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Brandmauer gefallen: Abgeordnete aus dem Rhein-Lahn-Kreis fordern klare Haltung gegen rechte Kooperation
Foto: Wahlkampf mit Friedrich Merz in Erfurt 2024
RHEIN-LAHN Im November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Sie erinnern sich sicherlich noch an die Reichspogromnacht, den Anfang von Sippenhaft und Kollektivstrafe, die ein grausames Ende für ein ganzes Volk nahmen. Es gab auch damals eine Brandmauer gegen die Faschisten, doch 1933 nahm diese mit der Ernennung eines Diktators ein abruptes Ende. Das Ergebnis ist Ihnen sicherlich bekannt.
Friedrich Merz: Steigbügelhalter der Rechten
Friedrich Merz ist zweifellos kein Nazi, aber er agiert als Steigbügelhalter. Nur wenige Wochen vor den regulären Wahlen fiel die Brandmauer. Für ihn ist es Zeit zu handeln und die Arbeitskreise Arbeitskreise sein zu lassen. Innere Sicherheit vor Menschenrechten – und dafür kam das Attentat in Aschaffenburg eines Afghanen gerade recht. Das passt richtig gut in die Stimmung in Deutschland, und wen interessiert es da noch, dass all die anderen Afghanen oder Asylbewerber das schreckliche Attentat genauso verurteilen wie auch die heimischen Deutschen?
Eine Zäsur in der deutschen Politikgeschichte
Die jüngste Zusammenarbeit der CDU mit der AfD bei der Verabschiedung eines Antrags zur Verschärfung der Migrationspolitik hat erhebliche Kritik und Besorgnis ausgelöst. Diese Entwicklung wird von vielen als gefährlicher Präzedenzfall angesehen, der die bisherige Abgrenzung der CDU zur extremen Rechten infrage stellt. Erstmals seit dem Ende des Nationalsozialismus hat eine deutsche Partei, in diesem Fall die CDU unter der Führung von Friedrich Merz, mit der rechtsextremen AfD kooperiert, um einen Antrag durchzusetzen. Dieser Schritt wird als Bruch eines historischen Konsenses betrachtet, der eine Zusammenarbeit mit der extremen Rechten ausschließt.
Um eine Mehrheit im Bundestag für seinen Antrag zur Migrationspolitik zu bekommen, nimmt Merz es in Kauf, dass die rechtsextreme AfD ihm zu dieser Mehrheit verhilft. Das widerspricht dem bundesrepublikanischen Grundkonsens und stellt einen beispiellosen Tabubruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte dar.“
Thorsten Rudolph | SPD Bundestagsabgeordneter, Koblenz
Albrecht Weinberg: Ein Auschwitz-Überlebender warnt
Albrecht Weinberg, ein 99-jähriger Auschwitz-Überlebender, kündigte an, seinen Bundesverdienstorden aus Protest gegen die Zusammenarbeit der CDU mit der AfD zurückzugeben. Er äußerte Entsetzen über die Parallelen zur politischen Situation in Deutschland im Jahr 1933 und warnte vor den Gefahren, die mit einer solchen Zusammenarbeit einhergehen. Rund 370 prominente Kulturschaffende, darunter Daniel Brühl, Jella Haase und Karoline Herfurth, unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie das Abstimmungsverhalten der CDU scharf kritisieren. Sie betrachten die Kooperation mit der AfD als Zäsur in der deutschen Politik und warnen vor den langfristigen Folgen für die Demokratie.
Ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden: Michel Friedmann verlässt CDU
Michel Friedman, Publizist und ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat seinen Austritt aus der CDU erklärt. Er kritisierte die Zusammenarbeit der Union mit der AfD bei einem Antrag zur Migrationspolitik scharf und bezeichnete diesen Schritt als „unentschuldbaren Tabubruch“. Friedman betonte die Bedeutung der Unterscheidung zwischen Demokraten und Nichtdemokraten und warf der CDU vor, der AfD zu mehr politischem Einfluss verholfen zu haben. Er war seit 1983 Mitglied der CDU und hatte verschiedene Positionen innerhalb der Partei inne.
Auch innerhalb der CDU gibt es Widerstand gegen die Zusammenarbeit mit der AfD. Berlins CDU-Bürgermeister Kai Wegner distanzierte sich von der Abstimmung und kündigte an, Gesetzen, die mit Unterstützung der AfD zustande kommen, im Bundesrat nicht zuzustimmen. In mehreren Städten, darunter Mainz und Koblenz, gingen Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Zusammenarbeit der CDU mit der AfD zu protestieren. Die Demonstranten äußerten ihre Besorgnis über den politischen Kurs der CDU und warnten vor einer Annäherung an rechtsextreme Positionen.
Brandmauer gesprengt: Ein gefährlicher Kurs für Deutschland
Nun wurde die Brandmauer abgerissen. Die SPD und das Bündnis 90/Die Grünen gerieten in Geiselhaft. Wer sich der Abstimmung entzog, wurde als schuldhaft betrachtet. So fiel eine erste Brandmauer, und der Antrag wurde mit Unterstützung der AfD durchgewunken. Hätte all dies nicht bis nach der Wahl warten können? Selbstverständlich, aber wenig populär. Medial wirksam auf höchsten Niveau präsentiert sich Merz als Retter von Recht und Ordnung und setzt das um, was das Volk nach einem Attentat eines ausreisepflichtigen Ausländers fordert. So geraten die redlichen Asylbewerber unter Generalverdacht; jeder scheint ein wenig gefährlich. Dies ist Brandstiftung auf höchstem Niveau, nur um ein paar Wählerstimmen zu gewinnen.
Die CDU im Zusammenspiel mit der AfD: Eine Zäsur für die Demokratie
Eine der Forderungen lautet, Abschiebezentren für Menschen zu schaffen, die zur Ausreise verpflichtet sind. Anders ausgedrückt: Weg ins Gefängnis, bis der Flieger kommt. Doch wie wird dies in Zeiten ungebremsten Populismus wirklich umgesetzt? Familien mit Kindern in einer Zelle? Und was war noch einmal mit den Pässen? Ohne Pass, keine Einreise. Ungeklärte Identitäten sollen ausgeschlossen werden. Dann hoffen wir doch, dass die Kriege auf der Welt bald enden und keine Flüchtlingsboote mehr aufbrechen müssen, deren Schicksal möglicherweise im Meer endet. In einem kommenden Ratgeber sollte stehen: Asylbewerber sollten ihren Pass unbedingt festhalten, selbst wenn sie im Meer versinken. Natürlich gibt es Personen, die absichtlich ihren Pass wegwerfen, um ihre Identität zu verschleiern, aber es gibt auch unvorstellbare Schicksale.
Doch wozu braucht man überhaupt Ausweise für Asylbewerber? Schließlich haben wir die EU-Außengrenzen, und der Großteil der Menschen reist nicht per Flugzeug nach Deutschland, sondenr kommt zu Fuß oder mit dem Schiff. Also verweisen wir auf die Partnerstaaten der EU-Außengrenzen, in denen Asylsuchende ihren Antrag stellen müssen. So wird kaum noch jemand nach Deutschland kommen, und das Land wird zur uneinnehmbaren Festung. Wie herrlich.
