Connect with us

Gesundheit

Zukunft des Seniorenzentrums Ignatius-Lötschert-Haus in Horbach scheint gesichert

Veröffentlicht

am

Mitglieder des Fördervereines für das Ignatius-Lötschert-Haus überzeugten sich in den Räumen der Tagespflege vom dortigen Raumbedarf bei zunehmender Auslastung.
Foto: Förderverein IL-Haus Horbach
Anzeige

HORBACH Zuletzt hatten die Sorgen im Buchfinkenland und darüber hinaus zugenommen, ob es eine Zukunft für das traditionsreiche Seniorenzentrum Ignatius-Lötschert-Haus in Horbach gibt. Jetzt sind die Zukunftsängste begründeter Zuversicht gewichen: die Alexianer mit der Dernbacher Gruppe Katharina Kasper als Träger der Altenpflegeeinrichtung, senden eindeutige Signale: wir stehen zum Haus, wollen es weiterentwickeln und am Standort investieren! Die Gespräche darüber, wie dies umgesetzt werden soll, laufen noch. Eins ist sicher: der Träger wird hierbei voll vom Förderverein des Hauses unterstützt!

Diese hoffnungsvolle Botschaft nimmt nicht nur der Förderverein mit seinen aktuell nur noch 144 Mitgliedern erfreut zur Kenntnis. Vielleicht liegt es daran, dass viele Menschen in der Region ganz im Süden des Westerwaldes die Hoffnung auf einen Fortbestand und Weiterentwicklung der Einrichtung schon aufgegeben hatten, waren doch zur jährlichen Mitgliederversammlung des rührigen Vereins nur ganze 13 Personen erschienen: darunter 5 Vorstandsmitglieder und 3 Mitarbeitende sowie 2 Gäste. Dazu gesellten sich noch 3 „normale“ Fördermitglieder, von denen 2 noch als Kassenprüfer aktiv waren. Ein absoluter Minusrekord in der Vereinshistorie! Offensichtlich scheint es kaum jemand ernsthaft zu interessieren, was aus dem Seniorenzentrum im Buchfinkenland wird?

Anzeige

Bei der Begrüßung hatte Vorsitzender Uli Schmdit seinen Ärger darüber ausgedrückt: „Wir leben im schnell voranschreitenden Demografischen Wandel, die Gesellschaft altert im Rekordtempo und es kommen für die meisten Menschen noch viele spürbare Probleme auf uns zu“, so Schmidt. Daraus müssten eigentlich Motivation und Engagement zumindest der Boomer-Generation erwachsen, sich für eine noch einigermaßen angemessene Versorgung im Alter selbst einzusetzen. Oder zumindest diejenigen zu unterstützen, die dafür sorgen wollen. „Durch Austritte aus dem Verein und geringstmögliche Teilnahme an der Mitgliederversammlung ist das jedenfalls nicht möglich“ meinte dazu Benno Heibel, der in den ersten 39 Jahren nach der Gründung als Heimleiter das Haus wesentlich geprägt hat und dem dessen Zukunft noch heute ein Herzensanliegen ist.

Anzeige

Spürbar war jedoch die Aufbruchstimmung im Haus, die nicht zuletzt dem neuen Leitungsteam mit Heimleiterin Nadine Galke, Pflegedienstleiter Dennis Grahl und dem Qualitätsbeauftragten Christopher Heinzen zu verdanken ist. Berichtet wurde, dass aktuell 2 Pflegefachkräfte aus Kenia im Haus ausgebildet werden. Vorgestellt wurde ein erfolgreiches Projekt, mit dem Anreize für eine mobilisierende Pflege geschaffen wurden. Schriftführer Franz-Josef Jung informierte über viele erfolgreiche Veranstaltungen im letzten Jahr vom Neujahrsempfang unter dem Motto „Pflegerevolution“ bis zum Demenztheater. In 2026 ist am 7.11. wieder unter anderem der Arbeitseinsatz „Aktion Wühlmaus “ sowie eine Diskussion zur Zukunft der Altenpflege geplant. Auch über einen Neustart der bis zu Corona erfolgreichen Initiative „555 Schritte – fit bis ins höchste Alter“ wird nachgedacht. Dank Kassenführer Hubert Kleppel stehen die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung.

