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Lahnstein

Pfarrzentrum Lahnstein: Demokratischer Beschluss spaltet politische Lager

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Pfarrzentrum Lahnstein
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LAHNSTEIN Die Diskussion um die Zukunft des katholischen Pfarrzentrums am Europaplatz sorgt in Lahnstein weiterhin für hitzige Debatten. Während der Stadtrat in einer nicht-öffentlichen Sitzung mehrheitlich für den Ankauf des Gebäudes gestimmt hat, wurde die Frage der Nutzung zu einem zentralen Streitpunkt. Eine Mehrheit aus CDU, Grünen, FBL und FDP sprach sich klar gegen die von der ULL und SPD favorisierte Lösung eines Familienzentrums aus und entschied sich für eine ausschließliche Nutzung als Kindertagesstätte.

Diese Entscheidung, die auf den finanziellen Rahmenbedingungen der Stadt basiert, wird von der ULL scharf kritisiert. Gleichzeitig werfen Vertreter der Ratsmehrheit der ULL eine problematische Vorgehensweise vor, da Informationen aus der nicht-öffentlichen Sitzung Grundlage einer Demonstration wurden.

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Demonstration: Wenig Resonanz trotz intensiver Werbung

Die Unabhängige Liste Lahnstein (ULL) rief am vergangenen Donnerstag zu einer Demonstration vor dem Pfarrzentrum auf, um gegen die Entscheidung zu protestieren. In sozialen Medien wurde die Veranstaltung beworben und eine Teilnehmerzahl von rund 50 Personen angekündigt. Tatsächlich erschienen jedoch lediglich 32 Menschen – ein deutliches Zeichen für das geringe Interesse der Bevölkerung an diesem Thema.

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Die ULL kritisierte, dass die Entscheidung gegen ein Familienzentrum Jugendgruppen, Vereinen und der Tafel ihre Räumlichkeiten entziehe. Der Oberbürgermeister und ULL-Mitglied Lennart Siefert warf der Ratsmehrheit vor, sich einer generationenübergreifenden Nutzung des Gebäudes zu verschließen.

Finanzielle Zwänge dominieren die Debatte

Ein zentrales Argument der Ratsmehrheit gegen ein Familienzentrum sind die finanziellen Zwänge der Stadt. Mit einer geplanten Grundsteuer B von 990 Punkten wird Lahnstein ab 2025 die höchste Grundsteuer in Rheinland-Pfalz erheben. Diese Maßnahme zeigt, wie angespannt die finanzielle Lage ist.

Jutta Niel von den Grünen erklärte dazu:

„Die Kindertagesbetreuung ist eine kommunale Pflichtaufgabe und genießt daher oberste Priorität. Wir bekommen vom Land 12.000 Euro pro neu geschaffenem Kita-Platz und vom Kreis 40 % der Umbau- oder Neubaukosten. Diese maximale Förderung ist jedoch an eine ausschließliche Nutzung als Kindertagesstätte gebunden. Ein Familienzentrum würde nur geringere Fördermittel erhalten.“

Sie betonte, dass die Stadt Lahnstein keine Wahl habe, wenn sie die finanziellen Mittel für den dringend benötigten Ausbau der Kinderbetreuung sichern wolle. Ein gemischtes Nutzungskonzept würde die Fördergelder deutlich reduzieren und die Haushaltslage weiter verschärfen.

Ein weiterer Vorteil der reinen Kita-Lösung sei die Möglichkeit, inklusive und bedarfsgerechte Betreuung anzubieten. Durch die größere Anzahl an Gruppen könnten flexiblere Öffnungszeiten realisiert und Kinder mit Förderbedarf besser integriert werden.

Kritik an Vorgehen der ULL

Die Nutzung vertraulicher Informationen aus der nicht-öffentlichen Sitzung als Grundlage für die Demonstration sorgt ebenfalls für Diskussionen. Günter Groß von der CDU äußerte dazu:

„Wir haben in einer demokratischen Abstimmung entschieden, das Pfarrzentrum ausschließlich als Kita zu nutzen. Der Versuch, uns als Gegner der Vereine darzustellen, ist reine Stimmungsmache. Dass die ULL zudem Informationen aus einer nicht-öffentlichen Sitzung nutzt, ist nicht nur fragwürdig, sondern auch unverantwortlich.“

Er betonte, dass der Ankauf der Immobilie lediglich der erste Schritt sei. Nach dem Kauf müsse zunächst geprüft werden, ob ein Umbau oder ein Neubau notwendig sei. Bis dahin bleibe die aktuelle Nutzung durch Vereine und soziale Gruppen bestehen.

