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Gesundheit

Belohnung für ePA Gesundheitsdaten: Die Schwächsten sollen leer ausgehen!

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Foto: BEN Kurier | Lizenz: Envato
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GESUNDHEIT Die elektronische Patientenakte (ePA) stellt eine bedeutende Veränderung im deutschen Gesundheitswesen dar. Durch die digitale Erfassung von Behandlungsdaten soll die medizinische Versorgung optimiert werden. Die Einführung der ePA erfolgt im sogenannten Opt-out-Verfahren: Wer bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist und keinen Widerspruch einlegt, erhält automatisch eine elektronische Patientenakte. Bei den privaten Krankenkassen hingegen muss eine ePA explizit beantragt werden. Ohne diesen Antrag wird keine elektronische Patientenakte angelegt.

Nun hat CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz vorgeschlagen, Menschen finanziell zu belohnen, die der Einrichtung einer ePA nicht widersprechen. Geplant sind zehn Prozent Nachlass auf die Krankenkassenbeiträge. Damit sollen Anreize geschaffen werden, Datenschutzbedenken zurückzustellen und eine umfassende Nutzung der elektronischen Patientenakte zu ermöglichen. Merz betonte, dass es bereits Gespräche mit Microsoft-Chef Satya Nadella gegeben habe, da große Tech-Konzerne ein starkes Interesse an Gesundheitsdaten zeigen.

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Kritik und Datenschutzbedenken

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht in der Nutzung der ePA eine Chance, Deutschland im Gesundheitssektor voranzubringen. Mit den entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen und dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz soll eine einzigartige Dateninfrastruktur geschaffen werden, die Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen zugutekommen könnte.

Doch der Vorschlag von Friedrich Merz, finanzielle Anreize für die vollständige Freigabe von Patientendaten zu schaffen, stößt auf massiven Widerstand. Kritiker warnen davor, dass besonders schutzbedürftige Gruppen benachteiligt werden könnten. Menschen mit sensiblen Diagnosen, insbesondere psychischen Erkrankungen, könnten zögern, ihre Gesundheitsdaten preiszugeben. Dies könnte zu einer Ungleichbehandlung im Gesundheitswesen führen. Neben der Forschung und Pharmaindustrie haben auch Technologieunternehmen wie Microsoft, Google und das zu Facebook gehörende Meta Interesse an den Daten bekundet.

Zudem gibt es erhebliche Sicherheitsbedenken. Der Chaos Computer Club demonstrierte kürzlich auf einem Kongress, dass zahlreiche Sicherheitslücken bestehen, die von Hackern leicht ausgenutzt werden könnten. Vorschläge zur Verbesserung der IT-Sicherheit wurden bislang nur unzureichend umgesetzt.

Kontroverse um Register für psychisch Kranke

Für zusätzliche Empörung sorgte kürzlich der CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann mit seiner Forderung nach einem Register für psychisch kranke Menschen. Er argumentierte, dass solche Maßnahmen dazu beitragen könnten, Amokläufe oder andere Gewalttaten zu verhindern – ähnlich wie bestehende Register für Rechtsextremisten oder Islamisten. Kritiker sehen darin jedoch eine unzulässige Stigmatisierung von Menschen mit Depressionen, Burnout, Angststörungen oder Schizophrenie. Millionen Betroffene wären durch ein solches Register gesellschaftlich weiter benachteiligt worden. Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass psychische Erkrankungen längst zu den häufigsten Volkskrankheiten in Deutschland gehören.

Der Fall eines Angriffs auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt, bei dem ein Täter mit rechtsextremer Ideologie festgenommen wurde, zeigt zudem die Problematik einer solchen Kategorisierung: Obwohl der Täter als psychisch krank galt, lag keine offizielle Diagnose vor. Ein Register hätte in diesem Fall keine präventive Wirkung gezeigt.

Dabei ist es erwiesen, dass die meisten extremen Gewalttaten von Männern begangen werden – dennoch fordert niemand ein Register für Männer. Dies zeigt, dass es hier vorrangig um Stigmatisierung und Ausgrenzung bestimmter Gruppen geht, anstatt um eine echte Lösung gesellschaftlicher Probleme.