Mit dabei war auch die für die VG Montabaur zuständige Gemeindeschwester plus, Barbara Spiegelhoff, die über ihre aufsuchende Arbeit mit älteren Menschen berichtete. „Es kommt ein demografischer Tsunami auf uns zu, weshalb wir uns jetzt überlegen müssen, wie wir alt werden wollen und was wir vor Ort dafür tun müssen“, so Schwester Barbara. Es folgte ein Besuch der ins Haus integrierten Tagespflege, die von Mitarbeiterin Hillary Weimer vorgestellt wurde. Erfreut konnte festgestellt werden, dass seniorengerechte Aktivitäten und ein kostenfreier Probetag mit dazu geführt haben, dass der Bedarf wächst. „Wenn das so positiv weiter läuft, müssen wir bald über eine 2. Gruppe nachdenken“, meinte Gaby Schlosser als 2. Vorsitzende des Fördervereins.

Teilen Sie mit anderen
Anzeige
Weiterlesen
Zum Kommentieren klicken

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Gesundheit

Ankommen zum Abschied: Dausenauer Mike Brill erzählt vom Leben im Hospiz Rhein-Lahn Wie ein Sechser im Lotto: Mike Brilll ist glücklich, im Hospiz Rhein-Lahn zu sein

Veröffentlicht

am

von

Anzeige

NASSAU Schwerkrank und trotzdem „mega froh“ ist Mike Brill. Seit dem 9. Januar ist er als Gast im Hospiz Rhein-Lahn. „Ich bin glücklich hier zu sein. Das ist für mich wie ein Sechser im Lotto“, sagt der 63-jährige Dausenauer. Gerne möchte er anderen davon erzählen, wie es ihm hier geht.

Schon der herzliche Empfang und der Anblick seines schönen Zimmers habe ihm Tränen in die Augen getrieben. Sofort sei viel Stress von ihm abgefallen und er habe sich gesagt: „Jetzt kann man hier sterben“. Das Personal sei enorm freundlich, ruhig und herzlich.

Anzeige

Mike Brill kam nach einer langen Krankengeschichte direkt aus dem evangelischen Stift St. Martin in Koblenz ins Nassauer Hospiz. Dafür ist er seinem Hausarzt dankbar. Er hatte ihm auf den Anrufbeantworter gesprochen und wurde zurückgerufen.

Anzeige

Seine Krankengeschichte begann vor sieben Jahren durch einen Zufallsbefund bei einer Magen-Darm-Untersuchung. Routinemäßig wurde dabei die Lunge geröntgt. Zunächst fand man ein „Geschwür“, was jedoch dazu führte, dass der linke Lungenlappen entfernt wurde. Dann, erzählt er, entzündeten sich die Narben und das Geschehen nahm seinen Lauf. Der Krebs brach aus. Es gab noch einen zweiten Eingriff an der Lunge. Chemo und Bestrahlung folgten. Außerdem musste er sich noch drei Operationen an der Wirbelsäule unterziehen.

Als die Lunge geheilt gewesen sei, habe der Krebs auf die Knochen und das Gewebe übergegriffen. Trotz seiner Erkrankung arbeitete Mike Brill als Zimmermann weiter. Diesen Beruf hatte er in Scheuern erlernt und war dann 40 Jahre in Niederelbert tätig. Sein Chef hatte viel Verständnis für seinen treuen Mitarbeiter: „Die Tür ist immer offen. Du kannst kommen und gehen, wann Du willst“.

So konzentrierte sich Mike Brill auf leichtere Arbeiten wie den Zuschnitt von Hölzern und die Unterweisung von Lehrlingen an den Maschinen. Ihnen brachte er auch bei, immer offen und ehrlich zu sein und einzugestehen, wenn man Hilfe braucht. „Man kann nicht alles alleine machen“. Seine Arbeit hat er immer gerne gemacht. Gerne erzählt er davon, wie er im Bauwesen, im Trockenbau, gearbeitet hat.

Heute sitzt Mike Brill im Rollstuhl. Er ist vom Oberkörper abwärts gelähmt. Das war auch der Grund, warum er zuletzt die Bestrahlungen abgelehnt hat. Der Transport vom Krankenhaus ins radiologische Institut war für ihn zu schmerzhaft.

