Robert Hastrich

Der Angriff auf den Bahnhof Niederlahnstein vor 77 Jahren – Zeitzeugenbricht von Robert Hastrich

in Lahnstein
Der Bahnhof Niederlahnstein 1935 (Postkarte, Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

LAHNSTEIN Robert Hastrich (1930-2015) aus dem Plenter hat in seinem Tagebuch ausführlich über den Angriff am zweiten Weihnachtstag 1944 geschrieben. Anlässlich der Ausstellung „Bomben auf Lahnstein – Auswirkungen des Luftkriegs vor 77 Jahren“, die in der Hospitalkapelle zu sehen war, werden hier Hastrichs Aufzeichnungen veröffentlicht, die sich im Stadtarchiv Lahnstein befinden.

Dienstag, 26. Dezember 1944, 2. Weihnachtsfeiertag: Dieser Tag sollte in meinem bisherigen Leben für mich das furchtbarste Erlebnis bringen. Fliegeralarm um 11.52 Uhr. Kaum ist der Sirenenton verhallt, da beginnt schon wieder ein schwerer Luftangriff auf Niederlahnstein, nunmehr schon der dritte in diesem Jahr. Ein Bomberpulk von 80 Maschinen greift erneut den Bahnhof an. Unter schrecklichem Geheul gehen die Bombenteppiche nieder. Diesmal hat man besser gezielt als noch am 2. Dezember, diesmal wird der Bahnhof von 91 Bomben schweren Kalibers getroffen. In einer riesigen Staubwolke versinkt der 1877-1879 erbaute imposante Niederlahnsteiner Bahnhof zu Schutt und Asche, restlos vernichtet, kaum ein Stein blieb auf dem anderen. Weiterlesen

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Zeitzeugenbericht zum Luftangriff auf Oberlahnstein

in Lahnstein/Panorama
Nach dem Angriff vom11. November 1944 vor den Gebäuden Adolfstraße 27-29 (Foto: Sammlung Christina Kapp)

LAHNSTEIN Zum 76. Jahrestag der Bombardierung Lahnsteins im Zweiten Weltkrieg veröffentlicht das Stadtarchiv Lahnstein einen Zeitzeugenbericht von Robert Hastrich (1930-2015), dessen Tagebuch im Stadtarchiv erhalten ist.

Über den 11. November 1944, an dem in Oberlahnstein 222 Menschen ums Leben kamen, hat er zehn Seiten geschrieben, die hier nur auszugsweise wiedergegeben werden können.

Er selbst war damals 14 Jahre alt und Schüler der 8. Klasse des städtischen Gymnasiums am Schillerpark. Als es um 10.58 Uhr Vollalarm gab, rannte er zu seinen Eltern in den Plenter nach Niederlahnstein und wartete dort ab:

„…Und da sahen wir, vorläufig nur als kleine dunkle Punkte, etwa 70 bis 80 Flugzeuge in drei Gruppen aus südlicher Richtung direkt auf die Stadt anfliegen. Im Nu waren alle Straßen wie leergefegt, mehrere Treppen auf einmal nehmend stürzte ich förmlich in den Keller, um mitzuteilen, was ich gesehen hatte.

Frau Hewel begann sogleich den Rosenkranz zu beten. Inzwischen war das Gedröhne der Flugzeugmotoren so laut geworden, dass die Fenster und Türen leise vibrierten. Jetzt wussten wir es: Dieser Angriff der Bomber war kein bloßes Überfliegen, diesmal galt es den beiden Lahnstein.

Noch nie während des ganzen Krieges hatten sich Feindflugzeuge der Stadt aus südlicher (!) Richtung genähert. Plötzlich hörten wir die trockenen, harten Abschüsse der schwarzen Flak aufbellen und Sekunden später das dumpfe Geräusch der explodierenden Granaten in größerer Höhe.

Da ging das Brummen in ein lautes Aufheulen über, die angreifenden Flugzeuge setzten zum Tiefflug an. Die Flak, welche vorher noch wie rasend geschossen hatte, verstummte schlagartig. Und in diese Stille hörten wir plötzlich ein furchtbares Rauschen wie von einem Orkan, welcher in ein scharfes Heulen überging, immer lauter wurde und abrupt abbrach. Weiterlesen

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