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Panorama

Ehemaliger Bundeswehrsoldat aus dem Rhein-Lahn-Kreis kehrte nach Kabul zurück – Was er erlebte….

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RHEIN-LAHN Nur wenige westliche Medien trauen sich derzeit nach Afghanistan und die die sich trauen werden ihre Story nicht los: Der Krieg ist jetzt in der Ukraine, Afghanistan ist Vergangenheit, teuer, unpopulär, schwierig. So ist wohl gerade der Tenor in vielen Redaktionen weltweit.

Demnächst HIER: Die große Videoreportage

Das Problem dabei ist: Nur weil man etwas vergisst, ist es nicht weg. Acht Monate nach dem Fall von Kabul als letzter freien Stadt Afghanistans, kehre ich zurück. In ein Land das mich 10 Jahre zuvor als Mensch und Soldat geprägt hat. Dieses Mal nicht in Uniform gefangen hinter Panzerglas, sondern als Beobachter der Veränderung. Viele behaupten Afghanistan zu verstehen, haben viel Meinung und wenig Erfahrung. Ich war 7 Monate in diesem Land und Maße mir nicht an irgendetwas verstanden zu haben. Aber ich habe gesehen. Gesehen wie es unter den internationalen Truppen und der afghanischen Regierung war. Und gesehen wie es jetzt ist, nach der Flucht des Westens, nach dem Scheitern der Welt an diesem wilden, rauen Land mit dieser Jahrtausende alten Kultur und diesen stolzen, kämpferischen Menschen.

20 Jahre verschwendet? – Wie die Taliban Afghanistan regieren

Wer jetzt nach Afghanistan reist, wird überrascht werden: Tod, Folter und Gewaltexzesse wie man sie erwartet, finden sich nicht so einfach. Es ist kein heilloses Durcheinander gefüllt mit Elend. Und es herrscht keine Anarchie. Im Gegenteil: Am Flughafen angekommen, ist es als würde man in jedes andere Land der Welt reisen. Ja, die Flucht hat Spuren hinterlassen. Gesprengte Helikopter und hastig unbenutzbar gemachte Kampfflugzeuge zieren Rollfeld und die Hangar in der Umgebung und auch Kampfspuren wie Einschusslöcher und Beschädigungen sind nicht beseitigt. Aber das Prozedere aus Passkontrolle, Visastempel und Sicherheitskontrolle ist wie überall. Eine Frau mit Kopftuch, nicht weiter verschleiert wie man es unter den Taliban erwarten würde, stempelt meinen Pass und nickt mich freundlich durch. Aber leider: Diese Praxis verschwindet jetzt acht Monate später auch wieder aus dem alltäglichen Leben, die Taliban zwingen Frauen unter Strafandrohung nun zukünftig wieder zur Vollverschleierung.

Ein Trauerspiel, wollten die Taliban doch ihr Verhalten von 1996 verändern. Das Problem ist, wer sonst soll die Arbeit im Land verrichten, als die Frauen und Männer von zuvor? Die Taliban haben die letzten 20 Jahre gekämpft, sie können wohl kaum einen Flughafen betreiben. Und so zeigt sich hier erstmals das absurde Ausmaß des Fachkräftemangels in Afghanistan. Viele Ministerien und Einrichtungen des Staatsapparates arbeiten wie zuvor. Selbes Personal, andere Regierung. Die Afghanen sind Wechsel und Unstetigkeit gewohnt, vielleicht hoffen sie das es ruhiger wird, jetzt wo die Taliban haben was sie wollen. Die große Frage ist: Halten die Taliban ihre vollmundigen Versprechen oder schränken sie sie doch nach Gutdünken wieder ein, wie am Beispiel der Verschleierung deutlich wird und wie es wohl allgemein auch erwartet wird?

