Mit diesem Wohnmobil möchte André seine letzte Reise antreten - Ob er das noch schafft, ist unklar

Road Trip to Paradise – André wird sterben – Seine letzte Reise – Video im Beitrag

in Deutschland/Gesundheit/Rhein-Lahn-Kreis

Road Trip to Paradise ist eine Reise ohne Rückfahrtkarte denn André wird sterben. Die Diagnose des 58-jährigen lautet Krebs im Endstadium. Das Problem ist sein Herz. 2020 wäre eine Chemotherapie möglich gewesen wenn er nicht schon einen Vorderwandinfarkt mit fünf verlegten Stens gehabt hätte. Eine Operation und eine nachfolgende Chemotherapie hätte er nicht überlebt.

Wie geht man mit einer solchen Zukunftsaussicht um? Resignation, Wut oder Trauer? Vielleicht von allem ein wenig. Aufgewachsen ist André in der ehemaligen DDR. Betrachtet man seine Lebensgeschichte, so dürfte diese unspektakulär sein. Studium an der technischen Universität Berlin, Umzug und Arbeit bei einem großen Maschinenhersteller in München bis er schließlich 2021 in die Nähe von Pforzheim zog.  Und dazwischen das ganz normale Familienleben. Heute ist André wieder Single doch seinen Lebensmut hat er, trotz der schlimmen gesundheitlichen Prognose, nicht verloren. Im Gegenteil.

“So möchte ich mein Leben nicht beenden”, teilt er dem BEN Kurier in einem Telefonat mit. “Ich weiß nicht, wieviel Zeit mir noch bleibt aber ich möchte mich noch einmal auf eine Reise begeben.” André wirkt nicht resigniert und er stellt auch die Krankheit nicht in den Vordergrund sondern seinen letzten Traum. Mit einem Wohnmobil möchte er durch Europa fahren solange es der Krebs erlaubt. Er möchte nicht im Wohnmobil sterben sondern an einem schönen Platz wenn er merkt, dass die Zeit gekommen ist. Kein schlechter Gedanke. Vor sich das Meer und die Augen für immer friedlich schließen dürfen.

Mittlerweile verfolgen viele Menschen den Blog des Krebskranken. André verkauft alle seine wenigen Habseligkeiten und die Menschen unterstützen ihn mit Spenden. Ein Wohnmobileigentümer möchte ihm für kleines Geld dauerhaft sein Fahrzeug überlassen und dennoch reicht es finanziell noch nicht damit er seinen Trip starten kann.

Dieses Wohnmobil hat ein User zur Verfügung gestellt, damit André seine letzte Reise antreten kann

Tik, Tak, Tik, Tak. Vier Sekunden. Nichts und doch eine Ewigkeit. Wir Menschen glauben oft, dass die Zeit unendlich ist. Wir rasen auf der Autobahn des Lebens davon und werden häufig erst dann entschleunigt wenn das gesundheitliche Schicksal gnadenlos zuschlägt. Tik, Tak. Bewusst nehmen wir es häufig erst wieder wahr, wenn es fast zu spät ist.

Im seinem Blog schreibt André von seinen Hoffnungen und Erfolgen. Nie wirkt er traurig sondern eher kämpferisch. Die Leser fiebern mit ihm und warten sehnsüchtig auf den Tag, wo er glücklich an Bord seines mobilen Wohnheims geht. Doch im Moment sieht es nicht gut aus. Vor wenigen Tagen musste er mit dem Notarzt in eine Klinik gebracht werden: Verdacht auf neue Metasthasen. Sein Gesicht wirkt aufgedunsen doch noch immer sieht man die Lebenskraft in seinen trüben Augen. Er hat noch nicht aufgegeben.

Wer ihn begleiten möchte, findet seinen Blog auf Facebook unter folgender Adresse: //www.facebook.com/groups/983987488889831 Auch finanziell kann man ihn unterstützen. Der Link dazu lautet: //www.betterplace.me/road-trip-to-paradise?fbclid=IwAR3d3wfjpFsGOYHzidX50qDHQHOdQUsjF33FXCnhe0yOUKK8EfPDpFCiaJQ

Manchmal ist die entwaffnende Ehrlichkeit schmerzhaft. Mitleidserregend? Nein. Nach diesen Emotionen hascht André nicht in seinem Blog. Er freut sich über kleine Erfolge und ist überzeugt davon, dass er seine Reise antreten wird. In einem Videotagebuch möchte er die Stationen seines Trips festhalten. Er möchte Menschen begegnen und gute Gespräche führen. Normal? Wahrscheinlich viel normaler wie es die Gesunden im Alltag erleben. Dort gibt es manchmal keine Zeit für tiefgründige Unterhaltungen. Zuhören? Das haben viele Menschen verlernt weil sie lieber etwas mitteilen möchten. Der narzisstische Egoismus verlangt es sich selber in den Vordergrund zu stellen. Die Mitmenschen werden zu Zuhörern des Monologs verdammt.

Doch warum möchte André zuhören und nicht lieber selber erzählen? “Ich liebe die großen und kleinen Geschichten der Menschen. Sie teilen ihre Erinnerungen mit mir. Das ist wertvoll und gehört mir auf meiner Reise. Dafür bin ich dankbar….”, führt er aus. Für ihn sind die leisen Begegnungen ein Abenteuer an dem er teilhaben darf. Dabei sind wir es, die gebannt auf das Vorhaben des Krebskranken blicken. Sensationsgier? Schafft er es oder nicht? In der Facebookgruppe um André hat sich eine Einheit gebildet. Man möchte ihn auf einer solidarischen Welle hinaus in die Welt tragen. Und man möchte an seiner Reise teilhaben dürfen.

Fremde wurden zu Freunden. Und alle sind dankbar, dass André bereit ist einen mitzunehmen. Und was hat das jetzt alles mit dem Rhein-Lahn-Kreis zu tun? Nichts und alles gleichzeitig. Globalisierung beginnt in den Köpfen und bei solchen Schicksalen kann eine Welt ganz klein werden. André lebt in Baden-Württemberg. Wenn man es möchte, ist es für den Moment das Herzstück des Rhein-Lahn-Kreises. Die Betrachtungsweise liegt an jedem selber. André ist kein Kind und wird auch nicht der letzte Mensch auf Erden sein, der sterben wird. Doch wir möchten ihn ein Stückweit auf seiner Reise begleiten und sind dankbar dafür, dass er bereit ist die Menschen mitzunehmen.

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2 Comments

  1. Danke für diesen wundervollen Beitrag!!
    André viel Kraft & Stärke !
    Mögen deine Gedanken fortwährend beschwingt sein und Du dein persönliches Paradies finden….mit Menschen die dich begleiten und deinen Traum mit dir erleben wollen 😘🤗

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