Von der FDP hat man nahezu erwartet, dass sie sich nicht an Vereinbarungen halten, immerhin sind sie mit drei Titeln ungekrönter Deutscher Meister im Brechen von Koalitionen und so ist eine Brandmauer nicht mehr Wert als eine schnell entflammbare Burg aus Papier. So verwunderte deren Abstimmverhalten wenig. Vor der Bundestagswahl steht die FDP vor einem Desaster und kämpft mit der 5-Prozent Hürde. Da wird jede Stimme gebraucht und wenn die indirekte Zusammenarbeit mit der AFD ein Wahlkreuz bringt, ist das willkommen. Anders bei der CDU. Unter der Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel gab es immerhin eine gewisse Sicherheit und Beständigkeit. Populismus war nicht ihre Sache. Die ist mit Friedrich Merz vorbei. Nicht ohne Grund wurde er von der Ex-Kanzlerin gerügt wegen seines Verhaltens zur Abstimmung mit Akzeptanz, dass die AfD die nötigen Stimmen bringen wird.
Alleine steht Friedrich Merz mit seinem Populismus nicht. Unterstützung erhält er auch von den Politikern aus unserem Kreis und Umgebung. Im Landtag überschlägt sich Gordon Schnieder mit Lobhuldigungen, und der CDU-Bundestagsabgeordnete Josef Oster stellt sich demonstrativ hinter Friedrich Merz.
Deutschland auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft
Das politische Spektrum in Deutschland hat sich im Vergleich zur Vergangenheit kaum verändert. Während die SPD der Mitte-Links zuzurechnen ist und die Grünen weiterhin links von der Mitte stehen, zählte die CDU bislang zum Mitte-Rechts-Bereich. Dies passte unter Helmut Kohl und besonders unter Angela Merkel. Doch unter Friedrich Merz rückt die CDU von der Mitte-Rechts-Position deutlich weiter nach rechts. Es ist wenig überraschend, dass die AfD und auch die CDU zunehmend gemeinsame Sache machen, auch wenn Josef Oster dies vehement bestreitet. Der Trend und die Ausrichtung sind klar: Dem Volk wird das gegeben, was es vermeintlich will. Dass dabei einige Asylbewerber auf der Strecke bleiben, wird als der Wille des Volkes angesehen.
Der demagogische Wandel wird zunehmend weniger hinterfragt, und wer von den Ausländern wird noch Interesse daran haben, in einem ausländerfeindlichen Land zu leben und zu arbeiten? Fachkräfte werden sicherlich lieber in Ländern bleiben, die sie willkommen heißen und nicht als Menschen zweiter Klasse behandeln. Nun wird es modisch, wieder Nazi zu sein, denn Geschichte wird nur noch als unbelehrbare Vergangenheit betrachtet – und warum nicht wiederholen?
Ich bewerte das Vorgehen von Friedrich Merz als taktisch motiviertes, aber nicht zu Ende gedachtes parteipolitisches Manöver. Ohne jede Verantwortung für den demokratischen, sozialen Rechtsstaat. Merz ist ein politischer Zocker und Hassadeur und damit wird Deutschland, wie wir es kennen und mögen, brandgefährlich.
Roger Lewentz, SPD Landtagsabgeordneter, Rhein-Lahn-Kreis
Unter einem möglichen Kanzler Friedrich Merz wird sich Deutschland zweifellos anders präsentieren müssen. Wer noch an das Grundgesetz und die Menschenwürde glaubt, ohne sich vom Populismus verführen zu lassen, wird bald feststellen, dass wir uns mit Politikern wie Meloni in Italien, Orban in Ungarn und Kickl in Österreich auf einem ähnlichen Niveau bewegen. Nach rechts außen – und auch Bayerns Ministerpräsident Söder wird sich mit seinen markigen Sprüchen wieder in Berlin zu Hause fühlen, wenn er denn eingeladen wird. Praktische Lösungen sind nicht in Sicht, und das „Ausländerproblem“ könnte sich in ein Facharbeiterproblem verwandeln. Gut ausgebildete ausländische Kräfte zieht es längst nicht mehr ungehindert nach Deutschland, und unter einem rechten Friedrich Merz wird sich daran wenig ändern.
Kampf gegen Faschismus: SPD und Grüne halten an der Brandmauer fest
Doch die SPD und die Grünen haben keineswegs aufgegeben. Ganz im Gegenteil, eine andere Frage steht im Raum: Mit wem will Friedrich Merz nach einer möglichen Wahl koalieren, nachdem er die Mitte und die Grünen vor den Kopf gestoßen hat? Die Rufe aus der Bevölkerung werden immer lauter, dass die SPD und die Grünen im Falle einer Wahlniederlage jegliche Zusammenarbeit mit der CDU ablehnen. Und genau das könnte für die CDU ein großes Problem werden. Mit einer rechten Partei will momentan niemand wirklich zusammenarbeiten, außer die AfD natürlich, die im gleichen Haifischbecken fischt wie die CDU.
Keine Frage: Unsere Demokratie ist in Gefahr, wenn Radikale an die Macht kommen. Sie ist auch in Gefahr, wenn eine gesellschaftliche und politische Minderheit – SPD und Grüne sind eine immer kleiner werdende Minderheit – die Radikalen als Werkzeug benutzt, um den Willen der Mehrheit dauerhaft zu ignorieren
Josef Oster, CDU Bundestagsabgeordneter, Koblenz
Im Rhein-Lahn-Kreis tritt für die CDU Josef Oster bei der Bundestagswahl an. In einem Statement schrieb er: „Keine Frage: Unsere Demokratie ist in Gefahr, wenn Radikale an die Macht kommen. Sie ist auch in Gefahr, wenn eine gesellschaftliche und politische Minderheit – SPD und Grüne sind eine immer kleiner werdende Minderheit – die Radikalen als Werkzeug benutzt, um den Willen der Mehrheit dauerhaft zu ignorieren.“
Die Ignorierung der Mehrheit? Nach einem Attentat spalten sich die Meinungen, und so wird ein solches Ereignis genutzt, um bereits vor dem Wahlkampf mit dem gesamten rechten Spektrum gemeinsame Sache zu machen. Dies, um sich mit Wahlversprechen vor der Bevölkerung zu präsentieren? Herzlichen Glückwunsch. Und dann war da noch in der jüngeren Vergangeneheit eine Demo in Koblenz gegen den Extremismus, bei der der Bundestagsabgeordnete Josef Oster glänzte – mit seiner Abwesenheit. Begründung: Er konnte die Anwesenheit der Linken nicht ertragen, mit denen die CDU im Stadtrat gemeinsame Anträge einbrachte. Der Bundestagsabgeordnete zog es vor, einer Veranstaltung des ehemaligen Milliardärs Gotthard beizuwohnen, der auch das ultrakonservative und rechte Portal NIUS unter Reichelt betreibt, während Tausende auf dem Zentralplatz gegen Faschismus demonstrierten.
Was wir heute im Bundestag erlebt haben, ist ein schwerer Bruch mit der politischen Kultur unseres Landes. Es ist eine Zäsur! Friedrich Merz hat mit seinem Wortbruch jene Tür aufgestoßen, die Demokraten seit 75 Jahren fest verschlossen hielten – keine Zusammenarbeit mit den Feinden unserer wertvollen Demokratie.