Position der SPD: Planung offenhalten

Jochen Sachsenhäuser von der SPD stellte klar, dass sich seine Fraktion nicht an der Demonstration beteiligt habe.

„Die SPD respektiert den demokratischen Beschluss des Rates, auch wenn wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass die bisherige Nutzungsmöglichkeit des Pfarrzentrums für Vereine und soziale Gruppen erhalten bleibt.“

Sachsenhäuser betonte, dass die Planung ergebnisoffen gestaltet werden solle. Eine vorzeitige Festlegung auf eine ausschließliche Kita-Nutzung sei nicht zielführend, da sie mögliche Kompromisse und Anpassungen an die förderrechtlichen Gegebenheiten erschwere.

Mehrheit sieht Familienzentrum kritisch

Die Mehrheitsfraktionen betonten, dass ein Familienzentrum keine zwingende Notwendigkeit sei, da ähnliche Angebote bereits durch das Jugend- und Kulturzentrum (JUKZ) in der Wilhelmstraße abgedeckt würden. Jutta Niel führte aus:

„Die Forderung nach einem Familienzentrum ignoriert, dass wir mit dem JUKZ bereits ein vergleichbares Angebot in Lahnstein haben. Unsere Priorität muss darauf liegen, die gesetzlichen Anforderungen an die Kinderbetreuung zu erfüllen und die maximale Förderung auszuschöpfen.“

Günter Groß unterstützte diese Position:

„Die CDU steht zu ihrem Wahlversprechen, Kita-Plätze zu schaffen – ohne Wenn und Aber. Ein Familienzentrum würde die finanziellen Spielräume der Stadt überstrapazieren und wäre daher unverantwortlich.“

Zukunft des Pfarrzentrums: Viele Fragen bleiben offen

Die Machbarkeitsstudie zur weiteren Nutzung des Pfarrzentrums steht noch aus. Klar ist jedoch, dass die finanziellen Rahmenbedingungen und die Fördermöglichkeiten der entscheidende Faktor für die Umsetzung der Pläne sein werden.

Die Debatte um das Pfarrzentrum zeigt exemplarisch die Herausforderungen, vor denen Kommunalpolitiker in Zeiten knapper Kassen stehen. Der Konflikt verdeutlicht auch die Spannungen zwischen unterschiedlichen politischen Lagern und deren Prioritäten.

Fazit

Mit der Entscheidung für eine ausschließliche Kita-Nutzung hat sich die Ratsmehrheit aus CDU, Grünen, FBL und FDP klar positioniert. Die finanziellen Zwänge und die gesetzlichen Anforderungen lassen aus ihrer Sicht keinen Spielraum für eine gemischte Nutzung. Die ULL und SPD setzen hingegen weiterhin auf eine ergebnisoffene Planung und den Erhalt der bisherigen Nutzungsmöglichkeiten.

Die geringe Beteiligung an der Demonstration zeigt jedoch, dass dieses Thema in der Bevölkerung weniger polarisiert als in der Kommunalpolitik. Ob der Streit um das Pfarrzentrum langfristige Auswirkungen auf die politische Landschaft in Lahnstein haben wird, bleibt abzuwarten.


Komplette Stellungnahme von Günter Groß | CDU

Bereits im Oktober haben CDU und SPD auf den möglichen Kauf des Gebäudekomplexes „Pfarrzentrum“ reagiert (siehe RLZ vom 03.10.2024: „Kitaengpass in Lahnstein: Pfarrzentrum eine Lösung?“ – Rhein-Lahn-Zeitung) und das „Pfarrzentrum als eine potenzielle Möglichkeit gesehen, dem Engpass an Kitaplätzen zu begegnen“.

Im Rahmen der Haushaltsberatungen hat OB Siefert den Betrag von 935 T€ zum Kauf des Pfarrzentrums in der öffentlichen Sitzung des Stadtrates am 14.11.2024 angekündigt.
Wir – die CDU – stehen zu unserem Wort. Wir stehen zur Schaffung von Kitaplätzen: ohne Wenn und Aber! Das haben wir vor der Wahl gesagt und sagen es auch danach. Wir müssen vor Ort den Gesetzesanspruch umsetzen, auch wenn wir vom Gesetzgeber nicht die nötigen finanziellen Mittel dafür erhalten. Um aber eine Kita in einem bestehenden Gebäude einzurichten oder an dieser Stelle neu zu bauen, bedarf es der klaren Aussage gegenüber dem Fördergeber, was wir vorhaben. Schließlich wollen wir Fördergelder erhalten. Und wenn wir die für eine Kita haben wollen, können wir nicht von vornherein ein Mehrgenerationenhaus – möglichst mit integriertem JUKZ – planen. Außerdem besteht ein klarer Ratsbeschluss zum Erhalt und Verbleib des Jugend- und Kulturzentrums.