Wenn man durch die Stadt fährt, steht an jeder größeren Kreuzung ein Checkpoint. Manchmal auf kaputten Militärjeeps mit martialisch ausgestatteten Taliban und manchmal nur ein älterer Herr mit Kalaschnikow auf einem Stuhl. Die Taliban haben viele Gesichter. Sie halten an, man lässt das Fenster herunter und sie schauen einmal durchs Auto. Manchmal wollen Sie Presseausweis, Pass oder Autopapiere und Drehgenehmigung sehen. Nie dauert es länger als eine Minute, manche scherzen gar mit uns und sagen auf gebrochenem Deutsch guten Tag und lachen. Der Terror hat anscheinend viele Gesichter. Die Stadt fühlt sich für mich sicherer an, sicherer als Afghanistan sich für mich vor 10 Jahren anfühlte. Aber man darf nie vergessen wo man ist. Mein Fahrer berichtet, das er von einem Taliban verprügelt wurde, weil er es wagte ihn zu überholen. Immerhin seien drei seiner Brüder im Kampf gegen die Besatzer gefallen, daher stehe ihm ein schnelleres Auto nicht zu, so die Argumentation des Kämpfers für ein trostloses Afghanistan.

Zwar verhindert ein anderer Regimeangehöriger schlimmeres, aber was macht es mit einem, wenn man so etwas erwarten kann. Mein Fahrer, nennen wir ihn Fawad (Name zum Schutz geändert) begann gerade sein Studium an der amerikanischen Universität, als die Taliban sie schlossen. Bildung und religiöser Terrorismus gehen nicht gut Hand in Hand. Überhaupt war Edukation schon immer die größte Gefahr für die Taliban. Dementsprechend wenig ist zu erwarten. Kinder gehen kaum zur Schule, sie müssen betteln, denn die Armut ist groß. Die Tragik: Die Läden sind voll. Essen, Trinken, Elektronik. Es gibt alles im Überfluss. Was fehlt sind Arbeit, Geld und Perspektive.

Ja, die Taliban bieten Sicherheit. Zwar verüben Kämpfer des Islamischen Staates ständig Anschläge, alleine in meiner kurzen Zeit hier drei Bombenangriffe mit unzähligen Toten. Aber es trifft erstens die Minderheit und die anderen Sicherheitsfelder wie Verkehr, Ordnung, religiöse Gesetze hat das Emirat ,wie es jetzt heißt, im Griff. So zumindest die Sicht der Taliban. Tatsächlich sind die Menschen aber eher mit Überleben beschäftigt und das geschriebene Recht ist in Regimen selten das Problem – es ist eher die Willkür in der Durchsetzung, der man hier ausgesetzt ist. Afghanistan war immer arm, aber Kinder, die mitten auf der Hauptstraße sitzen und betteln, Menschen, die hungernd nach Essen suchen, Müll sammeln um ihn für ein wenig Geld als Brennstoff zu verkaufen oder eben die Frauen, welche auf der Straße herumlaufen und gegen die Autoscheiben klopfen, in der Hoffnung auf ein bisschen Erbarmen, dass alles hat in katastrophalem Ausmaß zugenommen.

Armut ist buchstäblich überall. Wer fliehen kann, flieht. Nur wohin? Die Flucht ist teuer. Einen Pass zu bekommen, etwas was viele Afghanen gar nicht besitzen, kostet derzeit ungefähr 1500$, Tendenz vermutlich steigend. Flüge und Co. kosten nochmals ein vielfaches. Eine 10-köpfige Familie würde für die Ausreise unfassbare Summen aufbringen müssen. Und so reisen sie aus, die jungen, gesunden, gebildeten Männer, eben jene gegen die hier bei uns oft gehetzt wird. Denn sie sind es, die arbeiten können und wollen und Geld in die Heimat schicken um dem kleine Bruder oder der kleinen Schwester ein besseres Leben zu ermöglichen. Sie sind einfach die größte Chance für die Daheimgebliebenen, deswegen gehen sie. Wer immer von hier flieht: Er ist kein Wohlstandsflüchtling. Niemand verlässt seine Träume und Hoffnungen gerne.

