Politik
Überfülltes Bürgerhaus in Nastätten: Stehende Ovationen für Ministerpräsident Schweitzer Schweitzer zur AfD: „Keine Zusammenarbeit, niemals – auf keiner Ebene"
Ministerpräsident Alexander Schweitzer (Foto Mitte) und Landtagsabgeordneter Manuel Liguori (links) im Gespräch mit einem Bürger (Foto rechts)
NASTÄTTEN Der Neujahrsempfang der SPD in Nastätten stieß am vergangenen Wochenende auf außergewöhnlich großes Interesse. Mehr als 250 Besucher kamen ins Bürgerhaus, das damit bis auf den letzten Platz gefüllt war. Zusätzliche Stühle reichten nicht mehr aus, viele Gäste verfolgten die Veranstaltung im Stehen. Neben zahlreichen SPD-Mitgliedern nahmen auch einige Bürger ohne Parteibindung teil. Ehrengast des Vormittags war der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Auf der Bühne begrüßt wurden außerdem der Landtagsabgeordnete Manuel Liguori sowie Adriana Kauth, die im Wahlkreis 8 für die Landtagswahl kandidiert.
Wahljahr 2026 als politischer Rahmen
Manuel Liguori eröffnete die Veranstaltung mit einem klaren Blick auf die Landtagswahl am 22. März 2026. Diese Wahl werde darüber entscheiden, welchen Kurs Rheinland-Pfalz in den kommenden fünf Jahren einschlage. Dabei gehe es um Vertrauen, politische Richtung und die Frage, wie das Zusammenleben im Land gestaltet werden solle.
Liguori erinnerte an die Nominierung von Alexander Schweitzer zum SPD-Spitzenkandidaten im November, die mit 100 Prozent Zustimmung erfolgt war. Er stellte dies als bewusstes Zeichen der Geschlossenheit dar. Inhaltlich spannte Liguori einen weiten Bogen: Bildung und Chancengleichheit, frühe Förderung durch Sprachkitas, Lernmittelfreiheit, stärkere politische Beteiligung junger Menschen und Mobilität im ländlichen Raum gehörten ebenso dazu wie der Erhalt sozialer Treffpunkte in den Dörfern.
Er sprach über Dorfgaststätten, Cafés und Dorfläden als Orte des Austauschs und des Zusammenhalts. Auch die Arbeitsbedingungen in der Bildung griff er auf, insbesondere die Situation der Grundschullehrkräfte. Weitere Themen waren soziale Unterstützungsangebote, Programme gegen Kinderarmut, die finanzielle Entlastung der Kommunen sowie Kulturförderung auch außerhalb der Städte. Mit Blick auf die Region nannte Liguori ausdrücklich die medizinische Versorgung im ländlichen Raum und das Krankenhaus in Nastätten, das erhalten werden solle.
Persönliche Einblicke im Gespräch auf der Bühne
Nach der Rede wechselte die Veranstaltung in ein Gesprächsformat. Dabei stand der Ministerpräsident nicht nur als Regierungschef, sondern auch persönlich im Mittelpunkt. Alexander Schweitzer ist 1973 geboren und 52 Jahre alt. Schweitzer berichtete über seine Kindheit. Sein Vater habe als Binnenschiffer gearbeitet, weshalb er die ersten Lebensjahre auf einem Schiff verbracht habe, je nach Einsatz auf Frachtern oder Tankern. Erst später sei das Leben an Land in der Südpfalz gefolgt.
Auch sportliche Fragen wurden angesprochen. Schweitzer berichtete, dass er in seiner Jugend Basketball gespielt habe, auf der Center-Position, heute verfolge er den Sport überwiegend als Zuschauer. Ein weiterer Teil des Gesprächs drehte sich um Familie und Alltag. Schweitzer sprach über seine Ehe, seine drei Kinder und über den Familienhund, der den Tagesablauf und auch Urlaubsplanungen mitbestimme. Spaziergänge mit dem Hund übernehme er grundsätzlich selbst, derzeit jedoch seltener, da sein Terminkalender stark gefüllt sei.