Der Versuch, ausgerechnet uns – wir sind die Partei der Vereine – vorwerfen zu wollen, wir wollten Vereine aus dem Pfarrzentrum vertreiben, muss eigentlich nicht kommentiert werden. Für uns ist das Populismus pur – und der Aufruf zur Demo passt da leider ins Bild. Im Übrigen müssen wir ja die Reihenfolge einhalten. Zunächst muss die Immobilie erworben werden, dann können wir schauen, was dort überhaupt machbar ist (Sanierung oder Neubau), und bevor nicht all das erledigt ist, können auch noch keine Kinder dort einziehen. Und bis dahin muss sich am jetzigen Zustand und der aktuellen Nutzung nichts ändern. Oder will der Verwaltungschef jegliche Nutzung mit dem Eigentumsübergang untersagen? Wir wollen das nicht.

Komplette Stellungnahme von Jutta Niel | Die Grünen

Die Kindertagesbetreuung ist eine kommunale Selbstverwaltungsaufgabe und Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Für die Finanzierung sind Land, Landkreise und Kommunen zuständig.
Vom Land erhalten wir z. B. 12.000 € pro neu geschaffenem Kitaplatz, vom Kreis 40 % der Umbau- oder Neubaukosten nach der neuen Bau- und Förderrichtlinie des Rhein-Lahn-Kreises vom 13.05.2024. In dieser Richtlinie wird auch Unterstützung beim Kauf einer Immobilie zur Kitanutzung unter dem Absatz 2.1.2 „Erweiterte Tatbestände“ aufgeführt.
Es wäre hilfreich, wenn alle Ratsmitglieder sich diese Richtlinien durchlesen, bevor sie falsche Rückschlüsse ziehen und Behauptungen aufstellen.
Link zur Richtlinie

Fakt ist, wir bekommen maximale Förderung, wenn wir uns ausschließlich der verpflichtenden Aufgabe der Kitanutzung stellen. Diese maximale Förderung ist für eine verschuldete Kommune, wie es Lahnstein nun mal leider ist, immanent wichtig, um die notwendigen Kitaplätze zu schaffen.
Ein Umbau des Pfarrzentrums zur Großkita hat viele Vorteile. Wir könnten mehr Gruppen bilden. Viele Gruppen bedeuten in der Umsetzung eine Garantie für flexible und gesicherte Öffnungszeiten, da der Vertretungsbedarf bei Krankheitsausfall eher geregelt werden kann. Außerdem besteht die Möglichkeit der Binnendifferenzierung bei Bildung von Förder- und Interessensgruppen, was eine inklusive, bedarfsgerechte Betreuung ermöglicht.Therapeutische Angebote können in Kooperation mit Physio-, Ergo- und Logopädiepraxen im Tagesverlauf wahrgenommen werden und müssen nicht nach Feierabend mit müden Kindern aufgesucht werden.

Das entlastet Eltern und Kinder. Entwicklungsverzögerungen können direkt angegangen werden.
Ich würde mich freuen, wenn die Diskussion über die Umsetzung des Kitazukunftsgesetzes endlich sachlich geführt würde. Da der Kindergarten der Lebenshilfe in Singhofen weggefallen ist und Kinder mit Förderbedarf jetzt auch in die Regelkitas kommen, müssen diese Kitas anders ausgestattet sein. Diese Bedingungen könnten in einer Immobilie wie dem Pfarrzentrum geschaffen werden.

Das Prozedere der Umsetzung seitens der Stadt ist folgendermaßen geplant: Zunächst soll die Kita Kastanienplatz saniert werden. Dazu will die Stadt Container kaufen und aufstellen, in die die Kinder während der Sanierungsarbeiten ziehen. Die Kita wird dann vergrößert und bekommt ein neues Dach, das unbedingt erneuert werden muss. Ist dies abgeschlossen (und wir wissen, wie lange Baumaßnahmen dauern können, wenn man sich nur die Sanierung der Goethe-Schule oder jetzt die des historischen Rathauses anschaut), ziehen die Kinder des Kastanienplatzes wieder in ihre angestammte Kita und die Kinder der katholischen Kita St. Martin/Europaplatz kommen in die leeren „Kitacontainer“.