Hier wurde eine ganze Generation geboren, die mit westlichen Einflüssen aufwuchs. Dieses Welt mit all ihren Möglichkeiten, mit Studium, Bildung, Kultur, Musik und Selbstentfaltung wurde ihnen in wenigen Tagen genommen. Afghanistan wird um ihr Wissen, ihre Intelligenz und ihre Leidenschaft ärmer. Und das Totalitäre wieder nur Größer. Unwissenheit ist guter Nährboden für grenzenlosen Eifer. Die Geschichte ist so traurig, so voller Bilder und Schmerz, sie darf nicht unerzählt bleiben. Sie muss immer und immer wieder auftauchen, uns ihren Schmerz ins Gesicht schreien, uns zum Handeln nötigen.

Denn wir tragen hierfür die Verantwortung. Wir alle mit unseren Wahlen, unseren Entscheidungen oder Nicht-Entscheidungen. Die Regierungen dieser Welt mit ihrem spontanen Abzug, die Hetze gegen Menschen in unserer Gesellschaft. Es ist eine Kollektivschuld aus der sich niemand entziehen kann. Wir sind der Westen, jeder von uns hat mehr Macht als der der vierjährige Junge der auf der Straße sitzt. Wir sind gegangen in ihrer dunkelsten Stunde, heim in unsere heile Welt in der Hoffnung, dass es sich von alleine regelt. Am Ende bleibe ich zurück mit einer Erkenntnis: Es ist nicht die Frage ob wir Afghanistan vergessen haben. Sondern die Frage, wie wir es wagen konnten sie zu vergessen.

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Lahnstein

Caritas bereitet „Menschen in Not“ wieder eine Freude

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WW/RHEIN-LAHN Mit der Aktion „Menschen in Not“ will der Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn auch in der diesjährigen Vorweihnachtszeit wieder Hilfsbedürftigen im Westerwaldkreis und im Rhein-Lahn-Kreis eine kleine Freude bereiten. Aus ihrer täglichen Beratungsarbeit wissen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas, dass das Einkommen vieler Menschen nur noch für das Nötigste ausreicht. „Viele Familien befinden sich in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Zuerst durch die Corona-Pandemie und ganz aktuell aufgrund der Energiekrise hat sich diese Situation natürlich nochmal weiter verschlimmert“, sagt Andrea Steinhauer, Beraterin der Allgemeine Lebens- und Sozialberatung im Caritas-Zentrum in Lahnstein, und weist darauf hin, dass Familien in Arbeitslosigkeit wie auch Familien mit niedrigem Einkommen gleichermaßen davon betroffen sind. „Die höheren Preise nicht nur für Strom, Gas und Öl, sondern auch für Dinge im Alltag, wie etwa Lebensmittel, treffen besonders Menschen, die am Monatsende auf jeden Cent schauen müssen“, so die Beraterin. Und genau diesen Menschen möchte die Caritas auch in diesem Jahr wieder helfen! (mehr …)

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Panorama

30 Minuten – Videointerview mit Klaus Amann, dem Geschäftsführer der Grünen-Aar-Einrich

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AAR-EINRICH 30 Minuten ist ein neues Format, in Zusammenarbeit mit dem BEN-Kurier, dass Menschen aus der Region die Möglichkeit gibt sich in eben rund 30 Minuten zu ihren Themen, ihrer Person, ihrem politischen und/oder ehrenamtlichen Engagement oder z. B. ihren Hobbys – per Videointerview – äußern zu können. Den Start macht Klaus Amann, aus Dörsdorf, in der VG Aar-Einrich und seit kurzem Geschäftsführer der Grünen Aar-Einrich. Dies war der Anlass des Interviews in 30 Minuten. Keine der Fragen in diesem Interview war Klaus Amann zuvor bekannt. Es ist mutig, wenn man sich auf der kommunalen Ebene politisch engagiert und sich einem solchen Liveinterview offen stellt.

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Oft werden solche Interviews derart vorbereitet, dass der Interviewte die Fragen zuvor kennt und sich entsprechend vorbereiten kann. Das Ergebnis ist dann u.U. nicht allzu authentisch?! Ich bedanke mich bei Klaus Amann für dessen Vertrauen in den Interviewer. Folgende Fragen hat Klaus Amann beantwortet: (mehr …)

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Panorama

Missbraucht Verleger Walterpeter Twer seine Macht?

