Blaulicht
Keine Beschönigung: Blaulichtdialog in Nastätten legt Stärken und Schwächen offen
Blaulichtdialog in Nastätten
NASTÄTTEN Feuerwehrleute, Sanitäter, Notärzte, First Responder, Polizei, Bundespolizei, Rettungshundeführer und kommunale Verantwortungsträger in einem Saal: der Blaulichtdialog in Nastätten war kein symbolischer Termin, sondern ein Abend, an dem sich die gesamte Blaulichtfamilie der Region traf. Eingeladen hatte Stadtbürgermeister Marco Ludwig, unterstützt vom Landtagsabgeordneten Manuel Liguori. Hauptredner war Daniel Stich, Staatssekretär im Innenministerium, zuständig unter anderem für Polizei, Brand- und Katastrophenschutz sowie Rettungsdienst. Was als Informationsveranstaltung angekündigt war, entwickelte sich zu einem offenen Austausch, der eindrücklich zeigte, wie eng Sicherheit, Ehrenamt und politische Entscheidung zusammenhängen und wo das System bereits an seine Grenzen stößt.
Neue Strukturen nach der Ahrflut: Lagezentren in Koblenz und Lollschied stärken die Einsatzführung
Stich stellte zunächst die Linie des Landes dar. Die Polizei in Rheinland-Pfalz sei personell gewachsen, die Marke von 10.000 Beamten sei erreicht, und mit dem Bezirksdienst wolle man künftig noch näher an die Bürger heran. Parallel dazu sei im Brand- und Katastrophenschutz in dieser Legislaturperiode vieles neu aufgestellt worden. Als sichtbares Ergebnis nach den Erfahrungen der Flutkatastrophe im Ahrtal nannte er das neue Lagezentrum Bevölkerungsschutz im Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz in Koblenz, das seit dem 1. Juni 2025 im durchgehenden 24-Stunden-Betrieb arbeitet. Dort laufen im Ernstfall die Fäden zusammen, Zuständigkeiten und Führungsstrukturen seien klar geregelt. Die Reaktionsketten, so Stich, sähen heute völlig anders aus als noch vor wenigen Jahren. Ergänzt wird dieses landesweite Lagezentrum durch eine kleinere regionale Einsatzzentrale in Lollschied, mit der man sich auch vor Ort besser für Krisenlagen rüsten will.
Stadtbürgermeister Marco Ludwig zog eine positive Zwischenbilanz des Abends. Die Veranstaltung habe genau das eingelöst, was man beabsichtigt habe: einen echten Dialog. Besonders wichtig sei, dass alle Sparten der Blaulichtfamilie vertreten gewesen seien, vom DRK über Rettungsdienst und First Responder bis hin zu Feuerwehr, Polizei und Bundespolizei. Es seien kritische Fragen gestellt worden, es habe neue Informationen und konkrete Hinweise zur künftigen Ausrichtung gegeben. Gerade beim Thema Bezirksdienst der Polizei sei er „ein gutes Stück schlauer“ geworden, sagte Ludwig. Es sei eine runde Sache gewesen, von der Verwaltung ebenso profitiere wie die politisch Verantwortlichen.
Landrat Jörg Denninghoff lenkte den Blick auf den Rettungsdienst im Rhein-Lahn-Kreis. Gemeinsam mit den anderen Kreisen der Koblenzer Leitstelle wird in Katzenelnbogen eine neue Rettungswache aufgebaut. Zudem werde eine Ersthelfer-App eingeführt, mit der qualifizierte Ersthelfer schneller alarmiert werden können. Man denke dabei ausdrücklich auch an die Einbindung der vorhandenen First-Responder-Strukturen, damit am Ende ein schlüssiges Gesamtkonzept entsteht, das die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens verkürzt.
