Politik
Kritischer Journalismus im Fadenkreuz: Bad Ems und der offene Angriff auf die Pressefreiheit
Die Rheinzeitung wusste alles und berichtete nicht
KOMMENTAR Mit Erstaunen, aber nicht ohne Klarheit, nehmen wir als BEN Kurier zur Kenntnis, dass die Fraktionen von CDU, FWG, Bündnis 90/Die Grünen, FDP sowie ein fraktionsloses Mitglied des Stadtrats Bad Ems in einem gemeinsamen offenen Brief die journalistische Arbeit unseres Hauses öffentlich infrage stellen.
Der Vorwurf: Unsere Berichterstattung sei unsachlich, einseitig und tendenziös. Der Versuch: Kritische Presse durch politischen Druck zu delegitimieren. Das Ergebnis: Ein Dokument politischer Empfindlichkeit, nicht journalistischer Substanz.
Zunächst ist festzuhalten, dass nicht alle Fraktionen dieses Schreiben mittragen. Und auch innerhalb der unterzeichnenden Fraktionen – so ist uns bekannt – wurden nicht alle Ratsmitglieder im Vorfeld über den Brief informiert. Das wirft Fragen auf: etwa, ob hier wirklich im Namen der kommunalen Demokratie gesprochen wird oder eher im Interesse eines empfindlich getroffenen Zirkels.
Die zentrale Anklage lautet: Der BEN Kurier berichte tendenziös. Doch konkrete Belege bleiben aus. Kein einziger Artikel wird benannt, keine Aussage widerlegt, kein Sachverhalt klargestellt. Stattdessen: Pauschalkritik, die mehr über den Zustand der politischen Absender aussagt als über unsere redaktionelle Arbeit. Wer meint, Pressefreiheit ende dort, wo Kritik beginnt, verkennt ihren Wesenskern. Die Aufgabe der Presse ist nicht Gefälligkeit, sondern Kontrolle. Und wer das nicht aushält, stellt sich selbst ins Abseits, nicht den Journalismus.
Die Realität sieht anders aus, als im offenen Brief suggeriert. Der BEN Kurier wurde beispielsweise zu einem Pressetermin am Bahnhofsgebäude nicht eingeladen, andere Medien hingegen schon. Im Stadtrat wurde kurzfristig und ohne ordnungsgemäße Ankündigung ein Tagesordnungspunkt zur Vorstellung des Bodengutachtens „Große Wiese“ ergänzt. Die Kommunalaufsicht bestätigte, dass eine rechtzeitige öffentliche Bekanntmachung rechtswidrig unterblieb. Interessierte Bürgerinnen, Bürger und Presse – auch wir – wurden so faktisch ausgeschlossen. Zufällig war ein Medienvertreter, der nie oder kaum eine Stadtratssitzung medial begleitet, genau an diesem Tag anwesend und nach diesem Tagesordnungspunkt wieder weg. Sicherlich ein Zufall.
Auch zur Sache selbst: Der Spielplatz „Große Wiese“ wurde errichtet und eröffnet, ohne dass zu diesem Zeitpunkt eine rechtsgültige Baugenehmigung vorlag. Auch das wurde von der Kommunalaufsicht bestätigt. Beim Fitness-Parcours auf der Kalkspitze begann die Stadt ebenfalls ohne Genehmigung mit dem Bau, auch das wurde von der Kommunalaufsicht eindeutig festgestellt. Die Folge war der Rückbau der bereits installierten Fitnessgeräte. Diese Tatsachen werden im offenen Brief nicht einmal erwähnt. Dabei handelt es sich nicht um Meinungen, sondern um dokumentierte Verwaltungsrealität.
Es spielt dabei keine Rolle, welche Rechtsauffassung das Bauamt der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau hierzu vertritt. Zuständig für die Genehmigung ist ausschließlich die Kreisverwaltung des Rhein-Lahn-Kreises als untere Bauaufsichtsbehörde. Die angebliche Rechtsauffassung des Bauamts der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau wäre zudem juristisch auch nicht nachvollziehbar, aber dies zu erläutern, würde an dieser Stelle zu weit führen.