Jetzt hat er trotz seiner schweren Erkrankung keine Schmerzen mehr. Dafür sorgen im Hospiz Rhein-Lahn die Ärzte, die Schwestern und Pfleger. „Wenn ich klingele, kommt jemand“. Darüber ist er froh, denn nie habe er sich vorstellen mögen, in einem Pflegeheim „dahin zu vegetieren“.

Tiere werden von ihrem Leid erlöst“, sinniert Mike Brill. Und meint damit, warum nicht Menschen? Am liebsten wäre ihm am Ende eine Spritze. Aber Beihilfe zum Tod gibt es anders als in der Schweiz in Deutschland nicht und damit auch nicht im Hospiz Rhein-Lahn.

Ein Einschnitt wäre es, wenn er gefüttert werden müsste. Dann würde er für sich einen Schlussstrich ziehen. „Wenn man nichts mehr machen kann, muss auch Schluss sein.“ Das sei die Laune der Natur. Der Mensch müsse lernen, seine Grenzen zu erkennen.

Krebs, meint er, lauere in jedem. Er habe halt Pech gehabt. Ja, er habe geraucht, leidenschaftlich ab dem 21. Lebensjahr täglich 40 Zigaretten, aber sein Lungenkrebs sei kein Raucherkrebs. Noch am Abend vor seiner OP kaufte er eine Schachtel Zigaretten und verschenkte sie samt Feuerzeug am nächsten Tag bei einem Spaziergang an eine Mitpatientin. Das Aufhören sei ihm nicht schwergefallen.

Ich bin zufrieden und glücklich, dass ich meine letzten Stunden, Tage und Monate hier verbringen kann“, erklärt Mike Brill. Große Hochachtung hat er vor allen, die den Bau und Betrieb des Hospizes Rhein-Lahn ermöglichten. „Hut ab“. Der Staat müsse eine solche Einrichtung doch unterstützen.

Gerne verbringt er Zeit im Raum der Stille, frühstückt zusammen mit den anderen Gästen oder speist allein. Alles ist möglich und das gefällt ihm. „Das Personal sorgt dafür, dass man am Leben teilhaben kann.“

Oft kommt Besuch aus Dausenau. Dort ist Mike Brill in die Dorfgemeinschaft integriert. Geboren in Wuppertal, war er in Remscheid bei Pflegeeltern, ehe er ins Dausenauer Kinderheim kam. Das sei eine glückliche Kindheit und Jugend gewesen. Ehrenamtlich arbeitete er später für das Kinderheim und ganz besonders engagiert war er als Fußballer beim TuS Dausenau. Von der Jugend bis zu den Alten Herren spielte er in der zweiten Mannschaft. „Der begabteste Fußballer war ich nicht“, erzählt der Alleinstehende. Aber dafür war er Betreuer der 1. Mannschaft, Zeug- und Platzwart und pflegte das Sporthäuschen. Unter den Vereinen, ob Feuerwehr oder Fischereiverein, half man sich bei Festen.

Seine Besucher sind, so sagt Mike Brill, begeistert vom Hospiz. Wie gut und schön es hier sei, könne man sich gar nicht vorstellen. „Man muss es gesehen, erlebt und gefühlt haben.“ Zusammen mit ihnen hat er im Wohnzimmer Fußball geschaut. Auch dass es keine Besuchszeiten gibt und man bis spät am Abend zusammen feiern kann, gefällt ihm.

Als er erkrankte, hat er sich vorgenommen, was er alles noch erleben will. Er hat seine Wünsche verwirklicht von der Kreuzfahrt auf der Aida um die türkische und griechische Küste bis zum Besuch von Dart- und Fußballturnieren in Dortmund oder bei Mainz 05.

