Lebenshilfe Rhein-Lahn - Die Story.

Lebenshilfe Rhein-Lahn: Die große Story!

in Blaulicht/Gesundheit/Recht/VG Bad Ems-Nassau/VG Nastätten

NASTÄTTEN Die Gelder sind weg und die Lebenshilfe Rhein-Lahn steht vor großen Herausforderungen. Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen? Schauen wir einmal ein wenig zurück in die Vergangenheit ins Jahr 2016 wo die Geschäftsführerin Heike Bruch für den Verein verantwortlich war. Seinerzeit ging es der Lebenshilfe Rhein-Lahn e.V. finanziell nicht gut.

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2017 kam erstmalig Martin M. in der Lebenshilfe als der mögliche erhoffte Retter ins Gespräch. Der 39-jährige selber gibt in den sozialen Medien an, dass er Theologie, Pädagogik und Betriebswirtschaft studierte. Freunden zeigte er gerne seinen Doktortitel der Theologie, welcher ihm von einer Universität verliehen worden sein soll. Das es sich dabei offensichtlich um einen käuflichen Ehrendoktortitel handelte, der in Deutschland nicht geführt werden darf, wussten die geblendeten Menschen nicht.

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Für sie war Martin M. der Messias in einer schwierigen Zeit. Eloquent, weltgewandt und er hatte vermeintliche Antworten und Lösungen auf viele Fragen der Lebenshilfe. Und er schaffte es die Menschen einzunehmen. Ehemalige Beschäftigte erzählten dem BEN Kurier, dass er ihnen eine Wertschätzung im Beruf entgegenbrachte. Sie fühlten sich gebraucht und anerkannt. Anfangs war er für ihre Probleme da und zeigte ihnen neue Perspektiven auf. Er hörte zu und schwor das gesamte Team auf ein gemeinsames Ziel ein.

Zimperlich gingen viele Beschäftigte nicht mit der ehemaligen Leiterin um. Im Gegenteil. Der Zweck heiligte die zweifelhaften Mittel!

Es entstand eine breite Front für den möglichen neuen Geschäftsführer, der sich gegen die Widerstände, der seinerzeit nicht unumstrittenen Vorstandsvorsitzenden, erwehren musste. Und das schaffte er auch mit Hilfe zahlreicher Mitarbeiter der Lebenshilfe die sich für Martin M. solidarisierten und gegen die ehemalige Leiterin stellten. Am Ende räumte diese ihren Schreibtisch und der Weg war frei für den neuen Geschäftsführer.

Zimperlich gingen viele Beschäftigte nicht mit der ehemaligen Leiterin um. Im Gegenteil. Der Zweck heiligte die zweifelhaften Mittel doch letztlich war das Ziel erreicht. Der Retter durfte Platz nehmen in seinen neuen Büroräumen der Lebenshilfe.

Seinerzeit war die Rede von Schulden von über 1,3 Millionen Euro. Diese will der Geschäftsführer binnen Frist von drei Jahren abgebaut haben. Doch umsonst hat er dieses nicht getan…..

Zu Beginn seiner Amtszeit veränderte er die Strukturen innerhalb der Belegschaft. Neue Anreize für Stellen wurden geschaffen. Nicht immer soll die ausreichende Qualifikation für eine ausgeschrieben Stelle das vorrangige Kriterium gewesen sein, sondern vielmehr die Teamfähigkeit und Unterordnung in die hierarchischen Strukturen. Fragen durch kritische Mitarbeiter waren nicht gewünscht.

Restaurantbesuche und Konzertbesuche für Mitarbeiter

Zu Beginn soll sich Martin M. von seiner besten Seite gezeigt haben. Mitarbeiteressen, Konzerte oder Stadionbesuche sollten sein Team vereinen. All dieses soll zu Lasten der Lebenshilfe gegangen sein. Es war wie im 2008er Film „Die Welle“. Martin M. wurde zur ikonischen Leitfigur erklärt wo es eine neue sektenartige Gemeinschaft ohne einfaches Entrinnen gegeben haben soll.