Tanja Machalet, SPD Bundestagsabgeordete, Rhein-Lahn-Kreis, Westerwald
Für den SPD-Bundestagsabgeordneten Thorsten Rudolph ist das Verhalten der CDU ein Tabubruch. Er sagte: „Um eine Mehrheit im Bundestag für seinen Antrag zur Migrationspolitik zu bekommen, nimmt Merz es in Kauf, dass die rechtsextreme AfD ihm zu dieser Mehrheit verhilft. Das widerspricht dem bundesrepublikanischen Grundkonsens und stellt einen beispiellosen Tabubruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte dar.“
Die SPD Bundestagsabgeordnete Tanja Machalet teilte mit: „Was wir heute im Bundestag erlebt haben, ist ein schwerer Bruch mit der politischen Kultur unseres Landes. Es ist eine Zäsur! Friedrich Merz hat mit seinem Wortbruch jene Tür aufgestoßen, die Demokraten seit 75 Jahren fest verschlossen hielten – keine Zusammenarbeit mit den Feinden unserer wertvollen Demokratie.“
Diese Zäsur zieht sich nicht nur durch den Bundestag, sondern auch durch den rheinland-pfälzischen Landtag, wo die Brandmauer bislang gehalten hatte. Doch auch das wird nur noch eine Frage der Zeit sein. Während die Freie-Wähler-Landtagsabgeordnete Lisa-Marie Jeckel offen mit der AfD kokettiert, stellte sich jetzt auch CDU-Landeschef Gordon Schnieder hinter den Kurs von Friedrich Merz. Von einer Brandmauer ist nun kaum noch die Rede. Stattdessen schiebt er den schwarzen Peter der SPD und Grünen zu, weil diese bisher nicht bereit waren, mit der AfD einen gemeinsamen Nenner zu suchen.
Josef Winkler, Bündnis 90/Die Grünen Landtagsabgeordneter, Rhein-Lahn-Kreis
Ich halte das gemeinsame Abstimmen mit der AfD für einen schweren Fehler der CDU/CSU und der FDP. Es schadet der Demokratie, wenn Rechtsextreme und sei es auch ohne feste Koalition Einfluss auf die Politik nehmen können. Das hat Friedrich Merz ermöglicht, das ist eine Schande für eine demokratische Volkspartei. Das ist brandgefährlich, und wenn Herr Schnieder das lobt, widerspricht das allem, was er früher im Landtag zur AfD gesagt hat. Das macht ihn unglaubwürdig und ist ein klares Zeichen für einen erheblichen Rechtsruck der Union. Das finde ich nur noch entsetzlich, wenn man sich mal anschaut, was die AfD so vertritt.
Friedrich Merz: Ein politischer Zocker auf gefährlichem Kurs
Langsam kommen all die Politiker mit deutlich rechten Tendenzen aus ihren Löchern und rechtfertigen mit kruden Begründungen, warum man durchaus mit Hilfe von rechtsextremen Parteien Politik machen kann. Wir kennen das schon: Brot und Spiele vor der Wahl.
Für den Landtagsabgeordneten Roger Lewentz ist das Vorgehen der CDU kaum erträglich: „Ich bewerte das Vorgehen von Friedrich Merz als taktisch motiviertes, aber nicht zu Ende gedachtes parteipolitisches Manöver. Ohne jede Verantwortung für den demokratischen, sozialen Rechtsstaat. Merz ist ein politischer Zocker und Hassadeur, und damit wird Deutschland, wie wir es kennen und mögen, brandgefährlich.“
Manuel Liguori, SPD Landtagsabgeordneter, Rhein-Lahn-Kreis
Dass die CDU gemeinsam mit der AfD abstimmt, ist ein gefährlicher Kurs, der unserer Demokratie schadet. Friedrich Merz gibt die Richtung vor, und wer in der Partei etwas werden will, scheint sich seinem Kurs beugen zu müssen – so auch Gordon Schnieder, der Fraktionsvorsitzende der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag.
Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Manuel Liguori sieht es ähnlich: „Dass die CDU mit der AfD abstimmt, ist ein gefährlicher Kurs, der unserer Demokratie schadet. Friedrich Merz gibt die Richtung vor, und wer in der Partei etwas werden will, muss sich seinem Kurs beugen – so wie Gordon Schnieder, der Fraktionsvorsitzende der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag.“
Ich habe großen Respekt vor Angela Merkel und bewundere ihre klare Haltung“, sagte Liguori weiter. „Sie hat stets gezeigt, dass eine demokratische Volkspartei eine klare Grenze zu Rechtsextremen ziehen muss. Leider scheint das unter Merz keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein.“
Auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Josef Winkler kann dem Vorgehen von Gordon Schnieder und Friedrich Merz wenig Positives abgewinnen: „Ich halte das gemeinsame Abstimmen mit der AfD für einen schweren Fehler. Es schadet der Demokratie, wenn Rechtsextreme Einfluss auf die Politik nehmen können. Das hat Merz ermöglicht. Es ist eine Schande für eine demokratische Volkspartei und brandgefährlich.“
Oliver Antpöhler-Zwiernik, Die Linke Koblenz und Rhein-Lahn-Kreis
Zwei Tage nach der Erinnerung an Auschwitz wurde von der CDU, nicht nur von Merz, auch von Gordon Schnieder bis Josef Oster, mit der AfD paktiert. Wenn Faschist*innen jubeln, sollte jeder Mensch wissen, dass es falsch ist. Wir fordern alle demokratischen Parteien auf, klar eine Koalition mit der CDU auszuschließen. Nie wieder Faschismus bedeutet, wehrt den Anfängen.
Noch deutlicher wird die Linke im Rhein-Lahn-Kreis. Oliver Antpöhler-Zwiernik sagte: „Zwei Tage nach der Erinnerung an Auschwitz paktierten CDU, Merz, Schnieder und Oster mit der AfD. Wenn Faschisten jubeln, wissen wir, dass es falsch ist. Wir fordern alle demokratischen Parteien auf, eine Koalition mit der CDU auszuschließen. Nie wieder Faschismus – wehrt den Anfängen.“
Am Ende bleibt ein mulmiges Gefühl. Nach Trump in den USA ist nun Friedrich Merz der Bewerber in Deutschland, der bereits vor der Wahl die geistige Brandstiftung und die Spaltung des Landes vorantreibt. Welche Wahl haben wir überhaupt, wenn der Populismus die Oberhand gewinnt? Aber, wie wir wissen: Am Ende zahlen alle die Rechnung. Seid wachsam.
Vollständige ergänzende Statemens der angefragten Politiker aus der Region, sofern die im Artikel nicht vollständig wiedergegeben wurden.
Pressemitteilung
MdB Thorsten Rudolph kritisiert Merz für historischen Fehler: Keine Mehrheit mit Rechtsextremen!
thorsten.rudolph@bundestag.de Der Koblenzer SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Thorsten Rudolph hat CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz scharf kritisiert. „Um eine Mehrheit im Bundestag für seinen Antrag zur Migrationspolitik zu bekommen, nimmt Merz es in Kauf, dass die rechtsextreme AfD ihm zu dieser Mehrheit verhilft. Das widerspricht dem bundesrepublikanischen Grundkonsens und ist ein beispielloser Tabubruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte“, so Rudolph.
Noch im November habe Merz bei einer Rede vor dem Deutschen Bundestag mit allem Nachdruck erklärt, dass demokratische Parteien sich einig darüber sein sollten, dass Gesetze und Beschlüsse, die nur mit Hilfe der AfD eine Mehrheit finden, nicht akzeptabel seien. „Darüber bestand Einigkeit. Allem Anschein nach hat Herr Merz inzwischen eine andere Meinung. Für mich stellt sich die Frage, wie weit man dem Wort von Friedrich Merz überhaupt noch vertrauen kann“, so der Abgeordnete.
Rudolph fügt hinzu: „Merz‘ hektischer Kurswechsel ist ein historischer Fehler. Es ist brandgefährlich, wenn die Merz-CDU den Gegnern unserer Verfassung und des Rechtsstaates in Deutschland zu Macht verhilft.“ Man habe in Österreich gesehen, dass starke Kräfte in der konservativen ÖVP eine demokratische Koalition verhindert hätten, um lieber mit Rechtsextremen eine Regierung zu bilden. „Eine solche Entwicklung ist seit Merz‘ Kurswechsel auch in Deutschland leider nicht mehr auszuschließen“, sagt der Koblenzer. Das gelte umso mehr, falls das Wahlergebnis im Februar keine stabile Zweierkoalition der demokratischen Parteien ermöglichen sollte.