In dem Moment beginnen erst die Umbau- oder Neubaumaßnahmen im und am Pfarrzentrum, je nach Ergebnis der Machbarkeitsstudie. Klar ist, dass mit dem Auszug der Kinder aus dem Europaplatz und dem Beginn der Umbau- oder Abrissarbeiten Pfadfinder und Tafel (das sind die beiden Gruppen, die wirklich regelmäßig in den Räumen sind) andere Räumlichkeiten brauchen werden, und das sicher für den Zeitraum von über einem Jahr und mehr, wenn man die Baufortschritte anderer Bauten in der Stadt der vergangenen Jahre und jetzt mit den begleitenden Krisen objektiv betrachtet. Da kann man auch endgültig nach guten alternativen Standorten suchen. Ausweichmöglichkeiten gibt es noch in städtischer und kirchlicher Trägerschaft.

Gleichzeitig sehe ich die vor uns stehenden Haushaltsberatungen, wo wir über einen Haushaltsplan mit einem Grundsteuerhebesatz von 990 Punkten, also fast einer Verdopplung, entscheiden sollen. Die Kirche muss wegen Kirchenaustritten und mangelnden Kirchensteuereinnahmen ihre Immobilien veräußern und ihr in Lahnstein noch sicher geglaubtes soziales Netz fängt an zu bröckeln. Letztlich ist es auch ein Beispiel, dass die Kommune jetzt Dinge auffangen muss, die zuvor die Kirche geleistet hat.
Ich frage mich als Kommunalpolitikerin, wie viel Steuerlast darf ich dem Bürger in Lahnstein zumuten? Muss ich nicht bei fehlenden Kitaplätzen, die ich schaffen will und muss, mich für die Variante entscheiden, die die maximale Förderung ermöglicht?
Brauche ich ein zusätzliches Familienzentrum oder ein Mehrzweckhaus, wenn genau dieser Anspruch schon durch das JUKZ in der Wilhelmstraße geleistet wird und es dazu einen verbindlichen Ratsbeschluss gibt? Ich meine, nein!

Inwieweit der in nicht öffentlicher Ratssitzung gefasste Beschluss des Ankaufs der Immobilie sofort alle andere Nutzung außer Kitanutzung untersagt, bedarf vertraglicher Absprachen mit der Kirche und mit der Kreisverwaltung bezüglich Förderung beim Kauf, in Anbetracht der Tatsache, dass man erst in 2 Jahren (nach Fertigstellung der Kita Kastanienplatz) den Umbau oder auch Neubau in Angriff nehmen wird. Da besteht Klärungsbedarf.

Nicht zielführend ist eine breite Stimmungsmache dazu in der Stadt. Der Rat trifft in seinen Sitzungen Entscheidungen, die auf einer Vielzahl von Informationen und Interessen basieren. Die Wahrung der Vertraulichkeit in bestimmten Angelegenheiten kann notwendig sein, um die Integrität und die objektive Beurteilung der Themen zu gewährleisten. Transparenz ist wichtig, doch muss sie auch im richtigen Kontext angewendet werden und dann auch mit der Angabe aller Meinungen zur Sachlage.
Die Behauptung, dass andere Parteien nicht die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertreten, ist nicht nur unbegründet, sondern gefährdet auch den konstruktiven Dialog. In einem demokratischen Prozess ist es unvermeidlich, dass unterschiedliche Perspektiven und Meinungen aufeinandertreffen. Es ist die Aufgabe des Rates, diese vielfältigen Stimmen zu hören und in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen. Da kann es auch vorkommen, dass man überstimmt wird, aber das ist gelebte Demokratie.

Um im Dialog zu bleiben, würde ich außerdem den Kontakt zu den betroffenen Gruppen suchen. Das habe ich bei zwei Gruppen, die auf dem Protestaufruf der ULL standen, getan. Beide haben sich von dem Aufruf distanziert und die Unabhängige Liste gebeten, ihre Namen vom Aufruf zu streichen. Das erfolgte nicht. Ich frage mich daher, welche Ziele die ULL verfolgt. Sie wirken auf mich eher polarisierend als lösungsorientiert

.
Zum Schluss möchte ich noch auf ein Argument der SPD in Posts im sozialen Netz eingehen, die da versichern, dass auch eine Mehrzwecklösung staatliche Förderung erhält. Das ist korrekt. Familienzentren werden gefördert. Diese Förderung ist aber deutlich geringer. Im Falle des Kaufs dieser Immobilie mit dem Ziel einer Mehrzwecknutzung könnte man dann eine Doppelförderung beantragen, bei der die Mehrzweckräume anteilmäßig aus der Kitaförderung rausgerechnet würden. Insgesamt wäre das dann aber deutlich weniger Förderung, und braucht es das, wenn es das JUKZ in der Wilhelmstraße schon gibt?

