen. Der Fitness- und Sturzparcours stärkt Beweglichkeit, Koordination und Muskelkraft, während der Herz-Kreislauf-Pfad gezielt Ausdauer und Belastbarkeit trainiert.

Auch für die jüngsten Gäste gibt es ein eigenes Angebot: Der bereits eröffnete Kinderheilwald am Aspich ergänzt das Gesamtkonzept. Dort können Kinder spielerisch ihre motorischen und koordinativen Fähigkeiten entwickeln und gleichzeitig die Natur mit allen Sinnen erfahren.

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Lahnstein

Europaparlamentarierin Jutta Paulus besuchte Ecobat in Braubach

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Foto: Sabine Flemming
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BRAUBACH Die Europaparlamentarierin Jutta Paulus und Jutta Niel, Mitglied des Kreisvorstandes von B90 / Die Grünen, wurden von Erich Esser, Geschäftsführer Ecobat Ressources, Sabine Flemming, Marketingleiterin, und Prokurist Steffen Glauer durch die Ecobat Resources Braubach GmbH geführt. Während des Besuchs erhielten die beiden Politikerinnen umfassende Informationen über die nachhaltige Arbeit des Unternehmens im Bereich des Recyclings von Blei-Säure-Akkumulatoren sowie anderen blei-und kunststoffhaltigen Materialien.

Ecobat Resources Braubach GmbH hat sich auf das Recycling von Altbleibatterien aus dem Fahrzeug- und Industriesektor spezialisiert. Die Hauptaufgaben des Unternehmens umfassen nach dem Sammeln bzw. dem Erwerb die Aufbereitung und Umwandlung der alten Batterien in neues Rohblei. Zusätzlich werden die Kunststoffgehäuse der Batterien recycelt, wobei die gewonnen zu hochwertigen PP-Compounds verarbeitet werden.

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Europaparlamentarierin Jutta Paulus besuchte Ecobat Resources Braubach GmbH | Foto: Sabine Flemming

Ecobat Braubach spielt eine zentrale Rolle in einem geschlossenen Recyclingkreislauf für Bleibatterien, betonte Jutta Paulus. „Die effiziente Koordination von Sammlung, Lieferung, Verteilung und Behandlung der Batterien und Rohstoffe ist entscheidend für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

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Das zurückgewonnene Blei und Polypropylen hat nahezu Primärqualität und wird für diverse industrielle Anwendungen verwendet, vornehmlich in der Automobilindustrie.  Durch die Realisierung von Wertstoffkreisläufen leistet Ecobat Braubach einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und zur Ressourcenschonung.

Jutta Niel ergänzte: „Der Besuch hat uns gezeigt, wie wichtig innovative Recyclinglösungen für die Zukunft unserer Industrie sind. Wir müssen solche Initiativen unterstützen, um die Ziele der Kreislaufwirtschaft zu erreichen.

Der Besuch von Paulus und Niel unterstreicht das Engagement der Grünen für nachhaltige Lösungen und die Förderung von Unternehmen, die Verantwortung für die Umwelt übernehmen (Text: Jutta Niel, Bündnis 90/Die Grünen).

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Blaulicht

Mutwilliger Vandalismus an Spielplatzbaum: Stadt Lahnstein erstattet Anzeige

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Foto: Christina Brock / Stadtverwaltung Lahnstein
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LAHNSTEIN Auf dem Spielplatz am Martinsschloss in Oberlahnstein ist es zu einem besonders schweren Fall von Vandalismus gekommen. Unbekannte Täter haben die Rinde einer jungen Mehlbeere (Sorbus) ringsum abgeschält. Dieser Eingriff bedeutet das sichere Absterben des Baumes, da durch das Entfernen der Rinde das darunterliegende lebenswichtige Cambium zerstört wird. Ohne diese dünne Gewebeschicht können Wasser und Nährstoffe nicht mehr transportiert werden – der Baum ist damit zum Tode verurteilt.

Der Schaden beläuft sich auf rund 5.000 Euro. Die Stadt wird den Vorfall bei der Polizei zur Anzeige bringen.

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Bäume sind weit mehr als Gestaltungselemente im öffentlichen Raum: Sie sind Lebewesen, die das Stadtklima verbessern, Schatten spenden, Lebensraum für Tiere bieten und durch die Speicherung von CO₂ einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Gerade auf Spielplätzen sind sie für Kinder und Familien von unschätzbarem Wert – als Schattenspender, Luftfilter und Symbol für Natur mitten in der Stadt.

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Ein solcher Vorfall schmerzt uns sehr: Bäume leisten einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Hitze, Lärm und Klimawandel. Wer sie zerstört, schadet nicht nur der Natur, sondern nimmt uns allen ein Stück Lebensqualität“, so Lahnsteins Oberbürgermeister Lennart Siefert.

Die Stadt Lahnsteins bittet darum, Hinweise zu solchen Taten zu melden und die junge Generation bereits jetzt für den Wert und die Verletzlichkeit von Bäumen zu sensibilisieren – denn nur wer versteht, wie kostbar Bäume sind, wird sie auch schützen.

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