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Politik

Spielplatz Große Wiese in Bad Ems: Politisches Versagen auf Kosten der Bürger

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Spielplatz Große Wiese in Bad Ems (Archivbild)
Foto: BEN Kurier (Archivbild)
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BAD EMS Mit der offiziellen Wiedereröffnung des Spielplatzes „Große Wiese“ am 20. Juni 2025 endet eine monatelange Sanierungsphase – und gleichzeitig rückt ein Vorgang in den Fokus, der aus Sicht der BEN-Kurier-Redaktion wesentliche Fragen zur Planung, Verantwortung und dem Umgang mit öffentlichen Mitteln aufwirft.

Sanierungskosten: 85.000 Euro – exklusive Anwaltskosten

Nach Angaben der Verbandsgemeindeverwaltung Bad Ems-Nassau belaufen sich die Kosten der Bodensanierung aktuell auf rund 85.000 Euro. Nicht enthalten sind Anwaltskosten, die im Zusammenhang mit einem juristischen Vorgehen gegen den BEN Kurier angefallen sind. Unsere Redaktion hatte im September 2024 erstmals öffentlich über eine mögliche Schadstoffbelastung des Spielplatzbodens berichtet und einer fehlenden Baugnehmigung zum Zeitpunkt der Errichtung und feierlichen Eröffnung – eine Einschätzung, die sich nachträglich, in Bezug auf die Schadstoffbelastung, durch ein Gutachten bestätigte. Auch die fehlende Baugenehmigung wurde bestätigt. 

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Durch die Stadt – vertreten durch Stadtbürgermeister Oliver Krügel – wurde ein Fachanwalt für Medienrecht mandatiert, um eine Unterlassungserklärung gegen unsere Redaktion durchzusetzen. Der BEN Kurier verweigerte diese. Die rechtliche Maßnahme blieb folgenlos. Etwaige Kosten dieses juristischen Vorgehens trägt nach Kenntnisstand unserer Redaktion die Allgemeinheit.

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Schwermetallbelastung: Frühzeitige Hinweise blieben unbeachtet

Ein später beauftragtes Bodengutachten bestätigte eine signifikante Belastung mit Blei – teilweise bis zum Neunfachen des zulässigen Grenzwerts für Kinderspielflächen. Auch Zink war in erhöhtem Maß vorhanden. Fachleute wiesen darauf hin, dass insbesondere die Einatmung von aufgewirbelten Feinstäuben durch spielende Kinder ein Gesundheitsrisiko darstellen könnte. In der öffentlichen Kommunikation geäußerte Aussagen, wonach Kinder „kiloweise Erde essen“ müssten, um gefährdet zu sein, erscheinen aus fachlicher Sicht irreführend.

Bereits im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens hatte ein von der Stadt Bad Ems beauftragter externer Fachplaner empfohlen, eine Bodenuntersuchung durchzuführen, ausdrücklich mit dem Hinweis, dass Altlasten nicht ausgeschlossen werden könnten. Diese Empfehlung wurde nicht umgesetzt.

Disziplinarprüfung bleibt im Dunkeln

Vor dem Hintergrund der damals fehlenden Baugenehmigung stellt sich die Frage, ob das Vorgehen dienstrechtliche Konsequenzen für den Stadtbürgermeister als Ehrenbeamten hat. Nach uns vorliegenden Unterlagen teilte die zuständige Kommunalaufsicht folgendes mit:

Zu dem Thema Spielplatz/Baugenehmigung teilen wir Ihnen mit, dass wir dieses abschließend gegenüber Herrn Krügel im Innenverhältnis Kommunalaufsicht/Stadtbürgermeister als Ehrenbeamter geprüft haben. Aus datenschutzrechtlichen Gründen erteilen wir Ihnen hierzu keine Auskünfte.

Diese Mitteilung lässt wesentliche Fragen unbeantwortet – insbesondere vor dem Hintergrund, dass es sich um ein öffentlich finanziertes Bauvorhaben handelt. Die Verweigerung jeglicher Information über den Ablauf oder das Ergebnis der Prüfung steht nach Ansicht unserer Redaktion in einem fragwürdigen Verhältnis zum Transparenzanspruch gegenüber der Bürgerschaft.