Komplette Stellungnahme Jochen Sachsenhauser | SPD

Wir haben uns nicht an der Aktion der ULL beteiligt, weil eine Demo nicht unser Politikstil ist. Wir akzeptieren die Mehrheitsentscheidungen. Wir wollen die Planung zum Europlatz aber wieder in den Rat einbringen. Einen Austausch mit den betroffenen Institutionen, insbesondere den Vereinen und der Tafel, halten wir für sinnvoll.

Wir wollen an dem Standort die bisherigen Nutzungsmöglichkeiten erhalten. Die SPD Lahnstein achtet sehr genau auf die Vorschriften zur Vertraulichkeit von nicht öffentlichen Beratungspunkten. Deshalb darf auch keine Stellungnahme zu Beratungsgegenständen und Anträgen anderer Fraktionen in nicht öffentlichen Sitzungen gegeben werden.

Unabhängig von der letzten Ratssitzung befürwortet die SPD-Fraktion den Ankauf des kath. Pfarrzentrums am Europaplatz. Die Planung zur Sanierung und Umbau oder Neubau sollte nach dem Kauf durch die Stadt Lahnstein aus Sicht der SPD so bald wie möglich und ergebnisoffen beginnen.

Für die SPD ist es wichtig, dass neben einer möglichst großen Kindertagesstätte auch weiterhin ein Mehrzweckraum und Nutzungsmöglichkeiten für Veranstaltungen von Lahnsteiner Vereinen, der Kirche, der Tafel, Jugendgruppen oder der Stadt bereitgestellt werden können. Den Brauchtum, die Vereine und das soziale Miteinander haben bei der SPD Lahnstein einen hohen Stellenwert, der anscheinend nicht von allen Ratsfraktionen so gesehen wird.

Im Planungsverfahren ist der Stadtrat jederzeit Herr des Verfahrens und hat alle Möglichkeiten zur Gestaltung. Auch kann die Planung im Planungsverfahren an förderrechtliche Gegebenheiten angepasst werden. Eine Nutzungsbeschränkung vor Beginn der Planung ist daher aus Sicht der SPD auf keinen Fall zielführend.

Komplette Stellungnahme Unabhängie Liste Lahnstein | Michael Buch

Tja, da haben CDU, FBL, Grüne und FDP einen richtigen Bock geschossen und versuchen nun mit wilden Beschimpfungen auf die Unabhängige Liste von ihrem eigenen Versagen abzulenken. Aber der Reihe nach:

