Wirtshaus und Zollturm, Foto von 1895. Im Hintergrund die alte Barbarakirche am Kirchplatz (Stadtarchiv Lahnstein)

Vor 325 Jahren wurde das „Historische Wirtshaus an der Lahn“ in Lahnstein errichtet

in Lahnstein

LAHNSTEIN Am Niederlahnsteiner Lahnufer befindet sich das „Historische Wirtshaus an der Lahn“. Auch wenn mehrere Orte an der Lahn, wie auch Marburg oder Dausenau, sich um das Vorrecht streiten, das Original-Wirtshaus in ihren Mauern zu besitzen, so spricht einiges dafür, dass das berühmt-berüchtigte Lied von der Wirtin an der Lahn in Lahnstein entstanden ist.

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Der dreigeschossige Fachwerkbau wurde vor genau 325 Jahren mit steinernem Erdgeschoss errichtet. Über der Tür stehen die Initialen der Erbauer mit der Jahreszahl „WBK 1697 CSHF“. In jenem Jahr erwarben der Gerichtsschöffe „Wilhelm Balthasar Kalkofen und Catharina Seine Hausfrau geb. Filsengräber“ das Grundstück und errichteten einen stattlichen Fachwerkbau. Das Ehepaar hat nach Eintragung in den Kirchenakten im Jahr 1670 geheiratet. Frau Kalkofen starb 1727 als Witwe im Alter von 79 Jahren.

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Seit wann das Gebäude als Gastwirtschaft genutzt wird, ist jedoch nicht belegt. Prominentester Gast war am 18. Juli 1774 Johann Wolfgang von Goethe, der auf seiner Schiffsfahrt von Ems nach Neuwied mit dem Philosophen Johann Kaspar Lavater und dem Theologen Johann Bernhard Basedow hier einkehrte‚ um das Mittagsmahl, Bohnen mit Speck, einzunehmen. Daran erinnert seit dem Goethe-Jahr 1949 eine Gedenktafel am Hauptgebäude.

Stich von Samuel Prout, 1824. (Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

Von dem mündlich überlieferten Volkslied über die lebenslustige Wirtin soll es inzwischen rund 1.000 Strophen geben. Besonders die hinzugedichteten, nicht immer jugendfreien Verse geben ihm eine besondere Würze und halten es vor allem in Studentenkreisen lebendig. Selbst Goethe soll eine Strophe dazu gedichtet haben:

Frau Wirtin hatte auch ein Kind

Das hatte einen krummen Pint.

Man wollt’ ihn biegen gerade

Doch als er gerade gerade war

Da brach er ab – was schade war.“

Selbst von der ersten, noch nicht schlüpfrigen Strophe, gibt es mehrere Varianten wie diese, die die Comedian Harmonists einst sangen:

Es steht ein Wirtshaus an der Lahn

da klopft ein jeder gern mal an

Frau Wirtin sitzt am Feuer,

und jeder, der am Tische sitzt

greift gern mal zu der Leier.“

Für den Standort Lahnstein spricht folgende Strophe:

Und wer hat wohl dies Lied erdacht?

Zwei Soldaten auf der Wacht.

Ein Tambour und ein Pfeifer.

Und wer das Lied nicht weiter kann,

Der fang es an zu pfeifen.“

Zwei Soldaten auf der Wacht“ – das ist unter den genannten Lahngemeinden nur in Lahnstein möglich. Hier steht das Wirtshaus an der Lahn neben dem kurfürstlichen Zollturm. Dort waren Wachsoldaten (von der Festung Ehrenbreitstein) stationiert und träumten von der Wirtin nebenan, im Wirtshaus an der Lahn.

Das Wirtshaus heute. (Foto: Eva Dreiser / Stadtverwaltung Lahnstein)

Bei dem Zollturm handelt es sich um keinen Wehrturm, denn Niederlahnstein besaß keine Stadtmauer im eigentlichen Sinne. Das untere massive Bauwerk des turmartigen Gebäudes wurde als Teil einer Landfeste im Jahr 1348 erbaut und 1653 erneuert. Die Landfeste diente als Eisbreche. Da die Lahn zugleich die Landesgrenze zwischen den Kurfürstentümern Mainz und Trier bildete, wurde hier ab dem Jahr 1565 bis 1803 für Kurtrier Zoll erhoben. Oberhalb des Zollturmes bildete sich eine Anlegestelle für die Lahnschifffahrt, im Volksmund „Schiffshafen“ genannt, obwohl dort nie ein richtiges Hafenbecken bestand. Das Kurfürstentum profitierte von dem damals aufblühenden Eisengewerbe, dessen Erzeugnisse über die Lahn verschifft wurden. Über dem steinernen Erdgeschoss des Turmes wurde 1741 ein barocker achteckiger Fachwerkbau, ursprünglich mit achteckigem Glockendach, später mit rundem geschweiftem Glockendach und mit einer aus acht Säulchen versehenen Laterne, ebenfalls mit Glockendach, errichtet.

Das Lahnsteiner „historische Wirtshaus an der Lahn“ dient noch heute als Restaurant mit familiengerechter Pension, bestehend aus mehreren Themenzimmern und hohem Qualitätsstandart. Im Erdgeschoss des Zollturms besteht die Möglichkeit der standesamtlichen Trauung.

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