VG Nastätten
Bauantrag für das Feuerwehrgerätehaus Nastätten ist gestellt
Julia Schmerbach vom Büro M&P Architekten (links), Projektleiter Robin Balzer (rechts) und Bürgermeister Jens Güllering - Bildquelle:
Verbandsgemeinde Nastätten
NASTÄTTEN Zum Schluss bedurfte es genau 153 Unterschriften des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Nastätten Jens Güllering, um den Bauantrag für das neue Feuerwehrgerätehaus Nastätten auf den finalen Weg zur Baugenehmigungsbehörde bei der Kreisverwaltung zu bringen.
Mit Unterstützung der Architektin Julia Schmerbach und dem Mitarbeiter im Bauamt der Verbandsgemeinde Nastätten, Robin Balzer war die Unterzeichnung der Pläne und Antragsformulare für den Bürgermeister eine schnelle Sache. „Die Hauptarbeit wurde im Vorfeld geleistet“, so Güllering. Denn die Planung für das neue Gebäude der örtlichen Wehr war aufwendig, aber auch in der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik und Feuerwehr sowie den beauftragten Fach- und Planungsbüros mit dem Projektsteurer konstruktiv und zielführend.
Die nun eingereichten Planungsunterlagen wurden bereits im Vorfeld mit den zuständigen Stellen wie zum Beispiel dem Bauamt bei der Kreisverwaltung, der Brandschutzdienststelle und der Unfallkasse inhaltlich abgestimmt. „Insofern erwarten wir keine schwerwiegenden Rückfragen“, so Projektleiter Balzer.
Während der Genehmigungsphase wird selbstverständlich weiter an der Projektrealisierung gearbeitet. So findet aktuell die Bauausführungsplanung statt. Auf dieser Grundlage werden dann die Leistungsverzeichnisse für die Ausschreibungen erstellt. Ziel der Verbandsgemeinde ist es, möglichst bald im neuen Jahr mit den Bauarbeiten zu beginnen.
Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Nastätten wurde bereits im Jahr 2018 durch den Verbandsgemeinderat als Notwendigkeit festgestellt. Hauptgrund ist die Lage des aktuellen Hauses am stark frequentierten Marktplatz in der Nastätter Innenstadt. Hier kommt es immer wieder zu Konflikten bei der Zu- und Abfahrt. Auch die Übungs- und Ausbildungsaktivitäten sind am aktuellen Standort kaum möglich. Nach einer aufwendigen Standortsuche und Bewertung konnte ein Grundstück direkt an der Bundesstraße 274 in der Sandkaut gefunden werden. Dort wird ein funktionales und zukunftsfähiges neues Gerätehaus nach dem aktuellen Stand der Technik errichtet.
Politik
Wahlkreis 7 vor der Landtagswahl: Acht Bewerber kämpfen um das Direktmandat SPD, CDU, Grüne, AfD, FDP, Linke, Freie Wähler und ÖDP stellen Direktkandidaten
POLITIK Am 22. März findet die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz statt. Im Wahlkreis 7, zu dem die Verbandsgemeinden Diez, Aar-Einrich, Nastätten und Bad Ems-Nassau gehören, bewerben sich acht Kandidaten um ein Direktmandat.
Für die SPD tritt erneut Manuel Liguori aus Nassau an. Er gehört dem rheinland-pfälzischen Landtag seit drei Jahren an. Liguori ist gelernter Maler- und Lackierer, war zuvor Lehrer an der Berufsbildenden Schule Diez und ist aktuell Stadtbürgermeister von Nassau. Zudem ist er Mitglied des Kreistags Rhein-Lahn und Kreisvorsitzender der SPD Rhein-Lahn. Liguori ist verheiratet und hat ein Kind.
Die CDU schickt Matthias Lammert ins Rennen. Der gebürtige Tübinger ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und gelernter Jurist. Seit 2001 gehört er ununterbrochen dem Landtag Rheinland-Pfalz an und ist dort Vizepräsident. Lammert ist Mitglied des Kreistags Rhein-Lahn, war von 2009 bis 2022 Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion und von 2019 bis 2021 stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Zudem ist er Mitglied im Verbandsgemeinderat Diez.
