Connect with us

Politik

Danke Frank Puchtler! – Ein leiser Abschied – Willkommen Jörg Denninghoff – Das Resümee

Veröffentlicht

am

Landrat Frank Puchtler gibt seine Entscheidung bekannt

NASTÄTTEN Am Freitag um 16:47 Uhr erschütterte die Nachricht, dass Frank Puchtler nicht mehr als Landrat kandidieren würde den Rhein-Lahn-Kreis. Viele hatten nicht mit dieser Nachricht des Vollblutpolitikers gerechnet. Man kannte es nicht anders. Frank Puchtler war einfach immer da. Und einen wirklichen B-Plan oder Blaupause hatte keiner in der Schublade.

Doch an diesem denkwürdigen Abend in der Bürgerhalle in Nastätten ist vielmehr geschehen wie nur der leise Abschied eines Landrats. Sicherlich zauberte die SPD mit Jörg Denninghoff einen großartigen Kandidaten für den vakanten Posten des Landrats hervor und dennoch wirkte die Situation surreal. Was überwog mehr? Einen erlöschenden Stern am Politikerhimmel mitzuverfolgen der einen lange Zeit wie selbstverständlich begleitete oder aber zu wissen, dass man mit Jörg Denninghoff die Weichen für die Zukunft stellen konnte?

Anzeige

Innenminister Roger Lewentz: “Weinendes und freudig lachendes Auge.”

Wer an dem Abend der Rede von Frank Puchtler folgte wusste eines mit Gewissheit: Das war nicht mehr der Landrat mit kämpferischer Ausstrahlung. Der Mann, der immer für die Nöte der kleinen Menschen vor Ort war. Es waren nicht die gesprochenen Worte von Frank Puchtler sondern all die Dinge die er nicht sagte. Der Landrat betonte sein Privileg in einer politisch aktiven Familie  geboren worden zu sein. Er reflektierte seine Zeit und sprach über die Aufgaben in der Zukunft, wie die Digitalisierung, das es gilt Chancen zu nutzen und das der Mensch weiter im Vordergrund stehen muss. Er sprach auch darüber, dass er vielleicht nicht immer alles richtig machen konnte auch wenn er es wollte. Wen mag man das verdenken? Die Bürger im Rhein-Lahn-Kreis wählten und liebten Frank Puchtler weil er weitaus weniger Politiker und sich vielmehr als Anwalt der Bürger verstand. Er war sicherlich keine Maschine die nur funktionierte sondern jemand der die Sorgen und Nöte der Menschen sehr ernst nahm.  Viele Geschichten zu Frank Puchtler zeugen von seiner Nähe zu den Menschen im Kreis.

Anzeige

Landrat Frank Puchtler gibt seine Entscheidung bekannt

Landrat Frank Puchtler hinterlässt große politische Fußspuren die nur Jörg Denninghoff ausfüllen kann

Wer von ihm den großen Verwaltungsmenschen erwartete, sah sich bitterlich enttäuscht. Das war er nicht und wollte er auch nie sein. Doch wer sich mit seinen Ängsten oder Befürchtungen an den Landrat wendete, durfte sicher sein, in den kommenden Stunden einen Rückruf zu erhalten. Frank Puchtler hörte zu und versuchte zu helfen. Das gehörte nicht an die große narzistische Glocke der Selbstbeweihräucherung so mancher Pseudopolitiker sondern vielmehr reichte ihm das Wissen, eine kleine oder auch große Seele gerettet zu haben. Das zeichnete ihn aus.

Durfte man sich bei der Nominierung für Jörg Denninghoff freuen oder überwog die Betroffenheit zum Ende einer großen politischen Karriere? Einige Zeit durften wir als Presse den Weg von Frank Puchtler begleiten. Gerne sprach der fußballbegeisterte Landrat in sportlichen Vergleichen. Wie gerne hörte man diese freien Reden mit so einigen humoristischen Anspielungen. Frank Puchtler strahlte durch seinen ansteckenden Optimismus der in seiner letzten Ansprache an Glanz verloren hatte. Und das musste er auch nicht mehr denn seine Entscheidung war die Richtige auch wenn sich so manche vermeintliche Denker im ureigenen Wohlgefallen so einiges zusammendichten auf der Suche nach dem Haar in der politischen Suppe.

