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Montabaur

Stolperstein in Bronn erinnert an Maria Löwenguth aus Montabaur

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Am Ortsrand von Bronn wurden die Stolpersteine, kleine bronzene Erinnerungstafeln, für Boleslaw Galus, Paula Nicklas, Heinz Paczkowski und Maria Löwenguth in den Boden eingelassen. (Bild: Michael Weber-Schwarz)

MONTABAUR  Im Sommer 1940 reiste Maria Löwenguth aus Montabaur nach Süddeutschland, um einige Zeit bei Bekannten auf einem Bauernhof zu verbringen. Die junge Frau wurde von Ereignissen mitgerissen, die aus heutiger Sicht unglaublich erscheinen, während des Nazi-Regimes aber an der Tagesordnung waren: Sie wurde denunziert, verhaftet und schließlich im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Jetzt erinnert ein Stolperstein an die Westerwälderin – dort, wo die Tragödie begann.

Bei Bekannten auf einem Bauernhof geriet die junge Frau in den Sog erschütternder Ereignisse und der Willkür des Nazi-Regimes

Es sind insgesamt vier Stolpersteine, die mehr als 80 Jahre nach den Geschehnissen im kleinen Dorf Bronn (Weikersheim / Kreis Bad Mergentheim) verlegt wurden. Die Gedenkfeier mit reger Teilnahme galt Boleslaw Galus und Paula Nicklas, ihrem gemeinsamen Sohn Heinz sowie Maria Löwenguth. Die Gedenkrede für Maria Löwenguth hielt Dennis Röhrig, Stadtarchivar von Montabaur, der ihre Lebensgeschichte recherchiert hat.

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Das Schicksal von Maria Löwenguth beweist die Menschenverachtung des NS-Regimes in besonderer Weise“, stellte Röhrig fest. „Anhand ihrer Biografie zeigt sich, dass ein bloßer Verdacht oder der persönliche Kontakt zu Menschen, die nach der Terminologie der Nationalsozialisten ,Rassenschande‘ begangen hatten, ausreichen konnte, um in ein KZ eingewiesen und dem Tode ausgeliefert zu werden.“

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Maria Löwenguth wurde am 31. Dezember 1914 in Montabaur als zweitältestes von sechs Kindern des Ehepaars Martin und Petronella Löwenguth geboren. Der Vater betrieb ein Uhrengeschäft in der Bahnhofstraße. In Bronn war sie sehr wahrscheinlich nicht nur als Gast, sondern auch als Hilfe willkommen. Den Hof bewirtschaftete Marie Nicklas, eine geschiedene Frau, die zunächst nur von ihrer Schwägerin Paula unterstützt wurde. Kurz nach dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 kam der Kriegsgefangene Boleslaw Galus als Zwangsarbeiter hinzu. Er und Paula begannen ein Verhältnis, sie wurde schwanger.

Das Unheil nahm seinen Lauf, als ein Bewohner des Orts die beiden wegen Rassenschande denunzierte. Am 19. August 1940 nahm die Gestapo Boleslaw Galus fest, einen Tag später wurden auch Paula Nicklas und Maria Löwenguth von der örtlichen Polizei verhaftet. Maria wurde ebenso wie Paula wegen des Umgangs und Geschlechtsverkehrs mit einem polnischen Fremdarbeiter zu einer Gefängnisstrafe und anschließender unbefristeter Unterbringung in einem KZ verurteilt. Beide Frauen wurden mit halbseitig kahl geschorenem Kopf auf dem Ellwanger Marktplatz zur Schau gestellt.

Als Bürgerin von Montabaur fiel Maria Löwenguth in die Zuständigkeit der Gestapostelle Frankfurt und wurde in das dortige Gefängnis gebracht. Was ihr in den folgenden drei Jahren widerfuhr, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich kam sie wie Paula Nicklas in das brandenburgische Frauen-KZ Ravensbrück. Später deportierte man Maria Löwenguth nach Auschwitz, wo sie ermordet wurde. Darauf verweist in der Familienakte der Stadt Montabaur ein handschriftlicher Eintrag: „Am 11.1.1944 in Auschwitz verstorben“.

Boleslaw Galus wurde am 27. Juni 1941 in Honsbronn öffentlich gehängt. Paula Nicklas überlebte. Eine Entschädigung hat sie nie bekommen. Auch ihrem Sohn Heinz Paczkowski (82), der die ersten Lebensjahre bei Pflegeeltern verbrachte und nach der Heirat der Mutter den Namen seines Stiefvaters bekam, ist ein Stolperstein gewidmet. Paczkowski nahm an der Gedenkfeier ebenso teil wie andere Nachfahren, darunter auch ein Neffe von Maria Löwenguth mit seiner Frau.

