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VG Bad Ems-Nassau

Viele Schweighausener Bürger sprechen sich für den Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses aus

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Viele Schweighausener Bürger sprechen sich für den Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses aus

SCHWEIGHAUSEN Der Gemeinderat wollte es in seiner Einwohnersprechstunde wissen. Wie denken die Schweighausener Bürger über das defizitäre Dorfgemeinschaftshaus? Erhalt, Abriss oder Verkauf? Zur Versammlung hatte die Ortsbürgermeisterin Sonja Puggé eingeladen. Über 50 Bürger füllten den Saal um beim sensiblen Thema mitsprechen zu können. Für viele gibt es eine emotionale Verbindung zum Dorfgemeinschaftshaus. Mal wurde die eigene Hochzeit genannt oder auch ein besonderes Dorftreffen im Versammlungsraum. Und so war es nicht verwunderlich, dass so viele Menschen den Saal füllten.

Anlass dafür war eine polarisierende These vom Gemeinderatsmitglied Stefan Hofmann: “Das Dorfgemeinschaftshaus wird abgerissen….” Erreichen wollte er mit dieser Aussage, dass die Menschen zahlreich zu einer Einwohnerversammlung erscheinen und ihre Meinung sagen und das hatte er geschafft. So gut gefüllt waren die Plätze selten bei einer Einwohnerversammlung oder öffentlichen Gemeinderatssitzung. “Auch für mich ist das kein leichtes Thema” führte Hofmann aus. “Hier habe ich die Hochzeit mit meiner Frau gefeiert aber wir müssen als Gemeinde diskutieren. Die Nebenkosten sind höher als die eigentliche Miete für das Gebäude. Unsere Heizanlage ist veraltet und der Boden ohne Dämmung. Über den Brandschutz möchte ich gar nicht reden. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir uns als Gemeinde hoch verschulden, wenn wir das Dorfgemeinschaftshaus halten wollen. In den vergangen Jahren gab es kaum noch Veranstaltungen hier im Saal. Wir haben da auch einen Druck von der Kommunalverwaltung. Denen gegenüber müssen wir das rechtfertigen.

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Dreieinhalb Stunden dauerte die Einwohnerversammlung. Am Ende gab es ein Ergebnis: Die anwesenden Bürger möchten, dass das Dorfgemeinschaftshaus erhalten bleibt

Auch der Verbandsbürgermeister Uwe Bruchhäuser war bei der Versammlung anwesend und lauschte bedächtig den Worten von Stefan Hofmann. Für ihn war es die erste Teilnahme an einer Sitzung in Schweighausen. Bemerkenswerterweise äußerte er sich nicht zu der Problematik sondern überlies die Meinungsfindung dem Gemeinderat und hörte den Bürgern zu. “Für uns geht es heute nur um ein Meinungsbild für den Gemeinderat. Wir möchten wissen, was ihr als Schweighausener Bürger denkt.” Mit diesen, an die Menschen im Ort gerichteten Worte,  eröffnete die Ortsbürgermeisterin Sonja Puggé die Sitzung.

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5500 Euro jährlich kostet uns das Dorfgemeinschaftshaus. Wir müssen darüber reden. Um die Kosten aufzufangen reicht es nicht aus, dass wir die Miete erhöhen. Bei den wenigen Einnahmen durch Buchungen, bleibt das Haus defizitär. Für uns alle steckt im Dorfgemeinschaftshaus viel Herzblut und viel Arbeit.  Unvergessen ist das Engagement unserer Eltern und Großeltern. Das ist ein sensibles Thema. Bei möglicherweise 55.000 EUR Verlust in den kommenden 10 Jahren, müssen wir auch unbequeme Lösungen unseres Dorfmittelpunktes ansprechen. Wir brauchen zündende Ideen. Darum sind wir heute hier“, teilte die Ortsbürgermeisterin mit.