Landrat Frank Puchter und Jörg Dennighoff eint die unfassbare Bürgernähe

Dabei spielten für den Landrat rein pragmatische Gründe für seine Entscheidung eine Rolle. Und welcher Anlass könnte gewichtiger sein wie seine Familie die ihn braucht? Dieses gilt es nach 42 Jahren langer Zeit im Dienst der Gesellschaft zu respektieren.  Nun gilt es zu verstehen, dass wir loslassen müssen von einem sich immer für die Gesellschaft aufreibenden Landrat. Es ist Zeit für das nun Wichtigste in seinem Leben: “Seiner Familie.” Mit Respekt zu dieser weitreichenden Entscheidung, können wir alle etwas zurückgeben.  Die Spitze der Sozialdemokraten im Rhein-Lahn-Kreis schafften den Spagat zwischen betretener Betroffenheit und leisen Worten der Freude einen geeigneten Kandidaten ins Rennen um das Amt des Landrats schicken zu können. Die hinterlassenen politischen Fußstapfen von Frank Puchtler sind groß und keiner außer Jörg Denninghoff hätte diese ausfüllen können.

Die Ära des großen und leidenschaftlichen Vollblutpolitikers Frank Puchtler neigt sich dem Ende zu. An dem Abend zeigte sich wie sehr der Landrat mit sich ringen musste. Am Ende war es die Entscheidung für seine Familie und da darf auch ein großer Politiker einmal zerbrechlich und traurig sein. Danke Frank Puchtler für dein Lebenswerk im Rhein-Lahn-Kreis

Mit ihm ist der SPD ein großer Coup gelungen. Vielleicht hätten sich die Sozialdemokraten einen anderen Zeitpunkt gewünscht und einen anderen Abschiedsgrund des amtierenden Landrats, aber dennoch dürfen sie sich freuen einen solch aussichtsreichen Kandidaten in den Reihen zu haben. Dazu sagte der Kreisvorsitzende Mike Weiland: “Lieber Frank (Puchtler). Wir sind so dankbar und wir zollen Dir großen Respekt vor Deiner Lebensleistung. Wir sind Dir dankbar im Rhein-Lahn-Kreis für all das was Du geleistet hast….. Mit Jörg Denninghoff haben wir das Glück, in der gleichen Liga weiterspielen zu können. Der Kreisvorstand entschied einstimmig….”

In der gleichen Liga weiterspielen… Genau darum ging es der SPD. Der ITler und Landtagsabgeordnete Jörg Denninghoff ist wie Frank Puchtler ein Vollblutpolitiker. Seine Schwerpunkte liegen im Klimaschutz und natürlich der Digitalisierung. Doch eines wird die Menschen im Rhein-Lahn-Kreis deutlich mehr mit Jörg Denninghoff verbinden: Eine nahezu identische Bürgernähe wie beim amtierenden Landrat Frank Puchtler. Der Politiker aus dem Aar-Einrich ist bekannt dafür, dass er sich im Sinne der Sozialdemokratie für die einzelnen Menschen stark macht. Dazu gehört das Gespräch bei kleinen und großen Nöten.

Kreisbeigeordnete Gisela Bertram: Jörg (Denninghoff) hat sein Herz auf dem rechten Fleck. Ein sozialdemokratisches Herz das immer da ist wenn die Menschen Hilfe benötigen

Wir hatten im BEN Radio einmal das Glück Herrn Denninghoff in einer Radiosendung begleiten zu dürfen. Interessant war die Authentizität des Politikers aber noch spannender  die Gespräche nach dem zweistündigen Interview. Denn auf so manch einem Couchtalk nach dem offiziellen Termin lernt man den Menschen hinter den politischen Fassaden kennen. Und dieser war echt ohne selbstgefällige Animositäten.  So würde der Kreis erneut einen Menschen anstelle einer Maschine an den Schalthebeln der politischen Weichen erleben. Und dieses könnte durchaus bedeutend sein für die Wähler. Nach  Günter Kern und Frank Puchtler, könnte ein weiterer SPDler die Geschicke im Rhein-Lahn-Kreis leiten der in erster Linie durch die Bürgernähe punkten konnte.

Innenminister Roger Lewentz

“Jörg Denninghoff brennt für die Region”, sagte Roger Lewentz in seiner Ansprache im Bürgerhaus in Nastätten. “Jörg (Denninhoff) weiß als Landtagsabgeordneter wie Mainz tickt. Als Vorsitzender des  wichtigen Petitionsausschusses nimmt er sich den Problemen der Menschen in Rhein-Land-Pfalz an. Dort wird an der Basis den Bürgern geholfen. Und für eines bewundere ich den Jörg (Denninghoff): Er denkt genau nach bevor er sich ein Urteil macht. Als Sozialdemokrat hat er zuerst immer die Menschen im Blick. Somit gilt für den Abschied von Frank (Puchtler) das weinende Auge und das freudig lachende der Nominierung vom Jörg (Denninghoff).”

Verbandsbürgermeister Uwe Bruchhäuser: Nun freue ich mich auf Jörg Dennighoff. Er ist ähnlich strukturiert und motivierend wie unser alter Landrat.