Manuel Liguori, der örtliche Landtagsabgeordnete, betonte in seinem Beitrag die Bedeutung der Blaulichtfamilie als Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, THW und Rettungshundestaffeln gewährleisteten nicht nur technische und medizinische Hilfe, sondern vermittelten der Bevölkerung auch ein Stück emotionale Sicherheit: Verlässlichkeit, Stabilität und Vertrauen. Er hob hervor, dass im Feuerwehrbereich das Beschaffungswesen vereinfacht und beschleunigt werden solle und gemeinsame Beschaffungen stärker genutzt werden sollen, um Engpässe und Verzögerungen zu vermeiden. Die Aussagen des Staatssekretärs habe er als ermutigend empfunden; der offene Dialog mit der Bevölkerung und den Einsatzkräften vor Ort habe ihm „wirklich Spaß gemacht“.
Ehrenamt unter Druck: Rettungshundestaffel fordert klare Anerkennung
Doch bei aller Anerkennung für das, was bereits angestoßen wurde, blieb der Abend nicht bei freundlichen Worten stehen. Die Rettungshundestaffel Rhein-Lahn machte eindrucksvoll deutlich, wie groß die Lücke zwischen Bedarf und Status quo an manchen Stellen ist. Zwar bedankte sie sich ausdrücklich beim Kreis für die Unterstützung, gleichzeitig kritisierte sie aber die fehlende staatliche Anerkennung durch das Land. Die Folge: Anders als bei Feuerwehr oder Katastrophenschutz haben die Mitglieder keinen Anspruch auf Freistellung durch ihre Arbeitgeber. Wenn ein Demenzkranker gesucht, ein Kind vermisst oder eine hilflose Person im Gelände aufgespürt werden muss, hängt der Einsatz nicht selten davon ab, ob der Arbeitgeber mitspielt. Oftmals müssen die Ehrenamtlichen Urlaub nehmen oder in ihrer Freizeit ausrücken. Hinzu kommt, dass Ausrüstung, Ausbildung und unterstützende Technik weitgehend aus eigener Tasche oder durch Spenden finanziert werden müssen. Stich verwies darauf, dass die offizielle Anerkennung bislang abgelehnt werde, man aber die Expertise der Fachleute einbeziehe. Im Saal blieb dennoch spürbar der Eindruck zurück, dass die bloße inhaltliche Wertschätzung nicht ausreicht, solange die rechtliche Gleichstellung mit anerkannten Organisationen fehlt.
Zeit entscheidet über Leben: Warum die 8-Minuten-Regel im ländlichen Raum kaum erreichbar ist
Ein ähnliches Spannungsfeld zeigte sich beim Thema First Responder. In Gemeinden wie Dornholzhausen, Dessighofen, Weisel oder Miehlen haben sich Einheiten gebildet, die auf rein ehrenamtlicher Basis als erste am Einsatzort sind. Sie beginnen Reanimationsmaßnahmen, stabilisieren Patienten, überbrücken die Zeit, bis Rettungswagen und Notarzt eintreffen. Dass es diese Gruppen gibt, ist ein Glücksfall für die Region, doch es wirft auch grundsätzliche Fragen auf. In Rheinland-Pfalz muss der Rettungswagen nach geltenden Vorgaben innerhalb von maximal 15 Minuten nach Eingang des Notrufs am Einsatzort sein, zumindest wenn dieser an einer öffentlichen Straße liegt. Für Notfälle im Wald oder unwegsamen Gelände gilt diese Grenze formal nicht. Für Reanimationen aber reichen diese 15 Minuten nicht aus. Fachleute empfehlen, dass vom Notrufeingang bis zum Eintreffen der professionellen Retter in 80 Prozent der Fälle nicht mehr als acht Minuten vergehen sollten. Wird ein Patient mit Herz-Kreislauf-Stillstand nicht innerhalb von zehn Minuten wiederbelebt, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit gegen null. Tatsächlich wird die Acht-Minuten-Zielmarke bundesweit nur selten erreicht. Gerade in ländlichen Regionen liegen die Quoten teilweise deutlich unter 30 Prozent. Bundesweit erfüllen nach aktuellen Auswertungen nur wenige Rettungsdienstbereiche die geforderten 80 Prozent; der Rhein-Lahn-Kreis gehört nicht dazu.