Alternative Lösungen wurden offenbar nicht erwogen

Laut Unterlagen argumentierte der Rechtsbeistand der Stadt zunächst, eine Bodenuntersuchung sei haushaltsrechtlich nicht zu rechtfertigen gewesen. Letztlich wurde diese dann doch beauftragt – mit erheblichem Kostenaufwand. Fachleute bewerten einen Rückbau und Neuaufbau an anderer Stelle als potenziell kostengünstiger. Ob diese Option geprüft wurde, ist aus Sicht der Redaktion nicht ersichtlich. Eine öffentliche Dokumentation liegt uns hierzu nicht vor.

Ursprünglich sollte das Projekt weitgehend durch Spenden getragen werden. Heute stehen mindestens 85.000 Euro an öffentlichen Mitteln im Raum. Politische und verwaltungsseitige Verantwortung bleibt – die finanziellen Folgen tragen die Bürgerinnen und Bürger.

Wiederholungsgefahr nicht ausgeschlossen?

In einer öffentlichen Sitzung des Stadtrats erläuterte der beauftragte Gutachter, dass die festgestellten Schwermetalle möglicherweise aus dem Emsbach stammen. Laut Sitzungsniederschrift erklärte der Sachverständige:

„Auf Nachfrage von RM Brückmann (CDU) erklärt Herr Born (Bodengutachter), dass die Schwermetalle aus dem Emsbach kommen und anzunehmen ist, dass die Belastung im weiteren Verlauf des Gewässers ähnlich sei.“

Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, könnte auch künftig nicht ausgeschlossen werden, dass es – etwa bei Hochwasser – zu erneuten Einträgen von Schwermetallen in den Boden kommen kann.

Transparenzdefizit statt Fehlerkultur?

Aus Sicht unserer Redaktion wirft der Gesamtvorgang grundlegende Fragen im Umgang mit öffentlicher Verantwortung auf: Warum wurden klare Empfehlungen ignoriert? Warum wurde auf sachliche Berichterstattung juristisch statt dialogisch reagiert? Und weshalb wurden die Öffentlichkeit und die städtischen Gremien nicht proaktiv über die Genehmigungslage, Risiken und Folgekosten informiert?

Anstatt mögliche Versäumnisse transparent aufzuarbeiten, entschied sich die Stadt offenbar für eine kostenintensive Konfrontation mit der Presse – ohne Erfolg. Die Belastung des Bodens erwies sich als real. Die politische Auseinandersetzung mit den Konsequenzen bleibt bis heute aus.

Der Spielplatz „Große Wiese“ ist nach langer Sanierungsphase wieder zugänglich. Doch seine Geschichte ist mehr als die eines Bauprojekts – sie steht exemplarisch für strukturelle Defizite im Umgang mit Risiken, Verantwortlichkeit und Transparenz.

Wer heute feiert, feiert ein Projekt, das an diesem Standort unter Kenntnis der heutigen Faktenlage mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr beschlossen worden wäre. Die entstandenen Kosten trägt die Allgemeinheit. (Anm. medienrechtlich geprüfter Text).

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Lahnstein

Europaparlamentarierin Jutta Paulus besuchte Ecobat in Braubach

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Foto: Sabine Flemming
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BRAUBACH Die Europaparlamentarierin Jutta Paulus und Jutta Niel, Mitglied des Kreisvorstandes von B90 / Die Grünen, wurden von Erich Esser, Geschäftsführer Ecobat Ressources, Sabine Flemming, Marketingleiterin, und Prokurist Steffen Glauer durch die Ecobat Resources Braubach GmbH geführt. Während des Besuchs erhielten die beiden Politikerinnen umfassende Informationen über die nachhaltige Arbeit des Unternehmens im Bereich des Recyclings von Blei-Säure-Akkumulatoren sowie anderen blei-und kunststoffhaltigen Materialien.

Ecobat Resources Braubach GmbH hat sich auf das Recycling von Altbleibatterien aus dem Fahrzeug- und Industriesektor spezialisiert. Die Hauptaufgaben des Unternehmens umfassen nach dem Sammeln bzw. dem Erwerb die Aufbereitung und Umwandlung der alten Batterien in neues Rohblei. Zusätzlich werden die Kunststoffgehäuse der Batterien recycelt, wobei die gewonnen zu hochwertigen PP-Compounds verarbeitet werden.