Die Nachkriegsgesellschaft wollte das Dritte Reich vor allem hinter sich lassen. Das Interesse an der Verarbeitung der unsäglichen Verbrechen war wenig ausgeprägt. Marias Vater stellte den Antrag, seine Tochter als Opfer der Faschismus anzuerkennen. Er wurde laut Landeshauptarchiv Koblenz abgewiesen – mit der fadenscheinigen Begründung, dass Maria Löwenguth „wegen eines angeblichen Verhältnisses mit einem polnischen Gefangenen“ verhaftet worden sei und „die ganze Angelegenheit in Dunkel gehüllt ist.“

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Montabaur

Frustkiller-Freitag: Ring frei! – Erfolgreicher Auftakt für das neue Veranstaltungsformat der wfg Westerwald

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Foto: Jan Meurer

MONTABAUR Unternehmerinnen und Unternehmern eine „Pause-Taste“ anzubieten und den Kopf aus dem Alltagsgeschäft zu lösen – das ist kurz gesagt die Idee der Veranstaltungsreihe „Frustkiller-Freitag“, das die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Westerwaldkreis mbH (wfg) ins Leben gerufen hat.  Ring frei! hieß es beim ersten Termin am vergangenen Freitag, der neben dem Impulsvortrag „Mut zur Wut“ von Godi Hitschler einen Einblick in den Boxsport beinhaltete.

Godi Hitschler ist studierte Kommunikationswissenschaftlerin, NLP Master Pracitioner, Systemische Beraterin und fester Bestandteil der Frustkiller-Freitage. Unter der Überschrift „Mut zur Wut“ zeigte sie auf, wie wichtig es ist zu verstehen, was einen wütend macht und es nicht kleinzureden. Dabei seien formulieren wie „ich bin genervt“, „das stresst mich“, „ich finde blöd, dass“ verharmlosende Beschreibung für das Basisgefühl der Wut. Interessant sei es zu schauen, was dahintersteht. „Bei mir ist es beispielsweise nicht funktionierende Technik, die mich wütend macht“, eröffnet die Referentin. „Was mich dabei wütend macht ist meine Hilflosigkeit, da ich zu wenig technisches Hintergrundwissen haben, um das Problem zu lösen. Inzwischen ist meine Strategie, um nicht in der Wut zu bleiben, ohne Technik weiterzumachen oder um Hilfe zu bitten. Das gelingt aber nur, weil ich weiß, was der Auslöser ist“, so Hitschler weiter.

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Bei einem kurzen stärkenden Mittagessen wurden dann persönliche Erfahrungen ausgetauscht. Zu der Frage welche Ventile es gibt und wie Wut kontrolliert abgebaut werden kann, folgte der praktische Teil.

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Der Verein Boxen macht Schule e.V. hatte sich dafür ein kurzweiliges Programm überlegt. Zunächst wurde aus dem Tätigkeitsfeld, der Gewaltprävention an Schulen, berichtet und es wurde erläutert, dass Regeln, Respekt, Disziplin und Gewaltfreiheit die vier zentralen Bausteine für das „Training fürs Leben“ sind, das in Form von Box-AGs an zahlreichen Schulen angeboten wird.

Das Trainingsprogramm umfasste Reaktions- und Beweglichkeitsübungen, die Bewusstwerdung von Standfestigkeit und Körpersprache sowie erste Sparringsübungen mit Boxhandschuhen, bei denen die Teilnehmenden sich auspowern, aber auch Impulse für den Büroalltag mitnehmen konnten. So wurde eine Übung zunächst „einfach so“ durchführt und in der zweiten Runde auf Zeit und mit Punkten. Der Wettbewerb veränderte sofort die Grundstimmung im Raum und es wurde deutlich, dass Wettbewerb den positiven Effekt der Fokussierung und Leistungssteigerung mitbringt, aber auch zu Frustration und Niederlagen führen kann. Dies gilt es im Unternehmen in ein gutes Gleichgewicht zu bringen.

Wir haben uns sehr über diesen erfolgreichen Auftakt gefreut. Es war schön, eine entspannt lächelnde Runde ins Wochenende verabschieden zu können. Ein herzlicher Dank gilt Godi Hitschler, dem Team von „Boxen macht Schule“ und dem des Stadthallenrestaurants Pettinari’s, die zu diesem Runden Programm einen wesentlichen Beitrag geleitstet haben. Alle drei sind einen Besuch oder ein Kontaktaufnahme wert“, lächelt auch wfg-Geschäftsführerin Katharina Schlag zum Abschluss.

Die nächsten Termine, jeweils von 11:00 – 15:00 Uhr: 07.06.2024 – Bad Marienberg | 06.09.2024 – Höhr-Grenzhausen |06.12.2024 – Weltersburg (in Planung)

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Gesundheit

Boys’Day bei der Caritas: Neue Horizonte entdecken!