„Das ist keine verantwortungsvolle Politik, worauf unter anderem auch Bundeskanzlerin a.D. Merkel zurecht öffentlich hingewiesen hat. Und das ist jemandem, der Bundeskanzler werden will, nicht würdig“, so Rudolph, der an die CDU-Abgeordneten und -mitglieder in Koblenz und der Region appelliert, den von Merz eingeschlagenen Kurs nicht mitzugehen. „Das ist die Lehre aus unserer Geschichte. Wir dürfen rechtsextremen Kräften nicht die Möglichkeit geben, die Politik unseres Landes mitzubestimmen.“
Die SPD sei in dieser Sache „zu 100 Prozent klar“: „Wir schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus – grundsätzlich und auf allen Ebenen“, sagt Rudolph, der hofft, „dass die CDU zur Einsicht kommt und den nun beschrittenen Irrweg wieder verlässt“.
Zur Abstimmung über die Entschließungsanträge der Union im Deutschen Bundestag am 29. Januar 2025 erklärt die Abgeordnete des Wahlkreises Montabaur und rheinland-pfälzische Spitzenkandidatin der SPD, Dr. Tanja Machalet:
Was wir heute im Deutschen Bundestag erlebt haben, ist ein schwerer Bruch mit der politischen Kultur unseres Landes. Es ist eine Zäsur! Friedrich Merz hat mit seinem Wortbruch jene Tür aufgestoßen, die die Demokratinnen und Demokraten im Deutschen Bundestag seit 75 Jahren fest verschlossen gehalten haben – keine Zusammenarbeit mit den Feinden unserer so wertvollen Demokratie.
Man kann nicht am Vormittag in der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus der Opfer der Barbarei gedenken, dem ukrainischen Überlebenden der Shoah, Roman Schwarzman, zuhören und sich gleichzeitig nicht daran erinnern, wie der Weg in diese Barbarei geebnet wurde – durch die Normalisierung der Zusammenarbeit mit den Feinden der Demokratie. Wenige Stunden später mit den geistigen Erben der Verantwortlichen jener dunklen Epoche deutscher Geschichte gemeinsame Sache zu machen, ist ein unfassbarer Bruch mit den Werten, auf die sich die demokratische Mitte dieses Landes aus guten Gründen verständigt hat. Friedrich Merz und die Union sind heute leichtsinnig für ein paar Prozentpunkte an der Wahlurne aus eben dieser politischen Mitte im Deutschen Bundestag ausgebrochen. Dies ist ein unverzeihlicher Vorgang, gerade am Tag vor dem historisch so bedeutsamen 30. Januar. Das werden wir und viele Menschen in diesem Land den dafür Verantwortlichen nicht vergessen.
Wir als SPD stellen uns gegen diesen gefährlichen Populismus in der Migrationsfrage, der nichts bewirkt, außer die Feinde der Demokratie zu stärken. Wir stehen stattdessen für Humanität UND Ordnung. Wir stehen auf dem Boden von Recht und Gesetz und wir bringen Sicherheit und Freiheit in ein Gleichgewicht. Soziale, innere und äußere Sicherheit stehen für uns in einem unauflösbaren Zusammenhang. Wir streiten deshalb für einen gut ausgestatteten, handlungsfähigen Staat, der seine Aufgaben erfüllen und beschlossene Gesetze auch überall vollziehen kann. Damit wird dieser Dreiklang für die Menschen gesichert und mit Leben gefüllt. Dadurch stärken wir unser Land.
Als Rheinland-Pfälzerin sage ich zudem in Richtung der selbsternannten Wirtschaftspartei CDU in aller Deutlichkeit: Wer im 40. Jahr des Schengener Übereinkommens die Schlagbäume zu unseren Nachbarländern wieder absenken will, hat es einfach nicht verstanden. Denn gerade in Rheinland-Pfalz wissen wir sehr genau, welchen enormen Wert offene EU-Grenzen für die Menschen haben: Pendelnde, freier Warenverkehr, kultureller, privater sowie wirtschaftlicher Austausch sind auf sie angewiesen. Diese Errungenschaften eines offenen Europas für Austausch und Wertschöpfung sind zu wertvoll, um sie für vermeintlichen politischen Gewinn zu opfern.
Die Vorschläge der Union, mit der sie die Migrations- und Asylfragen in diesem Land beantwortet, brechen EU-Recht und Verfassungsrecht. Das kann aber nie die Grundlage verantwortlicher Politik sein. Wer Bundeskanzler Olaf Scholz vorwirft, er würde nichts für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land unternehmen, aber gleichzeitig abstimmungsreife, rechtsstaats- und EU-konforme Gesetzentwürfe im Bundestag und Bundesrat nicht zur Kenntnis nimmt und blockiert, der wirft Nebelkerzen. Die Umsetzung der Vorschläge von Friedrich Merz und der Union würde kein Mehr an Sicherheit, sondern ein Weniger bringen. Andere Staaten werden sich dann in Europa auch nicht mehr an vereinbarte Regeln gebunden fühlen. „Me first!“ ist nicht das Fundament, auf dem ein Europa in Frieden, Freiheit und Wohlstand wachsen kann. Das heute Geschehene ist daher nichts weniger als die Selbstaufgabe der Europapartei CDU! Von Bundeskanzler Olaf Scholz und meiner Fraktion zu verlangen, der politischen Erpressung von Friedrich Merz und der Union nachzugeben – Entweder, Ihr stimmt mit uns, oder wir nehmen die Mehrheit mit der AfD in Kauf. – ist ein unerträglicher Tiefpunkt der politischen Auseinandersetzung.
Friedrich Merz hat sich mit dem heutigen Tag für jedes öffentliche Amt in unserem Land disqualifiziert. Wer bei seinem eigenen Versprechen nicht Wort hält, den Feinden der Demokratie nicht die Hand zu reichen und mit ihnen keine zufälligen Mehrheiten in Kauf zu nehmen, dem kann man auch nicht glauben, dass er nach der Wahl mögliche Mehrheiten für eine Regierung mit der AfD nicht in Kauf nehmen würde. Der einzige Weg die AfD zu bekämpfen ist für Friedrich Merz dann wohl ab heute, mit ihr von Fall zu Fall zusammenzuarbeiten.
Heute reicht es nicht mehr zu sagen: Wehret den Anfängen! Aus Anfängen sind schon längst Rammböcke gegen das Haus unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft geworden. Ich sage es klar an die Adresse von Friedrich Merz und all jene, die mit der AfD sehenden Auges gemeinsame Sache machen: Bedenken Sie das Ende, das finstere Ende Ihres geschichtsvergessenen Kurses! Und ich rufe alle Demokratinnen und Demokraten in unserem Land auf, sich diesem Wortbruch und dem Einreißen der Brandmauer gegen rechts zu widersetzen. Am 23. Februar haben es die Menschen in Deutschland mit ihren Stimmen an der Wahlurne in der Hand, in welchem Land wir am 24. Februar aufwachen werden.
Josef Oster auf Anfrage des BEN Kurier
„Ich stehe voll hinter Friedrich Merz und den beiden Anträgen, die am Mittwoch eingebracht wurden. 80 Prozent der Menschen in Deutschland wünschen sich eine Wende in der aktuellen verfehlten Asylpolitik und sorgen sich um unsere Sicherheit im Land. Die AfD nutzt die Ängste der Bevölkerung, um Fremdenfeindlichkeit zu schüren. Diese Partei ist kein Partner, sondern unser politischer Gegner. Und das steht genauso auch glasklar in unserem Antrag.