Erste Kreisbeigeordnete Gisela Bertram

Ähnlich sieht es die Kreisbeigeordnete Gisela Bertram. Auch sie betonte noch einmal die Lebensleistung vom Frank Puchtler und bedauerte seine Entscheidung aber freute sich auch auf die Zusammenarbeit mit Jörg Denninghoff, mit dem sie bereits in der Vergangenheit gut zusammenarbeitete. “Wir wünschen dem Jörg alles Gute. Er hat sein Herz auf dem rechten Fleck. Ein sozialdemokratisches Herz das immer da ist wenn die Menschen Hilfe benötigen.”

Verbandsbürgermeister Uwe Bruchhäuser

Genauso sah es auch Uwe Bruchhäuser als Verbandsbürgermeister Bad Ems-Nassau: “Wir haben immer sehr gerne mit Frank Puchtler zusammengearbeitet. Seine Art und sein Tempo waren ansteckend und ich bin dankbar dafür, dass ich das und ihn erleben durfte. Ich kann nur sagen: Größten Respekt! Nun freue ich mich auf Jörg Dennighoff. Er ist ähnlich strukturiert und motivierend wie unser alter Landrat. Ich freue mich schon heute auf die kommenden Monate.”

Verbandsbürgermeister und Kreisvorsitzender Mike Weiland: Wir freuen uns darüber (mit Jörg Denninghoff), den besten Kandidaten für den Rhein-Lahn-Kreis präsentieren zu können.

Abschließend fand auch der Kreisvorsitzende Mike Weiland übereinstimmende Worte: “Lieber Frank (Puchtler). Wir sind überrascht worden mit deinem Entschluss und zollen Dir Respekt vor deiner Lebensentscheidung…. Jetzt sind wir bis in die Haarspitzen motiviert für den Wahlkampf mit Jörg Denninhoff und freuen uns darüber, den besten Kandidaten für den Rhein-Lahn-Kreis präsentieren zu können.”

Auch wenn der Anlass durchaus bedauerlich ist so könnte der Zeitpunkt der Neuwahl eines Landrats für die SPD nicht der Schlechteste sein. Jörg Denninghoff genießt eine breite Bekanntheit,  Akzeptanz und Vertrauen im Bereich der Bevölkerung im Rhein-Lahn-Kreis. Bereits zweimal konnte er sich erfolgreich als Kandidat für die Landtagswahl durchsetzen. Mit einem Sieg würde er nicht nur die langjährige SPD Tradition der Landräte fortsetzen sondern automatisch den beliebten Nassauer Stadtbürgermeister Manuel Liguori als B-Kandidat in den Landtag als Abgeordneten befördern. Dieser gab bereits zu verstehen, dass er die Abordnung annehmen würde und sein Amt als Stadtbürgermeister fortsetzen wird.

Auch diesen zeichnet wie Jörg Denninghoff und Frank Puchtler die besondere Bürgernähe aus. Interessant wäre die Frage gewesen, ob der bescheidene Manuel Liguori die Beförderung auch angenommen hätte wenn er dafür das Amt des Stadtbürgermeisters hätte aufgeben müssen? Die Antwort wäre wahrscheinlich ein deutliches “Nein” gewesen. Ihm hängt die Region im besonderen Maße am Herzen.

So könnte es am Ende, trotz der traurige Umstände, ein Happy End für die SPD und die Region geben. Nun bleibt es abzuwarten, wie die CDU auf die Nominierung von Jörg Denninghoff reagieren wird. Die Wahl des Landrats wird unter Umständen vielmehr eine Personen- wie Parteienwahl werden und so wird man schauen müssen ob es der CDU gelingt, einen ähnlich beliebten und kreisweit bekannten Politiker aus dem Hut zu zaubern.

Print Friendly, PDF & Email
Teilen Sie mit anderen
Weiterlesen
Zum Kommentieren klicken

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Politik

Krangelände St. Goarshausen: Tauschangebot für Grundstück als Alternative findet grundsätzliche Zustimmung

Veröffentlicht

am

von

Foto: Mike Weiland | Verbandsgemeinde Loreley

ST. GOARSHAUSEN  Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein (WSA) Bingen hat mit einem Schreiben signalisiert, dass das vom Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley, Mike Weiland, namens der Stadt St. Goarshausen vorgeschlagene Tauschgrundstück im Stadtteil Wellmich grundsätzlich in Frage kommt. Im Gegenzug dazu könnte die Stadt ins Eigentum des historischen Krangeländes kommen. „Ich freue mich, hiermit nach Jahren des Brachliegens einen ersten kleinen Schritt in Richtung Zukunftsentwicklung und gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Thorsten Rudolph endlich Bewegung in die Sache gebracht zu haben“, zeigt sich Mike Weiland zum ersten Mal nach Monaten seiner Bemühungen etwas erleichtert.