Für Bündnis 90/Die Grünen kandidiert Annemarie Imgrund. Die 38-Jährige lebt in Nassau, wuchs am Niederrhein auf und ist beruflich als Autorin und Creatorin tätig. Sie ist verheiratet, besitzt das Abitur und gehört der Partei seit dem Sommer 2024 an.
Direktkandidat der AfD ist Robin Classen. Der 35-jährige Familienvater ist Jurist und als Rechtsanwalt tätig. Er ist Mitglied des AfD-Landes- und Kreisvorstands und steht auf Platz 11 der Landesliste.
Für die FDP tritt Frank Michael Schöberl aus Diez an. Der 60-jährige Diplom-Volkswirt ist Mitglied des Stadtrats und Vorsitzender der FDP-Fraktion im Verbandsgemeinderat. Er arbeitet als kaufmännischer Niederlassungsleiter und belegt Platz 33 der FDP-Landesliste.
Die Partei Die Linke wird durch Ann-Kathrin Brings vertreten. Die 25-jährige Mutter lebt in Obernhof, ist Heilerziehungspflegerin und in der Pädagogik für Menschen mit Beeinträchtigungen tätig. Sie steht auf Platz 10 der Landesliste und ist Mitglied im Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Gesundheit.
Für die Freien Wähler kandidiert erneut Lisa-Marie Jäckel. Die 32-jährige Volljuristin gehört dem Landtag seit 2021 an und war 2024 parlamentarische Geschäftsführerin der Landtagsfraktion. Jäckel ist Vorsitzende der Jungen Freien Wähler Rheinland-Pfalz und stammt aus Weilburg.
Erstmals stellt die ÖDP im Wahlkreis einen eigenen Kandidaten. Der 26-jährige Wolfgang Schaefer ist Verwaltungsfachangestellter, stammt aus Nassau, steht auf Platz 11 der Landesliste und ist Co-Bundesvorsitzender der Parteijugend JÖ.
Politik
Gordon Schnieder will Zwangsmitgliedschaft in der Pflegekammer beenden Klinikschließungen, Pflege und Sicherheit bestimmten CDU-Veranstaltung in Miehlen
MIEHLEN Rund 60 Besucher sind am Samstag im evangelischen Gemeindehaus in Miehlen einer Einladung der CDU durch den stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungen Union, Cedric Crecelius, gefolgt. Im Mittelpunkt standen die Themen Gesundheitsversorgung, Pflege und innere Sicherheit. Hauptredner war Gordon Schnieder (CDU), Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März 2026. Zweiter Hauptredner war Matthias Lammert, Vizepräsident des Landtags Rheinland-Pfalz. Der BEN Kurier war als Presse vor Ort.
Die Diskussion drehte sich entlang der CDU-Schwerpunkte um die Frage, wie Rheinland-Pfalz im ländlichen Raum die Grundversorgung sichern kann und wo nach CDU-Lesart „Strukturen kippen„, bevor Reformen greifen.
Schnieder: Kliniksterben im Norden – „Grundversorgung in der Fläche“ als Leitlinie
Schnieder stellte die Krankenhausversorgung an den Beginn seiner Rede. Er beschrieb eine Entwicklung, in der kleinere Standorte unter wirtschaftlichen Druck geraten, Notaufnahmen in größeren Kliniken überlastet werden und Patientenwege länger werden. Sein Kernargument: Rheinland-Pfalz brauche nicht überall Maximalversorger, aber eine verlässliche Grundversorgung in erreichbarer Nähe.
In diesem Zusammenhang sprach Schnieder über die bevorstehenden Veränderungen durch die Krankenhausreform ab 2027 und formulierte als politische Linie, vorhandene Standorte bis zur Umstrukturierung „am Start zu halten„, statt nach Schließungen später teuer neu aufzubauen. Dazu nannte er einen jährlichen Stabilisierungsbedarf und begründete ihn mit dem Zeitfenster bis zur Reformumsetzung.