Wer sich dem System entzog, sollte durch die Gemeinschaft bestraft und ausgeschlossen werden. Viele ehemalige Mitarbeiter machten mit und sahen bestenfalls weg. Nicht mitzumachen bedeutete, selber zum Mobbingopfer zu werden.

Martin M. soll sich im Laufe der Zeit zusehend verändert haben. Vom fürsorglichen und der Sache dienenden Geschäftsführer hin zum diktatorischen Tyrannen. Manchmal zuckersüß und lieb und unvermittelt hin zum schreienden und angsteinflößenden Herrscher der Lebenshilfe. So wurde er von zahlreichen Mitarbeitern beschrieben. Angst wurde zu einem täglichen Begleiter zahlreicher Beschäftigter. Wer sich dem System widersetzte und aus der Firma ausschied war noch keinesfalls aus der Sache heraus. Eine ehemalige Mitarbeiterin erklärte dem BEN Kurier was sie erwartete: „Er schien am Sonntag bei mir zu Hause und schrie mich an. Er sagte, dass er mich fertigmachen würde und ich nirgendwo mehr eine Arbeit finde wenn ich was erzählen würde. Er drohte mir damit, dass er auch mein Privatleben zerstören werde…“

Sie versperrte der verängstigten Frau den Ausgang zur Tür so dass sie nicht fliehen konnte….

Später soll der Geschäftsführer bei der ehemaligen Mitarbeiterin im neuen Betrieb im Büro erschienen sein. Er musste genau abgepasst haben, dass sie alleine dort war. Mit ihm kam eine ehemalige Angestellte der Lebenshilfe. Sie versperrte der verängstigten Frau den Ausgang zur Tür so dass sie nicht fliehen konnte. Er soll sie in die Ecke gedrängt haben und massiv verbal angegangen sein.

Dieses bestätigte auch die Frau dem BEN Kurier die seinerzeit der ehemaligen Mitarbeiterin den Weg versperrte. Die schämte sich massiv dafür. „Wir haben alle mitgemacht,“ erklärte sie später in einem Telefonat dem BEN Kurier. „Wir wussten dass das falsch war aber irgendwie fühlten wir uns auch in der Gruppe gut und es war ein Gemeinschaftsgefühl.“

Ähnliches erzählten auch andere Angestellte der Lebenshilfe. Alle machten mit und niemand wagte es zu stoppen. Das System Martin M. soll bis zur Perfektion funktioniert haben. Dennoch gab es einige Versuche, gegen die Praktiken des neuen Geschäftsführers, zu intervenieren.

Einige mutige Beschäftigte schalteten offensiv die Ämter und Politik ein. Es kam zu Gesprächen doch geschehen ist nichts. Offensichtliche Beweise der Handlungen sollen bewusst übersehen worden sein. Doch warum schauten die Verantwortlichen weg? Wollten sie damals nichts davon wissen? (Anm. Die tlw. hochrangigen Vertreter aus Politik und Ämtern sind dem BEN Kurier schriftlich bekannt).

Vorstandsvorsitzende Mengel soll über Vorwürfe in Kenntnis gesetzt worden sein. “Reagiert habe sie nicht”, berichteten Mitarbeiter.

Zwischenzeitlich gab es auch neue Vorsitzende im Verein der Lebenshilfe Rhein-Lahn e.V. Den Vorstand übernahm Frau Jutta Mengel. Mehrere Mitarbeiter wendeten sich in ihrer Verzweiflung an die Vorsitzende, damit der Geschäftsführer Martin M. eingebremst werden sollte. Dem BEN Kurier liegen diverse Schreiben von 2017/18 und 2019 von ehemaligen Beschäftigten vor. Die Vorsitzende bestätigte den Mitarbeitern die Schreiben nicht. Auch sollen keine ausreichenden Reaktionen erfolgt sein.

