Nach der standesamtlichen Trauung am 20. September 1960 verlassen Cécile und Alexander von Falkenhausen das Nassauer Rathaus, gefolgt von ihrem Trauzeugen, dem belgischen Chirurgen Dr. Jean-Marie Colette. Foto: Stadtarchiv Nassau (Werner Freiherr Grote)

Vor 55 Jahren starb Alexander von Falkenhausen in Nassau

in VG Bad Ems-Nassau

NASSAU Nur wenige Nassauerinnen und Nassauer wissen heute, dass in den Fünfziger und Sechziger Jahren eine Persönlichkeit in ihrer Heimatgemeinde lebte, die die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts mitgestaltet hat: Alexander von Falkenhausen wohnte mit seiner zweiten Frau Cécile sehr zurückgezogen in einem kleinen Holzhaus in der Emserstraße, direkt gegenüber des damaligen Krankenhauses Henrietten-Theresien-Stift.

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General Alexander von Falkenhausen als Militärbefehlshaber von Belgien und Nordfrankreich in seinem Hauptquartier in Brüssel im Jahr 1940. Foto: Stadtarchiv Nassau (Otto Kropf)

Wer war Alexander von Falkenhausen?

Falkenhausen wurde 1878 auf dem elterlichen Rittergut Blumenthal in Oberschlesien als zweites von acht Kindern geboren. Er durchlief eine mustergültige militärische Karriere, die mit zwölf Jahren auf einer Kadettenschule begann. Sein Weg führte ihn sehr bald in die Welt: Er war unter anderem deutscher Militärattaché in Tokio (ab 1911), Militärberater von Mustafa Kemal, dem späteren Mustafa Kemal Atatürk, in Istanbul (ab 1917), Kommandeur der Infanterieschule der Reichswehr in Dresden (ab 1927), Militärberater der chinesischen Nationalregierung in Nanking (ab 1934) und schließlich deutscher Militärbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich (1940-1944) mit Sitz in Brüssel. Über einen Zeitraum von 54 Jahren hatte er in drei Armeen gedient: im Deutschen Kaiserreich, in der Weimarer Republik und im NS-Staat.

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Alexander von Falkenhausen und Pater Raymond de Jaegher, 26.5.1954, Remagen

Nach einem ereignisreichen Leben starb der ehemalige General Alexander von Falkenhausen am 31. Juli 1966 in Nassau. Seine lange militärische Karriere hatte ihn früh in die Welt geführt. Seinen Lebensabend aber hat er in der kleinen Stadt an der Lahn verbracht.

In den früher 30er-Jahren engagierte sich Falkenhausen politisch für die rechtskonservative Deutschnationale Volkspartei (DNVP) in Sachsen und kandidierte für den sächsischen Landtag. Zur gleichen Zeit hatte er verschiedene Funktionen im antidemokratischen „Stahlhelm – Bund deutscher Frontsoldaten“ inne. Als überzeugter Monarchist ließ er sich aber am Ende nicht von den Nationalsozialisten vereinnahmen.

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Tokio, Istanbul, Nanking, Brüssel und Nassau

Ab 1938/39 stand Falkenhausen mit den führenden Köpfen des konservativen und militärischen Widerstands gegen Hitler in engem Kontakt und war in die geheimen Planungen des Hitlerattentats vom 20. Juli 1944 eingeweiht, hatte aber selber keine aktive Rolle. Als Militärbefehlshaber in Belgien von 1940 bis 1944 versuchte er, die Ausbeutung des Landes und die Repressalien gegen die belgische Bevölkerung nicht ausufern zu lassen, indem er Befehle aus Berlin verschleppte, abmilderte und teilweise unterlief.

An seinem 80. Geburtstag erhielt Falkenhausen in seinem Nassauer Zuhause den höchsten militärischen Orden der Republik China für seine Verdienste als Militärberater Chiang Kai-sheks in den späten 30er-Jahren verliehen. Foto: Stadtarchiv Nassau (Werner Freiherr Grote)

Deshalb wurde er auch kurz vor dem 20. Juli 1944 abberufen und wenige Tage später durch die Gestapo wegen des Verdachts der verschwörerischen Agitation inhaftiert. Nachweisen konnte man es ihm aber nicht. Mit dieser Verhaftung begann für Falkenhausen eine fast siebenjährige Odyssee durch über 50 Gefängnisse und Lager der Nazis und später der Alliierten.

Von Brüssel nach Nassau

Im März 1951 wurde Falkenhausen durch ein Brüsseler Militärgericht zu zwölf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Ihm wurde die Verantwortung für Geißelerschießungen sowie für Juden- und Zwangsarbeiterdeportationen zur Last gelegt. Als mildernde Umstände wurden seine nachweisliche Gegnerschaft zum Naziregime und seine wohlwollende Haltung gegenüber der belgischen Bevölkerung berücksichtigt. Bereits drei Wochen nach der Urteilsverkündung wurde er begnadigt.

Das Holzhaus in Nassau, in dem Alexander von Falkenhausen von 1954 bis zu seinem Tod 1966 sehr zurückgezogen lebte. Foto: Stefan Holler

Falkenhausen war nach der Rückkehr in sein Heimatland im April 1951 nahezu mittelos. Seine erste Ehefrau Frau Paula war Anfang 1950 während seiner Haft verstorben, sein Haus in Dresden war im Krieg stark zerstört und anschließend von Plünderern heimgesucht worden. Nach mehreren Ortwechseln zog er schließlich, auf Vermittlung von Unterstützern, nach Nassau. Er bezog das kleine Holzhaus, das auch damals bereits im Besitz der Familie von Kanitz war, und lebte dort zurückgezogen und bescheiden. Falkenhausen korrespondierte aus Nassau aber mit Deutschland und der Welt, schaltete sich noch in so manchen politischen Diskurs ein und empfing im Holzhaus Besuch von alten Weggefährten und treuen Freunden.

Späte Heirat

Im September 1960 heirate er mit 82 Jahren, zur großen Überraschung von Angehörigen und Außenstehenden, die Belgierin Cécile Vent (1906-1977) auf dem Nassauer Standesamt. Die französische und belgische Presse berichtete ausführlich über das außergewöhnliche Paar, denn Cécile war während der deutschen Besetzung Belgiens Kommandeurin einer regionalen Widerstandgruppe der belgischen Résistance gewesen. Nach dem Krieg betreute sie Insassen von belgischen Gefängnissen und lernte hierbei Falkenhausen kennen und lieben. 1960 zog sie zu ihm nach Nassau.

Das Grab von Cécile und Alexander von Falkenhausen auf dem Nassauer Friedhof. Foto: Stefan Holler

Alexander von Falkenhausen starb am 31. Juli 1966 im Alter von 87 Jahren. Er war zuletzt bettlägerig und nahezu vollständig erblindet. Seine letzten Lebensjahre wurde er von Cécile liebevoll gepflegt. Mit höchsten militärischen Ehren wurde er auf dem Nassauer Friedhof beigesetzt. Cécile von Falkenhausen starb elf Jahre später. Die Grabstätte des Ehepaars von Falkenhausen ist auch heute noch in Nassau zu besichtigen, sie soll nun vom Nassauer Bauhof in Stand gesetzt und regelmäßig gepflegt werden (Text: Stefan Holler).

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