Der Weg in die Politik
Weiteren Raum nahm Schweitzers politischer Werdegang ein. Er schilderte, dass er nicht aus einem parteipolitisch geprägten Elternhaus komme. Sein Interesse an Politik habe sich bereits als Jugendlicher entwickelt, insbesondere Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre. Er berichtete von Engagement in der Schülervertretung, in der Schülerzeitung und von einer organisierten Lichterkette.
Da es zu dieser Zeit noch keine digitalen Informationsmöglichkeiten gegeben habe, habe er sich schriftlich an die SPD-Parteizentrale in Bonn gewandt, um sich über Jugendorganisationen zu informieren. Die Antwort habe ihn zu den Jusos geführt, wo sein politisches Engagement begonnen habe und bis heute fortwirke.
In einer kurzen Fragerunde äußerte sich Schweitzer zu Alltagsfragen, zu seiner derzeit begrenzten Freizeit, zu sportlichen Aktivitäten und dazu, welchen Rat er seinem jüngeren Ich geben würde. Seine Antwort: „Gelassen bleiben und den eigenen Weg gehen.„
Rede des Ministerpräsidenten: Gesellschaft, Ehrenamt und politische Schwerpunkte
In seiner anschließenden Rede stellte Schweitzer Rheinland-Pfalz in einen europäischen Zusammenhang. Er sprach über die geografische Lage des Landes, über Nachbarschaft nach außen und nach innen und über das Miteinander als Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Er ging auf das ehrenamtliche Engagement im Land ein und nannte rund 1,5 Millionen Menschen, die sich in Rheinland-Pfalz ehrenamtlich engagieren. Vereine, Initiativen und freiwillige Strukturen seien ein prägendes Element des Landes. Auch die Kultur spielte eine zentrale Rolle. Schweitzer sprach über kulturelle Angebote im gesamten Land, über entsprechende Förderungen und über die Bedeutung von Kultur für das gesellschaftliche Leben.
Einen großen Abschnitt widmete er dem Thema Bildung. Schweitzer sprach über Veränderungen im Schulalltag, über zusätzliche Schulsozialarbeit, über den Höchststand an Lehrkräften im Land und über hohe Investitionen. Er bezifferte die Ausgaben für Bildung im weiteren Sinne auf rund 18 Milliarden Euro jährlich und kündigte an, die Lernmittelfreiheit auszuweiten. Schulbücher, analog und digital, sowie Arbeitshefte sollten zu Beginn des Schuljahres bereitgestellt werden.
Auch die kommunale Ebene nahm er in den Blick. Schweitzer sprach über Investitionsprogramme, Gespräche mit kommunalen Spitzenverbänden und über das Ziel, Schulen, Kitas und Infrastruktur vor Ort zu stärken. Ergänzend ging er auf wirtschaftliche Themen ein, darunter Bürokratieabbau, Beschäftigungsentwicklung und Unternehmensinvestitionen in Rheinland-Pfalz.
Haltung zur AfD
Zum Umgang mit der AfD erklärte Schweitzer, dass es keine Zusammenarbeit geben werde, niemals! Auf keiner politischen Ebene. Gleichzeitig machte er deutlich, dass politische Auseinandersetzungen nicht ausschließlich an dieser Partei ausgerichtet werden sollten. Stattdessen stellte er eigene Inhalte, demokratische Grundsätze und politische Gestaltung in den Mittelpunkt.
Abschluss mit stehenden Ovationen
Zum Ende der Veranstaltung verwies Schweitzer darauf, dass Umfragen keine Wahlergebnisse seien und bis zum Wahltag weiter um Vertrauen und Unterstützung geworben werde. Nach seinen Schlussworten setzte lang anhaltender Applaus ein. Viele Besucher erhoben sich von ihren Plätzen und verabschiedeten den Ministerpräsidenten mit stehenden Ovationen.
Politik
CDU-Landtagskandidat aus Diez: Matthias Lammert stellt sich vor
DIEZ Matthias Lammert (CDU) ist Vizepräsident des Landtags Rheinland-Pfalz und seit vielen Jahren politisch in der Region verwurzelt. Das Video-Interview wurde vor dem Diezer Grafenschloss aufgezeichnet, einem Ort, den er als Teil seiner Heimatstadt beschreibt.
Lammert wurde am 28. Juni 1968 in Tübingen geboren. Seine Eltern studierten dort. Nach dem Studium kehrte die Familie zurück in die Region: Sein Vater stammt aus Diez, seine Mutter aus Limburg. Lammert wuchs in Diez auf, besuchte das Sophie-Hedwig-Gymnasium und legte dort das Abitur ab.