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Europaparlamentarierin Jutta Paulus besuchte Ecobat Resources Braubach GmbH | Foto: Sabine Flemming

Ecobat Braubach spielt eine zentrale Rolle in einem geschlossenen Recyclingkreislauf für Bleibatterien, betonte Jutta Paulus. „Die effiziente Koordination von Sammlung, Lieferung, Verteilung und Behandlung der Batterien und Rohstoffe ist entscheidend für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

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Das zurückgewonnene Blei und Polypropylen hat nahezu Primärqualität und wird für diverse industrielle Anwendungen verwendet, vornehmlich in der Automobilindustrie.  Durch die Realisierung von Wertstoffkreisläufen leistet Ecobat Braubach einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und zur Ressourcenschonung.

Jutta Niel ergänzte: „Der Besuch hat uns gezeigt, wie wichtig innovative Recyclinglösungen für die Zukunft unserer Industrie sind. Wir müssen solche Initiativen unterstützen, um die Ziele der Kreislaufwirtschaft zu erreichen.

Der Besuch von Paulus und Niel unterstreicht das Engagement der Grünen für nachhaltige Lösungen und die Förderung von Unternehmen, die Verantwortung für die Umwelt übernehmen (Text: Jutta Niel, Bündnis 90/Die Grünen).

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Koblenz

Junge Union Koblenz: Verbot unangekündigter Tests ist der falsche Weg

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Foto: Junge Union Koblenz
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KOBLENZ Die Junge Union Koblenz, die Nachwuchsorganisation der CDU, kritisiert die Entscheidung der Landesregierung, unangekündigte Tests in Schulen zu verbieten. Aus Sicht der jungen Christdemokraten setzt die Ampel damit ein völlig falsches Signal. „Anstatt die wirklichen Probleme wie Lehrermangel oder den regelmäßigen Unterrichtsausfall anzugehen, beschäftigt sich die Landesregierung mit Nebenschauplätzen, die kurzfristig für Schlagzeilen sorgen“, erklärt der JU-Kreisvorsitzende und CDU-Landtagskandidat Philip Rünz.

Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Problemen wie Lehrermangel und Unterrichtsausfall

Rünz weiter: „Unangekündigte Tests sind ein pädagogisches Instrument, das Lehrkräften hilft, den Leistungsstand ehrlich einzuschätzen. Sie jetzt pauschal zu verbieten, bedeutet weniger Freiheit für Lehrer und weniger Verlässlichkeit in der Leistungsbewertung.“

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Auch Henry Blomenkemper, Schüler und Beisitzer im JU-Kreisvorstand, übt Kritik: „Wir Schülerinnen und Schüler merken jeden Tag, wo es wirklich hakt – wenn Stunden ausfallen oder der Unterricht nur auf Sparflamme läuft. Das Verbot von unangekündigten Tests bringt uns überhaupt nicht weiter.“

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Die Junge Union Koblenz fordert deshalb, endlich die eigentlichen Probleme in den Blick zu nehmen: ausreichend Lehrkräfte und eine verlässliche Unterrichtsversorgung. „Alles andere lenkt nur davon ab, dass unser Bildungssystem an den entscheidenden Stellen Nachholbedarf hat“, so Blomenkemper und Rünz abschließend (PM Junge Union Koblenz).

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Koblenz

Klöckners Koblenz-Auftritt: Meinungsfreiheit als Bühnenbild – und ein Netz aus Geld, Nähe und rechter Medienmacht

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Foto: BEN Kurier
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KOBLENZ Blaskapelle, Oldtimer, 250 Gäste – und eine Bundestagspräsidentin, die ihr Amt inmitten eines politisch aufgeladenen Umfelds verteidigt: Beim „Politischen Sommerempfang“ der Koblenzer CDU am 17. August 2025 trat Julia Klöckner im Innovationszentrum der CompuGroup Medical (CGM) auf. Hausherr ist Frank Gotthardt, Milliardär, CGM-Gründer – und wesentlicher Geldgeber des rechts­populistischen Medienprojekts „Nius“. Der Ort, der Zeitpunkt und die Konstellation sorgten bereits im Vorfeld für deutliche Kritik aus SPD und Grünen – und vor den CGM-Toren für Protest. Klöckner selbst setzte dem den Rahmen „Meinungsfreiheit“ entgegen.

„Vielfalt, nicht Einfalt“ – Klöckners Verteidigung

In ihrer Rede erklärte Klöckner die Kontroverse zur Grundsatzfrage pluraler Debattenkultur: „Was Demokratie ausmacht, ist nicht die Einfalt von Meinungen, sondern die Vielfalt.“ Zugleich relativierte sie die Kritik an „Nius“ – und verglich die Plattform mit der linken taz, was umgehend Widerspruch auslöste.