Über 80 Artikel, die der BEN Kurier in den vergangenen Jahren zur Stadt Bad Ems, zur Verwaltung und zum Bürgermeister veröffentlicht hat, lassen sich nachweislich als sachlich oder sogar positiv einordnen. Allein die letzte offizielle Pressemitteilung der Stadt vom 7. Juni 2025 wurde bei uns publiziert. Wer dennoch behauptet, wir betrieben eine „persönliche Kampagne“, konstruiert einen Mythos, aber keine belastbare Argumentation.
Ein Beispiel, das im offenen Brief angeführt wird, ist die Eröffnung einer Bäckerei, bei der der Stadtbürgermeister auf einem Bild in unserer Berichterstattung nicht gezeigt wurde. Ja, wir haben den Fokus auf die Geschäftsinhaberin gelenkt. Das ist legitim. Die Presse ist nicht dazu da, politische Bilderbuchinszenierungen unverändert zu übernehmen. Sie entscheidet redaktionell und nicht auf Zuruf.
Unsere Berichterstattung zur Bodenbelastung auf dem Spielplatz „Große Wiese“, zu Bauverlauf, Genehmigungslage und Kosten in Höhe von derzeit rund 85.000 Euro – ohne die Anwaltskosten, die gegen uns eingesetzt wurden – war und ist faktenbasiert, dokumentiert und quellenbasiert. Die Darstellung, wir hätten uns dabei auf eine „gefälschte E-Mail“ gestützt, ist schlicht falsch. Diese Unterstellung hält keiner Überprüfung stand und wurde auch nie Bestandteil unserer journalistischen Grundlage. Es handelt sich um ein nachträglich konstruiertes Narrativ, nicht um eine Tatsache. Dass sich im Nachgang sowohl die Kommunalaufsicht als auch die Öffentlichkeit intensiv mit dem Vorgang befassen mussten, belegt nicht unsere Tendenz, sondern die Relevanz.
Wer als politisches Gremium öffentlich erklärt, mit einer Redaktion künftig nicht mehr zusammenarbeiten zu wollen, offenbart ein fragwürdiges Demokratieverständnis. Pressearbeit ist keine Gefälligkeit, sie ist Kontrolle und sie ist unabhängig. Genau das scheint einigen unbequem geworden zu sein.
So klar unsere Haltung für Pressefreiheit ist, so unmissverständlich ist auch unsere Haltung zu gezielter Diffamierung. Denn Kritik – so berechtigt sie sein mag – endet dort, wo sie in gezielte Rufschädigung und wirtschaftliche Einschüchterung übergeht.
Unter einem Klarnamen – liegt der Redaktion vor – einer Person, die dem Stadtbürgermeister Oliver Krügel persönlich und politisch sehr nahesteht, wurde kürzlich ein Kommentar veröffentlicht, der über jede zulässige Form demokratischer Auseinandersetzung hinausgeht. Darin wird nicht nur behauptet, der BEN Kurier betreibe seit Jahren „systematische Einflussnahme“ und „gezielte Meinungsmache“, es wird zudem offen suggeriert, Anzeigenkunden sollten ihre Zusammenarbeit mit uns überdenken. Das ist kein Debattenbeitrag, sondern ein Boykottaufruf. Es ist der gezielte Versuch, ein unabhängiges Medium wirtschaftlich zu treffen und politisch zu delegitimieren. Solche Aussagen sind – auch rechtlich – hoch problematisch und können unter Umständen den Tatbestand der üblen Nachrede (§ 186 StGB), der Verleumdung (§ 187 StGB) oder sogar der versuchten sittenwidrigen Schädigung (§ 826 BGB) erfüllen.
Auch die politisch motivierte Unterstellung, unsere Haltung sei durch eine SPD-Mitgliedschaft des Herausgebers beeinflusst, ist in ihrer Machart nicht nur unzulässig, sondern bewusst rufschädigend. Hier wird nicht argumentiert, hier wird unterstellt, verleumdet und delegitimiert.