Schule, Bundeswehr, Studium
Nach der Schulzeit ging Lammert zur Bundeswehr, damals zur Wilhelm-von-Nassau-Kaserne in Diez. Er verpflichtete sich für längere Zeit als Reserveoffizier und war im Rahmen dieser Tätigkeit auch in München und Koblenz, später erneut am Standort Diez.
Nach der Bundeswehr entschied er sich für ein Studium an der Universität Mainz. Er studierte Jura und Politikwissenschaften und schloss das Studium ab. Anschließend arbeitete er noch eine Zeit lang an der Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Danach ergab sich für ihn die Möglichkeit, für den Landtag zu kandidieren. Nach eigener Darstellung kam diese Entscheidung kurzfristig, er kandidierte und wurde Abgeordneter.
Familie und Verwurzelung in der Region
Lammert beschreibt Diez und das Nassauer Land als seine Heimat. Er lebt im Wahlkreis Diez/Nassau, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund. Seine Frau lernte er nach eigenen Angaben über die Schule kennen; geheiratet habe er vor 25 Jahren in Diez, in der Kirche St. Peter.
Freizeit und Sport verbindet er mit der Region: Er nennt das Diezer Schwimmbad als Ort, an dem er viel Zeit verbracht habe und wo er auch seine ersten Tauchlehrgänge gemacht habe. Er beschreibt, dass er in der Region viele Bekanntschaften und langjährige Kontakte hat.
Kommunalpolitik, Ehrenamt und Vereine
Kommunalpolitisch ist Matthias Lammert seit jungen Jahren aktiv. Er war nach eigenen Angaben 30 Jahre im Stadtrat, ist seit über 27 Jahren im Kreistag und auch im Verbandsgemeinderat engagiert. Parallel dazu nennt er eine breite ehrenamtliche Arbeit in Vereinen und Organisationen.
Zu seinen Engagements zählt der Karnevalsverein vor Ort sowie eine Theatergruppe (Fairytale). Überregional engagiert er sich beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dort als stellvertretender Landesvorsitzender. Dieses Engagement begründet er mit seiner Bundeswehrzeit und seiner Beschäftigung mit Geschichte und Erinnerungskultur.
Projekte vor Ort: Grafenschloss, Straßen, Schulen
Das Diezer Grafenschloss verbindet Lammert auch mit politischer Arbeit. Er erinnert an ein frühes Projekt aus seiner Zeit als junger Abgeordneter: den Umbau, durch den das Grafenschloss als Jugendherberge und Museum weiterentwickelt werden konnte.
Darüber hinaus nennt er Projekte im gesamten Wahlkreis und darüber hinaus: Straßenbauvorhaben rund um Nassau, Diskussionen über Ortsumgehungen, die Umgehungsstraße in Nastätten, sowie Vorhaben im Einrich, darunter auch kulturelle Projekte wie ein Museum.
Ein Schwerpunkt ist für ihn nach eigener Darstellung die Schulinfrastruktur. Als Kreistagsmitglied habe er Sanierungsmaßnahmen begleitet und unterstützt. Er verbindet damit das Ziel, Schulen baulich so auszustatten, dass Kinder und Jugendliche gute Bedingungen für Bildung und Ausbildung haben.
Verkehr, Polizei, Prävention
Für die kommenden Jahre sieht Lammert mehrere Felder mit Handlungsbedarf. Ein zentrales Thema ist die Verkehrsinfrastruktur im ländlichen Raum. Er spricht von Landesstraßen, die dringend saniert werden müssten, und nennt beispielhaft Strecken in Richtung Hömberg bei Nassau sowie Bereiche rund um Nastätten und Attenhausen.
Beim Thema innere Sicherheit verweist er auf Polizeistandorte in der Region, unter anderem Bad Ems sowie St. Goarshausen, das auch für den Raum Nastätten zuständig ist. Aus seiner Sicht braucht es mehr Personal, damit die Polizei nicht nur Einsätze abarbeitet, sondern auch wieder stärker präventiv präsent sein kann – etwa durch Kontrollen und Streifenfahrten in Wohn- und Industriegebieten. In diesem Zusammenhang nennt er auch Wohnungseinbrüche in der Region sowie frühere Fälle von Geldautomatensprengungen im Rhein-Lahn-Kreis.