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Die Bundestagspräsidentin präsentierte ihr Auftreten als Beitrag zur wehrhaften Demokratie, Kritiker sahen darin das Gegenteil: Wer im zweithöchsten Staatsamt bei einem Großspender eines rechts­populistischen Portals auftritt – und dieses in einer Reihe mit einem presse­ratgebundenen Medium nennt – verwische Grenzen politischer Hygiene. Spiegel, Berliner Zeitung, RND und BILDBlog dokumentierten den Konflikt.

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Geld, Medien, Einfluss: Das System Gotthardt

Frank Gotthardt gilt seit Jahren als potenter Förderer konservativer Netzwerke – und als Finanzier von „Nius“ (Mutter: Vius). Recherchen zeigen ein massives Kapitalpolster und hohe Werbeausgaben; intern generierte das Projekt vergleichsweise geringe Abo-Erlöse, was die Abhängigkeit von Mäzenengeldern unterstreicht. Parallel expandierte Vius nach Österreich und übernahm bis zu 75 % am rechtskonservativen Portal exxpress. Beobachter sprachen bereits 2024 vom Versuch, ein „deutsches Fox News“ aufzubauen.

Gotthardt tritt zudem sichtbar politisch in Erscheinung: Laut Bundestags-Mitteilungen spendeten Mitglieder der Familie Gotthardt in 2025 hohe sechsstellige Beträge an CDU und FDP – offizielle Großspenden, die im Register dokumentiert sind.

Koblenz und die CDU: Die Rolle von Josef Oster

Organisiert wurde der Empfang vom CDU-Kreisverband; Kreisvorsitzender und MdB Josef Oster warb im Vorfeld mit dem Austausch „mit Akteuren, die zum wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand unserer Stadt beitragen“. Die CompuGroup-Räume dienen der lokalen Union nicht zum ersten Mal als Bühne – die Nähe ist gewachsen und institutionell. Dass der Gastgeber zugleich der zentrale Mäzen von „Nius“ ist, verleiht Osters Format eine politische Schieflage, die über Koblenz hinausweist.

Oster selbst setzte bei der Begrüßung auf wirtschaftspolitische Akzente und betonte (nach unserer Aufzeichnung) den Wert unternehmerischer Stärke für den Wohlstand der Stadt. Genau diese Verzahnung von Politikformaten und einem mächtigen Medien-/IT-Ökosystem macht die Koblenzer Konstellation erklärungsbedürftig – zumal die Bundestagspräsidentin dort die Deutungshoheit über Meinungsfreiheit reklamiert.

Protest vor den Toren – klare Worte der Linken und großes Zeichen von Oberbürgermeister Langner

Vor dem Gelände formierte sich eine Mahnwache. Oliver Antpöhler-Zwirnick (Die Linke Koblenz, Stadtrat) kritisierte: „Klöckner hausiert hier bei der CompuGroup mit Gotthardt, dem milliardenschweren Mann hinter dem rechtspopulistischen Netzwerk ‚Nius‘. Das ist ihres Amtes unwürdig. Wir fordern: Treten Sie zurück – jetzt.“

Loriana Metzger (Die Linke, Stadträtin) erklärte: „Zynisch, wenn Frau Klöckner hier über Demokratie spricht – auf dem Gelände eines rechten Netzwerkers.“

Ann-Kathrin Brings (Die Linke Rhein-Lahn) ergänzte: „Als Bundestagspräsidentin sollte man neutral sein. Mit dem Besuch bei ‚Nius‘-Finanzier Gotthardt bietet sie Rechten noch mehr Bühne.“

Zugleich erhob Antpöhler-Zwirnick den Vorwurf, die Kulturfabrik Koblenz habe eine Großspende Gotthardts „an die Bedingung, nicht mehr zu gendern“ geknüpft, angenommen. Diesen Punkt konnten wir bislang nicht unabhängig verifizieren; eine Stellungnahme der Kulturfabrik wäre zwingend.

*Ralph Fischer, Geschäftsführer der Kulturfabrik, weist Vorwürfe der Linken Koblenz zurück: Die KUFA wurde mit keiner Geldzuwendung von Herrn Gotthardt bedacht.