Und die Bürger nahmen das Gesprächsangebot gerne an. Und an dieser Stelle war durchaus etwas sehr außergewöhnlich. Trotz der sehr schwierigen und emotionalen Problematik, wurde mit viel Bedacht und sehr konstruktiv von allen beteiligten Seiten die Thematik behandelt. Kennen Sie den Ausspruch: “Wer die Stille ertragen kann, ist niemals alleine“? Manchmal dauert es einen Augenblick um sich zu sammeln um die richtigen Worte zu finden. Bei dieser Sitzung kam es vor, dass dieser berühmte Moment der Ruhe einkehrte, bevor ein Bürger sich zu Wort meldete und das ist etwas richtig Gutes. Überlegtes reden und nicht das Reden um etwas unproduktives zu sagen. Klasse.

Bürgerin: “Corona hat uns lange Zeit einsam gemacht. Das war schrecklich. Unsere Vorfahren haben das hier erbaut. Warum lassen wir uns alles nehmen? Ich möchte mit Euch zusammen sein dürfen….

Viele Ideen kamen auf den Tisch. Ein Ringen um den Erhalt des Schweighausener Dorfgemeinschaftshauses. Natürlich gab es auch emotional geprägte Aussagen, welche von großem Applaus der Bürger begleitet wurden. “Es steht im Namen”, äußerte sich ein Schweighausener Anwohner. “Dorfgemeinschaftshaus. Das wurde in Eigenleistung errichtet. Genau das ist ein Symbol für die Dorfgemeinschaft. Ist das weg, gibt es auch keine Dorfgemeinschaft mehr. Wo sollen wir uns denn in Zukunft treffen?

Dem entgegnete das Gemeinderatsmitglied Stefan Hofmann: “Wir möchten ja das Dorfgemeinschaftshaus halten, doch wir müssen einiges bedenken. Viele feiern nicht mehr im Saal. Unsere Toiletten sind sanierungsbedürftig. Wenn man das anpackt, muss man auch über eine energieeffiziente Heizung nachdenken. Das ist eine Sanierungspflicht. Wir müssen auch über den Tellerrand hinausschauen. In Geisig, Dachsenhausen und Becheln gibt es moderne Gemeinschaftshäuser. Diese stehen in direkter Konkurrenz zu unserem Haus. Und dann gäbe es auch noch die Möglichkeit mit der Kirche zu reden. Vielleicht gäbe es dort die Möglichkeit, dass wir die neu zu errichtenden Räume als Gemeindehaus mitbenutzen.

Ortsbürgermeisterin Sonja Puggé: Es gibt keine vorgefertigte Meinung. Wir haben keine Entscheidung in der Schublade. Wir möchte Eure Ansichten mit in die kommende Gemeinderatssitzung nehmen. Das ist uns sehr wichtig.

Gegensätzlich argumentierten die Bürger. “Wir müssen schauen, welche Fördermittel für eine Sanierung bereitgestellt werden können.” Auch die Gemeinden Becheln, Dachsenhausen oder seinerzeit Geisig haben teilweise Gelder für den Neubau oder Umbau erhalten. Ein anderer Bürger argumentierte: “Ein Abriss sollte aus meiner Sicht nicht in Frage kommen. Die  Entsorgungskosten übersteigen den möglichen Bauplatzwert. Zahlreiche Schwimmbäder sind ebenfalls defizitär und werden nicht abgerissen. Das Gleiche gilt für Leichenhallen und ähnliche Objekte. Da sollte man sich doch auch ein Dorfgemeinschaftshaus leisten können als Gemeinde.

Wehmütig teilte ein Bürger mit, dass vor 15 Jahren die Gemeinschaft noch einen höheren Stellenwert hatte, als heute, doch wird damit ein Dorfgemeinschaftshaus zu einem Relikt einer vergangenen Zeit?

