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CDU Rhein-Lahn besucht die JVA Diez

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Die CDU Rhein-Lahn besuchte die JVA Diez
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DIEZ Die Justizvollzugs- und Sicherungsverwahrungsanstalt Diez ist in Rheinland-Pfalz ganz sicher einzigartig in ihrer Art: Sie ist – auch landesübergreifend – eine der größten Haftanstalten und der einzige Ort in Rheinland-Pfalz, an dem die Sicherungsverwahrung vollzogen wird. Gerade deswegen, und auch wegen des Rufes, der Haftanstalten stets anhaftet, besuchte die CDU-Kreistagsfraktion die JVA Diez, um sich ein eigenes Bild zu machen. Dr. Volker Fleck, seit 2021 Leiter der JVA Diez, begrüßte dies: Ihm sei möglichst hohe Transparenz der Zivilgesellschaft gegenüber wichtig.

Im Sozialhaus der JVA begrüßten erst Landtagsvizepräsident und Kreisvorsitzender Matthias Lammert und Fraktionsvorsitzender Jens Güllering die Anwesenden und dankten Dr. Fleck für die Möglichkeit des Besuches. Im Anschluss hieran hielt Dr. Fleck einen Vortrag, den er mit der Geschichte des Diezer Gefängnisses begann: Er betonte, dass in Diez „Geschichte lebendig“ werde. Nach der Grundsteinlegung 1907 wurde die Haftanstalt – damals ein Zuchthaus – 1912 fertiggestellt. Er sprach über die damalige architektonische Grundkonzeption nebst Konzeption der Wohngebäude um die JVA Diez herum als Wohnungen für die Anstaltsbediensteten. Hiernach sprach er über die dunkelste Zeit des Diezer Gefängnisses, als während des Dritten Reichs politische Gefangene und Kriegsgefangene hier inhaftiert waren. Er erinnerte an das Schicksal exekutierter Luxemburger, die in die Wehrmacht zwangseingezogen worden waren, aber auch an das Schicksal von Euthanasie-Opfern aus Diez.

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Ausgehend von diesem dunklen geschichtlichen Fixpunkt, spannte Dr. Fleck den Faden in die Gegenwart zurück: Der heutige Strafvollzug sei bekanntermaßen auf Resozialisierung ausgerichtet. An der Art des Strafvollzugs messe sich auch der Entwicklungsgrad einer Gesellschaft, führte er weiter aus. Er verwies auf die deutschen und europäischen Regelungen: Die Gesetze, die den Strafvollzug und die Sicherungsverwahrung regeln, Urteile des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des Bundesverfassungsgerichts.

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Wichtige Aufgabe einer modernen Justizvollzugs- und Sicherungsverwahrungsanstalt sei es, durch spezifische Einzel- und Gruppenmaßnahmen im Behandlungsbereich (z. B. therapeutische Maßnahmen) sowie über breit gefächerte Freizeitangebote die Insassen auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten und ihnen ein ‚Rechtsstaatsbewusstsein‘ vorzuleben. Hierzu gehöre in Diez auch die Tatsache, dass die Anstalt glücklicherweise nicht über- bzw. vollbelegt, sei: Bei Platz für ca. 600 Insassen im geschlossenen und offenen Vollzug sowie in der Sicherungsverwahrung seien ca. 470 Plätze belegt. Auch sei die Zunahme von psychisch auffälligen Insassen, oft infolge von Drogenerfahrungen und schwierigen sozialen Umständen, ein zunehmendes Problem. Hierzu komme insbesondere der Drogenschmuggel in die Gefängnisse, der allerdings mit immer besseren technischen Methoden bekämpft werde: Da mittlerweile neuartige Drogen als Anhaftungen über einzelne Blatt Papier reingeschmuggelt würden, setze man Drogenscanner ein, die eigens dafür konzipiert seien. Ein drittes Problem sei mittlerweile, für ältere Gefangene in vorangeschrittenem Alter barrierefreie Bereiche in der Vollzugsanstalt vorhalten zu können.