Diese Mitarbeiter werfen der noch aktuellen Vorstandsvorsitzenden vor, dass sie die Machenschaften des Herrn Martin M. gedeckt haben soll. Auch wenn die zahlreichen schriftlichen und telefonischen Hinweise die Vermutung erhärten, kann der Ben Kurier dass im jetzigen Stand der Recherchen nicht bestätigen.

Sicher ist jedoch, dass bereits 2019 Protokolle der Jahreshauptversammlung im Nachhinein verfälscht wurden. Zu diesem Zeitpunkt war Frau Jutta Mengel verantwortliche Vorstandsvorsitzende.

Im Ursprungsprotokoll wurde ein fehlender Betriebsrat moniert. Die Mitarbeiter hätten Angst diesen ins Leben zu rufen. In der der verfälschten Fassung steht davon nichts mehr drin. In dieser Jahreshauptversammlung wurde auch die Zahl der Mitglieder im Vorstand dahingehend reduziert, dass lediglich drei Personen ausreichen würden, um die Vorstandsarbeit zu leisten. Begründet wurde dieses mit der Handlungsfähigkeit des Vereins.

Die Situation sei menschlich, psychisch und physisch nicht mehr tragbar gewesen….

Neue Mitglieder mussten vom Vorstand bestätigt werden. So konnten missliebige stimmberechtigte Teilnehmer von vorneherein ausgeschlossen werden. Aus dem Protokoll der Jahreshauptversammlung 2019 geht eindeutig hervor, dass die Zustände in der Lebenshilfe auch der Politik zugänglich war. Mitarbeiter machten dort wie folgt hinterlegt drauf aufmerksam: „Vom alten Kita-Team seien nicht mehr viele Mitarbeiter da. Die Situation sei menschlich, psychisch und physisch nicht mehr tragbar gewesen. Der Ruf der Lebenshilfe sei aktuell schlecht. Kita werde von Einrichtungen nicht mehr empfohlen. Geschäftsführung als Grund dieser Zustände…..“

Dahingehend angesprochen, wollte die Verantwortlichen aus der Politik die weiteren Maßnahmen der integrativen Kits Singhofen mit dem Landesjugendamt koordinieren, doch genau dieses wusste bereits aus der Vergangenheit genau über die Umstände und Vorwürfe Bescheid und blieb erneut weitestgehend untätig.

Durch die fortgesetzte Untätigkeit sämtlicher Beteiligter in der Lebenshilfe, aber auch Politik und Ämtern, soll dem Geschäftsführer Tür und Tor für sein weiteres Handeln geöffnet worden sein. Dem BEN Kurier liegen Unterlagen vor aus denen hervorgeht, dass viele Verantwortliche von den Zuständen gewusst haben müssen und tatenlos zusahen.

Essensgelder wurden an die Lebenshilfe gezahlt – Parallel buchte diese von den Eltern ab

Für zahlreiche Kinder in der integrativen Kita in Singhofen wurden Essensgelder an die Lebenshilfe gezahlt. Parallel buchte auch die Lebenshilfe bei einigen Eltern Beträge für den gleichen Zweck von deren Konten ab. Bei Beschwerden zur Doppelzahlung wurden diese wieder an die Lebenshilfe verwiesen.

Die Ämter sollen untätig geblieben sein. Auch bei den Belegungszahlen in der Kita Singhofen soll getrickst worden sein. Ein ehemaliger Kita Leiter teilte dem BEN Kurier in einer telefonischen Stellungnahme mit: „Die Zustände waren ungeheuerlich. Ich musste täglich die Anwesenheitslisten der Kinder und Erzieher nach oben anpassen. Irgendwann war ich nicht mehr bereits das mitzutragen und habe die Lebenshilfe verlassen….“ Die Anordnung dazu will er vom Geschäftsführer Martin M. erhalten haben. Die Lebenshilfe soll die Gelder aus den angepassten Belegungsplänen erhalten haben.