Der Gemeinderat schien in der Frage zum weiteren Vorgehen geteilter Meinung zu sein. Primär war kein Mitglied gegen den Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses doch die eine Seite zeigte große Bedenken im Hinblick der Wirtschaftlichkeit und der immensen Kosten während die anderen den Dorfgemeinschaftssinn einer solchen Einrichtung nicht im Wege stehen wollten. Und beide Argumente haben sicherlich ihre Berechtigung.

Ralf Kuhnen vom Gemeinderat läutete letztendlich eine Kehrtwende in der Diskussion ein, die sich keiner verschließen wollte: “Ich möchte prüfen, ob ein Erhalt möglich ist. Da geht es um die Refinanzierung, Fördermittel und vieles mehr. Ich bin für konstruktive Ideen dankbar. Es wird keinen Schnellschuss geben.

Gleiches teilte auch die Ortsbürgermeisterin Sonja Puggé mit: “Es gibt keine vorgefertigte Meinung. Wir haben keine Entscheidung in der Schublade. Wir möchte Eure Ansichten mit in die kommende Gemeinderatssitzung nehmen. Das ist uns sehr wichtig.

Schweighausener Bürger möchten eine Ideenwerkstatt gründen

Von einer Bürgerin kam die Idee auf, dass man innerhalb der Gemeinschaft eine Gruppe gründen möchte, die Ideen sammeln will für den Erhalt des umstrittenen Gebäudes. Dieses wurde von vielen Bürgern mit Applaus begrüßt. Auch sollten nun die Kosten einer möglichen Sanierung eruiert werden . Letztendlich sprachen sich viele der anwesenden Bürger für den Erhalt des Gemeinschaftshauses aus. Eine gegensätzliche Meinung von den Anwohner gab es nicht.

Stefan Hofmann teilte mit, dass die Gemeinde finanziell verhältnismäßig gut dasteht. Dennoch müsse man bedenken, dass eine Entscheidung von der Masse der Bürger mitgetragen werden muss. Und dieses könnte auch eine finanzielle Mehrbelastung für alle Bewohner bedeuten, wenn man das defizitäre Dorfgemeinschaftshaus erhält. Vor dem Jahr 2024 hätte sich an der Situation sowieso nichts ändern können, denn bis dahin besteht eine Zweckbindung für das Gebäude.

Zum Abschluss der Thematik ergriff der bis dahin zuhörende Verbandsbürgermeister Uwe Bruchhäuser das Wort: “Andere Gemeinden wie zum Beispiel Lollschied stehen vor einer ähnlichen Problematik. Man muss hier in Schweighausen über ein Nutzungskonzept nachdenken oder auch dem Sinn einer Multifunktionshalle. Es braucht ein breiteres Konzept für die Gemeinde. Dazu gehört auch die Akzeptanz einer möglichen Steuererhöhung für die Bewohner. Ein Dorfgemeinschaftshaus steigert die Attraktivität vor Ort.”

Letztlich sah der Verbandsbürgermeister Chancen für den Erhalt des Gebäudes. Die Worte einer Bürgerin blieben in ergreifender Form im Gedächtnis: “Corona hat uns lange Zeit einsam gemacht. Das war schrecklich. Unsere Vorfahren haben das hier erbaut. Warum lassen wir uns alles nehmen? Ich möchte mit Euch zusammen sein dürfen….

Dreieinhalb Stunden dauerte die Einwohnerversammlung. Dabei wurde nicht nur über das Dorfgemeinschaftshaus diskutiert. Thematisiert wurde auch die mögliche Errichtung eines Telekom Funkmastes. 5G für Schweighausen und Umgebung könnte es tatsächlich in absehbarer Zeit geben, denn die Einwohner sprachen sich mehrheitlich für eine Verfolgung des Projektes aus. Schlussendlich kamen auch noch regenerative Energien auf den Tisch. Die Windenergie hätte es schon in Vorjahren im Randgebiet der Gemeinde geben sollen doch seinerzeit scheiterte das weit fortgeschrittene Projekt an den Sichtachsen zur Burg Nassau. Heute sind die Voraussetzungen andere.