Deshalb machen wir an dieser Stelle eines unmissverständlich klar: Auch wir haben unsere Grenzen. Und wo diese überschritten werden, da ziehen wir juristische Konsequenzen.
Wir prüfen derzeit strafrechtliche und zivilrechtliche Schritte gegen den Urheber des genannten Kommentars sowie gegen weitere gezielte Eingriffe in unsere redaktionelle und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Pressefreiheit bedeutet nicht Wehrlosigkeit.
Wir stehen für den offenen Diskurs. Aber wir stehen ebenso für den Schutz unserer Redakteur*innen, unserer journalistischen Integrität und unserer unternehmerischen Existenz.
Der BEN Kurier lässt sich nicht einschüchtern. Nicht inhaltlich. Nicht politisch. Nicht wirtschaftlich. Und: Wir bleiben. Weil die Öffentlichkeit ein Recht auf unabhängige, kritische und faktenbasierte Berichterstattung hat – gerade in Bad Ems.
Politik
Lutz Zaun hört als Ortsbürgermeister in Nievern auf: Neuwahl im September 2026
NIEVERN In der Ortsgemeinde Nievern wird im kommenden Jahr ein neuer Ortsbürgermeister beziehungsweise eine neue Ortsbürgermeisterin gewählt. Die zuständige Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung Rhein-Lahn-Kreis hat den Wahltermin offiziell auf Sonntag, den 6. September 2026, festgelegt. Die Wahl findet zeitgleich mit der Wahl des neuen Verbandsbürgermeisters der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau statt.
Hintergrund ist die Ankündigung des amtierenden Ortsbürgermeisters Lutz Zaun, sein Amt nach rund zehn Jahren abzugeben. Bereits im Vorfeld seiner Wahl im Jahr 2016 hatte Zaun erklärt, das Amt möglichst für eine Dekade ausüben zu wollen. Zum Jahresende 2025 bekräftigte er seinen Entschluss, die Verantwortung in neue Hände zu legen.
Ursprünglich hatte Zaun vorgeschlagen, die Neuwahl gemeinsam mit der Landtagswahl im März 2026 durchzuführen und die Amtsübergabe zum 1. Mai 2026 vorzunehmen. In der Ratssitzung am 16. Dezember 2025 sprach sich der Gemeinderat jedoch mehrheitlich dafür aus, den Wahltermin mit der Wahl des neuen Verbandsbürgermeisters im September 2026 zu bündeln. Ziel ist es, bis dahin Konzepte zur Entlastung des künftigen Ortsbürgermeisters zu entwickeln und Aufgaben neu zu strukturieren.
Vor diesem Hintergrund wurde auch die Übergabe der Amtsgeschäfte vom ursprünglich geplanten 1. Mai auf den 1. Oktober 2026 verschoben. Lutz Zaun erklärte sich bereit, diese Überlegungen während seiner verbleibenden Amtszeit zu begleiten.
Die Verbandsgemeindeverwaltung wird im Rahmen der Wahlvorbereitung im Mai 2026 zur Einreichung von Wahlvorschlägen aufrufen. Die entsprechende Bekanntmachung soll Anfang Juni veröffentlicht werden. Die Frist zur Einreichung der Wahlvorschläge endet am 20. Juli 2026 um 18 Uhr. Anschließend tagt der Wahlausschuss.
Zaun betonte erneut, dass die Arbeit als Ortsbürgermeister von Nievern für ihn stets erfüllend gewesen sei. Er verwies auf stabile Vereinsstrukturen und einen engagierten Gemeinderat als gute Grundlage für die künftige Amtsführung. Auch nach dem Ende seiner Amtszeit will er der Gemeinde erhalten bleiben und eine mögliche Nachfolge unterstützend begleiten.