Das System funktionierte so lange, wie es keine nonkonformen Mitarbeiter gab. Alle schwammen auf einer Welle und missliebige Angestellte wurden zu Nichtschwimmern erklärt und mussten gesellschaftlich ertränkt werden.

Anfangs wurden kritische Mitarbeiter versetzt und versucht wieder in die „Spur“ zu bringen. So konnte es vorkommen, dass eine Erzieherin der Kita Singhofen, plötzlich Büroarbeiten in Nastätten verrichten musste.

Eine Mitarbeiterin schrieb dem BEN Kurier, dass es auf ehemalige Mitarbeiter eine regelrechte Hexenverfolgung gab

Einzelne Mitarbeiter berichteten dem BEN Kurier von engmaschigen Kontrollen. Das Handy soll durch den Geschäftsführer überprüft worden sein oder auch einmal der PC. Viele ehemalige Mitarbeiter erzählten uns von ihrer Angst vor Martin M. Seine unkontrollierten Wutausbrüche soll ihnen das Arbeiten zur Hölle gemacht haben.

Und keiner wollte durch das Netz der Gemeinschaft fallen. Eine Mitarbeiterin schrieb dem BEN Kurier, dass es auf ehemalige Mitarbeiter eine regelrechte Hexenverfolgung gab. Auch sie machte mit. Lieber die andere als sie selbst.

Doch bei all dem soll nie einer vom Vorstand etwas gewusst haben? Allen waren Vorfälle bekannt, doch die Konsequenzen blieben aus. In der Kita Singhofen hatte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Rhein-Lahn zeitweilig Hausverbot. Mitunter gab es dort einen Zwischenfall mit einer ehemaligen psychologischen Angestellten mit der er eine Liaison gehabt haben soll. Laut verschiedenen Mitarbeitern soll er diese mit körperlicher Gewalt angegangen haben. Durchgreifende Konsequenzen soll es dafür nicht gegeben haben. All dieses zeigt ein Bild der Lebenshilfe Rhein-Lahn auf, aber auch die Untätigkeit des Dachverbandes, der durchaus informiert gewesen sein soll. Ob Verband, Politik und Ämter – hier scheint es so, dass gemeinschaftlich weggesehen wurde. Zu viel stand auf dem Spiel.

Kollektives Wegsehen

Und erst durch das kollektive vorsätzliche Wegsehen, konnte geschehen was geschehen ist und noch weiter geschieht, denn der Lebenshilfeverein soll noch immer nahezu in Alleinherrschaft geführt werden.

Und genau diesen schauen wir uns an dieser Stelle genauer an. Neben Frau Jutta Mengel, trat Herr Frank Heidecker als 2ter Vorsitzender in den Vorstand der Lebenshilfe Rhein-Lahn e.V. ein. In einem persönlichen Interview mit dem BEN Kurier erklärte er, dass er in dieser Position als gelernter Buchhalter, den Geschäftsführer kontrollieren wollte.

Glaubhaft ist das nicht denn schon kurze Zeit später wurde er von Martin M. in der gemeinnützigen GmbH als Buchhalter eingestellt. Wie kann ein Angestellter einen Geschäftsführer kontrollieren?

Zweitem Vorsitzenden Heidecker sollen die Buchhaltungsunterlagen verwehrt worden sein mit dem Hinweis, dass die erste Vorsitzende Mengel bereits Einsicht hatte und das ausreichend wäre

Herr Heidecker gab zu, dass er genau das nicht konnte. Buchhaltungsunterlagen wurden ihm verwehrt mit dem Hinweis des Geschäftsführers, dass Frau Jutta Mengel diese bereits eingesehen hatte. Wie passt dieses zusammen?