Anzeige

Nun müssen Übereinkünfte zu Einzelheiten eines Flächentauschs erzielt werden

Nun müssen jedoch Detailverhandlungen der Stadt mit dem WSA erfolgen. Nach einem Brief des Bundestagsabgeordneten Thorsten Rudolph (SPD) und die damalige Bitte von Bürgermeister Mike Weiland hin signalisierte die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) im Februar 2024, dass sie grundsätzlich dazu bereit sei, das Krangelände in St. Goarshausen gegen eine Tauschfläche für die Entwicklungen im Rahmen der BUGA abzugeben, wenn die Bedingungen passen.

Anzeige

Daraufhin hatte das Bauamt der Verbandsgemeinde auf Bitte von Mike Weiland kurzfristig mögliche Tauschflächen mit dem Ergebnis ausfindig gemacht, dass eine der in Frage kommenden Flächen dabei sogar am Rheinufer im Stadtteil Wellmich, also direkt in der Stadt St. Goarshausen selbst, liegt. Postwendend trat Mike Weiland an die Stadt heran und unterbreitete den Vorschlag, hinsichtlich des möglichen Tauschangebotes gegenüber der WSV einen positiven Stadtratsbeschluss herbeizuführen, was gelang.

Anzeige
Anzeige

Ohne Zeitverzug unterbreitete Mike Weiland Anfang März sodann der WSV den Vorschlag, das historische Krangelände gegen die Flächen in Wellmich zu tauschen. Mit aktuellem Schreiben teilte das WSA dem Bürgermeister jetzt mit, dass die Flächen in Wellmich für dessen Zwecke grundsätzlich geeignet seien und sie deshalb als Tauschobjekte in Frage kämen. Die Einzelheiten eines Flächentausches wären im Weiteren zu verhandeln, heißt es in dem Schreiben abschließend.

Krangelände St. Goarshausen: Tauschangebot für Grundstück als Alternative findet grundsätzlich Zustimmung bei Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes

Genau das wird Bürgermeister Mike Weiland jetzt gemeinsam mit dem Stadtbürgermeister angehen und hat dem WSA bereits kurzfristige Terminvorschläge für Gespräche unterbreitet. „Die Zeit rennt, denn bereits im Oktober 2024 muss Klarheit bestehen“, betont Mike Weiland. Dann nämlich will die BUGA 2029 gGmbH im Rahmen einer Interdisziplinären Planungswerkstatt für die Bereiche Loreley-Plateau, Krangelände, St. Goarshausen, St. Goar und Burg Rheinfels ein Konzept erstellen, wie dieser Bereich bis zur BUGA noch entwickelt und umgestaltet werden kann. In die Planungswerkstatt werden dann auch alle Fachbehörden eingebunden, die beispielsweise die Belange des Denkmalschutzes vertreten, denn hier sind hinsichtlich des Industriedenkmals Auflagen zu beachten.

Anzeige

„Die Zeit drängt, wenn die Stadt es schaffen möchte, das historische Krangelände in St. Goarshausen als Teil der BUGA 2029 zu integrieren“, unterstreicht der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley. „Ich bin froh, hiermit der Stadt eine Grundlage für Gespräche verschafft zu haben“, so Mike Weiland. Über die Gesprächsergebnisse wird dann nach der Kommunalwahl der neu gewählte Stadtrat zu entscheiden haben. Die dann frischgewählten Ratsmitglieder werden es damit in der Hand haben, über eine wichtige Weichenstellung für die Zukunftsentwicklung ihrer Stadt zu entscheiden und auch Verantwortung zu übernehmen.

Print Friendly, PDF & Email
Teilen Sie mit anderen
Weiterlesen

Lahnstein

Lahnsteiner Spitzenkandidaten stellten sich den Bürgern bei Podiumsdiskussion vor

Veröffentlicht

am

von

Foto: BEN Kurier

LAHNSTEIN In rund drei Wochen sind die Kommunalwahlen. Auch in Lahnstein sind die Menschen dazu aufgerufen, neben dem Kreistag und der Europawahl einen neuen Stadtrat zu wählen. Im katholischen Pfarrzentrum durften sich Parteivertreter der CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, ULL, FDP und FBL vor etwa 150 Besuchern den Fragen des Moderators Thomas Scheid stellen. Dabei ging es in erster Linie um Themen, die aktuell die Menschen in der Stadt bewegen, sei es die BUGA, die Löhnberger Mühle, die aktuelle Verkehrssituation, das Jugendzentrum, Wohnmobilstellplätze oder auch die schwierige Situation der Kindertagesstätten.