Politik
Gordon Schnieder will Zwangsmitgliedschaft in der Pflegekammer beenden Klinikschließungen, Pflege und Sicherheit bestimmten CDU-Veranstaltung in Miehlen
MIEHLEN Rund 60 Besucher sind am Samstag im evangelischen Gemeindehaus in Miehlen einer Einladung der CDU durch den stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungen Union, Cedric Crecelius, gefolgt. Im Mittelpunkt standen die Themen Gesundheitsversorgung, Pflege und innere Sicherheit. Hauptredner war Gordon Schnieder (CDU), Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März 2026. Zweiter Hauptredner war Matthias Lammert, Vizepräsident des Landtags Rheinland-Pfalz. Der BEN Kurier war als Presse vor Ort.
Die Diskussion drehte sich entlang der CDU-Schwerpunkte um die Frage, wie Rheinland-Pfalz im ländlichen Raum die Grundversorgung sichern kann und wo nach CDU-Lesart „Strukturen kippen„, bevor Reformen greifen.
Schnieder: Kliniksterben im Norden – „Grundversorgung in der Fläche“ als Leitlinie
Schnieder stellte die Krankenhausversorgung an den Beginn seiner Rede. Er beschrieb eine Entwicklung, in der kleinere Standorte unter wirtschaftlichen Druck geraten, Notaufnahmen in größeren Kliniken überlastet werden und Patientenwege länger werden. Sein Kernargument: Rheinland-Pfalz brauche nicht überall Maximalversorger, aber eine verlässliche Grundversorgung in erreichbarer Nähe.
In diesem Zusammenhang sprach Schnieder über die bevorstehenden Veränderungen durch die Krankenhausreform ab 2027 und formulierte als politische Linie, vorhandene Standorte bis zur Umstrukturierung „am Start zu halten„, statt nach Schließungen später teuer neu aufzubauen. Dazu nannte er einen jährlichen Stabilisierungsbedarf und begründete ihn mit dem Zeitfenster bis zur Reformumsetzung.
Publikumsfrage zur Finanzierung: „Prioritäten umsetzen„
Aus dem Publikum wurde konkret nach der Finanzierung gefragt: Wenn für Krankenhäuser deutlich mehr Geld nötig sei, woher solle es kommen?
Schnieder antwortete mit einem haushaltspolitischen Argumentationsstrang: Rheinland-Pfalz habe aus seiner Sicht kein Einnahmeproblem, sondern müsse Prioritäten setzen. Zusätzliche Mittel seien politisch möglich, wenn Gesundheitspolitik als Kernaufgabe verstanden werde. Er kritisierte, dass Investitionsförderungen zu lange nicht im erforderlichen Maß angepasst worden seien, und stellte den Anspruch entgegen, das Land dürfe sich nicht in erster Linie als „Geld-auf-die-Seite-Leger“ verstehen, sondern als Gestalter von Daseinsvorsorge.
Notfallrealität: „Telefonieren, bis ein Krankenhaus zusagt„
Einen besonders greifbaren Moment lieferte eine Publikumsfrage, die konkrete Abläufe schilderte: Ein Rettungswagen stehe, trotz ärztlichem Verdacht auf eine lebensbedrohliche Diagnose, lange vor einer Praxis, weil geklärt werden müsse, welches Krankenhaus den Patienten aufnimmt. Außerdem wurde ein Fall beschrieben, in dem Patienten nach Unfällen abgewiesen worden seien, weil Fachärzte nicht verfügbar gewesen seien.
Schnieder ordnete das als Systemfolge ein: Wenn Häuser schließen oder zeitweise keine Kapazitäten haben, entstehe eine Kettenreaktion, mit mehr Druck auf umliegende Kliniken, längeren Wartezeiten und unklaren Zuständigkeiten. Sein politischer Schluss daraus: Grundversorgung stabilisieren, Strukturen planbar umbauen, statt den „Schaden“ erst entstehen zu lassen.
Rettungsdienst, Ehrenamt, First Responder und Rettungshundestaffeln: „Warum muss das über Spenden laufen?„
Neben den Kliniken spielte in Miehlen auch das Thema Ehrenamt im Rettungswesen eine Rolle. In der Diskussion wurde die Situation von First-Responder-Gruppen und der Rettungshundestaffel im Rhein-Lahn-Kreis angesprochen, verbunden mit der Kritik, dass sich solche Strukturen häufig über Spenden und Fördervereine finanzieren müssen.