Arbeitsplätze, Betriebe, Ausbildung
Ein weiteres Feld ist für Lammert der Wirtschaftsstandort in der Region. Er verweist auf Unternehmen und Arbeitgeber im Rhein-Lahn-Kreis und dem Umfeld, unter anderem Industrie und Mittelstand sowie Handwerksbetriebe. Er verbindet das mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu sichern und Ausbildungsplätze zu erhalten, damit junge Menschen in der Region bleiben und hier berufliche Perspektiven finden können. Förderprogramme auf Landesebene sollten nach seiner Darstellung praxisnäher wirken und besser umgesetzt werden.
Kommunale Finanzen und Krankenhaus Nastätten
Besonders ausführlich spricht Lammert über die kommunalen Finanzen. Er beschreibt, dass Kommunen über Jahrzehnte immer wieder an finanzielle Grenzen gestoßen seien – nicht wegen schlechter Haushaltsführung, sondern wegen zu geringer Mittel. Er verweist auch auf die Verschuldung auf Kreisebene und verbindet das mit der Forderung nach einer grundlegenden Verbesserung des kommunalen Finanzausgleichs.
Als Beispiel für finanzielle Belastungen nennt er die Unterstützung des Krankenhauses in Nastätten, die nach seinen Angaben nur möglich sei, wenn Kommunen und Kreis ausreichend ausgestattet werden.
Prägungen, Lesen und Filme
Als politische Persönlichkeit, die ihn geprägt habe, nennt Lammert Helmut Kohl. Er verbindet das mit seinen Erinnerungen an Wiedervereinigung, Grenzkontrollen früherer Jahre, europäische Einigung und gemeinsame Währung. Diese Phase beschreibt er als prägend, auch aus der Perspektive seiner Zeit als junger Mensch und während der Bundeswehr.
Bei der Lektüre nennt Lammert neben Sachliteratur vor allem auch Gesetzestexte, zuletzt etwa das Strafgesetzbuch im Zusammenhang mit Strafrahmen. Er nennt außerdem Biografien, darunter eine von Wolfgang Schäuble. Daneben erwähnt er Belletristik zur Entspannung, unter anderem „Es ist nur eine Phase, Hase“.
Filmisch beschreibt er sich als Fan der James-Bond-Reihe und nennt außerdem Star Wars. Als Kinoerlebnis erwähnt er „Der Schuh des Manitu“.
Politik
AfD-Landtagskandidat aus Gutenacker: Robin Classen stellt sich vor
GUTENACKER Robin Classen kandidiert für die Alternative für Deutschland bei der Landtagswahl im Wahlkreis 7. Der 34-Jährige ist von Beruf Rechtsanwalt, lebt mit seiner Ehefrau und fünf Kindern im Rhein-Lahn-Kreis und wohnt in Gutenacker. Seinen Lebensmittelpunkt beschreibt er klar familiär geprägt.
Für das Video-Interview wählte Classen bewusst den Ort Obernhof an der Lahn. Ausschlaggebend sei die besondere Lage des Ortes mit Blick auf das Lahntal. Er bezeichnet Obernhof als Naherholungsort, den er insbesondere wegen des Lahnpanoramas, des Spielplatzes und der Möglichkeiten zum Aufenthalt am Wasser schätzt. Gerade im Sommer halte er sich dort gerne auf, auch wegen der Freizeitangebote vor Ort.
Familie, Ausbildung und beruflicher Werdegang
In seiner Freizeit verbringt Classen nach eigenen Angaben den größten Teil seiner Zeit mit seiner Familie. Besonders die Jahre mit kleinen Kindern beschreibt er als prägend und zeitintensiv. Frühere Hobbys träten dadurch in den Hintergrund. Darüber hinaus geht er gerne wandern und reist gelegentlich.
Aufgewachsen ist Classen im Odenwald. Bereits dort lebte er in einer ländlich geprägten Region. Nach dem Abitur entschied er sich für ein Studium der Rechtswissenschaften. Sein Interesse galt dabei der Frage, wie staatliche Ordnung funktioniert und welche Rolle Gesetze für den Zusammenhalt einer Gesellschaft spielen.
