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Systemfehler im Ehrenamt: Warum First Responder um Spenden werben müssen Neujahrstreffen der First Responder in Dornholzhausen

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Die Ortsbürgermeister Dieter Pfaff aus Oberwies (links) und Thomas Heymann aus Geisig (rechts) übergaben Sven Giegerich (Mitte), Vorsitzender der First Responder Dornholzhausen, eine großzügige Spende für die Einheit.
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DORNHOLZHAUSEN Am vergangenen Samstag fand in Dornholzhausen ein Neujahrstreff der First Responder statt. Bei Glühwein, Bratwurst und einigen weiteren Leckereien stellte der Leiter der örtlichen Einheit, Sven Giegerich, das Projekt vor und machte dabei deutlich, wie viel ehrenamtliche Professionalität in dieser Gruppe steckt.

Seit zwölf Jahren im Einsatz, oft schneller als der Rettungswagen

Die First Responder aus Dornholzhausen bringen Erfahrung mit: Seit gut zwölf Jahren gibt es die ehrenamtlichen Ersthelfer in der Gemeinde. Sie engagieren sich in ihrer Freizeit für den Notfall im Ort,  von Reanimation über stabile Seitenlage bis hin zu weiteren Maßnahmen, die in den ersten Minuten entscheidend sein können. Gegründet wurde das Projekt im August 2013, damals mit 13 Engagierten. Wenn im jeweiligen Ort der Notruf über die 112 abgesetzt wird, alarmiert die Rettungsleitstelle je nach Lage zeitgleich den Rettungsdienst und die First Responder. Die Ersthelfer überbrücken dann die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens, bleiben in Kontakt mit der Leitstelle und stabilisieren die Lage so gut wie möglich.

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Die Region zieht nach, aber das Grundproblem bleibt

Zwischenzeitlich gibt es in der Region weitere First-Responder-Einheiten, etwa in Dessighofen oder Miehlen. Sie bilden sich regelmäßig fort und fahren los, sobald der Alarm ertönt. Die Einheit aus Dornholzhausen betreut inzwischen auch Geisig und Oberwies.

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Gerade deshalb war es den Bürgermeistern aus Geisig, Thomas Heymann, und aus Oberwies, Dieter Pfaff, ein persönliches Anliegen, den Ehrenamtlern zu danken. Sie taten das mit einem Geldgeschenk, das in die Ausrüstung fließen soll. Eine schöne Geste, und gleichzeitig zeigt sie ein Problem, das man nicht wegreden kann.

Warum müssen lebensrettende Strukturen um Spenden kämpfen?

In der ländlichen Struktur des Rhein-Lahn-Kreises sind Ersthelfer vor Ort Gold wert. Anerkennung und Dank sind wichtig. Aber warum müssen solche Projekte sich überhaupt selbst finanzieren? Warum braucht es Neujahrstreffen, um Spendengelder einzusammeln? Warum ist das System so gebaut, dass Engagement neben dem Einsatz auch noch »Nebenschauplätze« mit sich bringt: Ausrüstung beschaffen, Lehrgänge bezahlen, Organisation stemmen? Eine private Großspende wie in Miehlen, wo die First Responder sogar ein Einsatzfahrzeug erhalten konnten, ist die Ausnahme, in der Regel rücken die Einheiten mit ihren Privatwagen aus, auch bei Einsätzen in Nachbarorten wie Geisig und Oberwies.

Dieser »Sand im Getriebe« ist kein Einzelfall. Man sieht ihn ähnlich bei der Rettungshundestaffel Rhein-Lahn, die ebenfalls auf Spenden angewiesen ist. Bei Sportvereinen ist es nachvollziehbar, dass Geräte und Ausstattung aus eigener Kraft finanziert werden. Aber bei Projekten, die unmittelbar der Allgemeinheit dienen und Teil der Sicherheitskette sind, wirkt das wie eine Lücke im politischen Verantwortungsbereich.