Er selbst soll angeblich nur noch kleine Personalbuchführungsaufgaben übernommen haben, bei welchen er nicht die richtigen Zahlen sehen durfte. Herr Heidecker trat Anfang der vergangenen Wochen von seinem Vorstandsposten aus persönlichen Gründen zurück. Mit ihm die Beisitzerin Frau Krämer. Seitdem ist der designierte Vorstandsvorsitzende aus gesundheitlichen Gründen krankgeschrieben und nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Gehen wir „Back to the roots.“ Martin M. zeigte sich gerne weltmännisch und rhetorisch gewandt. Nach einer privaten Insolvenz, baute er sich ein neues Leben als Angestellter in höherer Position beim Riesen Amazon in Koblenz auf. Vorher war er auch auf theologischen Wegen als Frater bei der Kolpingfamilie unterwegs. Ein Frater ist ein Laienbruder. Wieweit das ein theologischen Ausbildung entspricht ist fraglich.

Übermäßig vermögend soll Martin M. nach seiner Zeit bei Amazon nicht gewesen sein. Anfänglich wohnte er mit seiner ehemaligen Ehefrau in einem Haus in Dachsenhausen.  Später zog es ihn nach Nassau in eine Mietwohnung. Doch seine Vermögensverhältnisse sollen sich, dank der unerschöpflichen Quelle Lebenshilfe Rhein-Lahn, grundlegend geändert haben.

Jahresgehalt über 150.000 EUR

Neben 450 EUR von dem Verein Lebenshilfe Rhein-Lahn e.V., erhielt er ein fürstliches Monatsgehalt in Höhe von rund 8000 EUR von der Lebenshilfe Rhein-Lahn gGmbH. Zusätzlich erhielt er schon einmal opulente Bonuszahlungen in Höhe von über 16.000 EUR und Urlaubsgelder über 9000 EUR. Sein Brutto Jahresgehalt überstieg 150.000 EUR.

Bereits im Jahr 2020 soll es plötzlich im Schnitt tägliche Barauszahlungen und Überweisungen in Höhe von knapp 300,00 EUR gegeben haben. Dieses ergab auf das Jahr eine Summe in Höhe von etwa 100.000 EUR, wovon alleine mehr als 65.000 EUR Barabhebungen waren.

Tägliche Auszahlungen überstiegen die 1000 EUR Marke

2021 spitzten sich diese Zahlungen zu. Täglich erhöhte sich die Summe auf über 1000 EUR. Mit Überweisungen und Bargeldabhebungen lag der Betrag in der Zeit vom 01.01 – bis in den Herbst 2021 bei mehr als 300.000 EUR.

Unerklärlich ist auch der Kauf von zahlreichen Luxusfahrrädern. Dafür wurden laut dem BEN Kurier vorliegenden Unterlagen über 80.000 EUR verwendet. Zusätzlich soll er für über 12.000 EUR private Leistungen in seinem Haus abgerechnet haben. Insgesamt könnte und soll der Gesamtschaden bei einer Verurteilung bei über 500.000 EUR liegen.

Auf seiner privaten Abrechnungsliste der Lebenshilfe finden sich zum Beispiel ein Wasserbett für mehr als 3000 EUR, welches in seiner privaten Wohnung in Nassau gestanden haben soll, zahlreiche Amazonrechnungen, welche über die Firma abgerechnet wurden ( Mottenfalle, Playmobil, Bettwäsche, Iphone, Quad Protector usw.) oder auch einmal Einkäufe bei REWE, Besuche im Holidaypark, Burgfestspiele und im Kino.

Stellt sich die Frage, wie er die Summen von Barabhebungen scheinbar unbemerkt bilanzieren konnte. Und dieses System war ausgeklügelt.

Über sogenannte Ehrenamtspauschalen soll das Lebenshilfebudget zum Privatkonto des Geschäftsführers geworden sein. Eine solche ausgestellte Quittung bzw. Ausgabebeleg ist wie ein privates Scheckbuch zur Bargeldabhebung.

Perfides System: Ehrenamtspauschalen über mehrere tausend Euro unterschrieben – Das Geld erhielt jemand anderes…..