Publikumsfrage zur Finanzierung: „Prioritäten umsetzen„
Aus dem Publikum wurde konkret nach der Finanzierung gefragt: Wenn für Krankenhäuser deutlich mehr Geld nötig sei, woher solle es kommen?
Schnieder antwortete mit einem haushaltspolitischen Argumentationsstrang: Rheinland-Pfalz habe aus seiner Sicht kein Einnahmeproblem, sondern müsse Prioritäten setzen. Zusätzliche Mittel seien politisch möglich, wenn Gesundheitspolitik als Kernaufgabe verstanden werde. Er kritisierte, dass Investitionsförderungen zu lange nicht im erforderlichen Maß angepasst worden seien, und stellte den Anspruch entgegen, das Land dürfe sich nicht in erster Linie als „Geld-auf-die-Seite-Leger“ verstehen, sondern als Gestalter von Daseinsvorsorge.
Notfallrealität: „Telefonieren, bis ein Krankenhaus zusagt„
Einen besonders greifbaren Moment lieferte eine Publikumsfrage, die konkrete Abläufe schilderte: Ein Rettungswagen stehe, trotz ärztlichem Verdacht auf eine lebensbedrohliche Diagnose, lange vor einer Praxis, weil geklärt werden müsse, welches Krankenhaus den Patienten aufnimmt. Außerdem wurde ein Fall beschrieben, in dem Patienten nach Unfällen abgewiesen worden seien, weil Fachärzte nicht verfügbar gewesen seien.
Schnieder ordnete das als Systemfolge ein: Wenn Häuser schließen oder zeitweise keine Kapazitäten haben, entstehe eine Kettenreaktion, mit mehr Druck auf umliegende Kliniken, längeren Wartezeiten und unklaren Zuständigkeiten. Sein politischer Schluss daraus: Grundversorgung stabilisieren, Strukturen planbar umbauen, statt den „Schaden“ erst entstehen zu lassen.
Rettungsdienst, Ehrenamt, First Responder und Rettungshundestaffeln: „Warum muss das über Spenden laufen?„
Neben den Kliniken spielte in Miehlen auch das Thema Ehrenamt im Rettungswesen eine Rolle. In der Diskussion wurde die Situation von First-Responder-Gruppen und der Rettungshundestaffel im Rhein-Lahn-Kreis angesprochen, verbunden mit der Kritik, dass sich solche Strukturen häufig über Spenden und Fördervereine finanzieren müssen.
Schnieder stellte die Frage nach der politischen Logik dahinter: Wenn ein solches Ehrenamt gesellschaftlich gewollt sei und im Ernstfall Zeit gewinne, müsse das Land aus CDU-Sicht stärker mittragen. Gleichzeitig vermied er in Detailfragen pauschale Zusagen, etwa zur Frage, ob und wie Freistellungen gegenüber Arbeitgebern landesweit geregelt werden könnten. Sein Fokus blieb auf dem Grundsatz: Engagement ja, aber nicht dauerhaft auf Kante über Fördervereine.
Auch Matthias Lammert griff das Thema im Rahmen der Veranstaltung auf und signalisierte, dass aus seiner Sicht mehr Unterstützung durch das Land geprüft werden müsse, insbesondere dort, wo Ehrenamt Aufgaben übernimmt, die faktisch Teil der Sicherheitsarchitektur geworden sind.
Gordon Schnieder: „Zehn Jahre Zeit – keine Akzeptanz: Dann ist das Pflegekammermodell gescheitert„
Einer der zentralen politischen Sätze des Nachmittags fiel beim Thema Pflege: Gordon Schnieder stellte die Pflichtmitgliedschaft in der Pflegekammer Rheinland-Pfalz grundsätzlich infrage.
Er argumentierte, die Kammer habe über Jahre Zeit gehabt, Akzeptanz zu schaffen. Wenn eine berufsständische Vertretung nach so langer Zeit von vielen Pflegekräften nicht als starke Stimme wahrgenommen werde, müsse Politik Konsequenzen ziehen. Schnieder kündigte einen Strukturwechsel an: weg von Zwangsmitgliedschaft und Zwangsbeitrag, hin zu einem anderen Modell mit neuer Konstruktion und anderem Namen.
