Die in den 1950er Jahren betriebene Flotationsanlage, abgerissen um 2000. (Foto: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

Vor 10 Jahren wurde die Flotationshalde in Friedrichssegen saniert

in Lahnstein

LAHNSTEIN Die Aktiengesellschaft des Altenbergs für Bergbau und Zinkhüttenbetrieb Unter-Eschbach errichtete im Friedrichssegener Ortsteil Olsborn in den Jahren 1951/52 eine Flotationsanlage und betrieb sie bis 1957 zur Aufbereitung der Abraumhalden der ehemaligen Grube. Dazu hatte sie die Bergrechte der Grube Friedrichssegen erworben. Für die Mitarbeiter wurden fünf Wohngebäude am Olsborn errichtet.

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Die Flotations-Rückstände wurden in einen großen Klärteich auf die Schrotwiese im Olsborntal gepumpt. Dieser Klärteich, im Volksmund Flotationshalde genannt, umfasste nach den vorliegenden amtlichen Zahlen bei einer Länge von 250 m und einer Breite von bis zu 160 m eine Fläche von ca. 25.000 m². Das darin liegende Volumen eingelagerter Flotationsschlämme wurde auf etwa 130.000 m³ geschätzt. Durch den schwermetallhaltigen Sand blieb die Fläche über Jahrzehnte nahezu unbewachsen, mit der Gefahr, dass Regen und Wind Feinteile in die nähere Umgebung verfrachten. Seit den 1990er Jahren hatten sich orientierende Untersuchungen der damaligen Bezirksregierung, heute Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, mit der Thematik der Abdeckung beschäftigt. Behördlicherseits wurden Sanierungskonzepte entwickelt, die das Problem der Verwehungen durch eine hohe Überschüttung der Halde mit Erdaushubmassen vorsah. Die dabei anfallenden Kosten sollten durch ersparte Entsorgungsaufwendungen für eben jenen dorthin zu verfrachtenden Erdaushub aufgebracht werden.

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Die vor zehn Jahren sanierte Flotationshalde im Jahr 2022. (Foto: Bernd Geil / Stadtverwaltung Lahnstein)

Dieses „Finanzierungsmodell“ war in Lahnstein von Anfang an auf Widerstand gestoßen, war er doch mit prognostizierten 27.000 Lkw-Fahrten durch die Ortslage von Friedrichssegen verbunden, um etwa 270.000 m³ Erdmassen zur Halde zu bringen und diese dort zehn Meter hoch aufzuschütten. Die Belastung der Bürger in der Erzbachstraße durch diesen Verkehr, die Beeinträchtigung durch Lärm und Staub bis hin zur Gefährdung der Anwohner, war von Anfang an Ausschlag gebendes Kriterium, eine solche Lösung abzulehnen.

Eine Interessengemeinschaft „Flotationshalde“ hatte sich 2003 gegründet. Die Sanierung der Flotationshalde war zwar notwendig, aber sie sollte nicht zu Lasten der Anwohner gegenfinanziert werden. Verschiedene Sanierungskonzepte der Aufsichtsbehörden hatten die zu erbringenden notwendigen Massen immer weiter verringert. Letztendlich war es „nur“ noch eine Größenordnung von knapp 15.000 m³, die durch die Erzbachstraße zur Halde hin verbracht werden sollten. Doch mit Mehrheitsbeschluss stimmte der Stadtrat dagegen, nachdem er alle Vor- und Nachteile abgewogen hatte.

Erst Anfang 2011 legte die SGD ein neues Sanierungskonzept vor, das sich wesentlich von allen vorhergehenden Versionen unterschied. Es erkannte, dass eine geringstmögliche Abdeckung der Halde ausreichend ist und dass die für diese Abdeckung benötigten Massen bereits vor Ort gewonnen werden konnten. Damit erklärte sich der Stadtrat einverstanden. Nachdem schwere Gerätschaften und einige LKW-Fuhren mit festigender Steinschüttung über die Erzbachstraße zur Halde gebracht wurden, wurde dort mehrere Monate lang unermüdlich gearbeitet. Eine Schürfkübelraupe trug den Mutterboden auf der einen Seite des Geländes ab und brachte ihn nach kurzer Fahrtstrecke zum Böschungsfuß, wo der Boden wieder angesetzt wurde. Anschließend übernahm eine Verdichtungswalze die Befestigung. Weitere Arbeiten im Herbst 2011 führten zur Einsaat des Geländes und schlossen mit Restarbeiten für die Entwässerung ab. Dabei wurden mit größter Vorsicht die geschützten Pflanzen – eine Reihe von Wildorchideen – umgangen. Deren Standorte blieben von den Maßnahmen, die sich bis zum Frühjahr 2012 hinzogen, unberührt (Pressemitteilung: Stadt Lahnstein).

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