Gerade bei diesem Diskussionspunkt wurde das hohe fachliche Wissen eines Bürgers deutlich. Dieser war tief in der Materie drin und konnte einige nützliche Tipps geben. Primär sprach sich die Mehrheit der anwesenden Bürger dafür aus, dass man erneut die Errichtung einer Windkraftanlage prüfen sollte. Nun hat der Gemeinderat in Schweighausen einen bürgerlichen Auftrag erhalten. Immerhin war knapp ein Viertel der gesamten Ortsbürger bei der Einwohnerversammlung anwesend.

Ob und wieweit die gewählten Gemeindevertreter das Bürgerinteresse umsetzen kann, bleibt abzuwarten. Dennoch darf hier durchaus ein positives Fazit gezogen werden. Der anwesende Gemeinderat um die Ortsbürgermeisterin Sonja Puggé mit den Vertretern Stefan Hofmann (1. Beigeordneter), Karl Sauer, Patricia Pfeifer, Bruno Rotard, Sabrina Döringer und Ralf Kuhnen möchten wissen was ihre Bürger möchten. Und das ist immer der richtige Schritt um bürgernahe Beschlüsse umsetzen zu können. Applaus!

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VG Bad Ems-Nassau

Süß, herzhaft, lecker: Neueröffnung Café Frühstückseck in Nassau

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NASSAU Ein Präsent und die besten Wünsche der Gemeinde überbrachte Stadtbürgermeister Manuel Liguori der Geschäftsführerin, Konditormeisterin Olga Sotnikov, zur Neueröffnung des Cafés „Frühstückseck“ auf dem Nassauer Amtsplatz. Wo einst ein Modegeschäft war, können die Gäste nun in familiärer Atmosphäre aus verschiedenen Frühstücksthemen, wie zum Beispiel: „Pariser-, Moskauer-, Izmir-Frühstück auswählen, oder verschiedene Kaffeespezialitäten, Torten, frisches Gebäck, Rührei, Lachs-Portion, Käse- oder Wurst-Variationen und einiges mehr genießen.

Ehemaliges Bekleidungshaus nach jahrelangem Leerstand wieder mit Leben gefüllt – Stadtbürgermeister Manuel Liguori gratulierte zur Neueröffnung

Stadtbürgermeister Manuel Liguori freut sich sehr darüber, dass Nassaus Innenstadt nun um ein weiteres Geschäft – nach jahrelangem Leerstand – in charmantem Ambiente wieder mit neuem Leben gefüllt wurde. Dies sei ein neuer wichtiger Baustein der regionalen Versorgung in der Kommune. Das neue „Café Frühstückseck“ bietet im Innenbereich Platz für 20 Gäste. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr. Samstag und Sonntag von 8 bis 18 Uhr. Mittwoch ist Ruhetag. Text und Foto: Achim Steinhäuser

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VG Bad Ems-Nassau

Kreis präsentiert Zahlen zur insolventen Lebenshilfe: Enttäuschte Zuhörer bekommen keine Antworten auf ihre Fragen!

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BAD EMS Mit großer Spannung wurde der Tagespunkt 6 in der öffentlichen Kreistagssitzung im großen Saal erwartet. Auf Antrag der SPD-Kreistagsfraktion wurde der Themenkomplex der Lebenshilfe mit auf die Tagesordnung in den öffentlichen Teil aufgenommen. Zusätzlich gab es eine gemeinsame Anfrage rund um die Vorgänge der Lebenshilfe Rhein-Lahn von den Kreistagsfraktionen der CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FWG, FDP und Freie Wähler. Normalerweise sind die Besucherstühle bei Kreistagssitzungen nur selten ausgefüllt, doch diesmal war das anders. Noch immer ist das Thema in den Köpfen der Menschen präsent. Der Stachel der Enttäuschung und Wut sitzt tief und die Bürger erhofften sich Antworten auf ihre zahlreichen Fragen. Ob diese beantwortet wurden? Nein, denn darum ging es an diesem Tag nicht. Die Fragen der Zuschauer waren andere als die zu erwartenden Antworten an diesem Abend.