Anzeige

Zu Beginn durften sich die Bewerber dem Publikum vorstellen. Jeder hatte dafür 90 Sekunden Zeit. Bei Überschreitung wurde eine Glocke geläutet, die den Kandidaten an sein Redeende erinnern sollte. Das klappte oft gut, aber nicht immer.

Anzeige

video
play-sharp-fill

Anzeige

Den Anfang der Vorstellungsrunde machte die Bündnis 90/Die Grünen Fraktionsvorsitzende Jutta Niel. Im Mittelpunkt ihrer Vorstellung standen Themen wie die Stärkung der Inklusion von beeinträchtigten Menschen und der unverminderte Hass und die Hetze in den sozialen Medien, die mittlerweile auf die Straßen übertragen wurden.

Für Jochen Sachsenhauser von der SPD ging es in erster Linie um sachorientierte Politik. Wohnen, Kultur und Verkehr

Für Jochen Sachsenhauser von der SPD ging es in erster Linie um sachorientierte Politik. Wohnen, Kultur und Verkehr stehen hoch auf der Agenda seiner Partei in Lahnstein. Er plädierte für mehr Miteinander in der Stadt.

Rainer Burkhard von der Freien Bürgerliste (FBL) setzt auf bürgernahe Politik und möchte diese zu den Menschen transportieren. Für Sascha Weinbach von der FDP gilt es, zwei Fraktionssitze zu holen, um einen Fraktionsstatus geltend machen zu können. Stefanie Muno-Meier von der Unabhängigen Liste Lahnstein (ULL) präsentierte sich in ihrer Vorstellung als Familienmensch, die ihre Freizeit gerne in der Natur und im Garten verbringt. Johannes Lauer von der CDU betonte die Wichtigkeit des Ehrenamtes und den Respekt, der den freiwilligen Helfern gebührt. Sein Hauptaugenmerk liegt zudem auf der weiteren baulichen Entwicklung.

Anzeige

Damit war die Vorstellungsrunde der sechs städtischen Parteivertreter beendet, und genau an dieser Stelle muss man etwas gänzlich anderes betrachten, bevor es zu den eigentlichen Antworten der Kandidaten geht. Sechs Menschen sitzen gemeinsam nebeneinander auf einer Bühne. Fachlich haben sich alle gut vorbereitet, und primär waren die Antworten der Parteivertreter selten überraschend. Wer das politische Geschehen in den vergangenen Monaten aufmerksam verfolgte, durfte erahnen, wer was sagen würde.

Was verbinden Sie mit dem Namen Gerhard Schröder? Wahrscheinlich fällt Ihnen der folgende Satz ein: “Hol mir mal ‘ne Flasche Bier.” Ob man den Altkanzler mochte oder auch nicht, er verstand es wie kaum ein anderer, sich selbst zu inszenieren und eine Bürgernähe aufzubauen. Auf ähnlichem Niveau findet man heute in der großen Politik noch einen Herrn Söder, Pistorius oder in der Vergangenheit einen Willy Brandt. Bei all denen fühlten oder fühlen sich viele Menschen auf einer gleichen Ebene mitgenommen, unabhängig davon, ob die Politik gefällt. Das kann man sicherlich nicht in der Politik erwarten, wo es um das Ehrenamt geht. Doch genau das macht vielfach den Erfolg aus.

Johannes Lauer von der CDU und Jutta Niel vom Bündnis 90/Die Grünen verstanden es, dem Publikum zu interagieren

Von einem gebuchten Comedian erwartet man, dass er die Bühne mit seiner Präsenz füllt, mit dem Publikum spielt und die Pointen punktgenau setzt, ansonsten droht ein Fiasko und bestenfalls ein mitleidiger Applaus. In Lahnstein stachen mindestens zwei Kandidaten deutlich aus der Menge heraus. Johannes Lauer von der CDU und Jutta Niel vom Bündnis 90/Die Grünen verstanden es, mit dem Publikum zu interagieren. Während andere Politikvertreter fahrig in ihren Reden wirkten oder einen Text wie monoton ablasen, gelang es den beiden, ihre Botschaften zu transportieren, und das, obwohl diese manchmal nicht unterschiedlicher sein konnten. Lauer und Niel richteten bei ihren Antworten die Blicke bewusst auf das Publikum und versuchten auf der gleichen Ebene mit den Besuchern zu sprechen.

Und genau darum geht es: Ein Stadtrat wird nicht gewählt, um die Stadt zu vertreten, wenn man das so auslegen möchte. Vielmehr sind die Räte dafür da, den Bürgerwillen durchzusetzen, und dafür braucht man ein Gespür, auch wenn das gegen persönliche Eigeninteressen geht. Das haben nicht alle verinnerlicht, auch wenn das in einem Wahlkampf nur zu gerne proklamiert wird. Tatsächliche und wahrhaftige Bürgernähe beginnt nach dem Wahlkampf.