Wenn Minuten entscheiden, ist irgendwann zu spät

Gerade bei Schlaganfall und Herzinfarkt zählt Zeit, und zwar brutal konkret. Beim Schlaganfall gilt »Time is Brain«: Mit jeder Minute ohne Behandlung sterben Nervenzellen ab, und das Risiko bleibender Schäden steigt. Die Standard-Thrombolyse liegt in einem Zeitfenster von bis zu 4,5 Stunden, das ist aber kein Freibrief zum Abwarten, sondern ein Wettlauf um jede Minute. Beim Herzstillstand kann ohne schnelle Hilfe bereits nach wenigen Minuten eine Hirnschädigung wahrscheinlich werden. Studien und Fachinformationen zeigen außerdem: Wenn sehr früh defibrilliert werden kann (innerhalb weniger Minuten), steigen die Überlebenschancen deutlich. Beim Herzinfarkt gilt ebenfalls: Je schneller die Behandlung beginnt, desto besser, weil sonst Herzmuskelzellen absterben.

Genau hier liegt der Kern: First Responder schließen keine Komfortlücke, sondern eine Zeitlücke. Und diese Zeitlücke kann über Leben und Folgeschäden entscheiden.

Ehrenamt mit Risiko, aber ohne saubere Absicherung

Noch schwieriger wird es, wenn der Alarm in die direkte berufliche Arbeitszeit fällt. Viele First Responder erleben, dass es für ihr Engagement keine klare, verlässliche rechtliche Sicherheit im Alltag gibt, keine saubere Standardregel, auf die man sich im Zweifel berufen kann. Wer trotzdem fährt, benötigt das Verständnis des Arbeitgebers. Wer es nicht bekommt, bleibt mit einem moralischen Dilemma zurück. Und wer Verständnis bekommt, spürt nicht selten, dass das im Betrieb eben auch Reibung erzeugen kann.

Dazu kommt die Frage der Ausbildung: In Lehrgängen, oft beim Deutschen Roten Kreuz, wird Wissen erweitert und vertieft. Einige bringen medizinische Vorerfahrung mit, andere starten ohne Vorkenntnisse und arbeiten sich hoch. Das kostet Geld und Zeit. Und häufig entsteht dabei unausgesprochen eine zusätzliche Erwartungshaltung, im Gegenzug auch Einsätze für den Träger zu leisten. Verständlich ist der Gedanke schon, schließlich wird investiert. Aber er führt in der Praxis zu einer weiteren Verpflichtung, obwohl viele bereits ehrenamtlich Zeit opfern, genau um vor Ort schnell helfen zu können.

Kein Wunder, dass sich manche First Responder gegen verpflichtende Zusatzdienste sperren. Nicht aus Trotz, sondern weil das Ehrenamt sonst zur Dauerbelastung wird.

Was politische Wertschätzung wirklich bedeuten würde

Schöne Worte reichen nicht. Wenn Politik diese Einheiten als Teil der Sicherheitskette akzeptiert, dann muss sie auch die Rahmenbedingungen schaffen, die dazu passen: verlässliche Finanzierung von Grundausrüstung vor Ort, Übernahme oder klare Bezuschussung von Ausbildungskosten, ein praktikabler, rechtssicherer Rahmen für Alarmierungen während der Arbeitszeit, weniger Abhängigkeit von Spendenaktionen, mehr Planbarkeit.

Denn so wichtig und beeindruckend die First Responder auch sind: Es darf nicht zur stillen Selbstverständlichkeit werden, dass Dörfer sich ihr Sicherheitsgefühl »leisten müssen«. Wenn man solche Strukturen will, und das will man, sobald man die Zeitfenster bei Herzstillstand, Schlaganfall und Herzinfarkt ernst nimmt, dann sollten die Ehrenamtler sich auf das konzentrieren dürfen, wofür sie antreten: helfen. Nicht zusätzlich Spenden einsammeln müssen. Nicht zusätzlich um Freistellungen ringen müssen. Nicht zusätzlich in einem System hängen, das von Dank lebt, aber die Verantwortung nicht konsequent trägt (dk).

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Internationaler Eisbachtaler Budenzauber lockt am Wochenende nach Montabaur

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Foto: Andreas Egenolf
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MONTABAUR Hallenfußball mit Nachwuchs von Bundesliga- und Profiteams bieten die Sportfreunde Eisbachtal am 10. und 11. Januar in den Kreissporthallen in Montabaur. Der „Eisbachtaler Budenzaubers“ lockt dabei bereits zum dritten Mal in die Westerwälder Kreisstadt ein, wo sich U10- und U12-Teams messen werden – dieses Mal sogar mit Teams aus vier Nationen. Los geht es am Samstag, 10. Januar, mit den Teilnehmern mit der U12-Konkurrenz: Ab 11 Uhr treten dann hier neben den gastgebenden Sportfreunden Eisbachtal, deren Kooperationspartner 1. FSV Mainz 05, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Kaiserslautern, Fortuna Düsseldorf, Viktoria Köln, Royal Sporting Club Charleroi, KAS Eupen (beide aus Belgien), der SC Staaken aus Berlin sowie zwei Teams der Sportfreunde Eisbachtal an.