Historische Parallelen und ethische Bedenken

Die Idee eines Registers für psychisch kranke Menschen erinnert viele an dunkle Kapitel der deutschen Geschichte. Während des NS-Regimes führte die Regierung unter Adolf Hitler im Rahmen des Euthanasie-Programms zur sogenannten „Rassenhygiene“ ein solches Register. Menschen mit psychischen, geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen wurden damals systematisch erfasst und ermordet. Eine der Gedenkstätten dieses Verbrechens befindet sich in Hadamar, wo über 16.000 Menschen getötet wurden.

Der Vergleich mag drastisch erscheinen, doch die Stigmatisierung psychisch Erkrankter ist oft der erste Schritt zur gesellschaftlichen Ausgrenzung. Ähnlich könnte es bei der ePA laufen: Wer seine Patientendaten nicht freigibt, könnte in den Verdacht geraten, etwas verbergen zu wollen.

Fazit: Freiwilligkeit und Transparenz gefordert

Zum jetzigen Zeitpunkt ist die ePA keineswegs ausreichend gesichert. Jeder Bürger sollte selbst entscheiden können, wem er seine Gesundheitsdaten anvertraut. Zudem muss klar geregelt sein, wer künftig Zugriff auf die Daten erhält. Während eine Nutzung durch Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen unter bestimmten Bedingungen sinnvoll erscheinen mag, wirft die mögliche Weitergabe an Tech-Konzerne wie Meta, Google oder Microsoft erhebliche Fragen auf. Besonders brisant: Neben den Gesundheitsdaten enthalten die ePA-Datensätze auch persönliche Informationen wie Anschrift, Name und Geburtsdatum.

Die Bürger haben ein Recht darauf, genau zu wissen, wer auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen kann und zu welchem Zweck. Nur durch maximale Transparenz und hohe Sicherheitsstandards kann Vertrauen in die elektronische Patientenakte geschaffen werden.

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Gesundheit

Zusammenreißen statt trauern? Warum unsere Gesellschaft den Verlust nicht aushält Wenn Rückzug keinen Platz mehr hat und Gefühle stören: ein Gespräch über Trauer in unserer Zeit

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Foto: Anja Schrock | Lizenz: Envato
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BAD EMS Ein leerer Stuhl, wo du einst saßt. »Die Stille schreit, du fehlst so sehr«, mit diesen Zeilen beginnt Folge 2 (Teil A) der Reihe »Rund um die Trauer«, in der Moderatorin Anja Schrock erneut mit dem Gestalttherapeuten und Philosophen Mathias Jung spricht. Diesmal geht es um Trauer und Gesellschaft: um Erwartungen, um den sozialen Blick von außen und um das, was an Ritualen verschwunden ist.

Jung beschreibt, wie sich frühere, sichtbare Trauerzeichen »wie Salmiak-Geist« aufgelöst hätten. Das Trauerjahr, schwarze Kleidung, ein Trauerband am Revers: Früher habe das Umfeld am Arbeitsplatz sofort gewusst, dass hier Rücksicht und Schonung nötig sind. Heute passe diese Form von Rückzug kaum noch »rein«, ein Verlust, sagt Jung, weil dadurch auch ein gemeinsamer Rahmen fehle, in dem Trauer mitgetragen wird.

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Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist der Gegensatz zwischen Beschleunigung und Trauer. Der Alltag ist getaktet, Rollen müssen funktionieren: Kind zur Schule, Arbeit, Verantwortung. Trauer dagegen sei Entschleunigung, Innehalten, ein Moment, in dem »die Zeit stillsteht«. Jung formuliert es drastisch: Schon dass die Sonne am nächsten Tag ungerührt wieder aufgeht, könne sich wie eine Kränkung anfühlen. In einer Leistungsgesellschaft hätten Gefühle oft »keinen Platz«,  sie gelten als hinderlich.

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Wie konkret diese Überforderung aussehen kann, zeigt eine vorgelesene Zuschrift: Eine Frau schildert den Tod ihres Mannes nach einer Herzoperation und die Doppelbelastung aus Trauer, Alleinverantwortung und familiärem Druck. Während sie für ihre vierjährige Tochter stark sein muss, geraten gleichzeitig alte Abhängigkeiten zurück ins Leben: Entscheidungen, Grenzen, wirtschaftliche Fragen. Jung nennt den Tod in diesem Fall eine Katastrophe, die man nicht »verkleinern und wegreden« dürfe. Der Verlust sei wie eine »Amputation bei lebendigem Leibe«, Trost stelle sich zunächst nicht ein.