Kommen wir nun zu den Anfängen zurück. 90 Sekunden. Keine lange Zeit, um auf jede Frage eingehen zu können. Besonders der FDP-Vertreter Sascha Weinbach ignorierte oft die Glocke nach eineinhalb Minuten und führte die Rede selbst dann noch stoisch fort, als sie nach einer weiteren Minute erneut zum Ende der Rede mahnte.

Los ging es mit einer Schnellfragerunde bei den Kandidaten Stefanie Muno-Meier, Jutta Niel (Bündnis 90/Die Grünen) und Johannes Lauer von der CDU. Für die ULL-Vertreterin ist Tempo 30 in Lahnstein eine gute Sache. Wegen der anhaltenden Brückensperrung dürfte man bereits jetzt ein wenig üben. Den Altbürgermeister Peter Labonte schätze sie für sein langjährig verdientes Engagement. Für Jutta Niel vom Bündnis 90/Die Grünen ist es noch ein weiter Weg, bis es eine klimaneutrale Stadt geben wird. Die Organisationsreform müsse der Oberbürgermeister umsetzen. In der Form müsse die Verwaltung agieren, und der Ältestenrat sei kein Entscheidungsträger. Das müsse auch in Zukunft so bleiben. Johannes Lauer von der CDU befürwortet digitale Übertragungen von Ratssitzungen, die Neukonzeption der Feuerwache Süd und den Windpark, der eine einstimmige Entscheidung des Stadtrats war.

Natürlich ist eine Schnellfragerunde interessant, und dennoch hätte man gerne auch die anderen Parteivertreter zu den einzelnen Fragen gehört. Große Einigkeit herrschte zur Frage nach dem Verbleib des Standortes des Jugendkulturzentrums in der Wilhelmstraße. Dafür sprachen sich Bündnis 90/Die Grünen, CDU, FBL und die FDP aus. Jochen Sachsenhauser von der SPD wollte sich dazu nicht eindeutig festlegen. Die ULL sprach sich gegen den Standort in der Wilhelmstraße aus.

Rund 130 Kitaplätze sollen in Lahnstein fehlen

Rund 130 Kitaplätze sollen in Lahnstein fehlen. Stefanie Muno-Meier von der ULL möchte die Kinder und Jugendlichen nicht gegeneinander ausspielen. Dennoch betonte sie, dass “kurze Beine auch kurze Wege” bedeuten müssten. So wäre es sehr wohl für die Kita Arche Noah eine Kampfansage an das JUKZ, obwohl sie betonte, dass es solche Kampfansagen nicht geben dürfte. Zusätzlich brachte sie ULL-Vertreterin das Pfarrzentrum als weiteren Standort ins Gespräch. Die ULL betonte, dass sie das JUKZ nicht am Standort Wilhelmstraße haben möchte und die obere Etage gänzlich aus Brandschutzgründen gesperrt wäre. Die Aussage war nur zu Teilen richtig. Der Moderator Thomas Scheid berichtigte die ULL-Vertreterin dahingehend, dass sich rund 20 Personen gleichzeitig in der oberen Etage aufhalten dürfen.

Anzeige

Für die FDP kommt ein Kauf des Pfarrzentrums nicht in Frage. Bei 70er-Jahre-Betonbauten wäre die energetische Sanierung problematisch, und es könnte ein finanzielles Fass ohne Boden entstehen. Die SPD möchte die Ausschreibung von der Kreisverwaltung prüfen lassen und drängt darauf, dass das Landesgesetz umgesetzt wird. Jochen Sachsenhauser sieht dringenden Handlungsbedarf und spricht sich auch für einen möglichen Kauf des Pfarrzentrums aus.

Für Johannes Lauer von der CDU steht fest, dass man das Jugendzentrum in der Wilhelmstraße nicht gegen eine Kita ausspielen darf. Er sieht eher einen Kita-Neubau statt den Kauf des Pfarrzentrums. Jutta Niel vom Bündnis 90/Die Grünen wies darauf hin, dass solange seitens der Kreisverwaltung keine Förderrichtlinien für Kita-Anmietungen existieren, kein Mietzuschuss zu erwarten ist, wenn eine Immobilie für den Betrieb einer Kita von einer Kommune angemietet wird. Insofern waren die Bestrebungen, eine Kita im Rheinquartier anzumieten, von vornherein aussichtslos. Es besteht keinerlei Verpflichtung des Kreises Lahnstein, zu unterstützen. Im letzten Kreisausschuss sind allerdings Baurichtlinien verabschiedet worden, die bei einem Bau oder Umbau einer Immobilie für eine Kita, die Kommune bei den Kosten mit einem 40%-Anteil unterstützt. Diese Baurichtlinien müssen final im nächsten Kreistag noch verabschiedet werden. Um eine Mietförderung zu erhalten, muss die Kreispolitik erst die Rahmenbedingungen schaffen.