Dabei war der Kontrast zu anderen Ländern Teil seiner Argumentation: In Nordrhein-Westfalen existiert inzwischen ebenfalls eine Pflegekammer; dort werden Beiträge ab 2026 erhoben, laut Beitragsordnung in der Größenordnung von 20 Euro pro Jahr. In Bayern wiederum gibt es keine klassische Pflegekammer, sondern die Vereinigung der Pflegenden in Bayern, freiwillig und beitragsfrei.
Aus dem Publikum kam dazu eine konkrete Frage: Wie steht Schnieder zum Punktesystem der Pflegekammer für Fort- und Weiterbildungen, das nach Schilderung von Teilnehmern als Druck empfunden werde, auch, weil nicht jeder Arbeitsplatz ein passendes Fortbildungsangebot vorhalte?
Schnieder ging nicht grundsätzlich gegen Fortbildung vor, sondern gegen den Mechanismus. Er stellte die Logik infrage, wenn Betriebe ohnehin intern qualifizieren, gleichzeitig aber ein zusätzliches, kammergetriebenes System Druck erzeugt, teils in Freizeit, teils mit unklarer Anerkennung. Aus seiner Sicht müsse das Modell entweder einheitlich oder vertrauensbasiert sein, beides parallel werde nicht funktionieren.
Pflegefachkraft aus dem Publikum: „Nehmen Sie uns aus der Zwangsmitgliedschaft raus?“
Besonders deutlich wurde die Stimmung in einem Wortbeitrag einer Pflegefachkraft, die schilderte, sie sehe keinen Vorteil, aber Kosten und Bürokratie. Sie betonte, Rheinland-Pfalz sei eines der Länder, in denen die Pflichtmitgliedschaft besonders umstritten sei; die Kammer werde politisch seit Jahren diskutiert, 2026 ist zudem eine Mitgliederbefragung zur Zukunft der Pflegekammer angekündigt.
Schnieder antwortete mit einer klaren politischen Linie: keine Zwangsmitgliedschaft, kein Zwangsbeitrag, Umstrukturierung in eine neue Form der Interessenvertretung, die hoheitliche Aufgaben wahrnimmt, aber Akzeptanz über Freiwilligkeit gewinnt, als Modellskizze verwies er erneut auf Bayern.
Innere Sicherheit: mehr Präsenz, mehr Kräfte, neue Berufsprofile
Beim Thema innere Sicherheit blieb der Grundton klassisch CDU: Schnieder forderte mehr sichtbare Präsenz, mehr Personal und den Ausbau von Kapazitäten, verbunden mit dem Hinweis, dass Statistikzahlen und Teilzeitanteile in der Praxis nicht automatisch „mehr Streifenwagen auf der Straße“ bedeuten. Schnieder sprach über das, was er als „Angsträume“ bezeichnete, Orte, an denen Menschen, vor allem Frauen, abends nicht mehr alleine unterwegs sein wollen. Er argumentierte: „Selbst wenn Angst subjektiv sei, sei der Staat verpflichtet, Sicherheit herzustellen. Im öffentlichen Bereich muss ich mich frei bewegen dürfen“.
Sein Rezept: mehr Polizei, mehr Präsenz, bessere Ausrüstung und Kapazitäten. Er relativierte die Zahl „10.000 Polizisten“ mit dem Hinweis auf Teilzeitanteile und die reale Streifenstärke. Er sprach außerdem über die Idee, den Kommunalvollzugsdienst zu professionalisieren, mit Ausbildung, klaren Befugnissen und einer kommunalen Finanzbasis, die das überhaupt möglich macht.