Deutlich wird das auch in der Kritik an gut gemeinten Floskeln. Sätze wie »Die Zeit heilt alle Wunden«, »Er oder Sie ist an einem besseren Ort« oder »Das wird schon wieder« seien oft nicht hilfreich, manchmal sogar kränkend. Jung widerspricht ausdrücklich: Zeit allein heile nichts. Trauer brauche Verarbeitung, Gespräch, das Recht, erschüttert zu sein. Und: Wunden dürften bleiben, weil sie auch Bindung bedeuten: Ausdruck dessen, dass der Verstorbene nicht gleichgültig ist.

Am Ende wird der Blick auf den Umgang im Umfeld gelenkt: Sprachlosigkeit, Themawechsel, Schweigen, das könne für Trauernde grausam sein. Stattdessen helfe es, dazubleiben, zuzuhören, die Geschichte auch »zum zehnten Mal« zu hören und Fragen zu stellen wie: »Wie geht es dir im Augenblick?« In einer weiteren Zuschrift beschreibt Carina Trauer als etwas, das kommt und geht: ausgelöst durch Musik, Erinnerungen, Momente. Abschütteln lasse sie sich nicht, akzeptieren müsse man sie, und lernen, mit ihr zu leben.

Folge 2 (Teil A) endet mit dem Ausblick auf Teil B, der sich Regeln und Ritualen widmet und der Frage, wie andere Kulturen mit Tod und Trauer umgehen.

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Gesundheit

Damit Hilfe wirklich hilft: Anziehpunkt Montabaur bittet um wohlüberlegte Sachspenden Caritas dankt für große Spendenbereitschaft – und ruft zur Achtsamkeit auf: Gut erhalten statt aussortiert

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Foto: Caritasverband Westerwald - Rhein-Lahn | Holger Pöritzsch
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MONTABAURWir gehen unter“, sagt Vera Zimmermann, Einrichtungsleiterin des Caritas-Anziehpunkts in Montabaur – und meint das wörtlich. Der Secondhand-Laden in der Kirchstraße 17 mitten in der Innenstadt wird derzeit überflutet mit Sachspenden. „Wir freuen uns sehr über die Hilfsbereitschaft der Menschen. Aber leider ist ein großer Teil der Spenden einfach nicht mehr zu gebrauchen“, erklärt Zimmermann.

Immer wieder landen Kleidungsstücke und Haushaltswaren im Anziehpunkt, die sichtbare Gebrauchsspuren aufweisen: Flecken, ausgeleierte Hosen, Kragenspeck an Hemden, Knötchen im Pulli. „So schade es ist: Solche Dinge können wir nicht weitergeben. Uns fehlt schlicht die Zeit und das Personal, alles zu waschen oder zu reparieren“, so Vera Zimmermann.

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Was nicht in den Verkauf kann, muss entsorgt werden – und das kostet künftig sogar Geld. „Bisher wurden die aussortierten Dinge kostenlos abgeholt. Künftig aber müssen wir die Entsorgung bezahlen. Das belastet uns zusätzlich – und steht natürlich im Widerspruch zu unserem Nachhaltigkeitsgedanken“, betont die Leiterin. Ein Teil der aussortierten Ware wird recycelt oder geht in Drittländer, ein kleiner Teil wird endgültig vernichtet.

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Der Appell an die Bevölkerung ist daher eindeutig: Spenden Sie gerne – aber bitte nur einwandfreie und saubere Ware. „Unsere Kundinnen und Kunden freuen sich über gute, gepflegte Kleidung und intakte Haushaltswaren. Das, was Sie selbst noch guten Gewissens tragen oder verschenken würden, ist auch für uns geeignet“, so Zimmermann.