  • Wir brauchen in Lahnstein dringend zusätzliche Kita-Plätze. In bestehenden Kitas haben die Träger noch einigen Erweiterungen zugestimmt, aber damit ist dieses Potential ausgeschöpft und es bleibt immer noch ein Bedarf von etwa 85 zusätzlichen Plätzen (zusätzlich zu den 133  Plätzen, die noch nicht den Anforderungen des Kita-Gesetzes entsprechen). Es gibt bislang neben dem Ankauf des Pfarrzentrums in der politischen Diskussion keine tragfähigen Ideen, wo die nötige Zahl von Plätzen anderswo zeitnah geschaffen werden kann. Ich habe daher als Vertreter der ULL im Sozialausschuss – und meine eigene Stellungnahme darf ich wiedergeben – ausdrücklich dafür geworben, die Diskussion über den Ankauf des Pfarrzentrums nicht mit der Diskussion um den besten Standort für das JuKZ zu verquicken. Denn die Schaffung der Kitaplätze sollte absolute Priorität haben und die Verquickung mit dem Standort des JUKZ gefährdet dies, wie sich nun in aller Deutlichkeit zeigt.
  • Im Ergebnis wollten CDU, FBL, Grüne und FDP einem solchen Ansatz nicht folgen und haben beschlossen, dass das Pfarrzentrum nach dem Erwerb „ausschließlich“ für Zwecke einer Kindertagesstätte genutzt werden darf. Dem Oberbürgermeister vorzuwerfen, er wolle nach dem Kauf die Nutzung durch Vereine untersagen und die CDU wolle das nicht – das verkehrt die Fakten in ihr Gegenteil!
  • In der öffentlichen Sitzung des Sozialausschusses heute (03.12.2025) hat der Oberbürgermeister mitgeteilt, dass die Pfarrgemeinde einen Verkauf des Pfarrzentrums an die Stadt auf der Grundlage des Ratsbeschlusses vom 14.11.2024 ablehnt. Mit anderen Worten: die Schaffung der dringend benötigten Kita-Plätze droht zu scheitern, weil für CDU, FBL, Grüne und FDP die Priorität eben nicht die Schaffung der Kita-Plätze ist, sondern das Verhindern jeder Diskussion darüber, ob auf Dauer der Europaplatz nicht doch der bessere Standort für das JuKZ sein könnte. Wie gesagt, die ULL wollte diese beiden Themen ausdrücklich nicht vermischen.
  • Zum Abschluss eine Anmerkung zu der von CDU, FBL, Grünen und FDP immer wieder als Argument vorgetragenen Thematik der Zuschüsse: Zutreffend ist, dass es „Kita-Zuschüsse“ nur für Kitas gibt. Soweit das Pfarrzentrum teilweise als Mehrgenerationenhaus, für Vereinsräume u.ä. genutzt würde, würde es dafür ggf. andere Zuschüsse geben, die aber – insoweit ebenfalls zutreffend – geringer sind als die Förderung für Kita-Plätze.
    Eine ehrliche Diskussion müsste aber die Kosten für eine Mischnutzung des Europaplatzes vergleichen mit den Kosten für eine ausschließliche Kita-Nutzung zuzüglich der Kosten für eine gleichwertige Sanierung des derzeit vom JuKZ genutzten Gebäudes in der Wilhelmstraße. Denn das ist in einem maroden Zustand und bedarf für eine dauerhafte Weiternutzung erheblicher Investitionen. Und die werden aus denselben Töpfen und mit demselben Umfang gefördert wie nicht für eine Kita genutzte Räumlichkeiten am Europaplatz. Erst wenn die beiden „Komplettpakete“ verglichen werden, kommt ein realistisches Ergebnis dabei heraus.

 

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Zum Jahreswechsel: Danke für Vertrauen, Hinweise und Kritik

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RHEIN-LAHN Mit dem Übergang von 2025 zu 2026 endet für den BEN Kurier ein weiteres intensives Jahr regionaler Berichterstattung. Ein Jahr mit vielen Themen, Gesprächen, Recherchen und Geschichten aus unserer Heimat – getragen vor allem von den Menschen, die diese Region ausmachen.

Journalismus lebt vom Vertrauen der Leserinnen und Leser. Vom offenen Hinweis, von der kritischen Nachfrage, vom Widerspruch ebenso wie von der Zustimmung. Auch im vergangenen Jahr haben uns zahlreiche Hinweise erreicht, viele davon aus der Mitte der Gesellschaft. Sie haben Themen angestoßen, Missstände sichtbar gemacht, Entwicklungen begleitet und Diskussionen ermöglicht. Dafür sagen wir ausdrücklich Danke.

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Der BEN Kurier versteht sich als unabhängiges regionales Medium. Unser Anspruch ist es, sachlich zu berichten, kritisch nachzufragen und Entwicklungen transparent darzustellen, unabhängig von parteipolitischen oder persönlichen Interessen. Gerade auf kommunaler Ebene ist dies nicht immer bequem, aber notwendig. Demokratie lebt von Öffentlichkeit, und Öffentlichkeit braucht verlässliche Informationen.

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2025 war zugleich ein Jahr, das gezeigt hat, wie wichtig lokaler Journalismus weiterhin ist. Entscheidungen vor Ort, gesellschaftliche Debatten, ehrenamtliches Engagement, wirtschaftliche Herausforderungen und persönliche Schicksale, all das findet nicht abstrakt statt, sondern direkt vor unserer Haustür. Diese Nähe verpflichtet zu Sorgfalt, Verantwortung und Fairness.

Zum Jahreswechsel blicken wir mit Dankbarkeit auf das Erreichte und mit Verantwortung auf das Kommende. Auch 2026 wird der BEN Kurier aufmerksam hinschauen, zuhören und berichten. Nicht lauter als nötig, aber klar. Nicht gefällig, sondern verlässlich. Wir danken allen Leserinnen und Lesern für ihr Vertrauen, ihre Unterstützung und ihre kritische Begleitung.
Der BEN Kurier wünscht einen guten und sicheren Start ins Jahr 2026.