Für die Kita Arche Noah sieht sie zwei Alternativen, entweder den Kauf der Immobilie Pfarrzentrum und den Ausbau der jetzigen Kita Europaplatz mit der Kita Arche Noah zu einer Großkita dort, um sie den zukünftigen gesetzlichen Anforderungen anzupassen, oder die Schaffung einer viergruppigen Kita auf dem Stockwerk der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Schule, wo sich derzeit die Bücherei befindet.

FBL spricht sich gegen den Erhalt der wiederkehrenden Beiträge aus

Nun startete auch die zweite Schnellfragerunde, diesmal mit den Vertretern der FDP, SPD und FBL. Für Sascha Weinbach von der FDP reichen die Vereine und Gruppierungen in Lahnstein für das Ehrenamt aus. Einen Ehrenamtskoordinator braucht es nach seiner Ansicht nicht. Eine Tiefgarage am Saalhofplatz begrüßt er genauso wie ein gemeinsames Mobilitätskonzept. Ausschließlich für die BUGA wünscht er sich ein Gemeinschaftskonzept. Für Jochen Sachsenhauser von der SPD steht fest, dass die Stadthalle ohne Restaurantpächter schwer vermietbar ist. Im Wohngebiet Alte Markthalle sieht er ein Erfolgsmodell, und ein Gästebeitrag für Lahnstein wäre wünschenswert. Reiner Burkhard von der FBL spricht sich gegen den Erhalt der wiederkehrenden Beiträge aus. Die Auszeichnung “Fairtrade Stadt” hält er für eine gute Sache, und das neue Logo der Stadt Lahnstein sieht er kritisch, da es dem ULL-Logo sehr ähnlich wäre. Außerdem würde er sich für jedes Stadtratsmitglied ein eigenes Mikro wünschen, damit das nicht immer durchgereicht werden müsste.

Zur BUGA sollen in Lahnstein rund 17 bis 20 Millionen Euro in die Stadt investiert werden. 800.000 Besucher werden erwartet. Für Jutta Niel vom Bündnis 90/Die Grünen sollte auch der Heilwald Bestandteil des BUGA-Konzeptes sein. Davor müsste aber erst der leergelaufene Weiher in Ordnung gebracht werden. Durch Antrag vom Bündnis 90/Die Grünen konnten 603.000 Euro Finanzzusagen eingeholt werden. 67.000 Euro fehlen noch. Jochen Sachsenhauser von der SPD führte aus, dass die Eröffnung des Heilwaldes für Erwachsene noch nicht terminiert wäre und wahrscheinlich im Beisein der Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Herbst erfolgen wird.

Die CDU befürchtet, dass die positive BUGA-Stimmung in Lahnstein kippen könnte. Eine Planungshoheit durch die BUGA GmbH lehnen sie ab. Das Projekt müsse deutlich professioneller angegangen und die Menschen mitgenommen werden. Nur so könne man die BUGA als Chance erkennen.

Mittlerweile regt sich deutlicher Unmut in der Lahnsteiner Bevölkerung zur BUGA-Problematik. Vereine fühlen sich verprellt oder nicht wahrgenommen. Dazu gehören auch die Angler- und Rudervereine. Für die FDP das Signal, dass die BUGA-Gesellschaft Lösungen mit den Vereinen finden muss und wird. Die Vereinsgelände liegen im BUGA-Gelände drin, und die Bauarbeiten könnten bis zu zwei Jahre andauern, während teilweise Abschnitte unbefahrbar wären.

Doch wohin eigentlich mit den 800.000 Gästen während der Bundesgartenschau? Jetzt meldete sich der Hotelier Weiland zu Wort. Rund 12 Millionen Euro wollte er in seine Hotelerweiterung stecken. 110 weitere Zimmer sollten entstehen. Zur BUGA wollte er sogar die Bahnhofshalle mit 400qm und Toilettenanlage zur Verfügung stellen. Nachdem sein Kaufangebot für die Fläche am Bahnhof einstimmig im Stadtrat abgelehnt wurde, hätte er ein weiteres Kaufangebot abgegeben. Darüber wäre überhaupt nicht im Stadtrat abgestimmt worden.

Jochen Sachsenhauser von der SPD teilte dem Hotelier Weiland mit, dass im Ältestenrat keine Tendenz für eine Mehrheit erkennbar war, das verbesserte Kaufangebot anzunehmen. Daraufhin wäre der Vorschlag gar nicht erst dem Stadtrat vorgelegt worden. Außerdem würde nicht nur die BUGA die angestrebte Fläche brauchen, sondern sie wäre auch verkehrsbedeutend für den Umstieg zum Bahnhof.