Zuletzt sprach Dr. Volker Fleck über die Besonderheit der Diezer JVA, nämlich als Einrichtung für die Sicherungsverwahrung, die besonders konzipiert sei: Die Sicherungsverwahrung, die kein Teil der Strafe, sondern ein „Sonderopfer“ der Verwahrten sei: Der „tragende Punkt ist der Schutz der Gesellschaft vor der Gefährlichkeit der Verwahrten, die ihre Haftstrafe ja bereits verbüßt haben“, führte er aus. Die Sicherungsverwahrung befinde sich in einem besonderen Spannungsfeld: Sie müsse sich zwischen dem Schutz der Allgemeinheit, den Rechten der Verwahrten und dem Ziel bewegen, die Gefährlichkeit der Untergebrachten für die Allgemeinheit so zu reduzieren, dass die Sicherungsverwahrung möglichst bald zur Bewährung ausgesetzt oder sie für erledigt erklärt werden kann. Deswegen sei die Sicherungsverwahrung auch anders aufgebaut, mit einem besonderen Fokus auf diese angestrebte Rehabilitierung.

Nach diesem spannenden Vortrag bedankte sich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Kreistagsfraktion, Günter Groß, für den Vortrag und betonte, dass der Strafvollzug für „Kommunal- und Innenpolitiker ein wichtiges Thema“ darstelle.

Eine lebendige Gesellschaft lebt vom regen Austausch miteinander. Aus diesem Grund führt die CDU-Kreistagsfraktion seit einigen Jahren die Veranstaltungsreihe „CDU im Dialog“ durch, um regelmäßig – auch außerhalb von Wahlkampfzeiten – mit Bürgern und Vertretern verschiedener Institutionen ins Gespräch zu kommen. Der nächste Dialog ist bereits für Januar 2023 in Planung.

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Politik

Lutz Zaun hört als Ortsbürgermeister in Nievern auf: Neuwahl im September 2026

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NIEVERN In der Ortsgemeinde Nievern wird im kommenden Jahr ein neuer Ortsbürgermeister beziehungsweise eine neue Ortsbürgermeisterin gewählt. Die zuständige Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung Rhein-Lahn-Kreis hat den Wahltermin offiziell auf Sonntag, den 6. September 2026, festgelegt. Die Wahl findet zeitgleich mit der Wahl des neuen Verbandsbürgermeisters der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau statt.

Hintergrund ist die Ankündigung des amtierenden Ortsbürgermeisters Lutz Zaun, sein Amt nach rund zehn Jahren abzugeben. Bereits im Vorfeld seiner Wahl im Jahr 2016 hatte Zaun erklärt, das Amt möglichst für eine Dekade ausüben zu wollen. Zum Jahresende 2025 bekräftigte er seinen Entschluss, die Verantwortung in neue Hände zu legen.

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Ursprünglich hatte Zaun vorgeschlagen, die Neuwahl gemeinsam mit der Landtagswahl im März 2026 durchzuführen und die Amtsübergabe zum 1. Mai 2026 vorzunehmen. In der Ratssitzung am 16. Dezember 2025 sprach sich der Gemeinderat jedoch mehrheitlich dafür aus, den Wahltermin mit der Wahl des neuen Verbandsbürgermeisters im September 2026 zu bündeln. Ziel ist es, bis dahin Konzepte zur Entlastung des künftigen Ortsbürgermeisters zu entwickeln und Aufgaben neu zu strukturieren.

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Vor diesem Hintergrund wurde auch die Übergabe der Amtsgeschäfte vom ursprünglich geplanten 1. Mai auf den 1. Oktober 2026 verschoben. Lutz Zaun erklärte sich bereit, diese Überlegungen während seiner verbleibenden Amtszeit zu begleiten.