Stellen sie sich das wie folgt vor: Sie unterschreiben, dass sie z.B. 2400,00 EUR für eine ehrenamtliche Tätigkeit in den Bereichen der -Familienunterstützender Dienst im … 2021– erhalten haben. Das Geld erhalten Sie nicht und dennoch haben sie oftmals einen Vorteil gehabt. Firmen erhielten Aufträge, teilweise für den Geschäftsführer privat, diese unterschrieben diese Ehrenamtspauschale und es gab mindestens zwei finanzielle Gewinner.

Dazu exemplarisch folgender Fall eines Unternehmens aus Nassau. Dieses Unternehmen verkaufte der Lebenshilfe Rhein-Lahn über zwei verschiedene Firmen FFP2 Masken im Gesamtwert von über 10000,00 EUR. Im Gegenzug unterschrieb der Inhaber den Ausgabebeleg einer Ehrenamtspauschale in Höhe von 2400 EUR. Diese wurde aber nie ausgezahlt sondern soll die Bargeldabhebemöglichkeit für Martin M. gewesen sein.

Perfekter Betrug mit Ehrenamtspauschale könnte für Firmen und Personen  juristisches Nachspiel haben

Ein perfekter Betrug. Und das könnte ein juristisches Nachspiel für die Unterzeichner haben, denn natürlich hat der Inhaber des Nassauer Unternehmens nicht eine Minute ehrenamtlich im „familienunterstützenden Dienst“ für die Lebenshilfe gearbeitet und zum Beispiel beim Rasenmähen geholfen oder den Abwasch im Haushalt beeinträchtigter Menschen gemacht.

Solche und ähnliche Ausgabebelege finden sich Zuhauf in den dem BEN Kurier zugespielten Unterlagen. Sogar die Lebensgefährtin von Martin M. unterzeichnete einen solche Ehrenamtspauschale im August 2020. Gearbeitet hatte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht für die Lebenshilfe. Mittlerweile steht sie auf der Homepage der Lebenshilfe Rhein-Lahn in der Position als Assistenz zur Geschäftsführung.

Genau solche Ausgabebelege wurden von zahlreichen ehemaligen Mitarbeitern, Firmen und Personen unterschrieben. Der finanzielle Lebenswandel von Martin M. scheint vielen nicht verborgen geblieben zu sein, aber sehen wollten sie es nicht. Der Geschäftsführer gönnte sich einen luxuriösen Lebensstil. Exklusive Schuhe kaufte er schon einmal gerne in Berlin. Die Rechnung für zwei Paar über 500,00 EUR zahlte die Lebenshilfe. Obwohl er über ein spendables Urlaubsgeld verfügte, zahlte die mehrere tausend teure Reise für ein All in Premium ebenfalls die Lebenshilfe Rhein-Lahn e.V.

Guter Kunde war er auch bei einem bekannten Zweiradhändler in Nastätten. Neben zahlreichen E-Bikes kaufte er auch im August 2021 ein Kymko Quad im Wert von über 8000 EUR. Raten Sie einmal wer diese Rechnung bezahlte?

Quer durch den Rhein-Lahn-Kreis ging seine private Einkaufstour. In Lahnstein wurden in einem Holzzentrum Artikel für sein Haus in Nastätten erworben und überregional auch mal ein Einrichtungshaus besucht.

Ehrenamtler bettelten um ihr hart verdientes Geld und stießen auf taube Ohren

Letztlich soll es noch zahlreiche Handy Käufe (Iphone 12 und 13 etc.) gegeben haben, welche später zu dem Bruchteil des Wertes an ein Elektronikunternehmen in Nastätten gegangen sind. Den Erlös soll sich erneut der Geschäftsführer der Lebenshilfe in die eigene Tasche gesteckt haben.