Michael Mohr meldete sich aus den Publikumsreihen mit dem Hinweis, dass es bei 14.000 Übernachtungen in Lahnstein einen Umsatz von rund 1,5 Millionen Euro gab. Nun soll es keinen Wohnmobilstellplatz am Kränchen mehr geben. Aus seiner Sicht wäre das touristischer Selbstmord. Besprochen worden wäre das nicht mit ihm.

Für Jutta Niel vom Bündnis 90/Die Grünen könnte ein Alternativplatz am Restaurant Waldhaus die Lösung sein

Johannes Lauer von der CDU teilte mit, dass die besagte Fläche gekündigt worden wäre. Der Platz wäre wichtig für den Bau der neuen Brücke. Dauerhaft wäre er nicht dafür, dass es keinen Campingplatz an alter Stelle mehr geben würde. Für Jutta Niel vom Bündnis 90/Die Grünen könnte ein Alternativplatz am Weiher die Lösung sein. Zwar hätte das nicht den Charme der Lahnmündung, aber es wäre ein möglicher Ausweichplatz. Zudem würde sie sich ein deutlich verbessertes Radwegesystem für die Stadt wünschen.

Und nun? Am Ende musste man sich fragen, wer die Gewinner und Verlierer der Podiumsdiskussion waren. Die CDU, Bündnis 90/Die Grünen und auch teilweise die FBL punkteten mit der Nähe und dem pointierten Spiel mit dem Publikum. Das funktionierte. Betrachtete man die Besucher genauer, sah man viele bekannte Gesichter, die eher schauten, wie ihre eigenen Kandidaten abschneiden könnten. Schlecht hat es keiner gemacht. Fachlich waren alle gut vorbereitet, und jeder versuchte, seine Positionen konsequent einzubringen, auch wenn sie wenig überraschten. Eine schlechte Wahl dürfte keiner der Parteivertreter auf der Bühne sein. Das bleibt am ehesten Geschmackssache. Und eines darf man dabei überhaupt nicht vergessen: Es ist ein Ehrenamt, und somit musste man den sechs Kandidaten respektvoll applaudieren für ihren Einsatz.

 

Print Friendly, PDF & Email
Teilen Sie mit anderen
Weiterlesen

Lahnstein

Enttäuschte Eltern: Absperrung des Lahnsteiner Goethe Schulhofs außerhalb der Schulzeiten

Veröffentlicht

am

von

LAHNSTEIN Mehrere besorgte Eltern von Grundschulkindern haben sich über die kürzliche Sperrung des Schulhofes außerhalb der Schulzeiten beschwert. Diese Maßnahme hat zu Verwirrung und Unzufriedenheit geführt, da der Schulhof für viele Kinder eine wichtige Möglichkeit bietet, das Fahrradfahren zu erlernen oder für die bevorstehende Radfahrprüfung zu üben. Zudem wird der Schulhof auch als Fußballfeld im Nachmittagsspiel genutzt.

Anzeige

Die Eltern bedauerten gegenüber den Grünen die Entscheidung und fragen, ob diese Sperrung beabsichtigt sei. Besonders im Hinblick auf die bevorstehende Schließung von Spielflächen in den Rheinanlagen zur Realisierung der Bundesgartenschau (BUGA) in den nächsten Jahren halten auch die Grünen die Öffnung des Schulhofes als wichtige Maßnahme. Sie sehen darin eine Möglichkeit, den Kindern alternative Spielflächen und Bewegungsräume zur Verfügung zu stellen.

Anzeige

Grüne fragen bei der Verwaltung nach!

Der Vorfall wurde von Frau Jutta Niel, Fraktionssprecherin B90/ die Grünen an den Oberbürgermeister herangetragen. Sie äußerte ihr Bedauern über die Abschließung des Schulhofes und betonte die Bedeutung einer Spielfläche für die Kinder.

Anzeige
Anzeige

Der Oberbürgermeister wurde gebeten, die Beschwerden der Eltern zu prüfen und mögliche Lösungen zu finden, um den Kindern weiterhin Zugang zum Schulhof außerhalb der Schulzeiten zu ermöglichen. Er versprach eine zeitnahe Antwort, verwies aber auch auf gehäuft aufgetretenen Vanadalismus in den Abendstunden in der Vergangenheit, was zu der Maßnahme überhaupt erst führte.

Print Friendly, PDF & Email
Teilen Sie mit anderen
Weiterlesen

Trending

×

Hallo.

Klicke auf den Button um uns eine WhatsApp Nachricht zu senden oder sende uns eine Mail an redaktion@ben-kurier.de

× Whats App zum BEN Kurier