Vor diesem Hintergrund sind First Responder mehr als ein „erstes Glied der Rettungskette“, wie Stich es formulierte. Sie sind vielerorts der entscheidende Faktor, ob überhaupt noch eine realistische Überlebenschance besteht, bevor der Rettungswagen eintrifft. Umso drängender stellt sich die Frage, wie diese Gruppen strukturell und finanziell eingebunden werden, wenn sie faktisch Aufgaben übernehmen, die ursprünglich in der Verantwortung des staatlichen Rettungsdienstes liegen.
Beim Thema Notarztdienst wurde eine weitere Schwachstelle sichtbar. Notärzte können naturgemäß immer nur einen Einsatz gleichzeitig abdecken. Wenn ein Arzt bereits unterwegs oder in eine laufende Behandlung eingebunden ist, entstehen im ländlichen Raum mit weiten Anfahrtswegen schnell gefährliche Lücken. Als mögliche Antwort verwies Stich auf den Telenotarzt, der in Zukunft in kritischen Situationen per Videotechnik und Datenanbindung zugeschaltet werden und Anweisungen geben soll, wenn kein Notarzt rechtzeitig vor Ort sein kann. Die Technik kann helfen, Entscheidungen zu unterstützen und Maßnahmen zu begleiten, sie ersetzt aber nicht die physische Präsenz eines Arztes. Die Hoffnung, dass digitale Lösungen und neue Konzepte die bestehenden Personallücken vollständig schließen, dürfte daher nur begrenzt realistisch sein.
Regiokliniken und Rettungsdienst: Offene Fragen zur Gesundheitsversorgung im Rhein-Lahn-Kreis
Obwohl Stich inzwischen nicht mehr dem Gesundheitsressort angehört, beantwortete er auch Fragen zur Kliniklandschaft im Rhein-Lahn-Kreis. Nach dem Wegfall der Krankenhäuser in Nassau und Bad Ems ist die Versorgungsstruktur ausgedünnt. Stich verwies auf das Konzept der Regiokliniken, die vor allem ein Sicherheitsgefühl vermitteln und erste Anlaufstelle sein sollen, bevor bei speziellen Krankheitsbildern spezialisierte Kliniken übernehmen. In Nastätten mit dem Paulinenstift ist ein solchs Krankenhaus ansässig. Für onkologische Erkrankungen sei es wichtig, dass Patienten dort behandelt würden, wo die jeweilige Krebsart im Schwerpunkt behandelt wird, erklärte Stich. Das mag für planbare Eingriffe und spezialisierte Therapien zutreffen, doch muss die Frage eher aus Sicht akuter Notfälle gestellt werden: Was passiert bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder plötzlichem Herzstillstand? Reicht ein „Gefühl von Sicherheit“ aus, oder braucht es die gesicherte Gewissheit, dass eine wohnortnahe Klinik im Notfall auf einem ähnlichen Niveau arbeiten kann wie ein großes Zentrum?
Die Landesregierung will nach Angaben des Staatssekretärs die Rettungswachen bei Bedarf ausbauen und zusätzlich ein 24/7-Hubschraubersystem prüfen, um auch aus entlegenen Gebieten schneller in geeignete Kliniken transportieren zu können. Gleichwohl bleibt die Frage, ob diese Maßnahmen die gewachsene Lücke vollständig schließen können und welche Rolle Nastätten langfristig in der stationären Versorgung spielen soll.
