Mit einem Schwerlastkran wurden 2018 die Schäden an Dach und Fassade der Kaiser-Wilhelm-Kirche erstmals genauer in Augenschein genommen. Es folgten weitere Untersuchungen und Gutachten. Die weitreichendsten Probleme, die Architekt Jürgen Hamm in einer Gemeindeversammlung erläuterte, stellt die durch Wasser veränderte Struktur des Untergrundes dar

Kirchengemeinde Bad Ems kann Erhalt von Kaiser-Wilhelm Kirche nicht stemmen

in VG Bad Ems-Nassau

BAD EMS Gemeinde kann Erhalt von Kaiser-Wilhelm-Kirche nicht stemmen Versammlung in Bad Ems stellt immense Schäden am Baudenkmal vor – Untergrund festigen und Partner finden BAD EMS/RHEIN-LAHN. (19. Oktober 2021) Immense Schäden weist die evangelische Kaiser-Wilhelm-Kirche in Bad Ems auf, deren Beseitigung die Kirchengemeinde als Eigentümerin nicht aus eigener Kraft beheben kann.

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Das machte eine Gemeindeversammlung im Gemeindehaus an der evangelischen Martinskirche deutlich, in dem der die Sanierung begleitende Architekt eine ganze Reihe von Untersuchungen vorstellte, bei denen immer wieder neue Schäden zu Tage traten. Die Kirche steht nicht nur unter Denkmalschutz; seit diesem Sommer zählt sie auch zum Ensemble, für das die Kreis- und Kurstadt an der Lahn als eine der „Great Spas of Europe“ von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde.

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Gemeinde kann Erhalt von Kaiser-Wilhelm-Kirche nicht stemmen Versammlung in Bad Ems stellt immense Schäden am Baudenkmal vor – Untergrund festigen und Partner finden

Seit Frühjahr 2017 ist das im August 1899 als „Badekirche“ eingeweihte Gebäude am Fuß des Malbergs für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich, nachdem sich Risse im Mauerwerk und in der Decke des Chorraums gezeigt hatten und erstmals statische Probleme offenbarten. Mit einem Schwerlastkran wurden im September 2018 die Schäden an Dach und Fassade genauer untersucht, erkennbare am Dach ausgebessert, um das Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Als nächstes wurden sowohl die Außenfassade als auch die Raumschale im Innern photogrammetrisch aufgemessen. Neben dem Sanierungsbedarf an Dach, Fassade, Statik und Glas bereitet vor allem der Untergrund des Bauwerks große Probleme, wie die folgenden Bodenuntersuchungen ergaben. Das auf Fels, Hochflutlehmen, Aufschüttungen und unterschiedlich hohen Fundamenten errichtete Bauwerk neigt sich um acht Zentimeter zur Lahn hin. Wasseransammlungen, die dem Boden ihre Struktur nehmen, sind dafür offenbar die Ursache, wie Architekt Jürgen Hamm (Worms) in der Versammlung erläuterte; sein Büro hatte 2019 nach einer Ausschreibung in Abstimmung mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Kirchengemeinde die Begleitung der Schadensfindung und Sanierung übernommen.

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Mit einem aufwändigen Injektionsverfahren von Expansionsharz könne wieder ein fester Untergrund gebaut werden, so der Architekt. In desolatem Zustand befindet sich überdies das Entwässerungssystem rund um die Kirche mit Rohren aus den Jahren 1911 bis 1965. Das hatte eine Kamera-Befahrung des Kanals gezeigt. Mit welchen Kosten eine umfassende Sanierung verbunden ist, konnte von den anwesenden Architekten nicht beantwortet werden, eine zweistellige Millionen Summe wurde nicht ausgeschlossen. Außer Frage stand für die anwesenden Fachleute und Besucher, dass eine Sanierung, für die Hamm eine Zeitachse von sieben bis zehn Jahren nannte, keinesfalls von der Kirchengemeinde „gestemmt“ werden könne sowohl was die finanziellen Ressourcen als auch die zeitlichen eines ehrenamtlichen Kirchenvorstands anbelangt.

Für die Kirchengemeinde Bad Ems ist das Bauwerk zur Erfüllung ihrer Aufgaben und in Relation zur Gemeindegröße von derzeit gut 3200 Gemeindegliedern ohnehin entbehrlich. Mit der evangelischen Martinskirche, einer Kirche in Kemmenau sowie einem Gemeindehaus sei der Flächenbedarf an Gottesdienst- und Versammlungsflächen gedeckt, erklärte Gemeindepfarrerin Lieve Van den Ameele, „so wünschenswert die Bewahrung des Gebäudes auch ist“. Außerdem unterhält die Gemeinde noch ein renovierungsbedürftiges Kindertagesstätten-Gebäude.

Mit einem Schwerlastkran wurden 2018 die Schäden an Dach und Fassade der Kaiser-Wilhelm-Kirche erstmals genauer in Augenschein genommen. Es folgten weitere Untersuchungen und Gutachten. Die weitreichendsten Probleme, die Architekt Jürgen Hamm in einer Gemeindeversammlung erläuterte, stellt die durch Wasser veränderte Struktur des Untergrundes dar

Nach der ausführlichen Diskussion über die Untersuchungsergebnisse und die Zukunft des Gebäudes hatte Moderatorin Esther Braun-Kinnen auf einem Flipchart zwei Schritte notiert, die den Anwesenden am dringlichsten erscheinen: Die Sicherung des Untergrundes sowie die Suche nach Partnern aus Stadt, Kreis, Land, Bund, Unesco sowie anderen Institutionen, die ein Interesse am Erhalt des Gebäudes haben.

Wortmeldung

Parallel dazu solle an einem Nutzungskonzept weitergearbeitet werden, für das die Kirchengemeinde bereits ein Exposé erstellt hat. Zudem brauche es hauptamtlicher Unterstützung für das Projekt. Heilung an Leib und Seele als Thema Dass es sich bei der Kirche architektonisch gerade auch mit seinem prachtvollen Innenraum sowie seiner Historie um ein herausragendes und einzigartiges Bauwerk handelt, stand an dem Abend nicht zur Debatte und wurde mehrfach betont.

Architekt Hamm

Zuletzt war der Prachtbau vor allem als Ort für Trauungen und Taufen beliebt und dank seiner tollen Akustik für Konzerte und Kulturveranstaltungen. Ein Exposé zur künftigen Nutzung, mit dem die Kirchengemeinde Bedeutung und Sinn unterstreicht, die Kirche zu erhalten, nennt als vier Standbeine Gottesdienst, Kultur, Soziales und Bildung. Das Thema „Heilung für Leib und Seele“ könne dabei gerade in der Kurstadt eine wichtige Rolle spielen. Repräsentative Badekirche Die ersten Überlegungen, eine repräsentative zweite Kirche in Bad Ems zu bauen, gab es um 1870, als die Stadt Weltruf genoss und sich dort gekrönte Oberhäupter, Adel und Künstler aus ganz Europa und der Welt zum Kuren trafen. Auch Kaiser Wilhelm I. befürwortete den Bau einer protestantischen Badekirche, die den langen Weg zur mittelalterlichen kargen Dorfkirche in Ems ersparte. Die Kirchengemeinde verfügte allerdings nicht über Mittel, sich an den rund 140.000 Mark Baukosten  nennenswert zu beteiligen.

Dank des rührigen Kurgastes Pfarrer Friedrich von Bodelschwingh aus Bethel gelang die Finanzierung; Kaiser Wilhelm II. gewährte allein ein „Gnadengeschenk“ von 50.000 Mark.

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