Bildung: „Nur wer Deutsch kann, hat eine Chance auf Bildung„
Im Bildungsblock setzte Schnieder prioritär auf Sprache, Lesen, Schreiben, Rechnen. Er argumentierte, Bildungschancen hängen unmittelbar daran, ob Kinder die deutsche Sprache beim Start in die Grundschule beherrschen. „Ich bin überzeugt: Kinder haben nur dann eine Chance auf Bildungskarriere, wenn sie am ersten Tag der Grundschule die deutsche Sprache können„, sagte er. „Nur wer Deutsch kann, hat eine Chance auf Bildung.„
Er kritisierte, dass Kitas und Grundschulen aus seiner Sicht nicht verlässlich genug funktionieren, mit Ausfällen, Personalengpässen, Unsicherheit für Eltern. Und er kündigte das Konzept einer „Grundschulgarantie“ an: Montag bis Freitag, 8 bis 14 Uhr, verlässliche Struktur, Mittagessen, Hausaufgaben in der Schule.
Schnieder sprach außerdem die Verschiebung Richtung Gymnasium an und stellte die Frage, ob allein der Elternwunsch entscheidend sein sollte. Er sagte, er wolle „für das Kind“ die passende Schule finden, nicht unbedingt die, die Eltern bevorzugen.
Wortmeldung zu Jesiden sowie religiösem Extremismus
Im weiteren Verlauf der Diskussion meldete sich ein Teilnehmer aus dem Publikum zu Wort. Er sprach die Situation von Jesiden an und äußerte die Sorge, dass Abschiebungen in den Nordirak aus seiner Sicht nicht verantwortbar seien. Zugleich thematisierte er Demonstrationen extremistischer Gruppen sowie Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit religiösem Extremismus.
Der Teilnehmer sagte, Jesiden seien im Nordirak weiterhin nicht sicher. Er bat darum, Abschiebungen dieser Bevölkerungsgruppe auszusetzen. Zudem äußerte er Kritik an Demonstrationen, bei denen aus seiner Sicht extremistische Inhalte vertreten würden, und sprach Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit radikalen Predigten an.
Gordon Schnieder ging in seiner Antwort zunächst auf die Situation der Jesiden ein. Er erklärte, dass diese Bevölkerungsgruppe besonders unter Gewalt und Verfolgung gelitten habe. Abschiebungen in Regionen, in denen keine Sicherheit bestehe, seien aus seiner Sicht nicht vertretbar. Er sagte, für Jesiden müsse es Ausnahmeregelungen geben. Niemand könne mit Verantwortung entscheiden, Menschen in Regionen zurückzuführen, in denen ihnen Gewalt oder Tod drohten.
Zum Thema extremistischer Demonstrationen erklärte Schnieder, dass der Rechtsstaat verpflichtet sei, gegen Radikalisierung vorzugehen. Er sagte, wer eine Gesellschaftsform ablehne und offen extremistische Ziele vertrete, könne dies nicht im Schutz der freiheitlichen Ordnung tun.
Schnieder betonte zugleich, dass die große Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime Teil der Gesellschaft sei und ihre Religion friedlich ausübe. Religiöse Einrichtungen müssten möglich sein, zugleich müsse der Staat sicherstellen, dass dort keine Radikalisierung stattfinde. Wenn Hinweise auf extremistische Inhalte vorlägen, müsse der Verfassungsschutz tätig werden.
Matthias Lammert: Land braucht Verlässlichkeit – von Gesundheit bis Justiz
Matthias Lammert spannte den Bogen breiter. Er begann persönlich, sprach über die Endlichkeit von Zeit und leitete daraus den Stellenwert von Gesundheit ab. Politisch blieb er auf CDU-Linie: Es brauche mehr medizinische Studienplätze, weniger Hürden für Niederlassungen, weniger Bürokratie und eine Verwaltung, die technisch auf der Höhe ist.
In einem weiteren Block ging Lammert auf die Sicherheitslage ein und auf Kriminalitätsformen, die sich verändert hätten: von Einbruch und Automatensprengung bis Internetbetrug. Daraus leitete er die Forderung nach mehr Polizeipräsenz in der Region ab, inklusive der wiederkehrenden Forderung nach einem zweiten Streifenwagen im Bereich.