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Lahnsteiner Winterzauber begeisterte in der Adventszeit Fünf Wochenenden voller Weihnachtsstimmung

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Foto: Aleksandra Szukala
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LAHNSTEIN Lahnstein hat in diesem Advent eindrucksvoll gezeigt, wie stimmungsvoll die Stadt leuchten kann. An fünf Wochenenden verwandelte sie sich in eine lebendige Winterwelt, die Menschen aus der Region wie aus der Nachbarschaft zusammenbrachte und mit warmem Licht, liebevoll dekorierten Plätzen und einer Fülle regionaler Kreativität begeisterte.

Der Winterzauber führte durch verschiedene Stadtteile und zeigte überall sein eigenes Gesicht: Mal durch romantisch geschmückte Höfe und kleine Gassen, mal durch historische Plätze, an denen Kunsthandwerk, kulinarische Leckereien und weihnachtliche Musik eine besonders heimelige Atmosphäre schufen. Kunsthandwerker aus der Region, Vereine, Initiativen und engagierte Bürgerinnen und Bürger machten jedes Wochenende zu einem kleinen Fest für alle Sinne.

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Ob handgefertigte Geschenkideen, selbstgebackene Waffeln, traditionelle Spezialitäten oder kreative nachhaltige Produkte – der Winterzauber bot vielerorts liebevoll ausgewählte Angebote. Familien konnten sich über stimmungsvolle Kinderprogramme freuen, gemeinsames Weihnachtssingen sorgte für besondere Momente und sogar der Nikolaus ließ es sich nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen.

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Den Abschluss bildete der Wintermarkt am Theater, der mit winterlichen Getränken, herzhaften wie süßen Speisen und kleinen Verkaufsständen einen stimmungsvollen Ausklang der Marktwochen schuf.

Die Wochenenden in Lahnstein luden auch zu einer besonderen Mitmachaktion ein: dem Schlemmerstempelpass. Für jede verköstigte Spezialität erhielten die Besucher einen Stempel. Ist der Pass vollständig gefüllt, konnte er direkt an den Verkaufsständen abgegeben oder in den vorgesehenen Lostopf eingeworfen werden. Damit haben alle Teilnehmer die Chance auf attraktive Gewinne, wie Ticktes für verschiedene Veranstaltungen in Lahnstein, Restaurantbesuche oder Sachpreise wie einen Schlitten und eine Kaffeemaschine. Alle Gewinner werden persönlich informiert.

Der Winterzauber 2025 hat gezeigt, wie lebendig und herzlich unsere Stadt ist. Überall war zu spüren, wie Menschen miteinander ins Gespräch kommen und diese besondere Zeit des Jahres gemeinsam genießen. Ein toller Auftakt in die Weihnachtszeit, der sicher noch lange nachklingen wird“, freut sich Oberbürgermeister Lennart Siefert über die besondere Adventszeit in Lahnstein.

Der Nikolausmarkt lockte viele Besucher auf den Salhofplatz | Foto: Aleksandra Szukala

Wer die winterliche Atmosphäre auch nach den Adventswochenenden genießen möchte, hat dazu noch Gelegenheit: Der Krippenweg am Allerheiligenberg lädt bis zum 7. Januar zu besinnlichen Spaziergängen ein und verlängert so die festliche Stimmung über die Feiertage hinaus (pm Stadt Lahnstein).

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Vor 50 Jahren starb der Lahsteiner Willi Weiler als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus

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Foto: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein
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LAHNSTEIN Weniger bekannt ist, dass er als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus zu den ersten politischen Gefangenen gehörte und bereits 1933 für ein halbes Jahr inhaftiert, gequält und gefoltert wurde. 1949 schrieb er die Broschüre „Meine Erlebnisse im KZ-Lager Kemna. Wuppertaler Lager der S.A.“.  „Diese Schrift“, so schreibt er, „soll allen aufrechten Menschen eine Warnung sein, die Augen aufzuhalten, damit niemals mehr durch eine Diktatur die Freiheit geschunden und das Recht gebrochen wird.“ Seine Dokumentation wurde 1998 in einer Neuauflage einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und ist im Stadtarchiv Lahnstein ausleihbar.

Geboren wurde Willi Weiler am 22. Mai 1905 in Kamp-Bornhofen. Er wurde Schiffsjunge, dann Matrose auf verschiedenen Rheinschiffen und erlangte 1929 das Rheinschifferpatent. Durch sein Elternhaus sozialistisch geprägt, wurde er bereits 1919 Mitglied der Gewerkschaft. Er beteiligte sich an Streiks im Ruhrgebiet, schloss sich Antifaschisten an und geriet bald ins Visier der aufkommenden Nationalsozialisten.