Mich kann nichts mehr erschüttern“, sagt Mike Brill gelassen. Angst vor dem Sterben habe er nicht. Das müsse schließlich ja jeder Mensch. „Wenn man nichts mehr machen kann, muss auch Schluss sein“. Lebensverlängernde Maßnahmen will er nicht, wenn die Lähmung voranschreitet und er nicht mehr selbstständig essen kann. Er hofft friedlich und in Würde einschlafen zu können. „Dann gehe ich über in die nächste Welt, in das nächste Leben, aufs nächste Level – bestimmt“. vy

Teilen Sie mit anderen
Anzeige
Weiterlesen

Gesundheit

Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn: Neuer Kleinbus für mehr Mobilität Aktion Mensch macht Anschaffung möglich

Veröffentlicht

am

Foto: Caritasverband WWRL Holger Pöritzsch
Anzeige

WIRGES Ein sichtbares Zeichen für mehr Mobilität und weiterer Verbesserung der sozialen Teilhabe für Menschen mit schweren Behinderungen: Die Tagesförderstätte (Tafö) des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn in Wirges verfügt ab sofort über einen neuen Kleinbus. Offiziell übergeben wurde der VW Crafter im Autohaus Krah in Herschbach/Uww. durch Autohaus-Chef Wolfgang Krah und seinen Sohn Felix Krah an die Vertreterinnen und Vertreter des Caritasverbandes. Caritasdirektorin Stefanie Krones, Armin Gutwald, Geschäftsführer der Caritas-Werkstätten Westerwald-Rhein-Lahn, sowie Hannah van Bonn, Leiterin der Tagesförderstätte, nahmen das neue Fahrzeug dankbar entgegen.

Mobilität bedeutet für unsere Beschäftigten immer auch Lebensqualität, Selbstbestimmung und soziale Teilhabe“, betonte Caritasdirektorin Stefanie Krones bei der Übergabe. „Mit dem neuen Bus schaffen wir bessere Voraussetzungen, um individuelle Bedarfe noch flexibler und sicherer zu berücksichtigen. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Anzeige

Der bisherige Bus – ein Ford Transit – hatte nach zwölf Jahren im Einsatz ausgedient. „Er hat seine Dienste geleistet“, sagte Armin Gutwald. „Aber Technik und Anforderungen entwickeln sich weiter. Deshalb freuen wir uns sehr über dieses deutlich modernere, Fahrzeug.“

Anzeige

Möglich wurde die Anschaffung dank der Förderung durch die Aktion Mensch. Ohne diese Unterstützung wäre die Investition in dieser Form nicht realisierbar gewesen.

Der neue VW Crafter bietet Platz für acht Personen und überzeugt vor allem durch sein flexibles Innenraumkonzept. Das modulare Smartfloor-Sitzsystem erlaubt einen gruppenbezogenen Umbau – je nachdem, wie viele Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer oder Läufer mitfahren. Sitze können individuell angepasst, umgestellt oder entfernt werden. „So können beispielsweise vier Läufer und zwei Rollstuhlfahrer gemeinsam unterwegs sein“, erläuterte Hannah van Bonn. „Das gibt uns enorme Flexibilität im Alltag.“

Ein wesentlicher Fortschritt ist zudem der mitgelieferte AMF Linear-Rollstuhllifter. Während beim alten Fahrzeug eine Rampe ausgeklappt und die Rollstühle hochgeschoben werden mussten, ermöglicht der neue Lift ein besonders angenehmes und sicheres Heben. „Unsere Beschäftigten empfinden das als deutlich komfortabler“, so van Bonn. Ergänzt wird die Ausstattung durch zusätzliche elektronische, ausfahrbare Trittstufen für einen möglichst flachen und barrierefreien Einstieg. Eine Rückfahrkamera sowie größere Fenster sorgen für mehr Sicherheit und bessere Sichtverhältnisse.

Die Entscheidung für das Autohaus Krah fiel bewusst. „Das Unternehmen, das die Beschäftigten in den Werkstätten befördert, kommt ebenfalls aus Herschbach. Zudem genießt das Autohaus einen sehr guten Ruf“, erklärte Armin Gutwald. Auch der regionale Bezug spielte eine zentrale Rolle. „Gerade mit Blick auf künftige Serviceleistungen war uns die regionale Partnerschaft wichtig“, ergänzte Stefanie Krones.

Zwischen dem Autohaus und der Caritas gibt es bereits Berührungspunkte: Über die Viweca – die Abteilung für Arbeitsmarktintegration der Caritas-Werkstätten – waren in der Vergangenheit Praktikantinnen und Praktikanten im Autohaus Krah tätig. „Wir haben bislang immer sehr gute Erfahrungen mit der Caritas gemacht und freuen uns jetzt, sie auch als Kunden gewonnen zu haben“, sagte Wolfgang Krah.