Schnieder stellte die Frage nach der politischen Logik dahinter: Wenn ein solches Ehrenamt gesellschaftlich gewollt sei und im Ernstfall Zeit gewinne, müsse das Land aus CDU-Sicht stärker mittragen. Gleichzeitig vermied er in Detailfragen pauschale Zusagen, etwa zur Frage, ob und wie Freistellungen gegenüber Arbeitgebern landesweit geregelt werden könnten. Sein Fokus blieb auf dem Grundsatz: Engagement ja, aber nicht dauerhaft auf Kante über Fördervereine.
Auch Matthias Lammert griff das Thema im Rahmen der Veranstaltung auf und signalisierte, dass aus seiner Sicht mehr Unterstützung durch das Land geprüft werden müsse, insbesondere dort, wo Ehrenamt Aufgaben übernimmt, die faktisch Teil der Sicherheitsarchitektur geworden sind.
Gordon Schnieder: „Zehn Jahre Zeit – keine Akzeptanz: Dann ist das Pflegekammermodell gescheitert„
Einer der zentralen politischen Sätze des Nachmittags fiel beim Thema Pflege: Gordon Schnieder stellte die Pflichtmitgliedschaft in der Pflegekammer Rheinland-Pfalz grundsätzlich infrage.
Er argumentierte, die Kammer habe über Jahre Zeit gehabt, Akzeptanz zu schaffen. Wenn eine berufsständische Vertretung nach so langer Zeit von vielen Pflegekräften nicht als starke Stimme wahrgenommen werde, müsse Politik Konsequenzen ziehen. Schnieder kündigte einen Strukturwechsel an: weg von Zwangsmitgliedschaft und Zwangsbeitrag, hin zu einem anderen Modell mit neuer Konstruktion und anderem Namen.
Dabei war der Kontrast zu anderen Ländern Teil seiner Argumentation: In Nordrhein-Westfalen existiert inzwischen ebenfalls eine Pflegekammer; dort werden Beiträge ab 2026 erhoben, laut Beitragsordnung in der Größenordnung von 20 Euro pro Jahr. In Bayern wiederum gibt es keine klassische Pflegekammer, sondern die Vereinigung der Pflegenden in Bayern, freiwillig und beitragsfrei.
Aus dem Publikum kam dazu eine konkrete Frage: Wie steht Schnieder zum Punktesystem der Pflegekammer für Fort- und Weiterbildungen, das nach Schilderung von Teilnehmern als Druck empfunden werde, auch, weil nicht jeder Arbeitsplatz ein passendes Fortbildungsangebot vorhalte?
Schnieder ging nicht grundsätzlich gegen Fortbildung vor, sondern gegen den Mechanismus. Er stellte die Logik infrage, wenn Betriebe ohnehin intern qualifizieren, gleichzeitig aber ein zusätzliches, kammergetriebenes System Druck erzeugt, teils in Freizeit, teils mit unklarer Anerkennung. Aus seiner Sicht müsse das Modell entweder einheitlich oder vertrauensbasiert sein, beides parallel werde nicht funktionieren.
Pflegefachkraft aus dem Publikum: „Nehmen Sie uns aus der Zwangsmitgliedschaft raus?“
Besonders deutlich wurde die Stimmung in einem Wortbeitrag einer Pflegefachkraft, die schilderte, sie sehe keinen Vorteil, aber Kosten und Bürokratie. Sie betonte, Rheinland-Pfalz sei eines der Länder, in denen die Pflichtmitgliedschaft besonders umstritten sei; die Kammer werde politisch seit Jahren diskutiert, 2026 ist zudem eine Mitgliederbefragung zur Zukunft der Pflegekammer angekündigt.
Schnieder antwortete mit einer klaren politischen Linie: keine Zwangsmitgliedschaft, kein Zwangsbeitrag, Umstrukturierung in eine neue Form der Interessenvertretung, die hoheitliche Aufgaben wahrnimmt, aber Akzeptanz über Freiwilligkeit gewinnt, als Modellskizze verwies er erneut auf Bayern.