Die Verbandsgemeindeverwaltung wird im Rahmen der Wahlvorbereitung im Mai 2026 zur Einreichung von Wahlvorschlägen aufrufen. Die entsprechende Bekanntmachung soll Anfang Juni veröffentlicht werden. Die Frist zur Einreichung der Wahlvorschläge endet am 20. Juli 2026 um 18 Uhr. Anschließend tagt der Wahlausschuss.

Zaun betonte erneut, dass die Arbeit als Ortsbürgermeister von Nievern für ihn stets erfüllend gewesen sei. Er verwies auf stabile Vereinsstrukturen und einen engagierten Gemeinderat als gute Grundlage für die künftige Amtsführung. Auch nach dem Ende seiner Amtszeit will er der Gemeinde erhalten bleiben und eine mögliche Nachfolge unterstützend begleiten.

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Politik

Gordon Schnieder will Zwangsmitgliedschaft in der Pflegekammer beenden Klinikschließungen, Pflege und Sicherheit bestimmten CDU-Veranstaltung in Miehlen

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Foto: BEN Kurier
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MIEHLEN Rund 60 Besucher sind am Samstag im evangelischen Gemeindehaus in Miehlen einer Einladung der CDU durch den stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungen Union, Cedric Crecelius, gefolgt. Im Mittelpunkt standen die Themen Gesundheitsversorgung, Pflege und innere Sicherheit. Hauptredner war Gordon Schnieder (CDU), Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März 2026. Zweiter Hauptredner war Matthias Lammert, Vizepräsident des Landtags Rheinland-Pfalz. Der BEN Kurier war als Presse vor Ort.

Die Diskussion drehte sich entlang der CDU-Schwerpunkte um die Frage, wie Rheinland-Pfalz im ländlichen Raum die Grundversorgung sichern kann und wo nach CDU-Lesart „Strukturen kippen„, bevor Reformen greifen.

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Schnieder: Kliniksterben im Norden – „Grundversorgung in der Fläche“ als Leitlinie

Schnieder stellte die Krankenhausversorgung an den Beginn seiner Rede. Er beschrieb eine Entwicklung, in der kleinere Standorte unter wirtschaftlichen Druck geraten, Notaufnahmen in größeren Kliniken überlastet werden und Patientenwege länger werden. Sein Kernargument: Rheinland-Pfalz brauche nicht überall Maximalversorger, aber eine verlässliche Grundversorgung in erreichbarer Nähe.

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In diesem Zusammenhang sprach Schnieder über die bevorstehenden Veränderungen durch die Krankenhausreform ab 2027 und formulierte als politische Linie, vorhandene Standorte bis zur Umstrukturierung „am Start zu halten„, statt nach Schließungen später teuer neu aufzubauen. Dazu nannte er einen jährlichen Stabilisierungsbedarf und begründete ihn mit dem Zeitfenster bis zur Reformumsetzung.

Publikumsfrage zur Finanzierung: „Prioritäten umsetzen

Aus dem Publikum wurde konkret nach der Finanzierung gefragt: Wenn für Krankenhäuser deutlich mehr Geld nötig sei, woher solle es kommen?

Schnieder antwortete mit einem haushaltspolitischen Argumentationsstrang: Rheinland-Pfalz habe aus seiner Sicht kein Einnahmeproblem, sondern müsse Prioritäten setzen. Zusätzliche Mittel seien politisch möglich, wenn Gesundheitspolitik als Kernaufgabe verstanden werde. Er kritisierte, dass Investitionsförderungen zu lange nicht im erforderlichen Maß angepasst worden seien, und stellte den Anspruch entgegen, das Land dürfe sich nicht in erster Linie als „Geld-auf-die-Seite-Leger“ verstehen, sondern als Gestalter von Daseinsvorsorge.