Einen Seitenblick warf er auf die Verwaltung und Justiz: Er schilderte, dass Digitalisierung dort teils „fast nur ein Fremdwort“ sei und erwähnte, dass Einsprüche noch per Fax laufen. Seine Botschaft: Moderne Strukturen seien kein Luxus, sondern Voraussetzung für funktionierende staatliche Leistung. Zum Abschluss verband Lammert das Thema Sicherheit mit Demokratie. Er warnte vor Parteien, die mit einfachen Erzählungen arbeiten, und appellierte, demokratische Strukturen zu schützen.
„Eine Demokratie muss immer wieder verteidigt und geschützt werden„, sagte er. Und: „Wer in der Demokratie schläft, der wacht eventuell in der Tyrannei auf.“
Am Ende appellierte Lammert, demokratische Strukturen zu schützen und Extremismus keinen Raum zu geben. Er verband das mit dem Hinweis, Vertrauen in Politik entstehe nur, wenn Versprechen umgesetzt werden, als Beispiel nannte er Großprojekte, die seit Jahren diskutiert und nicht umgesetzt werden, wie die Mittelrheinbrücke in der Loreley.
VG Nastätten
Neujahrsempfang der Stadt Nastätten mit Blick auf 2026 und die internationale Lage
NASTÄTTEN Rund 130 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Ehrenamt und Stadtgesellschaft sind in der vergangenen Woche der Einladung der Stadt Nastätten zum traditionellen Neujahrsempfang gefolgt. In festlichem Rahmen bei kleinen Speisen sowie Wein, Sekt und alkoholfreien Getränken stand der Auftakt in das Jahr 2026 nicht nur im Zeichen lokaler Themen, sondern auch der aktuellen weltpolitischen Lage, die viele Menschen beschäftigt.
Neben Vertretern aus Stadt- und Verbandsgemeinderat waren unter anderem Landrat Jörg Denninghoff, der Vizepräsident des rheinland-pfälzischen Landtags Matthias Lammert, Staatssekretär Daniel Stich, Verbandsgemeindebürgermeister Jens Güllering, Nastättens Ehrenbürger Karl Peter Bruch sowie zahlreiche Gäste aus Vereinen, Institutionen und dem Wirtschaftsleben anwesend.
Internationale Entwicklungen als Teil des Abends
In seiner Rede ging Staatssekretär Daniel Stich auf die aktuellen geopolitischen Spannungen ein. Er sprach über die Rolle Europas in einer sich verändernden Weltordnung und griff dabei auch die internationalen Konflikte und politischen Entwicklungen rund um Russland und die Vereinigten Staaten auf. Die Sicherheits- und Verteidigungspolitik Europas bildete dabei einen zentralen Punkt seiner Ausführungen. Stich betonte, dass die internationalen Herausforderungen auch direkte Auswirkungen auf die Menschen in Deutschland und den Kommunen hätten.
Landrat Jörg Denninghoff verwies auf die Bedeutung solcher Veranstaltungen für den Austausch zwischen Politik und Gesellschaft und auf den besonderen Charakter des Nastätter Neujahrsempfangs, der Raum für Gespräche jenseits formaler Sitzungen biete. Auch Verbandsgemeindebürgermeister Jens Güllering und Landtagsvizepräsident Matthias Lammert überbrachten Neujahrsgrüße und nahmen Bezug auf die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen Rheinland-Pfalz und die Kommunen im Jahr 2026 stehen.
Rückblick und gesellschaftliche Fragen
Stadtbürgermeister Marco Ludwig eröffnete seine Rede mit der Begrüßung zahlreicher Ehrengäste, darunter ehemalige Amtsinhaber, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Ehrenamt sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Nastätten und der Region. Anschließend spannte er einen Bogen von grundsätzlichen gesellschaftlichen Fragen hin zur Entwicklung der Stadt.
