Nur noch überwachte Züge sollen durchs Rheintal fahren dürfen – fordert die Deutsche Schienenhilfe nach dem Zugunglück in Niederlahnstein (bei Koblenz)

Schienenhilfe fordert überwachte Züge im Rheintal

in Lahnstein

LAHNSTEINDie Katastrophe ist da, und es war leider eine Katastrophe mit Ansage“, sagt der Sprecher der Deutschen Schienenhilfe, Dr. Jochen Zenthöfer, zu dem Zugunglück in Niederlahnstein bei Koblenz. „Das Mittelrheintal ist täglich gefährdet.“ Sowohl rechts- als auch linkrheinisch könnten jeden Tag weitere Unfälle passieren.

Wir hatten ein Riesenglück. Nicht auszumalen, wenn die Güterwagen mit explosiven oder leicht entzündlichen Stoffen beladen gewesen wären. Es wird ja immer wieder auch Blausäure und Chlorgas durchs Mittelrheintal transportiert.

Und: Brennende Güterwagen sind uns noch durch den Eisenbahnunfall des Henkel-Zuges am 8. Februar 2019 im Bahnhof Unkel in böser Erinnerung. Hitzeschäden und Risse an den Fassaden, verbrannte Rollladen, Bewohner, die ihre Häuser mitten in der Nacht verlassen mussten.“

Die Einschläge kommen näher! Klar: Wo mehr gefahren wird, passiert auch mehr. Bis 2030 möchte die Bundesregierung den Anteil der Schiene am Modal Split auf 25% anheben, was einer Verdopplung der Züge im Rheintal gleichkommt. Aus Klimaschutzgründen ist das grundsätzlich in Ordnung. Nur: Damit können sich auch die Unfälle verdoppeln.

Fotos vom 31.8.2020, aus Niederlahnstein, Foto: Jochen Zenthöfer für Deutsche Schienenhilfe

Eine Zugüberwachung des Rheintals ist dringend erforderlich. Nur so lassen sich Zugunfälle reduzieren.

Sowohl eine dringend erforderliche und priorisierte Digitalisierung der Rheinschienen mit ETCS (European Train Control System (Europäisches Zug-Kontroll-System)), als auch die Ausstattung der Güterwagen mit Sensorik oder Wayside-Monitoring muss dringend umgesetzt werden.

Durch die Digitalisierung der Güterwagen mit Sensorik oder Wayside-Train Monitoring, dass die technischen Zustände von Güterwagen an der Strecke erfasst, können technische Defekte rechtzeitig erkannt und an den Lokführer weitgegeben werden.

Mit ETCS überwacht das System anhand von Angaben aus dem Streckenatlas, einer genauen Positionsbestimmung und vorgegebenen Führungsgrößen den Zug. Das System kann damit auch bei hohen Geschwindigkeiten rechtzeitig die richtigen Entscheidungen zur Sicherung der Zugfahrt treffen. Vergleichbar ist das System mit einem Autopiloten.

Die Deutsche Schienenhilfe dankt allen Helferinnen und Helfern, vor allem der Feuerwehr, für ihre Rettungsmaßnahmen.

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