Um die Flut an Spenden künftig besser bewältigen zu können, gelten im Anziehpunkt Montabaur ab Januar 2026 feste Annahmezeiten:

  • Montag 9 bis 12 Uhr

  • Mittwoch 9 bis 12 Uhr

  • Freitag 13 bis 16 Uhr

  • Samstag 10 bis 13 Uhr

Wir bitten alle Spenderinnen und Spender dringend, sich an diese Zeiten zu halten“, sagt Vera Zimmermann. „Nur so können wir sicherstellen, dass die Spenden auch ordentlich entgegengenommen und sortiert werden können.“ Wer etwas Wartezeit mitbringt, wird im Anziehpunkt freundlich empfangen: „Natürlich bieten wir unseren Spenderinnen und Spendern gerne einen Sitzplatz und eine Tasse Kaffee an“, fügt sie mit einem Lächeln hinzu. Maximal sollten die Spenden nicht mehr als ein bis zwei Einkaufstaschen umfassen, Spenden in Säcken oder Kartons sind nicht möglich.

Der Anziehpunkt in Montabaur ist ein Secondhand-Laden des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn. Hier kann jeder einkaufen – unabhängig vom Einkommen. Angeboten werden u.a. Baby- und Kinderkleidung (bis Größe 176), Schwangerenbekleidung, Kinderwagen, Kinderbetten, Spielsachen, Damen- und Herrenbekleidung, Bett- und Tischwäsche, Handtaschen, Haushaltswaren (bitte keine Einzelteile), Modeschmuck, Accessoires und Dekoartikel.

Unsere Arbeit lebt vom Miteinander“, sagt die Einrichtungsleiterin. Rund 60 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit im Montabaurer Anziehpunkt. Sie sortieren, beraten, verkaufen und hören zu – denn längst ist der Laden mehr als ein Ort zum Stöbern. „Viele Menschen kommen nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Reden. Der Anziehpunkt ist für sie ein Stück Gemeinschaft geworden.“

Kontakt: Anziehpunkt Montabaur, Kirchstraße 17, 56410 Montabaur, Telefon: (02602) 997043, E-Mail: anziehpunkt-ww@cv-ww-rl.de. (pm Caritas Westerwald | Rhein-Lahn)

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Gesundheit

Prostatakrebs: „Betroffene sind im Kemperhof in guten Händen“ Norbert Schmiedel profitierte von modernen Behandlungsverfahren und guter Betreuung

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Foto: GK-Mittelrhein | Christina Ehricht
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KOBLENZ Vor drei Jahren suchte Norbert Schmiedel seinen Hausarzt auf, da er unter Problemen beim Wasserlassen litt. Dieser riet ihm zur weiteren Abklärung der Be­schwer­den zu einer Untersuchung bei einem Urologen. So kam Herr Schmiedel in die Sprechstunde von Dr. med. Ludger Franzaring im Kemperhof Koblenz. Neben einer gründlichen Erhebung der Krankengschichte, der sorgfältigen klinischen Untersuchung, die auch das Abtasten der Prostata beinhaltete, und einer Ultraschalluntersuchung der Urogenitalorgane riet der Chefarzt der Klinik für Urologie, Uro-Onkologie und Kinder­urologie dem Patienten auch zur Bestimmung des PSA-Wertes, des so genannten prostataspezifischen Antigens. „Je höher die Konzentration dieses Tumormarkers im Blut ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Prostatakrebs vorliegt“, erklärt Dr. Franzaring. Da erhöhte Werte aber auch andere Ursachen wie nicht-bösartige Veränderungen oder Entzündungen der Prostata haben können, werden bei Bedarf weitere Untersuchungen durchgeführt. Dies sind MRTs der Prostata und bei Auffällig­keiten auch MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsien, bei denen auffälliges Gewebe durch die Kombination von MRT-Bildern mit einer Ultraschalluntersuchung besonders zielgenau entnommen werden kann.

Bei Norbert Schmiedel wurde dabei zunächst ein als wenig aggressiv eingestufter Tumor diagnostiziert. „Man riet mir daher zunächst zu einer sogenannten ‚Active Surveillance‘, also der regelmäßigen Kontrolle der weiteren Entwicklung“, erinnert sich der heute 76-Jährige. „Diese Strategie wird verfolgt, wenn ein Tumor ein niedriges Risikoprofil hat und eine krankheitsbedingte Beeinträchtigung auch im Verlauf nicht zu erwarten ist beziehungsweise ein Einfluss auf die Lebenserwartung nicht wahrscheinlich ist“, erläutert Dr. Franzaring. Ziel ist es, eine Übertherapie zu vermeiden, also Patienten nicht unnötig mit Behandlungen zu belasten, die mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein können. „Allerdings ist bei der aktiven Überwachung eine besonders intensive ärztliche Beratung und Begleitung notwendig, um bei eventuellen Veränderungen rasch mit der dann erforderlichen Therapie zu beginnen“, wie Franzaring, stellvertretender Leiter des Prostata­krebszentrums am Kemperhof, ergänzt.

