Das damalige Rathaus (zuletzt Koblenzer Straße 23, Ecke Marktstraße) überstand den Brand von 1720 und wurde erst 2007 abgerissen. Ein Strebenkreuz des Fachwerks wurde geborgen und ist im Museum zu sehen. Foto: Thomas Papzien

Geschichte – Dorfbrand vor 300 Jahren

in VG Bad Ems-Nassau

BAD EMS Der Jahreswechsel bietet Anlass zu einem etwas anderen Rückblick, nämlich auf die Zeit vor 300 Jahren und damit auf das Jahr 1720.

Es ist geprägt von einem großen Dorfbrand, während die Bürgermeisterrechnung Einblicke in das Gemeindeleben vermittelt. Schließlich darf auch der Blick auf den Alltag und auf das Emser Bad nicht fehlen.

Jährlich erstellte die Gemeinde, wie noch heute, eine Rechnung über Einnahmen und Ausgaben. Diese Rechnungen sind im Stadtarchiv erhalten, so wie noch heute das Verbandsgemeindearchiv die Jahresrechnungen aufbewahrt. Oberhaupt der Gemeinde war der Schultheiß, während der Bürgermeister vor allem so etwas wie der Gemeinderechner war.

Die Rechnung für 1720 wurde geführt von Bürgermeister Carl Caffine und Goßwin Bonsfeld als Geselle. Sie schloss mit Einnahmen von 1030 Gulden und mit Ausgaben von 1035 Gulden ab, also mit einem leichten Defizit. Das war damals wie heute normal. Wichtigster Posten bei den Einnahmen war die Kontribution, eine Steuer, die aber größtenteils an die Landesherren abgeführt wurde. Die Kontribution wurde monatlich erhoben.

Gemeinderechnung 1720

Den Opfern der großen Brandkatastrophe des Jahres 1720 (siehe Teil 1 dieses Rückblicks) wurde sie jedoch erlassen. Einnahmen flossen auch aus der Verpachtung von Weiden, zum Beispiel von den Einwohnern von Frücht für Weiderechte am Malberg. Pfahlhecken wurden an Einwohner von Fachbach, Neuendorf und Pfaffendorf verpachtet, was darauf schließen lässt, dass es um Weinbergspfähle ging.

Aus dem Stadtarchiv: Jahresrückblick vor 300 Jahren

Für die Nutzung öffentlicher Plätze zahlte u.a. die Marioth’sche Eisenschmelzhütte eine Gebühr. Dieses kleine Industrieunternehmen stand an der Straße nach Arzbach im Bereich des späteren Forsthauses. Die Hütte war auch ein Abnehmer für Holz, mit dem der Schmelzofen befeuert wurde. Weitere Einnahmen kamen aus Holzverkäufen an Einwohner und aus der Verpachtung des Backhauses an Bäcker Jacob Flöck.

Größter Ausgabeposten war die Abführung der Steuern an die Landesherren (wie heute die Umlage). Die Gemeinde bezahlte Nachtwächter, Kuh- und Ziegenhirten, Botengänger sowie einen Einwohner für die Haltung des Zuchtbullen. Unter den Ausgaben für Baumaßnahmen sei eine neue Tür für das Rathaus erwähnt, das am heutigen Kastellbadkreisel stand und an das nur noch ein Fachwerkelement im Stadtmuseum erinnert.

Strebenkreuz im Museum

Der größte Schaden, der der Gemeinde durch den Dorfbrand entstand, nämlich die Zerstörung des Schulhauses am Fronhof, konnte erst zwei Jahre später durch einen Neubau behoben werden (heute Fronhof Nr. 10).

Weitere Informationen in: Hans-Jürgen Sarholz: Geschichte der Stadt Bad Ems, erhältlich im Buchhandel und ausleihbar in der Stadtbücherei Bad Ems. Reichhaltige Quellen und Literatur zur Stadtgeschichte gibt es im Stadtarchiv.

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