Noch vor der Eröffnung der Kreistagsfraktion rieben sich am Eingang so manche Besucher verwundert die Augen: Vor dem Eingang standen zwei Polizisten und das hatte einen guten Grund. Im Vorfeld soll es Drohungen von ehemaligen Betroffenen im Komplex der Lebenshilfe gegeben haben, dass man die Sitzung mit Waffen besuchen wollte. Die Wut oder Enttäuschung mag nachvollziehbar sein, aber eine solche Ankündigung ist schlichtweg nur dumm und wenig hilfreich. Eine aufgeheizte Stimmung unter den Zuschauern war nicht zu erkennen. Klar wurde jedoch bereits zu Beginn der Ausführungen des Landrats Jörg Denninghoff, dass alles an diesem Abend gesagt werden würde, was der Kreis in einer öffentlichen Sitzung sagen durfte, aber nichts von dem, was die Betroffenen tatsächlich berührte und das wiederum dürfte auf allen Seiten frustrierend gewesen sein. Doch was wurde jetzt eigentlich gesagt?

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Der Kreis darf sich nicht öffentlich zu Personenfragen äußern

Die Lebenshilfe Rhein-Lahn e.V. betrieb bis zur Insolvenz 2021 den integrativen Kindergarten in Singhofen. Seit Januar 2023 ist die Trägerschaft auf die Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau übergegangen. Abgeschlossen ist das Insolvenzverfahren bis heute nicht und könnte noch bis zu drei Jahre dauern. Für den Regelkindergartenbereich erhielt die Lebenshilfe für die Jahre 2018 bis 2021 Personalkostenzuschüsse vom Kreis. Einen Teil der Kosten, konnte sich der Kreis wiederum vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (Landesamt) erstatten lassen.

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Über einen Verwendungsnachweis musste der Träger (Lebenshilfe) die tatsächlichen Personalkosten nach Ablauf eines Jahres darstellen. Jedoch gegenüber dem Landesamt musste ein Gesamtverwendungsnachweis vom Kreis erstellt werden. Dieses umfasst alle einzelnen Verwendungsnachweise der Regelkindergärten im Rhein-Lahn-Kreis. Ohne diese einzelnen Verwendungsnachweise gibt es keinen Gesamtverwendungsnachweis. Genau diese fehlten aber zum Teil bzw. wurden nicht zeitnah von dem damaligen Träger erstellt. Somit konnte für das Jahr 2018 erst im Sommer 2021 ein Gesamtverwendungsnachweis dem Landesamt vorgelegt werden.

Für 2019 bis 2021 gibt es noch keine Gesamtverwendungsnachweise, da nicht alle Trägerverwendungsnachweise vorliegen bzw. die Prüfung durch die Verwaltung nicht abgeschlossen ist. Kompliziert? Machen wir es einfach. Ohne Nachweise, kein Geld für den Kreis. Im Februar 2022 teilte das Landesamt erstmalig mit, dass Zweifel an der bestimmungsgemäßen Verwendung der Personalkostenzuschüsse durch die Lebenshilfe bestehen würden. Im Sommer 2022 wurde ein Anhörungsverfahren zum Verwendungsnachweis für das Jahr 2018 gegenüber dem Kreis eingeleitet und mitgeteilt, dass man die Landeszuwendung für die Kita der Lebenshilfe nicht auszahlen werde.