Notfallrealität: „Telefonieren, bis ein Krankenhaus zusagt

Einen besonders greifbaren Moment lieferte eine Publikumsfrage, die konkrete Abläufe schilderte: Ein Rettungswagen stehe, trotz ärztlichem Verdacht auf eine lebensbedrohliche Diagnose, lange vor einer Praxis, weil geklärt werden müsse, welches Krankenhaus den Patienten aufnimmt. Außerdem wurde ein Fall beschrieben, in dem Patienten nach Unfällen abgewiesen worden seien, weil Fachärzte nicht verfügbar gewesen seien.

Schnieder ordnete das als Systemfolge ein: Wenn Häuser schließen oder zeitweise keine Kapazitäten haben, entstehe eine Kettenreaktion, mit mehr Druck auf umliegende Kliniken, längeren Wartezeiten und unklaren Zuständigkeiten. Sein politischer Schluss daraus: Grundversorgung stabilisieren, Strukturen planbar umbauen, statt den „Schaden“ erst entstehen zu lassen.

Rettungsdienst, Ehrenamt, First Responder und Rettungshundestaffeln: „Warum muss das über Spenden laufen?

Neben den Kliniken spielte in Miehlen auch das Thema Ehrenamt im Rettungswesen eine Rolle. In der Diskussion wurde die Situation von First-Responder-Gruppen und der Rettungshundestaffel im Rhein-Lahn-Kreis angesprochen, verbunden mit der Kritik, dass sich solche Strukturen häufig über Spenden und Fördervereine finanzieren müssen.

Schnieder stellte die Frage nach der politischen Logik dahinter: Wenn ein solches Ehrenamt gesellschaftlich gewollt sei und im Ernstfall Zeit gewinne, müsse das Land aus CDU-Sicht stärker mittragen. Gleichzeitig vermied er in Detailfragen pauschale Zusagen, etwa zur Frage, ob und wie Freistellungen gegenüber Arbeitgebern landesweit geregelt werden könnten. Sein Fokus blieb auf dem Grundsatz: Engagement ja, aber nicht dauerhaft auf Kante über Fördervereine.

Auch Matthias Lammert griff das Thema im Rahmen der Veranstaltung auf und signalisierte, dass aus seiner Sicht mehr Unterstützung durch das Land geprüft werden müsse, insbesondere dort, wo Ehrenamt Aufgaben übernimmt, die faktisch Teil der Sicherheitsarchitektur geworden sind.

Gordon Schnieder: „Zehn Jahre Zeit – keine Akzeptanz: Dann ist das Pflegekammermodell gescheitert

Einer der zentralen politischen Sätze des Nachmittags fiel beim Thema Pflege: Gordon Schnieder stellte die Pflichtmitgliedschaft in der Pflegekammer Rheinland-Pfalz grundsätzlich infrage.

Er argumentierte, die Kammer habe über Jahre Zeit gehabt, Akzeptanz zu schaffen. Wenn eine berufsständische Vertretung nach so langer Zeit von vielen Pflegekräften nicht als starke Stimme wahrgenommen werde, müsse Politik Konsequenzen ziehen. Schnieder kündigte einen Strukturwechsel an: weg von Zwangsmitgliedschaft und Zwangsbeitrag, hin zu einem anderen Modell mit neuer Konstruktion und anderem Namen.

Dabei war der Kontrast zu anderen Ländern Teil seiner Argumentation: In Nordrhein-Westfalen existiert inzwischen ebenfalls eine Pflegekammer; dort werden Beiträge ab 2026 erhoben, laut Beitragsordnung in der Größenordnung von 20 Euro pro Jahr. In Bayern wiederum gibt es keine klassische Pflegekammer, sondern die Vereinigung der Pflegenden in Bayern, freiwillig und beitragsfrei.

Aus dem Publikum kam dazu eine konkrete Frage: Wie steht Schnieder zum Punktesystem der Pflegekammer für Fort- und Weiterbildungen, das nach Schilderung von Teilnehmern als Druck empfunden werde, auch, weil nicht jeder Arbeitsplatz ein passendes Fortbildungsangebot vorhalte?