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Foto: Caritas Westerwald/Rhein-Lahn

RHEIN-LAHN/WW Unter dem Motto „Jetzt kommst Du“ findet am Donnerstag, 25. April, der bundesweite Boys’Day statt. Beim sogenannten „Jungen-Zukunftstag“ haben männliche Jugendliche erneut die Gelegenheit, Berufsfelder zu erkunden, in denen Männer bisher weniger präsent sind, insbesondere in Bereichen wie Erziehung, Soziales und Gesundheit. Der Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn und zahlreiche katholische Kindertagesstätten in der Region beteiligen sich wieder an diesem Tag und laden Schüler ab der 7. Klasse ein, verschiedene Berufe sowie den Alltag in sozialen Einrichtungen beim Boys’Day kennenzulernen.

Schüler können am 25. April zahlreiche soziale Berufe und Einrichtungen kennenlernen – Anmeldungen jetzt möglich

Der erste Boys’Day fand 2011 statt und wurde in Anlehnung an den erfolgreichen Girls’Day ins Leben gerufen. Der Tag erweitert den Blick der Jungen auf ihre berufliche Zukunft. Sie lernen Ausbildungsberufe und Studienfächer kennen, die immer noch von Geschlechterklischees geprägt sind. An diesem Tag erkunden die Jungen vielfältige Tätigkeiten im Gesundheits-, Pflege- oder Erziehungsbereich. Soziale Einrichtungen und Bildungsinstitutionen öffnen ihre Türen und ermöglichen den Schülern einen erlebnisreichen Praxistag.

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Auch der Caritasverband nimmt gerne am Boys’Day teil“, betont Rainer Lehmler, Referent für Gemeindecaritas beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn, und weist darauf hin, dass eine Reihe von Caritas-Einrichtungen sowie katholische Kindertagesstätten Plätze für interessierte Schüler anbieten. Im Rahmen des Boys’Days können die Jungen nicht nur in verschiedene Berufe hineinschnuppern, sondern erhalten auch die Gelegenheit, sich über Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten zu informieren.

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Die Plätze sind begrenzt; um Anmeldung wird bis spätestens 19. April direkt bei den teilnehmenden Einrichtungen gebeten. Eine Liste mit sämtlichen Caritas-Einrichtungen und katholischen Kindertagesstätten, die am Boys’Day 2024 teilnehmen, findet man unter https://ogy.de/cu80. Weitere Fragen rund um den Boys‘Day beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn beantwortet Rainer Lehmler, Referent für Gemeindecaritas, telefonisch unter 02602/160669 oder per E-Mail an rainer.lehmler@cv-ww-rl.de. Weitere Informationen gibt es außerdem auf der offiziellen Boys’Day-Homepage unter www.boys-day.de.

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Blaulicht

Ermittlungsverfahren wegen mehrfachen Tötungsdelikts am 25.01.2024 in Montabaur beendet

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Foto: BEN Kurier

MONTABAUR Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat das Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der vorsätzlichen Tötung von drei Menschen am 25.01.2024 in Montabaur gemäß § 170 Abs. 2 der Strafprozessordnung eingestellt (Ben Kurier Artikel hier). Der Beschuldigte hat sich wenige Stunden nach den Taten am 25.01.2024 selbst gerichtet. Die durchgeführten Ermittlungen haben keine Hinweise auf weitere Tatbeteiligte erbracht. Es ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte als Einzeltäter gehandelt hat.

Nach dem Ergebnis der durchgeführten Ermittlungen schoss der verstorbene Täter am frühen Morgen des 25.01.2024 mit drei Schusswaffen zunächst ungezielt auf die drei Tatopfer, bevor er wenige Minuten später seine Taten mit mehreren gezielten Schüssen beendete. Auslöser der Taten dürften erhebliche und länger andauernde familiäre und finanzielle Streitigkeiten zwischen dem Täter und den Tatopfern gewesen sein, aufgrund derer es einige Wochen zuvor bereits zu Bedrohungen und auch zu einer körperlichen Auseinandersetzung sowie im Nachgang zu mehreren Polizeieinsätzen und einer Durchsuchung des von den Beteiligten gemeinsam bewohnten Anwesens gekommen war. Hierbei konnten jedoch weder unerlaubte Waffen aufgefunden noch konkrete Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Gewalttat erlangt werden. 

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Zwei der zur Tatbegehung eingesetzten Schusswaffen konnten im Zuge der ergänzenden Ermittlungen zwischenzeitlich auf den Großvater des Täters zurückgeführt werden, der diese bis zu seinem Tod berechtigterweise besessen hatte und die nach dessen Versterben als angeblich verlustig gemeldet worden sind. Die Herkunft der weiteren Schusswaffe konnte nicht geklärt werden. Über einen den Besitz von Schusswaffen legitimierenden Waffenschein verfügte der verstorbene Beschuldigte nicht (Pressemitteilung: Staatsanwaltschaft Koblenz, Mannweiler | Leitender Oberstaatsanwalt).

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