Noch kein Termin zur Verhandlung des seinerzeitigen Geschäftsführers der Lebenshilfe Rhein-Lahn vor einem Strafgericht bekanntgegeben

Mit Bescheid vom 15.03.2023 lehnte das Landesamt den Zuschuss für die Personalkosten der Kita für das Jahr 2018 vollständig ab. Der Kreis hat Widerspruch eingelegt. Im Hinblick der Auffassung des Landesamtes, hat der Kreis mittlerweile die Bewilligungsbescheide der Personalkostenerstattung für die Jahre 2018 bis 2021 widerrufen und die Forderung in Höhe von 880.797 EUR zur Insolvenztabelle angemeldet.  Demgegenüber hat der Insolvenzverwalter gegen die Rückforderungsbescheide Widerspruch eingelegt. Zusätzlich wurden rund 1,3 Millionen Euro aus möglicherweise überzahlten Leistungen der Eingliederungshilfe bei der Insolvenztabelle angemeldet. Dieses betrifft die gGmbH der Lebenshilfe. Über die Rechtsanwälte Martin, Mogg & Vogt in Koblenz, will der Kreise seine Ansprüche gerichtlich geltend machen.

Zuhörer erwarteten Antworten zur Verantwortung des Kreises und zu Personen im Themenkomplex Lebenshilfe – Die gab es nicht!

Alles so weit verstanden? Gar nicht so einfach. Landesamt erkennt Verwendungsnachweise der Lebenshilfe nicht an und stellt Zahlungen an den Kreis ein, Kreis sieht den Nachweis der ordnungsgemäßen Verwendung der Personalkosten für das Jahr 201 erbracht und klagt auf Kostenerstattung gegen das Landesamt, auch im Hinblick auf die Jahre 2019 bis 2021.

Spannend? Vielleicht. Auf der Kreistagssitzung wurden die Zahlen transparent erklärt. Nun ist klar, dass auch der Kreis finanziell, mindestens vorübergehend, durch die Insolvenz der Lebenshilfe bluten musste. Die Menschen im Zuhörerbereich interessierte das nur am Rande. Eine wirkliche Neuigkeit war das nicht. Dabei war es nicht einfach den Ausführungen zu folgen, da schlichtweg die Fragen zu den präsentierten Zahlen fehlten. Diese sind im Ratsinformationssystem vor der Sitzung nicht veröffentlicht worden und so konnte man zwar der Vorlesung der präsentierten Zahlen folgen ohne wirklich verstehen zu können, um was es tatsächlich ging.

Fragen waren nicht zugelassen, da es lediglich eine Mitteilung war. Wer im öffentlichen Teil der Sitzung die Aufarbeitung der Lebenshilfeinsolvenz erwartete, konnte nur enttäuscht werden, da es sich dabei aus Sicht der Betroffenen um Akteure des Kreises oder der Lebenshilfe handeln sollte. Diese Aufarbeitung kann nur in einem nicht-öffentlichen Teil einer Kreistagssitzung stattfinden, denn immerhin gilt nicht ohne Grund eine Unschuldsvermutung und dort geht es möglicherweise um konkrete Personenfragen.

Unbefriedigend für die Zuschauer? Absolut! Abschließen können und werden die seinerzeit vielfältig Betroffenen erst dann, wenn es auf ihre Fragen in Transparenz Antworten geben wird und davon ist derzeit nicht auszugehen. Der Kreis darf sich nicht öffentlich zu Personenfragen äußern und eine Terminierung zur Verhandlung des seinerzeitigen Geschäftsführers der Lebenshilfe vor einem Strafgericht gibt es noch immer nicht.

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Gesundheit

Hoffen bis zum Schluss: Demo für den Erhalt der Paracelsus-Klink in Bad Ems!