Schnieder ging nicht grundsätzlich gegen Fortbildung vor, sondern gegen den Mechanismus. Er stellte die Logik infrage, wenn Betriebe ohnehin intern qualifizieren, gleichzeitig aber ein zusätzliches, kammergetriebenes System Druck erzeugt, teils in Freizeit, teils mit unklarer Anerkennung. Aus seiner Sicht müsse das Modell entweder einheitlich oder vertrauensbasiert sein, beides parallel werde nicht funktionieren.

Pflegefachkraft aus dem Publikum: „Nehmen Sie uns aus der Zwangsmitgliedschaft raus?“

Besonders deutlich wurde die Stimmung in einem Wortbeitrag einer Pflegefachkraft, die schilderte, sie sehe keinen Vorteil, aber Kosten und Bürokratie. Sie betonte, Rheinland-Pfalz sei eines der Länder, in denen die Pflichtmitgliedschaft besonders umstritten sei; die Kammer werde politisch seit Jahren diskutiert, 2026 ist zudem eine Mitgliederbefragung zur Zukunft der Pflegekammer angekündigt.

Schnieder antwortete mit einer klaren politischen Linie: keine Zwangsmitgliedschaft, kein Zwangsbeitrag, Umstrukturierung in eine neue Form der Interessenvertretung, die hoheitliche Aufgaben wahrnimmt, aber Akzeptanz über Freiwilligkeit gewinnt, als Modellskizze verwies er erneut auf Bayern.

Innere Sicherheit: mehr Präsenz, mehr Kräfte, neue Berufsprofile

Beim Thema innere Sicherheit blieb der Grundton klassisch CDU: Schnieder forderte mehr sichtbare Präsenz, mehr Personal und den Ausbau von Kapazitäten, verbunden mit dem Hinweis, dass Statistikzahlen und Teilzeitanteile in der Praxis nicht automatisch „mehr Streifenwagen auf der Straße“ bedeuten. Schnieder sprach über das, was er als „Angsträume“ bezeichnete, Orte, an denen Menschen, vor allem Frauen, abends nicht mehr alleine unterwegs sein wollen. Er argumentierte: „Selbst wenn Angst subjektiv sei, sei der Staat verpflichtet, Sicherheit herzustellen. Im öffentlichen Bereich muss ich mich frei bewegen dürfen“.

Sein Rezept: mehr Polizei, mehr Präsenz, bessere Ausrüstung und Kapazitäten. Er relativierte die Zahl „10.000 Polizisten“ mit dem Hinweis auf Teilzeitanteile und die reale Streifenstärke. Er sprach außerdem über die Idee, den Kommunalvollzugsdienst zu professionalisieren, mit Ausbildung, klaren Befugnissen und einer kommunalen Finanzbasis, die das überhaupt möglich macht.

Bildung: „Nur wer Deutsch kann, hat eine Chance auf Bildung

Im Bildungsblock setzte Schnieder prioritär auf Sprache, Lesen, Schreiben, Rechnen. Er argumentierte, Bildungschancen hängen unmittelbar daran, ob Kinder die deutsche Sprache beim Start in die Grundschule beherrschen. „Ich bin überzeugt: Kinder haben nur dann eine Chance auf Bildungskarriere, wenn sie am ersten Tag der Grundschule die deutsche Sprache können„, sagte er. „Nur wer Deutsch kann, hat eine Chance auf Bildung.

Er kritisierte, dass Kitas und Grundschulen aus seiner Sicht nicht verlässlich genug funktionieren, mit Ausfällen, Personalengpässen, Unsicherheit für Eltern. Und er kündigte das Konzept einer „Grundschulgarantie“ an: Montag bis Freitag, 8 bis 14 Uhr, verlässliche Struktur, Mittagessen, Hausaufgaben in der Schule.