Ausgangspunkt seiner Ausführungen war das von Journalisten beschriebene sogenannte „Zufriedenheitsparadoxon“. Ludwig verwies darauf, dass viele Menschen in Umfragen angeben, persönlich zufrieden zu sein, gleichzeitig jedoch die Zukunft des Landes kritisch bewerten. Daraus leitete er Fragen nach Verantwortung, Entscheidungsbereitschaft und dem Umgang mit gesellschaftlichen Erwartungen ab. Themen wie wachsende Ansprüche an Staat und Kommunen, die Belastung der öffentlichen Haushalte sowie der Umgang mit Risiken und Unsicherheiten wurden in diesem Zusammenhang angesprochen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Debatte um Entbürokratisierung. Ludwig machte deutlich, dass es aus seiner Sicht weniger um den Abbau notwendiger Sicherheitsstandards gehe, sondern um die Vermeidung von Doppelstrukturen und unnötigen Verfahren. Als Beispiel nannte er digitale Abläufe und den Umgang mit bereits vorhandenen Daten in Verwaltung und Wirtschaft.
Projekte, Wachstum und Ehrenamt
Im zweiten Teil seiner Rede stellte der Stadtbürgermeister die kommunalpolitische Entwicklung Nastättens dar. Mit aktuell rund 4.600 Einwohnern verzeichnet die Stadt einen Zuwachs von etwa 400 Menschen seit 2019. Dieser Anstieg sei vorwiegend auf den Wohnungsbau und neue Baugebiete zurückzuführen. Seit 2019 seien rund 98 Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser mit etwa 250 Wohnungen entstanden oder im Bau. Hinzu kämen barrierefreie Wohnangebote an mehreren Standorten im Stadtgebiet.
Für die Jahre 2025 und 2026 nannte Ludwig mehrere laufende und geplante Projekte. Dazu gehören der neue Betreiber für den Seniorenpark, der künftig von Cura Living geführt wird, die Weiterentwicklung von betreutem Wohnen und sozialem Wohnungsbau oberhalb des Friedhofs sowie Investitionen in die Innenstadt. Im Rahmen des Programms Regional – Zukunft – Nachhaltig, sollen unter anderem die Römerstraße belebt, der Bolzplatz an der kommunalen Kita erneuert und ein E-Bürgerbus angeschafft werden. Weitere Vorhaben betreffen den Zentralplatz, den Abriss eines Gebäudes in der Poststraße zur Entlastung eines Verkehrsknotens sowie eine neue Brücke über den Mühlbach, die Innenstadt und Brückwiese barrierefrei verbinden soll.
Stadtbürgermeister Marco Ludwig ehrte und dankte Gewerbetreibenden in der Stadt Nastätten Auch die medizinische Versorgung war Thema. Trotz der Insolvenz einer Hausarztpraxis sei die Versorgung in Nastätten weiterhin gesichert, zudem werde an Lösungen für die Ansiedlung weiterer Haus- und Kinderärzte gearbeitet. Die Beteiligung des Rhein-Lahn-Kreises am Paulinenstift sei verlängert worden.
Einen breiten Raum nahm das Vereinsleben ein. In Nastätten sind 44 Vereine aktiv, der VfL Nastätten zählt mit über 700 Mitgliedern zu den größten. Ludwig verwies auf die Bedeutung von Sport, Kultur und Ehrenamt für das gesellschaftliche Leben und auf die anstehenden Investitionen in Sporthalle und Sportplatz.
Zum Abschluss seines Berichts über die Arbeit des Stadtrates nannte Ludwig statistische Kennzahlen: Seit August 2019 habe der Stadtrat 192 Sitzungen abgehalten, dabei 572 Beschlüsse gefasst und 242 Bauanträge behandelt. Im vergangenen Jahr seien es 19 Sitzungen mit 61 Beschlüssen und 33 Bauanträgen gewesen.
Der Neujahrsempfang endete mit Ehrungen für engagierte Personen und Gewerbetreibende aus der Stadt, darunter für langjähriges ehrenamtliches Wirken in Bereichen wie IT-Betreuung, Stadtarchiv, Veranstaltungen, Jugend- und Vereinsarbeit. Damit verband sich der Blick auf ein Jahr 2026, das für Nastätten mit zahlreichen Projekten und Entwicklungen verbunden ist.
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