Wappen des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn über dem Eingangsportal im Innenhof (Foto: Hans-Harald Romberg)

Das Lahnsteiner Martinsschloss vor 300 Jahren

in Lahnstein

LAHNSTEIN Das Martinsschloss wurde ab 1298 als Zollburg der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz erbaut. Um den Innenhof gruppieren sich Wohnbauten aus verschiedenen Jahrhunderten: der Nordflügel mit großem Saal, Kapelle und vorgebautem Treppenturm aus dem frühen 14. Jahrhundert, im Osten die Tormauer mit Wehrgang und dem Weinsberger Turm aus dem späten 14. Jahrhundert, der Südflügel mit gotischem Saal von Ende des 15. Jahrhunderts und an der Rheinfront von 1720 der barocke Mittelbau. Für diesen repräsentativen dreistöckigen Bau mit Mansardgeschoss ließ Kurfürst Lothar Franz von Schönborn (1695-1729) den rheinseitigen Renaissancebau von 1628 abreißen und vollendete somit vor 300 Jahren das Martinsschloss, wie wir es heute kennen.

Der typisch barock gegliederte Gebäudeteil weist je Geschoss sieben Fenster auf, die mit Gewänden aus rotem Sandstein gerahmt sind. In der Mitte des Erdgeschosses war ein Raum mit einer barocken Stuckdecke aus zarten Bändern, von der nur noch in einer Raumecke das Monogramm „CL“ mit Bischofshut erhalten ist. Im 1. Obergeschoss, der Belle Etage, dominierte der „Spiegelsaal“, welcher zu beiden Seiten von einem weiteren Raum flankiert wird. Im rechten (südlichen) Nebenraum sind zwei identische Stuckbilder, die eine Sonne mit einem Frauenkopf im Zentrum zeigen, erhalten. Das Motiv entspricht dem des Sonnenkönigs. Die Obergeschosse waren, wie üblich, schlicht gestaltet und von Bediensteten bewohnt.

Über das Eingangsportal im Innenhof setzte Kurfürst Lothar Franz von Schönborn sein reich verziertes Wappen, das sich auch an der Fassade findet. Es lässt sich wie folgt beschreiben: „einmal geteilt und zweimal gespalten zeigt das vordere obere und sechste Feld in Gold einen schwarzen Löwen der mit einem silbernen Schrägbalken belegt ist, darunter in Blau silberne Rauten 2:1 gestellt, die ein silberner Balken trennt, im geteilten Pfahl je ein Mainzer Rad und im fünften roten Feld sind als Dreipass drei Schildlein angeordnet. Das Mittelfeld zeigt in Rot einen laufenden goldenen Löwen über drei silbernen Spitzen.“

In gleicher Zeit bekam der große, 28 Meter massiv gemauerte Turm des Schlosses anstelle eines gotischen Spitzdachs eine sieben Meter hohe barocke Haube, die 100 Taler gekostet haben soll.

Um 1790 erfolgte innen die klassizistische Umgestaltung sowie der Anbau einer Verbindung zwischen Barockbau und Turm, so dass der Erzbischof von seinen Gemächern in den Turm gelangen konnte. Er hat aber nicht viel davon gehabt, sondern musste ins Exil, nachdem Mainz französisch geworden war.

Im Spiegelsaal zwischen den Türen zu den Nebenräumen und den gleichgroßen flachen Ofennischen sind die großen Flächen der Seitenwände im Stil des Empire bemalt. Die Zentren der Bilder zeigen allegorische Rundbilder, welche den Vater Rhein und die Tochter Lahn darstellen. Die Malerei setzt sich mit Rutenbündeln, Girlanden und blau – gelborangen Bändern auf allen noch so schmalen Wandfeldern fort.

Wandmalerei „Tochter Lahn“ im Spiegelsaal während der Restaurierung 2007 (Foto: Michael Eisenbarth).

Diese Wandmalerei wurde vermutlich zu Beginn der Nassauer Zeit um 1804 angebracht und entsprach der damaligen Mode unter französischem Einfluss. Sie ist das einzige Beispiel profaner Malerei dieser Zeit in Rheinland-Pfalz. Nachdem Napoleon und seine Mode nicht mehr aktuell waren, wurde sie mit einer feinen Putzschicht verdeckt und ist daher außergewöhnlich gut erhalten.

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