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BAD EMS Rund 140 Demonstranten folgten dem Aufruf der 1. Beigeordneten des Kreises Gisela Bertram, dem Verbandsbürgermeister Uwe Bruchhäuser und dem Band Emser Stadtbürgermeister Oliver Krügel.  Auf dem Parkplatz vor der Paracelsus-Klinik protestierten die Anwesenden, gegen die mögliche Schließung des Krankenhauses. Nach dem sich der die Hufeland-Klinik aus dem Interessenten-Rennen verabschiedet hatte, bleibt nun nur noch die Hoffnung auf das bürgernahe Krankenhaus mit der gGmbH. Ob diese jedoch erfüllt werden kann, bleibt abzuwarten.

Aufgeben möchte man jetzt noch nicht. Der Bundestagsabgeordnete Josef Oster hat sich schriftlich an den Gesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach gewendet und auf die schwierige Situation hingewiesen. In der kommenden Woche wollen die erste Beigeordnete Gisela Bertram, der Verbandsbürgermeister Uwe Bruchhäuser und der Stadtbürgermeister Oliver Krügel bei der Landesregierung in Mainz vorsprechen und gleichzeitig für die mittlerweile gegründete gemeinnützige GmbH werben.

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Die Problematik ist klar: Die neu gegründete Gesellschaft mit Dr. Krausbeck als Geschäftsführer benötigt eine Anschubfinanzierung. Mit 25.000 Euro Stammkapital ist die Sicherheit für das Land gering. Und besonders zum beginn werden Millionen benötigt für die Aufrechterhaltung des Betriebes. Denn zunächst dauert es einige Zeit, bis fällige Krankenhausrechnungen bezahlt werden. Diese Zeit muss überbrückt werden.

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Ob das Land Rheinland-Pfalz auf den Zug aufspringen wird und das Experiment »bürgernahes Krankenhaus« unterstützen wird, bleibt abzuwarten. Dazu sagte Gisela Bertram anmerkend: »Wer nicht kämpft, hat schon verloren.« Wohl wahr.

Für die 270 Beschäftigten rennt die Zeit davon. Schon in Kürze dürften die Kündigungen seitens der Paracelsus-Kliniken in ihren Briefkästen liegen. Einige Chirurgen aus dem Haus sollen sich bereits um neue Arbeitgeber in anderen Krankenhäusern bemüht haben. Ob die Angestellten des Hauses weiter abwarten, ist fraglich. Gutes Fachpersonal wird in anderen Krankenhäusern dringend benötigt. Bewerber laufen offene Türen ein. Schwierig wird es jedoch für Hilfskräfte und jene, welche bereits eine bestimmte Altersgrenze erreicht haben. Sie werden unter Umständen die großen Verlierer sein, wenn es die gemeinnützige Gesellschaft mit dem bürgernahen Krankenhaus nicht geben sollte.

Und eines wurde heute auch klar. Nur knapp über 140 Personen folgten dem Aufruf zur Demonstration gegen die Schließung des Krankenhauses am Bad Emser Standort. Während der Aufschrei in den sozialen Medien durchaus präsent wahrgenommen wurde, war das Interesse am direkten Protest erstaunlich gering. Es gibt jedoch einen engen Schulterschluss zwischen der Politik, den Angestellten und Protestierenden. Einen solchen parteiübergreifenden Konsens erlebt man sonst eher selten.

Nun gilt es den Strohhalm aufzugreifen und die letzte Hoffnung, bevor das Schiff untergehen könnte, nicht zu verlieren. Und diese heißt dem Konzept von Dr. Reisinger, Dr. Krausbeck und Frau Dir. Simons einmal eine Chance zu geben, denn diese hatten sie bisher nicht erhalten. Und es bedeutet auch, dass sich die Porterhousegruppe mit dem verantwortlichen Felix Happel endlich einmal einlenkt im Sinne des Gesundheitsstandortes Bad Ems. Immerhin tragen diese die Hauptverantwortung für den möglichen Untergang des Krankenhauses. Nur wenn all dieses gelingt und ein ernsthafter Wille da ist, gibt es den berühmten Funken Hoffnung, der zu einer Flamme werden kann. Ansonsten wird diese nun endgültig erlöschen.

 

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