Während alledem kämpften einige tatsächliche ehrenamtliche Helfer um ihre Existenz, denn den Lohn ihrer Arbeit bei beeinträchtigten Menschen erhielten diese lange Zeit nicht. Häufig standen Rentner, welche ein wenig ihre Pension aufbesserten, vor den Toren der Lebenshilfe und kamen sich wie Bittsteller vor.

Der Geschäftsführer soll diese angeblich noch verhöhnt haben laut Auskunft von Beschäftigten. Den Lohn von Ehrenamtlern müsse er nicht sofort auszahlen, sondern erst nach ein paar Monaten soll er gesagt haben. Dieses hätten die Ehrenamtler auch so unterschrieben.

Doch auch dieses scheint nicht der Wahrheit zu entsprechen. Ehrenamtliche Helfer, die zum Beispiel im Haushalt von beeinträchtigten Menschen halfen oder im Garten den Rasen mähten, teilten dem BEN Kurier mit, dass sie niemals eine solche Vereinbarung unterschrieben hätten.

Mitte November brach das Kartengerüst in sich zusammen. Mutige Mitarbeiter schalteten die Staatsanwaltschaft Koblenz ein und diese reagierte schnell. Am 10.12 durchsuchte die Kriminalpolizei die Räumlichkeiten des Vereins in Nastätten und Miehlen sowie die Privaträume des Geschäftsführers in Nassau. Einige Fahrräder und das Kymko Quad wurden sichergestellt. Noch im Laufe des Abends wurde Martin M. vorläufig festgenommen und am Folgetag der Haftrichterin in Koblenz fortgeführt welche einen Untersuchungshaftbefehl wegen Fluchtgefahr bestätigte. Noch am gleichen Tag wurde Martin M. in die Justizvollzugsanstalt Koblenz eingeliefert.

Auch wenn die Beweislast erdrückend scheint so gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Martin M. äußerte sich nicht zu den ihm gemachten Vorwürfen. Das ist sein gutes Recht. Doch am Ende stehen die Mitarbeiter der Lebenshilfe Rhein-Lahn vor einem Feld der verbrannten Erde, denn sie können nichts für die finanziellen Gebaren in der Lebenshilfe Rhein-Lahn.

Vorstandsvorsitzende Mengel will von nichts gewusst haben

Und so fällt das Fazit defizitär aus. Geblieben ist in der Lebenshilfe Rhein-Lahn eine nicht unumstrittene Vorstandsvorsitzende. Sie will von alledem nichts gewusst haben was offensichtlich war? Während ihr Geschäftsführer mit einem luxuriösen Mustang Leihwagen vorfuhr und exklusive Kleidung trug, konnten Rechnungen der Krankenkassen oder der Ehrenamtler nur teilweise mit Verzögerung gezahlt werden.

Wurde alle diese Ausgaben nie hinterfragt? Auch in Abrechnungen für Leistungen der Verhinderungspflege soll es vorsätzliche Unregelmäßigkeiten zu ihren Gunsten gegeben haben. Der Vorstandsvorsitzenden Mengel gehört ein therapeutischer Reitstall in Katzenelnbogen welcher eng mit der Lebenshilfe zusammenarbeitete. Mitarbeiter der Lebenshilfe sollen niedere Tätigkeiten auf dem Hof ausgeführt haben. Auch diese Zeche soll die Lebenshilfe gezahlt haben. Sollte dieses stimmen, wäre auch die Vorstandsvorsitzende kaum noch zu halten. Bislang hat sie nichts zu befürchten solange die längst überfällige Mitgliederversammlung nicht einberufen wird denn diese könnten sie durchaus abwählen. Selbst scheint sie zum aktuellen Zeitpunkt keinen Handlungsbedarf für einen Rücktritt zu sehen.