Schnieder sprach außerdem die Verschiebung Richtung Gymnasium an und stellte die Frage, ob allein der Elternwunsch entscheidend sein sollte. Er sagte, er wolle „für das Kind“ die passende Schule finden, nicht unbedingt die, die Eltern bevorzugen.

Wortmeldung zu Jesiden sowie religiösem Extremismus

Im weiteren Verlauf der Diskussion meldete sich ein Teilnehmer aus dem Publikum zu Wort. Er sprach die Situation von Jesiden an und äußerte die Sorge, dass Abschiebungen in den Nordirak aus seiner Sicht nicht verantwortbar seien. Zugleich thematisierte er Demonstrationen extremistischer Gruppen sowie Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit religiösem Extremismus.

Der Teilnehmer sagte, Jesiden seien im Nordirak weiterhin nicht sicher. Er bat darum, Abschiebungen dieser Bevölkerungsgruppe auszusetzen. Zudem äußerte er Kritik an Demonstrationen, bei denen aus seiner Sicht extremistische Inhalte vertreten würden, und sprach Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit radikalen Predigten an.

Gordon Schnieder ging in seiner Antwort zunächst auf die Situation der Jesiden ein. Er erklärte, dass diese Bevölkerungsgruppe besonders unter Gewalt und Verfolgung gelitten habe. Abschiebungen in Regionen, in denen keine Sicherheit bestehe, seien aus seiner Sicht nicht vertretbar. Er sagte, für Jesiden müsse es Ausnahmeregelungen geben. Niemand könne mit Verantwortung entscheiden, Menschen in Regionen zurückzuführen, in denen ihnen Gewalt oder Tod drohten.

Zum Thema extremistischer Demonstrationen erklärte Schnieder, dass der Rechtsstaat verpflichtet sei, gegen Radikalisierung vorzugehen. Er sagte, wer eine Gesellschaftsform ablehne und offen extremistische Ziele vertrete, könne dies nicht im Schutz der freiheitlichen Ordnung tun.

Schnieder betonte zugleich, dass die große Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime Teil der Gesellschaft sei und ihre Religion friedlich ausübe. Religiöse Einrichtungen müssten möglich sein, zugleich müsse der Staat sicherstellen, dass dort keine Radikalisierung stattfinde. Wenn Hinweise auf extremistische Inhalte vorlägen, müsse der Verfassungsschutz tätig werden.

Matthias Lammert: Land braucht Verlässlichkeit – von Gesundheit bis Justiz

Matthias Lammert spannte den Bogen breiter. Er begann persönlich, sprach über die Endlichkeit von Zeit und leitete daraus den Stellenwert von Gesundheit ab. Politisch blieb er auf CDU-Linie: Es brauche mehr medizinische Studienplätze, weniger Hürden für Niederlassungen, weniger Bürokratie und eine Verwaltung, die technisch auf der Höhe ist.

In einem weiteren Block ging Lammert auf die Sicherheitslage ein und auf Kriminalitätsformen, die sich verändert hätten: von Einbruch und Automatensprengung bis Internetbetrug. Daraus leitete er die Forderung nach mehr Polizeipräsenz in der Region ab, inklusive der wiederkehrenden Forderung nach einem zweiten Streifenwagen im Bereich.

Einen Seitenblick warf er auf die Verwaltung und Justiz: Er schilderte, dass Digitalisierung dort teils „fast nur ein Fremdwort“ sei und erwähnte, dass Einsprüche noch per Fax laufen. Seine Botschaft: Moderne Strukturen seien kein Luxus, sondern Voraussetzung für funktionierende staatliche Leistung. Zum Abschluss verband Lammert das Thema Sicherheit mit Demokratie. Er warnte vor Parteien, die mit einfachen Erzählungen arbeiten, und appellierte, demokratische Strukturen zu schützen.