*Anm.: Der Geschäftsführer der KUFA GmbH, Ralph Fischer teilte am 19.08 schriftlich wie folgt mit: „Ich stelle hiermit klar, dass weder die KUFA GmbH (als GMBH dürfen wir überhaupt keine Spenden annehmen), noch der „Förderverein der KUFA“ mit einer Geldzuwendung des Herrn Frank Gotthardt bedacht wurden. Ganz abgesehen davon, würden wir eine Zuwendung mit einer politischen oder gesellschaftlich relevanten Auflage ablehnen.

Während vor den Toren protestiert wurde, gab es in den „heiligen“ CompuGroup-Hallen ein leises, aber unübersehbares Zeichen: Direkt neben Bundestagspräsidentin Klöckner trug Koblenz’ Oberbürgermeister David Langner regenbogenfarbene Socken – ein stilles Bekenntnis zu Meinungsfreiheit und Vielfalt.

Vor den Toren der CompuGroup forderten Demosntranten den Rücktritt der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner

„Nius“: Lizenzen, Kampagnen – und der Rechtsruck-Diskurs

„Nius“ verfügt seit September 2024 über eine bundesweite TV-Zulassung; auch „Nius – das Radio“ erhielt Genehmigungen. Die formalen Hürden hierfür sind in Deutschland gering – die Debatte entzündet sich daher nicht an der Zulassung, sondern an Inhalten: Medienbeobachter attestieren „Nius“ Kampagnenjournalismus, Fehlinformationen und gezielte Zuspitzung. Mehrfach gab es Beanstandungen und öffentliche Rügen.

Gerade weil die Union bundesweit über die „Brandmauer nach rechts“ ringt, bekommt Klöckners taz–Nius-Gleichsetzung besonderes Gewicht. Der Koalitionspartner SPD sprach von einem Ausfall im Amt, Kommentatoren sehen Klöckners Auftritt als Schaden für die Autorität der Bundestagspräsidentin.

Der Spahn-Strang: Politik und Profiteure

Recherchen von CORRECTIV zeichnen darüber hinaus einen Schnittmengen-Korridor zwischen Gesundheitspolitik, CGM-Geschäft und dem von Gotthardt finanzierten Medienkosmos: Von der Telematikinfrastruktur bis zu Konnektor-Themen profitierte CGM politisch regulativ; parallel baute „Nius“ seine Reichweite und Werbemittel aus. Der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn weist Vorwürfe der Einflussnahme zurück; die Datenlage zeigt jedoch signifikante Finanz- und Wachstumsbewegungen im Umfeld der beteiligten Akteure.

Einordnung

Der Koblenzer Nachmittag war keine harmlose Parteisause. Er legte offen, wie staatliche Repräsentation, Parteiorganisation und kapitalstarke Medienmacht in Rheinland-Pfalz zusammenwirken – und wie eine rechts­konservative Plattform davon politisch geadelt wird.

  • Klöckner wählte das hohe Dach „Meinungsfreiheit“, relativierte dabei aber die Unterschiede zwischen einem kontrollierten Presseorgan und einem kampagnengetriebenen Portal. Das schadet dem Amt, sagen Kritiker – nicht, weil Debatte verboten wäre, sondern weil Haltungs­neutralität in diesem Amt gelebte Distanz bedeutet.

  • Josef Oster trägt als Veranstalter politische Verantwortung für die Bühnenwahl. Wer bei einem „Nius“-Mäzen feiert, ohne die politische Sprengkraft des Ortes klar zu adressieren, normalisiert diese Allianz – und sendet ein Signal über die politische Tektonik in der Union.

  • Frank Gotthardt demonstriert, wie Großspenden und Medieninvestments ineinandergreifen können: Parteifinanzierung hier, Millionen-Projekt „Nius“ dort – ergänzt um Österreich-Beteiligungen. Das ist legal, aber hochpolitisch.

Fazit: In Koblenz wurde nicht bloß über Meinungsfreiheit gesprochen – Meinungs-Macht wurde inszeniert. Wer sie wo und mit welchem Geld organisiert, ist Teil der Geschichte. Und diese Geschichte ist – weit über Koblenz hinaus – erklärungsbedürftig (dk).

Oberbürgermeister David Langner trug neben Klöckner Regenbogen-Socken – ein unübersehbares Signal für Meinungsfreiheit und Vielfalt.
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