Künftig wird der neue Bus in der Tagesförderstätte für regelmäßige Tagesausflüge, Besorgungen oder Ferienfreizeiten eingesetzt. „Fahrten nach Holland und Norddeutschland sind bereits in Planung“, berichtete Hannah van Bonn mit einem Lächeln.

Die 1988 eröffnete Tagesförderstätte des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn in Wirges bietet erwachsenen Menschen mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen – bis zum 65. Lebensjahr – einen lebensnahen und zugleich inklusiven Förder- und Lebensraum. In fünf Gruppen stehen insgesamt 32 Plätze zur Verfügung. Seit September 2016 werden zusätzlich Leistungen für eine werkstattnahe Gruppe der Tagesförderstätte in den Caritas-Werkstätten in Montabaur angeboten. Diese bietet acht Personen, die den Anforderungen einer Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen noch nicht oder nicht mehr gewachsen sind, eine enge Anbindung an die Arbeitswelt. „Wir schaffen einen Lebensraum, in dem Individualität und soziale Integration einen hohen Stellenwert haben“, betonte van Bonn. „Der neue Bus hilft uns dabei ganz konkret – jeden Tag.“ (pm: Caritasverband WWRL)

Teilen Sie mit anderen
Anzeige
Weiterlesen

Gesundheit

Trauer verstehen: Der Tod der Schwester – ein Verlust, der die Identität verändert

Veröffentlicht

am

von

Foto: Anja Schrock | Lizenz: Envato
Anzeige

BAD EMS In der Videoserie „Trauer verstehen“ setzen Anja Schrock und der Philosoph Dr. Mathias Jung ihr Gespräch über Verlust, Erinnerung und den Umgang mit Trauer fort. In Folge 4, Teil B kommt diesmal ein dritter Gast hinzu: Michael Schrock. Gemeinsam sprechen sie über einen Satz, der wie ein Leitmotiv über der gesamten Folge steht: Trauer verschwindet nicht. Sie bleibt, aber sie verändert ihre Gestalt.

Ein kleiner Moment – und plötzlich ist alles wieder da

Anja Schrock schildert zu Beginn eine scheinbar beiläufige Szene aus einem Hotelurlaub. Am Frühstücksbuffet sieht sie ein Gefäß mit Ovomaltine-Beuteln und wird von einem Augenblick auf den anderen überwältigt. Tränen, Erinnerung, ein Stich ins Herz. Ihr Vater habe in schwierigen Zeiten immer gesagt: „Gott kennt, bringen wir mal ein bisschen Ovomaltine mit.“

Anzeige

Es ist ein typischer „Trigger“, wie Dr. Mathias Jung es nennt: ein Lied, ein Geruch, ein Gegenstand und die Trauer steht plötzlich wieder im Raum. Nicht, weil sie „zurückkommt“, sondern weil sie nie ganz weg war.

Anzeige

Der Verlust einer Schwester – ein Riss, der bleibt

Michael Schrock berichtet dann von einem Erlebnis, das sein Leben bis heute prägt: Der Tod seiner Schwester Tamara, vor 40 Jahren bei einem Autounfall. Die beiden verband, wie er beschreibt, eine tiefe Geschwisterliebe. Tamara war zwei Jahre älter, bereits zweimal verheiratet, Mutter von zwei Kindern, lebte in Wiesbaden und dennoch blieb der Kontakt eng, besonders in Familienfragen.

Der Schock war nicht nur der Tod selbst, sondern auch die Art, wie die Nachricht Michael erreichte: Er war damals in Montreal (Kanada), es gab weder Handy noch Internet. Ein Geschäftsfreund rief zurück und sagte ohne Vorwarnung: „Deine Schwester ist tot.“ Ein Satz, der alles veränderte.

Identifizieren, Abschied, Ausnahmezustand

Was folgt, ist ein Ablauf wie im Nebel: Rückflug über Amsterdam, Ankunft in Deutschland, Chaos in der Familie. Und dann ein Moment, den Michael als besonders prägend beschreibt: Er musste seine Schwester identifizieren. Tamara starb bei einem Frontalzusammenstoß auf der Bäderstraße, sie hatte schwere Kopfverletzungen. Der Abschied in der Friedhofskapelle, das Bild der aufgebahrten Schwester, der Zustand völliger Überforderung: Nächte ohne Schlaf, Tage wie ein einziger langer Ausnahmezustand.