Nach dem Studium sammelte er berufliche Erfahrungen an verschiedenen Stationen und ist inzwischen als selbstständiger Rechtsanwalt tätig. Den Beruf beschreibt er als abwechslungsreich, da er regelmäßig mit unterschiedlichen Sachverhalten und Menschen zu tun habe.
Politischer Weg und thematische Schwerpunkte
Mitglied der AfD ist Robin Classen seit dem Jahr 2015. Er gibt an, bereits zuvor politisch in diese Richtung orientiert gewesen zu sein. Vor der Gründung der AfD habe er sich eine Partei nach dem Vorbild der österreichischen FPÖ gewünscht. In der AfD habe er diese politische Ausrichtung gefunden. Er beschreibt die Partei als breit aufgestellt mit unterschiedlichen Mitgliedern, auch im Rhein-Lahn-Kreis und in Rheinland-Pfalz.
Den Rhein-Lahn-Kreis bezeichnet Classen als Region, die ihm besonders ans Herz gewachsen sei. Als ländlichen Raum sieht er ihn vor spezifischen Herausforderungen. Themen wie bezahlbare Energiekosten, eine funktionierende Infrastruktur, der Zustand der Straßen, Kraftstoffpreise sowie die Zukunftsfähigkeit in den Bereichen Digitalisierung und Bildung nennt er als zentrale Anliegen. Dabei betont er, dass der ländliche Raum nicht gegenüber Metropolregionen benachteiligt werden dürfe.
Persönliche Interessen und politische Einflüsse
Berufsbedingt lese er viel, sodass ihm für private Lektüre nur begrenzt Zeit bleibe. Mehrere Bücher lese er parallel. Zuletzt habe er „Die Abenteuer des Rübe Ohr“ abgeschlossen. Darüber hinaus versuche er, täglich ein Kapitel in der Bibel zu lesen, was er als persönliche Orientierung und moralischen Maßstab beschreibt.
Filme schaue er nur selten, Serien hingegen gelegentlich. Besonders interessiert zeige er sich an Produktionen aus Südkorea und Japan. Diese schätze er nach eigenen Angaben wegen ihrer klassischen Erzählweise und ihrer künstlerischen Gestaltung.
Politische Vorbilder habe er nicht im klassischen Sinne. Inspirierend empfinde er jedoch einzelne Politiker aufgrund ihrer Art, Politik zu gestalten. In diesem Zusammenhang nennt er Herbert Kickl von der österreichischen FPÖ, dessen politische Durchsetzungskraft und Bürgernähe er hervorhebt.
Mit seiner Kandidatur möchte Robin Classen nach eigenen Angaben politische Themen, die den ländlichen Raum betreffen, stärker in den Fokus rücken und den Rhein-Lahn-Kreis auf Landesebene vertreten.
Politik
Grüne Landtagskandidatin aus Nassau: Annemarie Imgrund stellt sich vor Die 38-Jährige tritt im Wahlkreis 7 an und spricht über Ehrenamt, politische Motivation und Beteiligung
NASSAU Annemarie Imgrund tritt bei der Landtagswahl im Wahlkreis 7 für Bündnis 90/Die Grünen an. Die 38-Jährige lebt seit fünf Jahren mit ihrem Ehemann und einem Hund in Nassau. Das Paar hat dort einen Altbau erworben, der seitdem in Eigenleistung saniert wird. Nach eigenen Angaben wurde nahezu die gesamte Sanierung selbst umgesetzt, mit Ausnahme der Dacharbeiten.
Imgrund beschreibt ihr Leben in Nassau als bewusste Entscheidung für die Region. Die Nähe zur Natur, die Landschaften entlang von Rhein und Lahn sowie die Wälder und Berge im Rhein-Lahn-Kreis prägen ihren Alltag. Aufgewachsen ist sie am Rhein, mehrere Jahre lebte sie in Koblenz, bevor der Umzug an die Lahn erfolgte. Die Verbindung zu Wasser und Landschaft zieht sich wie ein roter Faden durch ihren Lebenslauf.