Friedrich Merz nimmt die Sorgen der Menschen ernst und packt die Probleme an. Das ist der einzig richtige Weg. Dabei lassen wir uns nicht von unseren Überzeugungen abbringen, nur weil möglicherweise die Falschen auch zustimmen könnten. Keine Frage: Unsere Demokratie ist in Gefahr, wenn Radikale an die Macht kommen. Die Demokratie gerät auch in Gefahr, wenn eine gesellschaftliche und politische Minderheit – und SPD und Grüne sind eine kleiner werdende gesellschaftliche und politische Minderheit – die Radikalen als Werkzeug benutzt, um den Willen der Mehrheit der Bevölkerung dauerhaft zu ignorieren.
Die Union steht fest in der demokratischen Mitte, auch mit den beiden Anträgen, die am Mittwoch gestellt wurden. Wir haben bei SPD und Grünen um ihre Zustimmung geworben. Das Problem ist nicht so sehr, dass die AfD zugestimmt hat, sondern dass SPD und Grüne NICHT zugestimmt haben. Ich frage mich, was eigentlich noch alles in unserem Land passieren muss, damit sich Grüne und SPD nicht weiter einer überfälligen Wende in der Migrationspolitik verweigern?
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Retro-Tech kommt zurück: Warum alte Gadgets und Konsolen wieder beliebt sind!
Retro-Gadgets breiten sich wieder in Wohnzimmern aus, Konsolen längst vergangener Jahrzehnte wandern aus Kellern zurück ins Tageslicht und plötzlich wirken klackernde Diskettenlaufwerke oder pixelige Displays nicht mehr wie vergessene Relikte, sondern wie kleine Zeitkapseln, die einen eigenwilligen Charme entfalten.
Auffällig ist zudem, wie selbstverständlich moderne Technik ihren Platz in dieser Renaissance gefunden hat und den alten Geräten ein zweites Leben schenkt. Genau dieses Zusammenspiel aus Erinnerung, Einfachheit und zeitgemäßer Zugänglichkeit macht den Retro-Trend spannender als viele vermuten würden.
Wie Nostalgie alte Geräte plötzlich wieder wertvoll macht
Nostalgie ist ein eigenartiges Phänomen, das manchmal schwer zu greifen ist. Plötzlich taucht ein alter Game Boy in der Schublade auf und ein einziger Blick genügt, um ein kleines Feuerwerk an Erinnerungen zu entfachen.
Bei vielen Menschen markieren solche Geräte bestimmte Lebensabschnitte, weshalb sie mehr sind als Plastikgehäuse mit ein paar Chips im Inneren. Für manche klingt beim Einschalten eines alten Handhelds wieder jener typische Startton im Kopf auf, für andere entsteht ein vertrautes Gefühl, das sofort an Nachmittage auf dem Teppich erinnert.
Interessant ist zudem, dass dieser Reiz keineswegs nur Personen betrifft, die damals tatsächlich damit gespielt haben. Jüngere Generationen entdecken Retro-Ästhetik als Stilmittel und schätzen den klaren Look alter Displays oder die deutlich weniger glatten Designs.
Spannend ist außerdem, dass nostalgische Impulse nicht ausschließlich an Spielekonsolen hängen, sondern gelegentlich auch in anderen Bereichen auftauchen. Selbst im Glücksspiel zeigt sich dieser Trend, da klassische Spielmechaniken oder einfache Strukturen ähnlich vertraute Reize auslösen können.
Diskussionen rund um Casinos ohne LUGAS 2025 wirken in diesem Zusammenhang wie ein weiterer Hinweis darauf, wie stark Menschen nach unkomplizierten Erlebnissen suchen, die nicht durch überbordende Regulierung oder technische Hürden ausgebremst werden.
Warum die Einfachheit früherer Technik heute erfrischend wirkt
Alte Konsolen und Gadgets haben eine Angewohnheit, die in der heutigen Elektronikwelt beinahe exotisch erscheint. Sie funktionieren einfach. Modul rein, Knopf drücken, los geht’s, während moderne Geräte gefühlt erst einmal mit der Cloud diskutieren, bevor sie sich zum Start überreden lassen.
Diese direkte Art hat nichts mit Rückständigkeit zu tun, sondern mit Klarheit. Viele klassische Spiele verzichten auf stundenlange Tutorials und komplexe Menüs, sondern erklären sich durch ihr Design. Genau diese Reduktion führt dazu, dass sich das eigentliche Erlebnis stärker entfalten kann, weil der Kopf nicht schon vor dem ersten Level mit Informationen überflutet wird.
Zudem entwickeln einfache Mechaniken oft eine überraschende Tiefe. Wer einmal versucht hat, in Tetris eine besonders knifflige Kombination perfekt zu setzen oder in einem alten Jump and Run den exakten Moment zum Sprung zu erwischen, weiß, dass die Intensität eines Spiels nicht zwingend von seiner grafischen Pracht abhängt. Die alte Technik wirkt deshalb nicht nur wegen ihrer Vergangenheit attraktiv, sondern weil sie heute einen Gegenpol zu überladenen Systemen bildet.
Wie moderne Technik den Zugang zu Retro-Gadgets erleichtert
Bemerkenswert ist, dass alte Technik ausgerechnet durch moderne Entwicklung wieder aufblüht. Mini-Konsolen haben den Retro-Trend einer breiten Masse zugänglich gemacht und ermöglichen es, Klassiker auf Fernsehern zu spielen, die mit den Originalgeräten nie kompatibel gewesen wären.
HDMI statt Antennenbuchse, moderne Netzteile statt bröckelnder Stromblöcke, Speicherfunktionen statt kryptischer Passwörter, all das macht Retro-Erlebnisse deutlich komfortabler. Dazu kommt die Welt der Emulation, die legalen Zugang zu alten Spielen schafft und Geräte wie den Analogue Pocket oder ähnliche Systeme ins Rampenlicht rückt.
Digitale Stores tragen zusätzlich dazu bei, dass Klassiker nicht nur am Leben bleiben, sondern auch neue Fans gewinnen. Selbst Personen ohne technische Vorkenntnisse können heute problemlos in Retro-Welten eintauchen, was den Trend weiter verstärkt. Die moderne Technik sorgt dafür, dass sich nostalgische Sehnsucht und zeitgemäße Bequemlichkeit nicht ausschließen, sondern einander perfekt ergänzen.
Communitys, Streaming und Sammlerleidenschaft tragen die ganze Szene
Jenseits der Geräte selbst existiert ein lebendiges Ökosystem, das den Retro-Hype nicht nur stützt, sondern aktiv antreibt. In Foren und Communitys tauschen sich Menschen über Reparaturen, Modding, seltene Fundstücke oder besonders exotische Spiele aus.
Selbst defekte Geräte finden neue Besitzer, weil Bastler darin wieder ein Stück Geschichte sehen. Gleichzeitig entsteht auf Streaming-Plattformen ein ganz eigenes Retro-Erlebnis, denn alte Spiele entfalten eine neue Wirkung, wenn sie live gespielt werden und Menschen gemeinsam darüber sprechen. Dieser Austausch sorgt dafür, dass Retro-Gaming nicht als museale Beschäftigung verstaubt, sondern als kulturelle Praxis fortbesteht.
Hinzu kommt der Sammlermarkt, der immer wieder überrascht, weil manche Module oder Konsolen plötzlich Wertzuwächse erreichen, mit denen niemand gerechnet hätte. Hier zeigt sich deutlich, wie vielfältig Retro-Tech geworden ist und wie viele Teilbereiche zusammenwirken, damit der Trend nicht an Kraft verliert. Manche sammeln aus Leidenschaft, andere aus historischem Interesse und einige, weil sie Freude am bewussten Umgang mit alter Technik haben.