Tagsdrauf wird am Sonntag, 11. Januar, dann ab 11 Uhr der Sieger in der Altersklasse U10 ermittelt. Neben dem 1. FSV Mainz 05, dem 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, Fortuna Düsseldorf, der FC Barcelona Academy Zürich sowie der Swiss Football School gehen auch die Sportfreunde Eisbachtal als Gastgeber an den Start. Los geht es hier ab 11 Uhr. 

Parallel läuft am Sonntag in Halle 2 ab 10 Uhr ein Leistungsvergleich von U12-Teams an dem neben den Eisbären Viktoria Köln, der SC Staaken, der FC Racing Union aus Luxemburg und der SV Wehen Wiesbaden teilnehmen. Der Eintritt an beiden Turniertagen ist frei.

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Bauarbeiten für Mobilfunkmast in Hinterwald haben begonnen: Fertigstellung im Frühjahr 2026 geplant

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Foto: Peter Steinmetz
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HINTERWALD Lange warten die Menschen aus Braubach-Hinterwald bereits auf eine bessere Mobilfunkversorgung. Nun ist ein wichtiger Meilenstein erreicht: Die Bauarbeiten für den neuen Mobilfunkmast haben bereits im Dezember begonnen. Dies teilte der Telekommunikationsanbieter gegenüber dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Loreley, Mike Weiland, mit und er ist erleichtert: „Seit nunmehr 5 Jahren habe ich mich dafür eingesetzt, zunächst einen Anbieter zu finden, der bereit ist, zu investieren, dann diesen bis zum Erhalt der Baugenehmigung zu unterstützen und schlussendlich auch in Kontakt zu bleiben, bis der Funkmast tatsächlich in die Umsetzung geht.“

Kurz vor Weihnachten tauschten sich Mike Weiland und Hinterwalds Ortsvorsteher Tobias von Tippelskirch über diesen Meilenstein noch einmal aus. Zuletzt hatten sich die beiden gemeinsam am Rande des Sommerfestes des Vereins zur Erhaltung und Sanierung von gemeindlichen Einrichtungen in Hinterwald auch mit der stellvertretenden Ortsvorsteherin Claudia Dommershausen über die lange Vorlaufzeit unterhalten, in der sich viele politisch versuchten, für eine bessere Mobilfunkversorgung einzusetzen, jedoch jeweils ohne messbaren Erfolg.

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Im vergangenen Jahr wurde nach langer Vorbereitungszeit die Baugenehmigung durch die Kreisverwaltung erteilt. Diese enthielt die Auflage, dass in der Vegetationsperiode aus Natur- und Artenschutzgründen bis September keine Rodung hinter der Sellwaldhütte vorgenommen werden durfte. Nach Abschluss dieser Phase und weiteren Abstimmungen konnten die Arbeiten nun im Dezember aufgenommen werden.

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Bürgermeister Mike Weiland noch im September im Gespräch mit Hinterwalds Ortsvorsteher Tobias von Tippelskirch (Mitte) und seiner Stellvertreterin Claudia Dommershausen (links) beim Sommerfest an der Sellwaldhütte über die langen Bemühungen und die Vorlaufzeit. | Foto: Tanja Arndt

Der aktuelle Zeitplan des Telekommunikationsanbieters sieht Mitte Januar die Fertigstellung des Fundaments vor, anschließend in der ersten Februarhälfte die Fertigstellung des Antennenträgers und darauf folgt die Fertigstellung der Anlage (ohne EVU-Anschluss) in der zweiten Märzhälfte. Ihm sei erzählt worden, dass es bereits Wetten unter Bürgern von Hinterwald gegeben habe, ob mit dem Bau wie angekündigt begonnen werde, so Mike Weiland. Er sei gespannt, zu erfahren, wer hier die Wetten verloren habe, aber eines steht fest: Gewonnen haben auf jeden Fall die Bürger von Hinterwald“, so der Bürgermeister und fährt fort: „Damit rückt eine spürbare Verbesserung der Mobilfunkversorgung für die Menschen in greifbare Nähe. Was lange währt, wird endlich gut“, zeigt sich Mike Weiland optimistisch mit Blick auf den weiteren Baufortschritt.