Gutenackers Ortsbürgermeister Udo Meister entsetzt das Verhalten der Rhein-Lahn-Zeitung

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GUTENACKER/KOMMENTAR  Heute, am Samstag, den 19. November 2022,  ist in der Rhein-Lahn-Zeitung ein Artikel erschienen (Artikel hier) der Udo Meister, dem Bürgermeister von Gutenacker im Rhein-Lahn- Kreis, vorwirft seinen Nachbarn bei der Vergabe des Jagdreviers, in Gutenacker, begünstigt zu haben!

Die Überschrift lautet: “Hat Ortsbürgermeister seinen Nachbarn begünstigt?” Die Unterüberschrift: “Vorwürfe und Kritik rund um das Vergabeverfahren der Jagdverpachtung in Gutenacker.”

In unserem kurzen Video äußert sich – der sichtlich getroffene Udo Meister – zu diesem Vorwurf und stellt kurz und knapp den Sachverhalt diesbezüglich dar. Im Vorgespräch zu diesem Interview sagt Udo Meister: “Heute früh wurde in ganz Gutenacker die Rhein-Lahn-Zeitung in jeden Haushalt gratis verteilt, so dass auch alle Haushalte die die Tageszeitung nicht abonniert haben, jeweils ein Exemplar in ihren Briefkästen vorgefunden haben”. Ein Zufall? Wohl kaum!

Man darf sich durchaus fragen, wie der Verleger einer Tageszeitung auf die Idee kommt, seine privaten und persönlichen Interessen, nämlich die der Jagd und der Verpachtung des Jagdreviers Gutenacker, durch einen Angestellten “Journalisten” in seiner Zeitung zu veröffentlichen?!

Die Rhein-Lahn-Zeitung bzw. die Rheinzeitung insgesamt steht doch angeblich für unabhängigen Journalismus und neutrale Berichterstattung?! Das scheint spätestens seit heute unwiderruflich widerlegt? Was denkt wohl ein junger Mensch, der überlegt sich in einem Gemeinderat zu engagieren oder sich auf das Amt eines Bürgermeisters zu bewerben, wenn er einen solchen Artikel in einer Tageszeitung liest?

Dass es Herrn Walterpeter Twer nicht gefällt, dass der Gemeinderat in Gutenacker entschieden hat, dass die Verpachtung des Jagdreviers öffentlich ausgeschrieben wird, darf kein Grund dafür dein, dass er seine eigene Zeitung dazu missbraucht, um seinem Unmut darüber, durch einen angestellten Journalisten Luft machen zu lassen bzw. seine persönlichen und privaten Interessen durchzusetzen. Das geht schlichtweg zu weit!

Die vielen Reaktionen auf diesen Artikel hin, die Udo Meister an diesem Samstag bisher erreicht haben sprechen eine deutliche Sprache und bringen zum Ausdruck, wie wenig die Leserschaft der Rhein-Lahn-Zeitung mit diesem persönlichen Angriff einverstanden ist.

Wie Udo Meister im kurzen Interview schon gesagt hat, wird der Gemeinderat von Gutenacker sich zu den durch die Rhein-Lahn-Zeitung gemachten Vorwürfen zu gegebener Zeit äußern.

Vorab hier die Feststellung eines Mitglieds des Gemeinderates von Gutenacker. “Der Gemeinderat ist irritiert über die (unwahren) Darstellungen in dem Artikel, zumal man Herrn Twer nach persönlichen Gesprächen auch schriftlich mitgeteilt hatte, dass man seinem Angebot zur Verlängerung der Jagdpacht sehr positiv entgegenschaue, gerade wegen der langjährigen Beziehung.

Die Ratsmitglieder und der Bürgermeister vertreten nach wie vor die Auffassung, dass es im Sinne transparenter und demokratischer Prozesse eine faire Neuausschreibung brauchte. Aufgrund des überalterten Vertrages aus den 1980’er Jahren und durch das Auftreten mehrerer Pachtinteressenten hatte nicht zuletzt auch die VG-Verwaltung dringend zu diesem Schritt geraten.“ Text und Foto: Andy Walther

Titelbild: Gutenackers Ortsbürgermeister Udo Meister ist entsetzt über die einseitige Berichterstattung in der Rhein-Lahn-Zeitung

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