Warum Retro auch eine Haltung sein kann
Die Rückkehr alter Geräte bleibt nicht ohne Wirkung auf die Technik von heute. Entwickler greifen gezielt auf Prinzipien vergangener Jahrzehnte zurück, sei es in Form klarer Pixelgrafiken, minimalistischer Steuerungen oder bewusst vereinfachter Spiellogiken.
Auch moderne Indietitel zeigen oft, wie gut nostalgische Elemente mit aktuellen Möglichkeiten harmonieren. Gleichzeitig entdecken Hersteller das Potenzial, bewährte Marken neu aufleben zu lassen und damit sowohl alte Fans zu erreichen als auch neue Zielgruppen zu begeistern.
Diese Kombination aus kultureller Bedeutung und wirtschaftlicher Attraktivität erklärt, weshalb Retro-Tech kein kurzlebiger Modeausflug ist, sondern zu einer festen Größe im Technikmarkt geworden ist.
Die Beständigkeit des Trends zeigt sich zudem daran, dass sich immer mehr Menschen aktiv mit dem Erhalt alter Technik beschäftigen und sie als Teil eines kollektiven digitalen Erbes verstehen. Retro-Geräte haben damit einen eigenständigen Status erlangt, der weit über nostalgische Romantik hinausgeht.
Auffällig ist, dass Retro-Gadgets nicht nur als unterhaltsame Gegenstände wahrgenommen werden, sondern immer öfter mit bewussteren Konsumentscheidungen in Verbindung stehen. Viele Geräte wurden früher für eine lange Lebensdauer entwickelt und können mit etwas Pflege noch Jahrzehnte bestehen.
Diese Wertschätzung für solide Hardware führt dazu, dass der Umgang mit Technik wieder persönlicher wird. Reparieren statt wegwerfen, erhalten statt ersetzen, sammeln statt konsumieren, solche Ansätze gewinnen wieder an Bedeutung und verleihen alten Geräten eine neue Rolle. Retro-Tech wird damit nicht nur zum nostalgischen Vergnügen, sondern zu einer Haltung, die Qualität, Individualität und technisches Verständnis fördert.
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Daten gegen Rabatte: Wie verbraucherfreundlich sind Bonusprogramme wirklich?
Die Schlange an der Kasse ist lang, die Luft flimmert leicht im Neonlicht, und dann kommt er, der Momen: „Haben Sie eine Kundenkarte?“ Die meisten greifen schon routiniert in die Tasche, scannen die App oder nicken dem Kassierer zu. Punkte sammeln, Rabatte sichern, Bonus einlösen.
Doch hinter der freundlichen Oberfläche verbirgt sich ein ausgeklügeltes System, das deutlich mehr im Blick hat als nur ein paar Prozente auf Toilettenpapier oder Tiefkühlpizza. Wer Bonusprogramme nutzt, öffnet die Tür zu einem umfassenden Datenschatz, der Unternehmen reicher macht als jeder Punktestand auf dem Smartphone.
Warum gehen Unternehmen so großzügig mit Rabatten um?
Bonusprogramme wirken auf den ersten Blick wie ein netter Zug des Handels. Punkte für Treue, kleine Rabatte hier und da, exklusive Coupons zum Geburtstag, fast schon wie eine Belohnung fürs Einkaufen. Doch die scheinbare Großzügigkeit folgt einer simplen Logik. Das Ziel ist Kundenbindung durch gezielte Belohnungssysteme, ganz egal, ob im Supermarkt oder im Casino (vgl. https://www.hochgepokert.com/casino/bonus/). Gerade im Glücksspiel werden Boni inzwischen so inflationär vergeben, dass es inzwischen nicht um die Frage geht, ob man einen bekommt, sondern wie hoch dieser ausfällt.
Was auf den Kassenzettel wie ein Geschenk wirkt, ist in Wahrheit ein Handel. Und zwar einer, bei dem der Preis aus Bits und Bytes besteht. Denn wer regelmäßig bei denselben Anbietern einkauft, bleibt im System, wird berechenbar, wird manipulierbar.
Die Rabatte zahlen sich für die Unternehmen langfristig aus, und zwar über das wachsende Wissen über Vorlieben, Routinen und Gewohnheiten. Und genau darum geht es. Wer weiß, was morgen gekauft wird, kann heute schon die passende Werbung ausspielen. Das ist nicht großzügig, das ist Kalkül.
Das passiert beim Punktesammeln im Hintergrund
Jedes Mal, wenn der Scanner piept, wandert ein Produkt über das Band und eine Information über die Theke. Welcher Joghurt gekauft wurde, zu welcher Uhrzeit, in welcher Filiale, mit welchem weiteren Produkt im Korb. Das alles ergibt ein immer schärferes Bild des Einkaufsverhaltens. Kombiniert mit den Angaben aus der App-Nutzung, dem Wohnort, dem Geburtsdatum und den Interessen ergibt sich ein Profil, das kaum Raum für Geheimnisse lässt.
Viele Programme gehen sogar noch weiter. Standortdaten aus den Apps zeigen, wo sich Nutzer aufhalten, Bewegungsprofile geben Hinweise auf Pendelstrecken und Aufenthaltsorte. Wer regelmäßig den Biomarkt besucht, wer donnerstags Schnäppchen jagt oder sonntags um 22:37 Uhr Onlineangebote durchstöbert, all das landet in der Auswertung.
Dieses Wissen ist Gold wert. Es erlaubt gezielte Werbung genau wie Preissteuerung, Produktempfehlungen und sogar den Aufbau algorithmischer Prognosen. Wer heute Babybrei kauft, könnte morgen Windeln brauchen. Die Zukunft wird zur Ware, das Profil zum Produkt.
Wie transparent sind Bonusprogramme wirklich?
In der Theorie ist alles ganz einfach. Nutzer stimmen der Datenverarbeitung zu, die Anbieter halten sich an die Datenschutzgrundverordnung, alles läuft geregelt ab. In der Praxis sieht das anders aus. Die Einwilligungen verstecken sich oft hinter langen Textwüsten, Checkboxen werden voreingestellt, Datenschutzerklärungen sind sperrig und technisch formuliert. Wer sich nicht gezielt damit auseinandersetzt, weiß oft gar nicht, worin er eigentlich eingewilligt hat.
Zwar verlangen die gesetzlichen Rahmenbedingungen, dass Nutzer informiert werden, was mit ihren Daten geschieht. Doch Transparenz ist nicht gleich Verständlichkeit. Und während die Anbieter auf „Nutzerfreundlichkeit“ pochen, bleibt die Frage offen, ob wirklich jeder versteht, was beim Klick auf „Akzeptieren“ mit dem eigenen Profil passiert.
Zudem fehlt es vielen Programmen an echter Kontrolle. Zwar können Nutzer der Verarbeitung widersprechen oder ihre Daten einsehen lassen, doch der Aufwand ist hoch, die Reaktionszeiten mitunter träge und die Informationspolitik selten proaktiv. Datenschutz wird gewährt, aber nicht gelebt.
Sparen oder nur das Gefühl davon?
Die große Frage, die über all dem schwebt, ist, ob sich das Ganze überhaupt lohnt? Die Antwort hängt stark vom Einkaufsverhalten ab. Wer regelmäßig beim selben Anbieter einkauft, Coupons strategisch nutzt und Sonderaktionen konsequent ausreizt, kann durchaus ein paar Prozent sparen. Studien zeigen Rückvergütungen zwischen 0,5 und 1,6 Prozent.