„Es war wichtig und richtig, in den zurückliegenden fünf Jahren einen langen Atem zu beweisen, immer wieder Hand in Hand mit dem Telekommunikationsanbieter zusammenzuarbeiten und auch jetzt am Projekt dranzubleiben, bis der Mast steht.“ Die Mobilfunkversorgung gerade im ländlichen Raum sei existenziell wichtig – nicht nur für Unternehmen, sondern ebenso für die Bürgerinnen und Bürger, betont der Bürgermeister.

Mike Weiland hatte sich bereits im Jahr 2020 als damaliger neuer Bürgermeister der Verbesserung der Mobilfunkversorgung im Bereich Hinterwald angenommen, nachdem andere politische Initiativen, unter anderem im Rahmen der Aktion „Wir jagen Funklöcher“, ins Leere gelaufen waren. Auf eine Zeitungsannonce eines großen Mobilfunkanbieters hin, die dazu aufrief, Mobilfunklücken zu melden, wandte sich der Bürgermeister damals an verschiedene Unternehmen – mit Erfolg. Seitdem begleitete die Verwaltung das Verfahren sehr eng. Auch die Bürgerinnen und Bürger von Hinterwald wurden frühzeitig durch eine Umfrage beteiligt.

Zudem konnte der Mast entgegen der ursprünglichen Planung in der Höhe reduziert werden; weitere Mobilfunkanbieter sollen den Standort künftig ebenfalls nutzen können. „Es hat sich gelohnt, für eine bessere Mobilfunkversorgung in Hinterwald einzutreten und gegenüber großen Unternehmen zum Wohl der Menschen und der Entwicklung kleiner Gemeinden beharrlich zu bleiben“, zieht Mike Weiland abschließend gemeinsam mit Tobias von Tippelskirch Bilanz.

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Straßenausbau im Braubacher Rosenacker startet

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Foto: Markus Fischer
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BRAUBACH Im Stadtteil Braubach Nord beginnen am Montag, 12. Januar 2026, die Tiefbauarbeiten zum Ausbau der Straße „Im Rosenacker“. Mit der Maßnahme haben die Verbandsgemeindewerke Loreley und die Stadt Braubach die Firma EUROVIA Bau GmbH beauftragt.

Der erste Bauabschnitt erstreckt sich vom Kreuzungsbereich Im Rosenacker / Dautenstielweg bis zur Mitte der Einfahrt der Firma Schöntges Automobile. Die Arbeiten in diesem ersten Bauabschnitt werden voraussichtlich bis zum Sommer 2026 dauern“, informiert der für Bauen zuständige Beigeordnete der Stadt, Marius Risch. Bereits vor dem eigentlichen Baubeginn fänden Kampfmittelsondierungen statt. In diesem Zusammenhang würden Halteverbote eingerichtet, die aus Sicherheitsgründen zwingend einzuhalten seien, so Risch.

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Während der Bauphase ist die Erreichbarkeit der anliegenden Grundstücke im Bauabschnitt mit Kraftfahrzeugen nicht möglich. Anwohnerinnen und Anwohner werden gebeten, ihre Fahrzeuge außerhalb des gesperrten Bereichs abzustellen. Die Stadt Braubach bittet alle Betroffenen um Verständnis für die unvermeidbaren Einschränkungen, die mit der Maßnahme verbunden sind.

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Ansprechpartner auf der Baustelle ist der Kolonnenleiter Markus Retzmann. Für allgemeine Rückfragen stehen zudem die Verbandsgemeindewerke Loreley sowie die Stadt Braubach und die Firma Eurovia, Telefon 0261 80890, zur Verfügung.

Anliegerversammlung zur Baumaßnahme im Rosenacker

Um die Anliegerinnen und Anlieger umfassend zu informieren, lädt die Stadt Braubach zu einer Anliegerversammlung ein. Diese findet am Mittwoch, 21. Januar 2026, um 18 Uhr im Rathaus der Stadt Braubach statt. Dort werden weitere Informationen zur Baumaßnahme sowie zum geplanten zeitlichen Ablauf gegeben (pm Stadt Braubach).

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