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Nach der Machtergreifung wurde nach ihm gefahndet. Als er sich bei der Polizei meldete, kam er ins Stadtgefängnis Duisburg. Hier begann am 12. Mai 1933 sein Martyrium, dem Anfang September die Verlegung nach Kemna folgte. In einer leerstehenden Fabrik wurden von Juli 1933 bis zum Januar 1934 in der Mehrzahl kommunistische und sozialdemokratische Gegner des Hitler-Regimes aus Wuppertal, dem übrigen Bergischen Land sowie aus weiteren Städten und Regionen im Regierungsbezirk Düsseldorf inhaftiert. Was Willi Weiler und seine Leidensgenossen hier über sich ergehen lassen mussten, geht unter die Haut. Am 20. November 1933 wurde er aus dem Lager entlassen.

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Willi Weiler musste schriftlich erklären, dass er „jede staatsfeindliche politische Betätigung, insbesondere jede Beteiligung an hoch- und landesverräterischen Umtrieben“ zu unterlassen habe. Weiler zog es vor, sich zunächst nach Holland abzusetzen. Ein holländischer Schiffsführer nahm ihn von Duisburg in seinem Maschinenraum mit. Später kehrte er nach Deutschland zurück. Er arbeitete bei der Deutschen Reichsbahn Oberlahnstein und wurde von hier als Fahrbereitschaftsleiter nach Le Mans im deutschbesetzten Frankreich versetzt. Als die Amerikaner vor Le Mans standen, setzte er sich mit drei Kameraden bis zur Grenze ab. Der Fußmarsch führt sie nach Wuppertal, wo er von einem Freund erfuhr, das nach ihm gefahndet wird, weil er „sich böswillig von der Truppe entfernt habe.“ Er beschloss, vorsichtig zu sein und daher nicht sofort nach Hause, sondern wegen seiner Gefäßerkrankung nach Bad Ems zu gehen. Dort hörte er von einem Geheimlazarett des Hautarztes Dr. Grochocki aus Koblenz, in dem er sich mit anderen politisch verfolgten Menschen gesundpflegen ließ.

Nach Kriegsende bewarb er sich zum Aufbau einer „politisch einwandfreien“ Polizei. Im August 1945 wurde er Kreiskommissar der französischen Militärregierung, zuständig für 52 Gemeinden im damaligen Kreis St. Goarshausen. 1948 wurde er vom Oberstaatsanwalt in Wuppertal zur Vernehmung geladen und traf vor dem Landgericht auf viele Leidensgenossen, die noch Nachwehen von den Misshandlungen aufwiesen. Als Zeuge musste er seinen einstigen Peinigern gegenübertreten. In dieser Zeit besuchte er sein einstiges Lager und schrieb mit Genehmigung der Militärregierung seine Erlebnisse nieder.

Da er keine Ausbildung zum Polizeibeamten hatte, nahm er 1948/49 an einem Polizeilehrgang in Bad Ems teil, der ihm vom Land Rheinland-Pfalz angeboten wurde. Jedoch fielen sämtliche Teilnehmer durch die Prüfung, worauf auch ihm gekündigt wurde. Weiler glaubte, dass die Entlassung aus dem Polizeidienst nicht mit rechten Dingen zuging. Spielte sein Buch, das von der Staatsanwaltschaft Koblenz überprüft wurde, dabei eine Rolle? Er prozessierte vor Gericht, verlor und rekapitulierte verbittert seine Machtlosigkeit gegenüber den „Drahtziehern“.

Bis zu seiner Rente arbeite Weiler bei den Lahnsteiner Firmen Bollinger, Schroeder und Stadelmann, Condor-Werke/Philippine als Lagerist und Pförtner. Ehrenamtlich sammelte er Geld- und Sachspenden für das Kinderferienlager der AWO auf dem Aspich, welches er als Rentner einige Jahre leitete. Am 16. Dezember 1975 verstarb Willi Weiler.

Von seiner Veröffentlichung erfuhr der „Jugendring Wuppertal e.V. Arbeitskreis Kemna“ durch Zufall erst lange nach Weilers Tod. Er nahm Kontakt mit der Stadt Lahnstein auf, wo Weiler mit seiner Familie bis zu seinem Tod lebte. Der Arbeitskreis entschied sich für einen Neudruck, zu dem die Töchter Weilers ihre Genehmigung sowie eigene Aufzeichnungen zum Lebenslauf des Vaters gaben. Die authentische Neuauflage, ergänzt durch Fotos und andere Zeitdokumente, verdeutlicht im Nachwort, dass Weilers Benachteiligung im beruflichen Leben nach 1945 leider kein Einzelfall ist (pm Stadt Lahnstein).

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