Anders sieht es aus, wenn das Bonusprogramm nur sporadisch zum Einsatz kommt. Dann ist der Ertrag oft mager, der Aufwand hoch und der Datenschutz fraglich. Hinzu kommt ein weiterer Effekt. Wer sich auf Punktejagd begibt, ist empfänglicher für Marketingtricks. Sonderaktionen, personalisierte Rabatte und limitierte Coupons fördern Impulskäufe und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Geld ausgegeben wird als geplant. Der Rabatt wird zum Köder, der den Einkaufswagen voller macht.
Warum Bonusprogramme mehr steuern als belohnen
Was auf den ersten Blick wie ein Spiel wirkt, hat tiefgreifende psychologische Effekte. Punkte sammeln aktiviert Belohnungszentren im Gehirn, Fortschrittsanzeigen und Levels wecken Ehrgeiz und sammeln unbemerkt Verhaltensmuster. Die Mechanik erinnert an Videospiele. Mehr kaufen, mehr Punkte, neue Stufe. Dieses Prinzip nennt sich Gamification und wird bewusst eingesetzt, um Nutzer bei der Stange zu halten.
Bonusprogramme sind damit nicht nur freundliche Serviceleistungen. Sie wirken wie ein Verhaltenslenkungssystem mit freundlichem Gesicht. Das Bedürfnis nach Belohnung wird angestachelt, der Konsum verstärkt, die Kontrolle schwindet. Und weil es so beiläufig daherkommt, fällt es kaum auf.
Die Daten werden dabei gesammelt, interpretiert und genutzt, um neue Reize zu setzen. Wer samstags viel einkauft, bekommt freitags einen Coupon. Wer länger nicht online war, wird mit Sonderpunkten gelockt. Die Illusion von Kontrolle bleibt erhalten, während im Hintergrund ein System arbeitet, das jede Regung erfasst.
Der kritische Blick auf die eigene Teilnahme
Nicht jeder profitiert gleichermaßen von Bonusprogrammen. Vielkäufer und Gewohnheitseinkäufer können aus dem System durchaus Vorteile ziehen, sofern sie konsequent Punkte sammeln und sich nicht verführen lassen. Für Gelegenheitsnutzer hingegen bleibt der Nutzen oft gering, während der Datenfluss konstant bleibt.
Wer Datenschutz ernst nimmt, sollte das eigene Verhalten hinterfragen. Viele Programme erlauben zumindest teilweise Kontrolle. Man kann die Standortfreigabe ausschalten, Drittanbieter blockieren oder personalisierte Werbung ablehnen. Auch lohnt es sich, Apps mit wenigen Rechten zu bevorzugen oder auf Anbieter zu setzen, die mit echten Rabatten statt Punktesystemen arbeiten.
Der kritischste Punkt ist jedoch der mentale Umgang mit dem Belohnungssystem. Wer bewusst einkauft, statt sich von Coupons lenken zu lassen, bleibt souverän. Wer Angebote vergleicht, unabhängig vom Punktestand entscheidet und das Smartphone auch mal in der Tasche lässt, behält die Kontrolle. Nicht über das System, aber über sich selbst.
Bonusprogramme im Glücksspiel: Wenn der Preis nicht nur Daten sind
Während es im Supermarkt vor allem um Einkaufsdaten geht, ist der Einsatz bei Online-Casinos eine andere Nummer. Hier sind Bonusprogramme integraler Bestandteil einer psychologisch aufgeladenen Mechanik, die Verhalten intensiv beeinflussen kann.
Freispiele, Willkommensboni, wöchentliche Belohnungen, all das dient dem Aufbau einer Routine. Wer regelmäßig spielt, bekommt regelmäßig etwas. Und wer regelmäßig etwas bekommt, spielt regelmäßig. Ein Kreislauf, der besonders dann kritisch wird, wenn aus Unterhaltung Ernst wird und sogar die Gesundheit auf dem Spiel steht.
Auch hier fließen Daten. Spielverhalten, Einsätze, Lieblingsspiele. All das wandert in Datenbanken, wird analysiert, segmentiert und in Angebote umgewandelt. Die Grenze zwischen Service und Manipulation verschwimmt, der Datenschutz tritt gegenüber dem Verhaltenstracking in den Hintergrund. Was bleibt, ist ein System, das exakt weiß, wann es was geben muss, um das Spiel am Laufen zu halten.
Fazit: Kleine Ersparnis, hoher Preis?
Bonusprogramme sind kein Teufelszeug. Sie können nützlich sein, durchdacht genutzt sogar ein bisschen Geld sparen. Doch sie sind nie ein Geschenk. Sie beruhen auf einem klaren Tauschgeschäft, bei dem auf der einen Seite Daten stehen und auf der anderen Seite Belohnungen, die mal mehr, mal weniger den Aufwand wert sind.
Ob sie verbraucherfreundlich sind, hängt nicht nur vom Anbieter ab, sondern auch davon, wie bewusst man sie nutzt. Wer weiß, worauf er sich einlässt, kann profitieren. Wer blind Punkte jagt, zahlt oft mehr als er denkt.
Allgemein
Bulgarien will Milliarden-Loch mit Glücksspiel-Steuern schließen: Kann Deutschland etwas davon lernen?
Die bulgarische Regierung hat ein überraschend einfaches Werkzeug gewählt, um ein gewaltiges Haushaltsdefizit zu bändigen. Über eine Anhebung der Glücksspielsteuer soll frisches Geld in die Staatskasse wandern. Wenn also jemand mit einer Einzahlung von 5 Euro im Casino spielt, wird darauf eine erhöhte Steuer als bisher von den verantwortlichen Unternehmen abgezogen und fließt in die Staatskasse.
Dieser Schritt wirkt auf den ersten Blick beinahe unscheinbar, entfaltet jedoch eine stärkere Wirkung, sobald man die Hintergründe betrachtet. Die Maßnahme ist nicht isoliert gedacht, da gleichzeitig die Marktstruktur stabilisiert und das Kontrollniveau erhöht werden soll. Dadurch entsteht ein Modell, das sowohl fiskalische als auch regulatorische Fragen beantwortet und sich deshalb hervorragend für einen systematischen Vergleich eignet.
So will Bulgarien sein Haushaltsdefizit mithilfe höherer Glücksspielsteuern verringern
Ab Januar 2026 plant die bulgarische Regierung eine Erhöhung des Steuersatzes auf den Bruttospielertrag von bisher zwanzig auf fünfundzwanzig Prozent. Diese Anpassung umfasst sämtliche Formen des Glücksspiels und damit Online Casinos, Sportwetten, Lotterien sowie Gewinnspiele. Der Schritt mag moderat wirken, doch der Hintergrund macht die eigentliche Bedeutung deutlich, denn im Haushalt klafft ein Loch, das sich auf mehrere Milliarden Euro beläuft.
Zunächst stand sogar eine Ausweitung auf dreißig Prozent im Raum. Dieser Vorschlag löste allerdings deutliche Gegenstimmen in der Branche aus und wurde schließlich zugunsten eines Kompromisses fallen gelassen. Die jetzige Variante zeigt, wie feinfühlig solche Eingriffe gestaltet werden müssen. Ein Staat kann zusätzliche Einnahmen anstreben, doch eine überzogene Anhebung hätte fatale Folgen, da sie Anbieter überlasten und der legalen Struktur schaden würde.
Parallel zur Steueranpassung sollen Kontrollen intensiviert und Maßnahmen zur Prävention gestärkt werden. Diese flankerenden Schritte wirken wie eine Art Sicherheitsgürtel, da ein stabiler Markt nur dann langfristig funktioniert, wenn Regeln eingehalten und Risiken begrenzt werden. Dadurch erhält die Steuererhöhung einen Rahmen, der deutlich über reine Einnahmenerzielung hinausgeht.