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Daher unterzog sich Norbert Schmiedel alle drei Monate einer Kontrolle, bei der neben einer Tast- und Ultraschalluntersuchung auch der PSA-Wert überprüft wurde. Diese Termine fanden zunächst im Kemperhof statt, wurden später aber auch von seinem Hausarzt durchgeführt, um den Fahrtaufwand vom Wohnort in die Klinik zu reduzieren.

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Ob die aktive Überwachung für einen Patienten infrage kommt, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie Betroffene mit dem Wissen umgehen, dass in ihrem Körper etwas schlummert, das dort nicht hingehört. „Jeder Mensch hat ein individuelles Sicherheits­bedürfnis – auch wenn das Risiko, dass der Tumor sich während der Überwachung plötzlich zu einem nicht mehr behandelbaren Stadium heranwächst, äußerst gering ist“, betont Dr. Franzaring. In etwa 30 bis 50 Prozent der Fälle kommt es während der aktiven Überwachung zu einem Fortschritt der Erkrankung beziehungsweise einer Veränderung des Aggressivitätsmusters des Tumors, die eine klassische Behandlung erforderlich macht. „Dann ist genug Zeit, gemeinsam zu entscheiden, wie es weitergeht“, erklärt Dr. Franzaring.

Auch bei Norbert Schmiedel wurde ein kontinuierlicher Anstieg des PSA-Wertes festgestellt. Eine erneute Gewebeprobe bestätigte im Juni dieses Jahres den aggressiveren Fortschritt der Erkrankung, sodass Dr. Franzaring seinem Patienten zu einer DaVinci-Prostatektomie riet. „Dieses minimal-invasive Verfahren zur Entfernung der Prostata hat den Vorteil, dass das Risko für Blutungen und damit auch für benötigte Transfusionen deutlich geringer ist“, erläutert Franzaring. Außerdem haben die Patienten nach dem etwa drei Stunden dauerndem Eingriff weniger Schmerzen und Nebenwirkungen wie etwa die Störung der Erektionsfähigkeit oder Inkontinenz.

Davon profitierte auch Norbert Schmiedel, der bereits kurz nach der Kontrollunter­suchung erfolgreich und komplikationslos im Kemperhof operiert wurde. Ergänzende Therapien wie Bestrahlungen und Chemotherapie waren in seinem Fall nicht erforderlich. „Auch die bereitgelegten Schmerzmittel habe ich nicht gar nicht gebraucht“, erzählt der zufriedene Patient. „Bereits auf der Station habe ich mit unterstützenden Übungen zum Beckenbodentraining begonnen, die ich nach der Entlassung regelmäßig ambulant weitergeführt habe.“ Im Juli folgte zudem eine Reha-Aufenthalt in einer Klinik in der Region.

Ich fühlte mich bei Dr. Franzaring und seinem Team sowohl fachlich als auch menschlich von Anfang an bestens aufgehoben. Auch den Aufenthalt auf der Komfortstation kann ich nur empfehlen – ich war rundum gut versorgt und habe mich dort sehr wohlgefühlt“, sagt Schmiedel, der weiterhin regelmäßig alle drei Monate die Kontrolluntersuchungen am Kemperhof wahrnimmt. „Ich kann nur jedem Mann raten, die angebotenen Früherken­nungs­untersuchungen zu nutzen, um im Falle eines Falles rechtzeitig handeln zu können.“ Sein Beispiel zeigt, wie wichtig eine enge medizinische Betreuung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und das Vertrauen in das Behandlungsteam für den Heilungsprozess sind. Dafür steht das Prostatakrebszentrum als ein Teil des zertifizierten Onkologischen Zentrums Koblenz-Mittelrhein.

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