Am Rande des Abends wurde auch das Thema einer möglichen Polizeiwache in Nastätten angesprochen. Aus Sicht des Landes gebe es derzeit keinen unmittelbaren Bedarf, da die Polizei in der Region präsent sei und die Kriminalitätsstatistik eine zusätzliche Wache nicht eindeutig rechtfertige. Stich betonte jedoch, es handele sich dabei um eine fachliche Einschätzung auf Basis aktueller Zahlen, nicht um eine Entscheidung für die Ewigkeit.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Wo die Blaulichtfamilie Lösungen erwartet
Unterm Strich blieb nach dem Blaulichtdialog ein gemischter Eindruck. Auf der einen Seite zeigt Rheinland-Pfalz mit dem Lagezentrum in Koblenz, dem Aufbau zusätzlicher Strukturen wie in Lollschied, der personellen Stärkung der Polizei und neuen Konzepten im Rettungsdienst, dass die Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht folgenlos geblieben sind. Auf der anderen Seite wurde an diesem Abend deutlich, dass das System in zentralen Bereichen auf einem Fundament steht, das ohne Ehrenamt nicht tragfähig wäre. Rettungshundestaffeln, First Responder, freiwillige Feuerwehren und viele andere Initiativen fangen die Lücken auf, die staatliche Strukturen allein nicht schließen können. Wertschätzung in Form von Worten und Medaillen ist viel, aber nicht genug, wenn Freistellung, Ausstattung und finanzielle Unterstützung fehlen.
Die eigentliche Gretchenfrage ist deshalb: Will sich das Land diese ehrenamtlichen Strukturen leisten, im vollen Bewusstsein ihrer Bedeutung, und stellt sie den anerkannten Organisationen gleich, oder akzeptiert man dauerhaft ein System, in dem diejenigen, die Leben retten, häufig an der Grenze des Zumutbaren arbeiten und sich in Teilen zu Recht benachteiligt fühlen? Der Abend in Nastätten hat gezeigt, dass viele Hausaufgaben gemacht wurden. Er hat aber ebenso deutlich gemacht, dass es beim Ehrenamt und beim Gesundheitsstandort Rhein-Lahn noch lange nicht das Ende der Diskussion ist.
Blaulicht
Ehrenamtsstudie Feuerwehr: Engagement stark, doch die Zeit wird knapp
BLAULICHT Die landesweite Ehrenamtsstudie zu den Freiwilligen Feuerwehren in Rheinland-Pfalz zeichnet ein zweigeteiltes Bild: Die Bereitschaft zum Engagement ist hoch, zugleich werden strukturelle Belastungen sichtbar, die die Zukunftsfähigkeit des Systems beeinflussen. An der Online-Befragung beteiligten sich mehr als 12.500 Feuerwehrangehörige. Das entspricht rund 22 Prozent aller ehrenamtlichen Einsatzkräfte im Land.
Altersstruktur stabiler als oft angenommen
Zunächst wird sichtbar: Das Ehrenamt trägt sich noch. Rund 80 Prozent der Befragten planen, ihr Engagement in der Feuerwehr im bisherigen Umfang fortzusetzen. Mehr als ein Drittel kann sich sogar vorstellen, künftig noch mehr zu übernehmen. Auch bei jungen Einsatzkräften ist die Bereitschaft hoch. Die Studie zeigt außerdem, dass die Altersstruktur differenzierter ist, als oft behauptet wird: Etwa 31 Prozent der Einsatzkräfte sind 16 bis 29 Jahre alt, 46 Prozent 30 bis 49, 22 Prozent 50 bis 67. Ein sofortiger Nachwuchseinbruch ist damit nicht die zentrale Baustelle. Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass der Anteil älterer Aktiver steigt.
Das Kernproblem: Zeit, Vereinbarkeit, Zusatzlast
Der eigentliche Kern der Studie liegt an einer anderen Stelle: Nicht der Wille fehlt, sondern Zeit und Verfügbarkeit werden zum Engpass. Die Arbeitswelt hat sich verändert. Arbeitsverdichtung, Schichtmodelle, flexible Arbeitszeiten, längere Wege, all das macht spontane Einsatzbereitschaft schwieriger. Die Studie hält fest, dass weniger als die Hälfte der Befragten ihre Arbeitszeiten so flexibel gestalten kann, dass genug Zeit für das Feuerwehrengagement bleibt. Das ist entscheidend, weil Einsätze nicht nach Kalender kommen. Dazu kommen familiäre Verpflichtungen: Wer kleine Kinder hat, muss im Einsatzfall Betreuung organisieren, ein Problem, das im Alltag vieler Ehrenamtlicher mitläuft, aber selten offen thematisiert wird.