Auswirkungen einer höheren Steuer auf Anbieter und Marktstruktur
Eine Abgabe auf den Bruttospielertrag trifft Anbieter spürbar, da sie nicht vom Erfolg einzelner Angebote abhängt, sondern einen festen Kostenblock darstellt. Dieser Mechanismus reduziert die Marge und erzeugt wirtschaftlichen Druck, der kaum abgefedert werden kann. Glücksspielunternehmen arbeiten ohnehin mit eng kalkulierten Spannbreiten und selbst kleine Veränderungen können hier große Effekte auslösen.
Für Anbieter bedeutet das eine erhöhte Notwendigkeit, Produktpaletten anzupassen oder Vergünstigungen zu reduzieren, um wirtschaftlich stabil zu bleiben. Gleichzeitig entsteht ein klassisches Risiko, das viele Glücksspielmärkte begleitet. Wenn legale Angebote unattraktiver werden, entsteht Raum für Anbieter ohne Lizenz, die sich zu keinerlei Regeln verpflichtet fühlen und damit wirtschaftliche Vorteile besitzen. Diese Entwicklung schwächt den regulierten Markt und führt zu geringeren Steuereinnahmen, obwohl die Steuerpolitik eigentlich das Gegenteil bewirken soll.
Bulgarien versucht diesen Effekt zu verhindern, indem ein mittlerer Satz gewählt wurde, der spürbar ist, aber nicht zerstörerisch. Dadurch bleibt die Marktstruktur belastbar und dennoch entstehen zusätzliche Einnahmen. Das macht das Modell aus Sofia zu einem interessanten Beispiel für andere Staaten, die in einer vergleichbaren Lage sind.
Ein Blick auf Deutschland – Glücksspielmarkt und Steuern
Deutschland bietet ein deutlich komplexeres Bild. Die föderale Struktur sorgt für unterschiedliche Zuständigkeiten und eine Vielzahl von Abgaben. Betreiber von Geldspielgeräten müssen etwa mit der Vergnügungssteuer rechnen, während Spielbanken eine Abgabe entrichten, die je nach Bundesland variiert. Dazu kommt die seit 2021 geltende Steuer auf Einsätze bei Sportwetten, Online Slots und Online Poker in Höhe von 5,3 Prozent. Diese Einsatzsteuer ist in ihrer Konstruktion besonders anspruchsvoll, da sie bereits beim Setzen fällig wird und damit unabhängig vom Spielergebnis bleibt. Dadurch geraten legale Anbieter in eine ungünstige Lage, während nicht lizenzierte Plattformen einen Vorteil erhalten, da sie keinerlei Abgaben zahlen.
Die Folge ist eine strukturelle Schieflage, die legale Anbieter belastet und unregulierten Angebote einen fruchtbaren Boden bereitet. Die Einführung des Glücksspielstaatsvertrags im Jahr 2021 sowie die Schaffung einer zentralen Behörde zur Regulierung haben zwar Ordnung in das Lizenzsystem gebracht, doch an der steuerlichen Vielschichtigkeit hat sich wenig geändert. Jeder Eingriff muss daher äußerst vorsichtig erfolgen, da er Auswirkungen auf diverse Marktsegmente haben kann.
Wo sich die Systeme überschneiden und worin sie sich voneinander abheben
Beide Länder nutzen Glücksspiel als Einnahmequelle, allerdings mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Bulgarien verfügt über einen kompakteren Markt, der schneller auf steuerliche Anpassungen reagiert. Deutschland hingegen operiert in einer breiten Struktur mit staatlichen und privaten Akteuren sowie vielfältigen Formen des Glücksspiels, was Eingriffe komplexer macht.
Die Lizenzmodelle zeigen ebenfalls deutliche Unterschiede. Bulgarien arbeitet mit klar definierten Vorgaben, während Deutschland ein historisch gewachsenes System besitzt, das viele Einzelregelungen enthält und erst seit wenigen Jahren digitalisiert wird. Diese unterschiedlichen Ausgangspunkte erschweren es, die bulgarische Lösung eins zu eins zu übertragen, da sie in einem wesentlich einfacheren Umfeld greift.
Diese Lehren könnte Deutschland aus dem bulgarischen Vorgehen ziehen
Trotz der Unterschiede bietet das Modell aus Bulgarien eine interessante Erkenntnis. Eine maßvolle Steueranpassung kann sinnvoll sein, sofern sie nicht überzogen wird und von Maßnahmen begleitet wird, die den Markt stabilisieren und Schwarzanbieter unattraktiv machen.
Dadurch entsteht ein flexibles Instrumentarium, das nicht nur Geld in die Staatskasse spült, sondern gleichzeitig die Integrität des Marktes stärkt. Dieser Gedanke wirkt fast banal, erhält jedoch Tiefe, sobald man ihn auf ein großes, vielschichtiges System überträgt, das von Interessen der Politik, wirtschaftlichen Kräften und gesellschaftlichen Anforderungen geprägt wird.
Besonders wertvoll ist die Einsicht, dass staatliche Einnahmeziele und Marktstabilität nicht im Widerspruch stehen müssen. Ein ausbalanciertes Modell kann beides leisten, nämlich finanzielle Spielräume schaffen und gleichzeitig den legalen Markt attraktiv halten, sodass unregulierte Angebote weniger verlockend erscheinen. In der Praxis zeigt sich oft, dass gerade dieser Spagat misslingt, weil sich fiskalischer Ehrgeiz und regulatorische Strenge gegenseitig blockieren. Bulgarien beweist, dass ein durchdachter Mittelweg wirkt, wenn er sorgfältig vorbereitet wird und von Maßnahmen begleitet wird, die Spielerschutz, Transparenz und Kontrolle erhöhen.
Ein differenzierter Ansatz ist notwendig
Das Beispiel aus Sofia zeigt, dass ein moderater Eingriff große Wirkung entfalten kann, sobald er in ein stimmiges Konzept eingebettet wird. Glücksspielmärkte reagieren empfindlich auf Überregulierung und jede Anhebung einer Steuer kann weitreichende Folgen haben. Deutschland benötigt daher Lösungen, die in mehreren Schichten greifen und sowohl den legalen Markt stärken als auch Einnahmen sichern.
Bulgarien liefert damit ein Modell, das fiskalische Ziele mit marktpolitischer Vorsicht verbindet. Für Deutschland ergibt sich daraus eine Art Orientierungshilfe, die zeigt, dass durchdachte Veränderungen mehr bewirken können als drastische Schritte.
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Christian Zillgen
1. Februar 2025 at 17:07
Bitte alle CDU Deppen mal die Klappe halten btw die Finger still halten 🙂
Wer mit Faschisten kuschelt sollte hier bitte einfach nur lesen und sich reflektieren.
Zum Glück wird die Linke immer stärker und bekommt auch entsprechende Rückmeldung dass dieses menschenverachtende Verhalten der CDU und FDP abgestraft
Alerta
Robert Schroeder
2. Februar 2025 at 20:57
Liebe Redaktion, herzlichen Dank für diese deutliche und korrekte Kommentierung und Bewertung der Ereignisse!
Es ist außerdem sehr schön zu sehen, dass die Zivilbevölkerung jetzt genug hat von der immer weiter nach rechts rückenden Realpolitik und gegen diese Tendenz, die im Schulterschluss der CDU mit den Neofaschisten ihren Tiefpunkt gefunden hat, in Größenordnungen auf die Straße geht, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat.
Wir leben gerade in interessanten Zeiten, und plötzich wächst seit langer Zeit doch nochmal die Hoffnung, dass es am 23. Februar ausnahmsweise konsequent humanistische, linke Kräfte sein könnten, die von all dem profitieren, und das natürlich völlig zu Recht.