Lebenshilfe plant offenbar Neuanfang mit altem Vorstand

Auf der Webseite der Lebenshilfe Rhein-Lahn steht noch immer die Lebensgefährtin des beschuldigten Geschäftsführers als Assistenz der Geschäftsführung. Das heißt die Lebenshilfe Rhein-Lahn setzt offenbar voraus, dass von der Vorstandsvorsitzenden bis zur Lebensgefährtin niemand etwas wusste….. Somit scheint bei der Lebenshilfe Rhein-Lahn keiner Verantwortung für die Vorkommnisse übernehmen zu wollen. Im Gegenteil. Hastig bestimmte der dreiköpfige Vorstand, aus den Eheleuten Mengel und der Beisitzerin Kittlass, einen neuen Geschäftsführer, welcher nach wenigen Stunden der Ankündigung wieder von der Seite verschwand. Wie neutral und ohne Eigeninteresse im Sinne der Mitarbeiter und stimmberechtigten Vereinsmitglieder wäre diese Bestimmung gewesen?

Mitarbeiter in Ämtern und Politiker sollen große Mitschuld am Versagen der Lebenshilfe tragen

In einem Sportverein wäre es der Zeitpunkt für einen Neuanfang mit neuem Trainer und Vorstand gewesen, um einen ehrlichen und vertrauensvollen Start zu gewährleisten. Doch noch wollen einige ihre Posten offenbar nicht räumen und sehen das anders.

Aus einer heutigen Mitteilung der regionalen Printpresse geht hervor, dass die Vorstandsvorsitzende Mengel und der Verein nichts von den Vorfällen gewusst haben will. Betont wird, dass man die Strafverfolgungsbehörden bei ihrer Arbeit und Aufklärung unterstützen möchte. Die Einsetzung eines neuen Geschäftsführers sei veranlasst. Letztlich würde man auch, mit den Steuerberatern und dem neuen Geschäftsführer, sämtliche Belege auf Auffälligkeiten prüfen wollen und gegen den alten Geschäftsführer geltend machen. Wieweit der aktuelle Vorstand tatsächlich nichts über die Vorgänger wusste und wie glaubhaft das ist, werden die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft ans Licht bringen.

Die Vorstandsvorsitzende Mengel hat unter Umständen viel zu verlieren denn diese könnte bei nachgewiesener grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz mit ihrem privaten Vermögen haften. Aus dieser Pressemitteilung lässt sich deuten, dass sie derzeit keineswegs plant ihren Vorstandsvorsitz zur Verfügung zu stellen.

Große Verantwortung tragen auch zahlreiche Verantwortliche in der Politik und den Ämtern. Dem BEN Kurier sind aus den Unterlagen einige bekannt und es bleibt abzuwarten wie diese mit den Verfehlungen umgehen werden.

Am Ende gibt es nur Verlierer. Eine sanierungsbedürftige Kita in Singhofen, ein vermeintlich gemeinnütziger Verein, den einige gemein für eigene Zwecke genutzt haben dürften und zahlreiche gute Mitarbeiter, welche das Recht haben auf eine solide Führung im ruhigen Gewässer. Und nicht zu vergessen all die Menschen, die sich auf die Lebenshilfe Rhein-Lahn verlassen haben. (Anmerkung: Dem BEN Kurier liegen die genauen Zahlen aus den Unterlagen vor. Ferner liegen dem BEN Kurier komplette Buchhaltungsunterlagen sowie Schriftverkehr der Vorstandsvorsitzenden, Politik und Amtsvertreter vor).

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2 Comments

  1. Anmerken möchte ich zu dieser dubiosen Geschichte, dass die Adresse der Nastättener Lebenshilfe – Industriestraße 22 – identisch ist mit dem Sitz der christlichen Sekte
    ” Gemeinde unterwegs”. Diese Vereinigung ist durch ihre Tätigkeit auch schon aufgefallen. Sie sprachen in ihrem Text von sektiererischen Hierarchien. Das passt genau.

  2. Habe auch da gearbeitet und das ist lang noch nicht alles alle hatten Angst vor ihm und jede Woche hat er Angestellte fristlos gekündigt ohne darauf zu schauen wie es den Kindern dabei geht

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