Einsätze nehmen zu: Extremwetter als Belastungstreiber
Gleichzeitig nimmt die Belastung durch Einsätze zu. Die Studie beschreibt eine steigende Einsatzentwicklung und nennt häufiger auftretende Extremwetterlagen als Treiber. Damit wächst der Bedarf an Kräften genau in dem Moment, in dem Verfügbarkeit durch Beruf und Alltag knapper wird. Aus dieser Kombination entsteht die stille Schere, die viele Feuerwehren spüren: Mehr Anforderungen treffen auf weniger Zeitfenster.
Ein weiterer Punkt, der in der öffentlichen Diskussion oft untergeht, steht in der Studie sehr klar: Das Feuerwehr-Ehrenamt besteht nicht nur aus Einsätzen. Neben Einsatzdienst und Übungen fallen technische Arbeiten, Verwaltungsaufgaben und Gremienarbeit an. Die Studie beziffert das deutlich: 97 Prozent nehmen regelmäßig an Einsätzen teil, 96 Prozent an Übungen und Fortbildungen, 47 Prozent erledigen technische Arbeiten, 31 Prozent übernehmen Verwaltungstätigkeiten, 19 Prozent arbeiten in Gremien. Gerade Verwaltungstätigkeiten werden häufig als belastend beschrieben, besonders bei Führungskräften, die davon einen großen Teil tragen.
Ausstattung und Gerätehäuser: Unterschiede zwischen Kommunen
Hinzu kommt die Ausstattung. Viele Einsatzkräfte bewerten den Zustand von Dienstkleidung, persönlicher Schutzausrüstung und Feuerwehrgerätehäusern kritisch. Die Studie macht dabei auch deutlich, dass es zwischen Kommunen spürbare Unterschiede gibt. Für die Betroffenen ist das kein Nebenthema: Ausstattung und Infrastruktur sind Teil der Einsatzfähigkeit und sie sind auch ein Maßstab dafür, ob Ehrenamtliche verlässliche Rahmenbedingungen erleben.
Ausbildung: Zufriedenheit nur bei gut der Hälfte
Auch die Ausbildung ist ein klarer Befund der Studie. Nur 54 Prozent der Befragten sind mit den Aus- und Weiterbildungsangeboten in ihrer Einheit zufrieden. Genannt werden Verbesserungsbedarfe bei taktischem Einsatztraining, technischen Schulungen und dem Umgang mit Stresssituationen. Zusätzlich wird der Wunsch nach flexibleren Grundausbildungsmodellen und kürzeren Wartezeiten an der Akademie deutlich.
Anerkennung: intern hoch, extern deutlich niedriger
Deutlich messbar ist außerdem die Frage der Anerkennung. Innerhalb der eigenen Einheit fühlen sich 72 Prozent ausreichend wertgeschätzt. Gegenüber der Öffentlichkeit fällt dieser Wert auf 38 Prozent, gegenüber behördlichen Stellen sogar auf 27 Prozent. Das bedeutet: Zusammenhalt und Anerkennung funktionieren intern, aber die Rückmeldung von außen wird oft als schwach erlebt. Bei der Frage, welche Formen der Anerkennung als sinnvoll gelten, nennt die Studie hohe Zustimmungswerte für Rentenpunkte oder eine „Feuerwehrrente“ (73 Prozent). Aufwandsentschädigungen halten 43 Prozent für sinnvoll. Frauen: junges Potenzial, Bindung wird entscheidend
Beim Thema Frauen ist die Studie ebenfalls klar: Frauen stellen rund zehn Prozent der ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Mehr als die Hälfte von ihnen ist unter 30 Jahre alt. Das zeigt Potenzial in den jüngeren Jahrgängen. Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass Perspektiven von Frauen gezielt berücksichtigt werden müssen, etwa durch bessere Zugänge zu Führungsfunktionen und sichtbare Vorbilder.