Innere Sicherheit: mehr Präsenz, mehr Kräfte, neue Berufsprofile
Beim Thema innere Sicherheit blieb der Grundton klassisch CDU: Schnieder forderte mehr sichtbare Präsenz, mehr Personal und den Ausbau von Kapazitäten, verbunden mit dem Hinweis, dass Statistikzahlen und Teilzeitanteile in der Praxis nicht automatisch „mehr Streifenwagen auf der Straße“ bedeuten. Schnieder sprach über das, was er als „Angsträume“ bezeichnete, Orte, an denen Menschen, vor allem Frauen, abends nicht mehr alleine unterwegs sein wollen. Er argumentierte: „Selbst wenn Angst subjektiv sei, sei der Staat verpflichtet, Sicherheit herzustellen. Im öffentlichen Bereich muss ich mich frei bewegen dürfen“.
Sein Rezept: mehr Polizei, mehr Präsenz, bessere Ausrüstung und Kapazitäten. Er relativierte die Zahl „10.000 Polizisten“ mit dem Hinweis auf Teilzeitanteile und die reale Streifenstärke. Er sprach außerdem über die Idee, den Kommunalvollzugsdienst zu professionalisieren, mit Ausbildung, klaren Befugnissen und einer kommunalen Finanzbasis, die das überhaupt möglich macht.
Bildung: „Nur wer Deutsch kann, hat eine Chance auf Bildung„
Im Bildungsblock setzte Schnieder prioritär auf Sprache, Lesen, Schreiben, Rechnen. Er argumentierte, Bildungschancen hängen unmittelbar daran, ob Kinder die deutsche Sprache beim Start in die Grundschule beherrschen. „Ich bin überzeugt: Kinder haben nur dann eine Chance auf Bildungskarriere, wenn sie am ersten Tag der Grundschule die deutsche Sprache können„, sagte er. „Nur wer Deutsch kann, hat eine Chance auf Bildung.„
Er kritisierte, dass Kitas und Grundschulen aus seiner Sicht nicht verlässlich genug funktionieren, mit Ausfällen, Personalengpässen, Unsicherheit für Eltern. Und er kündigte das Konzept einer „Grundschulgarantie“ an: Montag bis Freitag, 8 bis 14 Uhr, verlässliche Struktur, Mittagessen, Hausaufgaben in der Schule.
Schnieder sprach außerdem die Verschiebung Richtung Gymnasium an und stellte die Frage, ob allein der Elternwunsch entscheidend sein sollte. Er sagte, er wolle „für das Kind“ die passende Schule finden, nicht unbedingt die, die Eltern bevorzugen.
Wortmeldung zu Jesiden sowie religiösem Extremismus
Im weiteren Verlauf der Diskussion meldete sich ein Teilnehmer aus dem Publikum zu Wort. Er sprach die Situation von Jesiden an und äußerte die Sorge, dass Abschiebungen in den Nordirak aus seiner Sicht nicht verantwortbar seien. Zugleich thematisierte er Demonstrationen extremistischer Gruppen sowie Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit religiösem Extremismus.
Der Teilnehmer sagte, Jesiden seien im Nordirak weiterhin nicht sicher. Er bat darum, Abschiebungen dieser Bevölkerungsgruppe auszusetzen. Zudem äußerte er Kritik an Demonstrationen, bei denen aus seiner Sicht extremistische Inhalte vertreten würden, und sprach Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit radikalen Predigten an.
Gordon Schnieder ging in seiner Antwort zunächst auf die Situation der Jesiden ein. Er erklärte, dass diese Bevölkerungsgruppe besonders unter Gewalt und Verfolgung gelitten habe. Abschiebungen in Regionen, in denen keine Sicherheit bestehe, seien aus seiner Sicht nicht vertretbar. Er sagte, für Jesiden müsse es Ausnahmeregelungen geben. Niemand könne mit Verantwortung entscheiden, Menschen in Regionen zurückzuführen, in denen ihnen Gewalt oder Tod drohten.