Dr. Jung macht deutlich, wie sehr gerade solche Umstände die Trauer „einschreiben“: Plötzlicher Tod, Unvorhersehbarkeit, Schock – das sei etwas völlig anderes, als wenn hochbetagte Eltern sterben, deren Lebensende man begleiten kann.

Trauer verändert sich – und wird Teil der Biografie

Michael Schrock beschreibt die Veränderung über Jahrzehnte: Das Leben geht weiter, aber anders. Die Schwester fehlt nicht nur als Person, sondern als Teil der eigenen Identität. In entscheidenden Situationen spürt er das besonders: etwa als die Mutter pflegebedürftig wurde und starb. Das, was man als Geschwister gemeinsam getragen hätte, musste er alleine bewältigen.

Bemerkenswert ist dabei seine Haltung: Er bezeichnet sich als nüchtern, nicht religiös, nicht esoterisch und dennoch ist ihm der Ort wichtig. Das Grab in der Heimatstadt, das Vorbeigehen, das stille Innehalten: keine großen Rituale, aber eine Verbindung.

Keine Wut – nur Trauer und Verzweiflung

Auf die Frage, ob er Wut empfunden habe auf den Unfallgegner, auf das „sinnlose“ Ende, antwortet Michael klar: Nein. Ursache sei eine damals „dusselige Ampelschaltung“ gewesen: Linksabbieger und Gegenverkehr hatten gleichzeitig Grün. Ein tragischer Fehler, der später geändert wurde. Doch in ihm sei keine Wut geblieben, sondern Trauer, Verzweiflung und das Bewusstsein: Ein Leben wurde um Möglichkeiten betrogen.

Das Unersetzliche am Menschen

Im Gespräch wird spürbar, worum es in dieser Folge im Kern geht: Nicht um „Verarbeitung“ im Sinne von „abschließen“, sondern um das Unersetzliche. Michael sagt: Ein Haus kann abbrennen, ein Auto kann man ersetzen – aber ein Mensch, eine Schwester, ein einzigartiger Charakter mit gemeinsamer Geschichte: Das ist unwiederbringlich.

Und doch bleibt etwas: Gedanken, innere Dialoge, Erinnerungen, Situationen, in denen man sich fragt: „Wie würde sie jetzt reagieren? Was würde sie sagen?“ Dr. Jung ordnet das als Teil einer „memorativen Liebe“ ein, einer erinnernden Liebe, die nicht endet, sondern sich wandelt.

Wenn das Umfeld dünner wird

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist das Alter. Dr. Jung spricht von der „Melancholie des Alters“: Der „Sauerstoff“ um einen herum werde dünner, Freunde sterben, das Netz wird kleiner. Aus Alleinsein könne Einsamkeit werden. Und Trauer verstärke sich auch deshalb, weil Vertrauen verloren geht und neu aufzubauen schwerer wird.

Gleichzeitig zeigen die Gesprächspartner: Es gibt auch Lachen in der Erinnerung. Geschichten, innere Sprüche, kleine Sätze, die „mitlaufen“. Trauer ist damit nicht nur Schmerz, sondern auch ein lebendiger Zusammenhang.

„Du darfst dich nicht von ihr umbringen lassen“

Am Ende steht ein Satz, der als klare Warnung und als Ermutigung zugleich wirkt. Michael sagt: Man müsse in der Trauer irgendwann an den Punkt kommen, an dem man sich selbst sagt: „Du musst die Trauer überwinden. Du darfst dich nicht von ihr umbringen lassen.“

Anja Schrock und Dr. Jung greifen das auf: Trauer sei „Freund und Feind“, ein Balanceakt. Man solle sie zulassen, sich ihr hingeben, aber auch daran arbeiten, wieder ins Leben zurückzufinden.

Ausblick auf die nächste Folge

Mit Dank an Michael Schrock für die Offenheit endet die Episode. Die nächste Folge der Reihe widmet sich der Auseinandersetzung mit Verlust – und der Frage, wie Menschen daran wachsen können, ohne den Schmerz zu verleugnen.

Teilen Sie mit anderen
Anzeige
Weiterlesen

Trending