Zehn Empfehlungen: Fokus auf Gewinnung und Bindung
Aus den Ergebnissen leitet die Studie zehn Handlungsempfehlungen ab: sechs zur Gewinnung neuer Einsatzkräfte und vier zur langfristigen Bindung. Zu den Ansätzen gehören stärkere Präsenz in Bildungseinrichtungen, der Ausbau von Bambini-Strukturen, eine modularere und flexiblere Grundausbildung sowie eine professionellere Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit. Für die Bindung nennt die Studie unter anderem Talentförderung und Entwicklungspfade, eine stärker koordinierte Beschaffung, finanzielle Anerkennung und eine attraktivere, besser nutzbare Ehrenamtskarte.
Fazit der Datenlage
In der Summe zeigt die Ehrenamtsstudie damit kein Feuerwehrsystem, dem die Motivation ausgeht. Sie zeigt ein System, das von hoher Identifikation lebt, aber unter Rahmenbedingungen arbeitet, die sich schneller verändern als die Strukturen drumherum. Die entscheidenden Probleme sind klar benennbar: Zeit und Verfügbarkeit werden knapper, Einsätze nehmen zu, die organisatorische Last wächst, Ausstattung und Ausbildung sind nicht überall auf dem Stand, den Einsatzkräfte erwarten. Wer die Studie ernst nimmt, kommt zu einem nüchternen Ergebnis: Das Ehrenamt trägt den Bevölkerungsschutz weiter, aber es braucht spürbare Entlastung und verlässliche Rahmenbedingungen, damit es das auch in Zukunft kann.
Blaulicht
Betrugsserie mit falschen Polizeibeamten im Rhein-Lahn-Kreis: Prozess gegen 19-Jährigen startet in Koblenz
OBERNHOF|BAD EMS Vor der 9. Strafkammer des Landgericht Koblenz beginnt am 22. Januar ein Strafprozess gegen einen 19 Jahre alten Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft sieht ihn als Teil einer Betrugsgruppe, die ältere Menschen mit der Masche angeblicher Polizeianrufe um ihr Vermögen gebracht haben soll. Für das Verfahren sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt.
Nach dem Vorwurf der Anklage soll der Angeklagte als Heranwachsender an einer Serie von Betrugstaten beteiligt gewesen sein, die sich unter anderem in Bad Ems, Obernhof und Koblenz ereignet haben sollen. Insgesamt stehen elf Fälle im Raum, wobei es in einem Fall bei einem Versuch geblieben sein soll.
Die mutmaßlichen Täter sollen arbeitsteilig vorgegangen sein. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft übernahmen einzelne Beteiligte Telefonanrufe, in denen sie sich als Polizeibeamte ausgaben. Den Angerufenen sei vorgespiegelt worden, dass Einbrüche oder andere Straftaten in ihrer Nähe stattgefunden hätten und ihre Ersparnisse deshalb in Gefahr seien.
In der Folge sollen die Geschädigten dazu gebracht worden sein, Bargeld oder Wertgegenstände zur angeblichen Sicherstellung bereitzulegen. Diese seien anschließend von weiteren Beteiligten persönlich abgeholt worden. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, selbst mehrfach bei solchen Abholungen eingesetzt gewesen zu sein.
Mindestens eine geplante Übergabe scheiterte laut Anklage, weil die Betroffenen misstrauisch wurden und die echte Polizei einschalteten. Dadurch konnte ein weiterer Schaden verhindert werden.
Mit dem nun beginnenden Prozess will das Gericht klären, welche Rolle der Angeklagte innerhalb der mutmaßlichen Betrugsstruktur spielte und ob die Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs vorliegen.
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EILMELDUNG: Amtliche Unwetterwarnung vor Glätte!
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