Zum Thema extremistischer Demonstrationen erklärte Schnieder, dass der Rechtsstaat verpflichtet sei, gegen Radikalisierung vorzugehen. Er sagte, wer eine Gesellschaftsform ablehne und offen extremistische Ziele vertrete, könne dies nicht im Schutz der freiheitlichen Ordnung tun.
Schnieder betonte zugleich, dass die große Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime Teil der Gesellschaft sei und ihre Religion friedlich ausübe. Religiöse Einrichtungen müssten möglich sein, zugleich müsse der Staat sicherstellen, dass dort keine Radikalisierung stattfinde. Wenn Hinweise auf extremistische Inhalte vorlägen, müsse der Verfassungsschutz tätig werden.
Matthias Lammert: Land braucht Verlässlichkeit – von Gesundheit bis Justiz
Matthias Lammert spannte den Bogen breiter. Er begann persönlich, sprach über die Endlichkeit von Zeit und leitete daraus den Stellenwert von Gesundheit ab. Politisch blieb er auf CDU-Linie: Es brauche mehr medizinische Studienplätze, weniger Hürden für Niederlassungen, weniger Bürokratie und eine Verwaltung, die technisch auf der Höhe ist.
In einem weiteren Block ging Lammert auf die Sicherheitslage ein und auf Kriminalitätsformen, die sich verändert hätten: von Einbruch und Automatensprengung bis Internetbetrug. Daraus leitete er die Forderung nach mehr Polizeipräsenz in der Region ab, inklusive der wiederkehrenden Forderung nach einem zweiten Streifenwagen im Bereich.
Einen Seitenblick warf er auf die Verwaltung und Justiz: Er schilderte, dass Digitalisierung dort teils „fast nur ein Fremdwort“ sei und erwähnte, dass Einsprüche noch per Fax laufen. Seine Botschaft: Moderne Strukturen seien kein Luxus, sondern Voraussetzung für funktionierende staatliche Leistung. Zum Abschluss verband Lammert das Thema Sicherheit mit Demokratie. Er warnte vor Parteien, die mit einfachen Erzählungen arbeiten, und appellierte, demokratische Strukturen zu schützen.
„Eine Demokratie muss immer wieder verteidigt und geschützt werden„, sagte er. Und: „Wer in der Demokratie schläft, der wacht eventuell in der Tyrannei auf.“
Am Ende appellierte Lammert, demokratische Strukturen zu schützen und Extremismus keinen Raum zu geben. Er verband das mit dem Hinweis, Vertrauen in Politik entstehe nur, wenn Versprechen umgesetzt werden, als Beispiel nannte er Großprojekte, die seit Jahren diskutiert und nicht umgesetzt werden, wie die Mittelrheinbrücke in der Loreley.
Politik
Schwere Schlappe für die CDU: 21 Bewerber nicht zur Landtagswahl zugelassen Vier Parteien scheiterten komplett am Landeswahlausschuss – Team Freiheit, WerteUnion, Bündnis C und Die Basis verfehlten die gesetzlichen Anforderungen
MAINZ|BAD EMS Der Landeswahlausschuss für die Landtagswahl am 22. März hat am Mittwoch über die eingereichten Landeslisten entschieden, mit einer für die CDU außergewöhnlich bitteren Bilanz. Insgesamt 21 Bewerber der Christdemokraten wurden nicht zugelassen: sieben Hauptkandidaten und 14 Nachrücker. Grund waren fehlende oder fehlerhafte Unterlagen.
Neben der CDU traf es auch einzelne Kandidaten anderer Parteien. Abgelehnt wurden unter anderem Bewerber von BSW (Listenplatz 16), Die Linke (11), FDP (44), Bündnis 90/Die Grünen (42), SPD (25, verstorben), Partei der Humanisten (7) sowie Volt. In diesen Fällen lagen ebenfalls formale Mängel vor. Grund bei allen Bewerbern waren fehlende oder fehlerhafte Unterlagen, darunter Wählbarkeitsbescheinigungen, eidesstattliche Erklärungen und weitere formale Nachweise.