Nach dem Fachabitur im Bereich Wirtschafts- und Verwaltung widmete sich Imgrund zunächst vor allem ehrenamtlicher Arbeit. Wenn sie nicht am eigenen Haus arbeitet, ist sie nach eigenen Worten häufig in den Bergen unterwegs, geht wandern oder fährt Fahrrad. Außerdem malt sie und engagiert sich im Bereich Lebensmittelrettung.
Ehrenamt als Ausgangspunkt für politisches Engagement
Gemeinsam mit Freunden gründete sie in Koblenz den Verein „Lebensmittelretter Rhein-Mosel e. V.“. Ziel des Vereins ist es, überschüssige Lebensmittel vor der Vernichtung zu bewahren und weiterzugeben. Das Engagement ist sowohl sozial als auch politisch geprägt. Imgrund schildert, dass sie durch diese Arbeit täglich mit sozialen Ungleichheiten konfrontiert werde. Einerseits gebe es große Verschwendung, andererseits Menschen, die auf diese Lebensmittel angewiesen seien. Diese Erfahrungen hätten ihren Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge nachhaltig geprägt.
Der Weg in die Parteipolitik führte für Imgrund über dieses Ehrenamt. Sie beschreibt das Gefühl, mit rein praktischer Hilfe immer wieder an Grenzen zu stoßen. Lebensmittel zu retten und zu verteilen sei wichtig, reiche aber nicht aus, um die Ursachen anzugehen. Daraus entstand für sie der Wunsch nach einem politischen Rahmen, um strukturelle Veränderungen mitzugestalten. Der Beitritt zu Bündnis 90/Die Grünen sei für sie folgerichtig gewesen, da dort aus ihrer Sicht soziale Fragen, ökologische Themen, Demokratie und Klimaschutz gemeinsam gedacht würden.
Imgrund betont, dass sie soziale und ökologische Fragen nicht als Gegensätze versteht. Ihre Erfahrungen aus dem Ehrenamt hätten ihr gezeigt, wie eng beide Bereiche miteinander verknüpft seien. Die zunehmende soziale Spaltung in einem wohlhabenden Land empfindet sie als zentrales gesellschaftliches Problem.
Beteiligung, Jugend und Rolle im Landtag
Politisch setzt sie auf Beteiligung. Ihr Anliegen ist es, Politik näher an den Alltag der Menschen heranzuführen und zugleich mehr Menschen aktiv in politische Prozesse einzubinden. Entscheidungen sollten aus ihrer Sicht nicht über die Köpfe hinweg getroffen werden. Als konkrete Instrumente nennt sie Bürgerräte und Jugendbeiräte auf kommunaler Ebene. Besonders junge Menschen lägen ihr am Herzen, da viele Entscheidungen ihre Zukunft beträfen, sie selbst aber oft nur wenig einbezogen würden.
Für den Rhein-Lahn-Kreis kann sich Imgrund die Einrichtung von Jugendbeiräten oder auch eines Klimajugendrates vorstellen. Sie möchte eine Verbindung zwischen dem Landtag in Mainz und den Menschen vor Ort herstellen und sich als niedrigschwellige Ansprechpartnerin verstehen. Sie beschreibt dieses Rollenverständnis als „Politikerin von nebenan“, die zuhört und auch kleinere Anliegen ernst nimmt und weiterträgt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist für sie das Thema Inklusion. Imgrund spricht sich für ein Rheinland-Pfalz aus, in dem alle Menschen gut leben können – unabhängig von Herkunft oder Behinderung. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehe aus ihrer Sicht durch Offenheit, Dialog und gegenseitige Unterstützung.
Persönlich bildet sich Imgrund nach eigenen Angaben regelmäßig weiter. Zuletzt habe sie das Buch „Exit Racism“ von Tupoka Ogette gelesen, um sich intensiver mit Rassismus auseinanderzusetzen und auch eigene Denkmuster zu reflektieren. Als politische Persönlichkeit, die sie beeindruckt habe, nennt sie Britta Haßelmann, die sie bei einem Parteitag kennengelernt habe. Das Gespräch habe sie darin bestärkt, politisch aktiv zu bleiben und ihre Ziele weiterzuverfolgen.
Mit ihrer Kandidatur möchte Annemarie Imgrund nach eigenen Worten dazu beitragen, politische Entscheidungen näher an die Lebensrealität der Menschen im Rhein-Lahn-Kreis zu bringen und die Region im Landtag zu vertreten. (dk)
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