Eine Demokratie muss immer wieder verteidigt und geschützt werden„, sagte er. Und: „Wer in der Demokratie schläft, der wacht eventuell in der Tyrannei auf.“

Am Ende appellierte Lammert, demokratische Strukturen zu schützen und Extremismus keinen Raum zu geben. Er verband das mit dem Hinweis, Vertrauen in Politik entstehe nur, wenn Versprechen umgesetzt werden, als Beispiel nannte er Großprojekte, die seit Jahren diskutiert und nicht umgesetzt werden, wie die Mittelrheinbrücke in der Loreley.

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Schwere Schlappe für die CDU: 21 Bewerber nicht zur Landtagswahl zugelassen Vier Parteien scheiterten komplett am Landeswahlausschuss – Team Freiheit, WerteUnion, Bündnis C und Die Basis verfehlten die gesetzlichen Anforderungen

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MAINZ|BAD EMS Der Landeswahlausschuss für die Landtagswahl am 22. März hat am Mittwoch über die eingereichten Landeslisten entschieden, mit einer für die CDU außergewöhnlich bitteren Bilanz. Insgesamt 21 Bewerber der Christdemokraten wurden nicht zugelassen: sieben Hauptkandidaten und 14 Nachrücker. Grund waren fehlende oder fehlerhafte Unterlagen.

Neben der CDU traf es auch einzelne Kandidaten anderer Parteien. Abgelehnt wurden unter anderem Bewerber von BSW (Listenplatz 16), Die Linke (11), FDP (44), Bündnis 90/Die Grünen (42), SPD (25, verstorben), Partei der Humanisten (7) sowie Volt. In diesen Fällen lagen ebenfalls formale Mängel vor. Grund bei allen Bewerbern waren fehlende oder fehlerhafte Unterlagen, darunter Wählbarkeitsbescheinigungen, eidesstattliche Erklärungen und weitere formale Nachweise.

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Wie Landeswahlleiter Marco Ludwig nach der Sitzung erklärte, sei die Entscheidung rechtlich zwingend gewesen. Stichtag für die Einreichung der vollständigen Unterlagen war der 6. Januar. Danach dürfen keinerlei Dokumente mehr nachgereicht oder korrigiert werden. „Wenn Unterlagen fehlen oder formale Fehler enthalten, ist der Wahlvorschlag zwingend zurückzuweisen“, so Ludwig. Das Ausmaß bei der CDU ist jedoch ungewöhnlich: Keine andere Partei verlor eine derart große Zahl an Bewerbern.

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Vier Parteien scheitern komplett

Nicht zur Landtagswahl zugelassen wurden außerdem vier Parteien: Die Basis, Team Freiheit, WerteUnion das Bündnis Christen für Deutschland. Bei Team Freiheit, WerteUnion und Bündnis Christen für Deutschland konnte laut Landeswahlausschuss keine Parteifeststellung erfolgen, zudem fehlten die erforderlichen Unterstützungsunterschriften. Die Basisdemokratische Partei Deutschland (die Basis) verfehlte die notwendige Zahl von 2.080 Unterstützungsunterschriften.

Zwölf Parteien treten an

Damit stehen für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März zwölf Landeslisten auf dem Stimmzettel:

  1. SPD

  2. CDU

  3. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

  4. AfD

  5. FDP

  6. FREIE WÄHLER

  7. Die Linke

  8. Tierschutzpartei

  9. VOLT

  10. ÖDP

  11. Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)

  12. Partei der Humanisten (PdH)

Die Reihenfolge richtet sich nach den Zweitstimmen der letzten Landtagswahl; neue Parteien folgen anschließend alphabetisch. Die vollständigen Namen der zugelassenen Bewerber werden in Kürze im Staatsanzeiger Rheinland-Pfalz sowie auf der Website des Landeswahlleiters veröffentlicht. Auch die in den 52 Wahlkreisen zugelassenen Direktkandidaten werden dort bekanntgegeben.

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