Wie Landeswahlleiter Marco Ludwig nach der Sitzung erklärte, sei die Entscheidung rechtlich zwingend gewesen. Stichtag für die Einreichung der vollständigen Unterlagen war der 6. Januar. Danach dürfen keinerlei Dokumente mehr nachgereicht oder korrigiert werden. „Wenn Unterlagen fehlen oder formale Fehler enthalten, ist der Wahlvorschlag zwingend zurückzuweisen“, so Ludwig. Das Ausmaß bei der CDU ist jedoch ungewöhnlich: Keine andere Partei verlor eine derart große Zahl an Bewerbern.
Vier Parteien scheitern komplett
Nicht zur Landtagswahl zugelassen wurden außerdem vier Parteien: Die Basis, Team Freiheit, WerteUnion das Bündnis Christen für Deutschland. Bei Team Freiheit, WerteUnion und Bündnis Christen für Deutschland konnte laut Landeswahlausschuss keine Parteifeststellung erfolgen, zudem fehlten die erforderlichen Unterstützungsunterschriften. Die Basisdemokratische Partei Deutschland (die Basis) verfehlte die notwendige Zahl von 2.080 Unterstützungsunterschriften.
Zwölf Parteien treten an
Damit stehen für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März zwölf Landeslisten auf dem Stimmzettel:
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SPD
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CDU
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BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
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AfD
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FDP
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FREIE WÄHLER
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Die Linke
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Tierschutzpartei
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VOLT
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ÖDP
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Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)
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Partei der Humanisten (PdH)
Die Reihenfolge richtet sich nach den Zweitstimmen der letzten Landtagswahl; neue Parteien folgen anschließend alphabetisch. Die vollständigen Namen der zugelassenen Bewerber werden in Kürze im Staatsanzeiger Rheinland-Pfalz sowie auf der Website des Landeswahlleiters veröffentlicht. Auch die in den 52 Wahlkreisen zugelassenen Direktkandidaten werden dort bekanntgegeben.
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Claudia Vollbrecht
30. Juni 2025 at 18:25
Sehr verehrte Redaktion , man kann immer wieder nicht fassen , wie hier Fakten verdreht und falsch von dem Bürgermeister , dem Stadtrat und den einzelnen Parteien dargestellt werden .– Und hier nun auch noch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter , diffamiert, Einflussnahme und Meinungsmache unterstellt wird, und Boykottaufrufe gegen die Redaktion , stattfinden !!1 —- Ich finde und fand Ihre Berichterstattung , im BEN Kurier immer wahr , sachlich und sehr gut aufbereitet. Evidente Fakten und wahrheitsgemäße Berichte ,über Verwaltungsrealität in der Verbandsgemeinde , müssen einfach immer ans Tageslicht , so das die Bürgerinnen und Bürger , immer informiert sind , und es auch in der nächsten Wahlentscheidung , für sich zu berücksichtigen!— Aber hier zeigt sich mal wieder das wahre Gesicht, des Bürgermeisters , des Stadtrats und der einzelnen Mitglieder , der vertretenen Parteien. Für eigene Fehler und Fehlverhalten , nicht ein zu stehen , sich nicht bei Ihrer Redaktion , den Bürgerinnen und Bürgern , zu entschuldigen , für weitreichende Entscheidungen , die explizit falsch waren und sind ! Nach meinem Verständnis , müssten die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger , für diese Fehlentscheidungen , zurück treten und für den finanziellen Schaden haften , wie z.B. die Mehrkosten z. B . für das Spielplatz Debakel , und jedwede Entscheidungen , die einfach falsch und , nicht durchdacht sind !—– Auch das der Bürgermeister bei der Eröffnung einer Bäckerei , nicht abgebildet war , wie armselig ist so etwas , denn , sich darüber zu beschweren . — Das ganze nimmt ja schon , groteske Züge an fast , wie in den USA !— Aber leider sind es keine Einzelfälle , in der Politik , es ist natürlich verständlich , das die Politik Verdrossenheit bei solchem Agieren steigt !!! Sie sind im Recht , und das Recht ist auf Ihrer Seite !!! Mit herzlichem Gruß , aus Bad Ems, Claudia Vollbrecht