Todesfalle Schule - Öffnung der Lehranstalten verfrüht?

Coronafalle Schule – Das sollten Sie wissen!

in Allgemein/Deutschland/Rheinland-Pfalz

Am 04. Mai soll ein Teil der Kinder wieder die Schulen besuchen. Doch wie gut sind die Lehranstalten wirklich auf die Ausnahmesituation vorbereitet? Die Fakten sind erschreckend.

Es beginnt mit der Schülerbeförderung. Ab Montag gilt offiziell die Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr. Und dennoch lässt die Verordnung der Landesregierung Ausnahmen zu. Im Schreiben der gemeinsamen Verantwortung für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs, veröffentlichte das Land RLP die Anweisung, dass die Schüler/innen gehalten sind, in den Bussen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Aber….. der Transport darf auch ohne entsprechenden Schutz nicht verweigert werden. Zwar möchte der Staat jedem Schüler eine wiederverwendbare Maske schenken doch dieses hätte bereits vor Schulbeginn geschehen müssen.

In anderen Bundesländern erhalten die Kinder vor Eintritt in den Nahverkehr vom Busfahrer eine Gesichtsbedeckung. In Rheinland-Pfalz ist dieses nicht vorgesehen. Auch wenn zu Beginn nur eine kleine Anzahl von Jugendlichen die Lehranstalten besuchen stellt sich eine weitere Frage. Wie gestaltet sich die Platzordnung in den Bussen? Um den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten zu können, dürfte jede Bank nur einmal besetzt werden. Außerdem müsste jede zweite Sitzgelegenheit unbesetzt bleiben. In der Praxis unhaltbar.

Rufe der Lehrer werden lauter – Schulen dürfen nicht geöffnet werden

Dieses sind noch die kleinsten Schwierigkeiten. In den Schulräumen sollen maximal 15 Kinder unterrichtet werden. Dieses bedeutet, je Tisch ein Kind. 1,50 Meter Mindestabstand zum nächsten Schüler. Teils versetzte Tische. Und dennoch ist auch dieses nicht immer möglich da es die Räumlichkeiten nicht erlauben.

In jedem Klassenzimmer sollen die Schüler die Möglichkeit haben sich die Hände gründlich zu reinigen. Dabei haben viele Räume kein Handwaschbecken. Somit ist auch dieses vielfach ausgeschlossen. Die Reinigungsempfehlung die Türdrücker mit Desinfektionsmitteln zu behandeln ist eine einzige Beruhigungsmaßnahme. Sobald ein am Coronavirus erkranktes Kind die Klinke in die Hand nimmt, ist die Vorsichtsmaßnahme Makulatur.

Laut der Bundesregierung, gehören Kinder nicht zur besonders gefährdeten Gruppe. Diese würden gut mit der Krankheit umgehen können. Entspricht dieses der Wahrheit? Nein. In Portugal verstarb ein 14-jähriger Schüler an Covid-19. Ein 16-jähriges Mädchen erlag in Frankreich dem Coronavirus. Und in Belgien forderte die Pandemie das Leben eines 12-jährigen Mädchens. Großbritaniens jüngstes Opfer war erst fünf Jahre alt. Bedauerliche Einzelfälle? Alle mit Vorerkrankungen? Lediglich der 14-jährige Junge aus Portugal litt an der Hauterkrankung Neurodermits. Die anderen Kinder hatten keinerlei Vorerkrankungen. Und es gibt zahlreiche weitere Fälle von Corona Toten im Kinder- und Jugendalter.

Richtig ist, dass die Corona Letalität bei Heranwachsenden deutlich geringer ist wie bei  älteren Menschen. Kinder aber als nicht gefährdet anzusehen ist falsch.  Und die Fragwürdigkeit der Öffnungen der Schulen hat einen weiteren Hintergrund. Nicht wenige Schüler leben in Haushalten mit Risikopatienten zusammen. Die Gefahr dass die Kinder den Virus unwissentlich übertragen ist hoch und wahrscheinlich.

Einzelne Eltern wollen ihre Kindern nicht in die Schule schicken

Auch der Landeselternbeirat RLP teilte dem BEN Kurier in einem telefonischen Interview mit, dass die Maßnahmen angezweifelt werden. Die Sicherheit der Schüler, Eltern und Lehrer kann unter den gegeben Umständen nicht garantiert werden.  Bereits jetzt werde Rufe von Lehrern laut, die den Ausbau von Heimunterricht fordern. In der Praxis sollen Lehrinhalte per Videokonferenz den Kindern vermittelt werden.

Zahlreiche Eltern sind verunsichert. Dem Ben-Kurier sind Eltern bekannt, die sich weigern ihre Kinder wieder in die Schule zu schicken. Demgegenüber stehen Erziehungsberechtigte, welche bereits jetzt mit der Heimbetreuung überfordert sind. Urlaube wurden aufgebraucht. Und dennoch stellt sich die Frage ob hier ein Schnellschuss gewagt wurde. So mancher Politiker bezeichnete die Eröffnung der Schulen zum Test für das Gesundheitssystem. Doch genau dieser Versuch wird Leben kosten. Spätestens wenn der erste Schüler der Krankheit erlegen ist, wird sich die Regierung die Frage stellen müssen ob das Recht und Pflicht auf Bildung über dem Leben steht.

Und genau hier werden die Schwächen des deutschen Bildungssystem deutlich. Die Bundesregierung versäumte es massiv den Ausbau der Digitalisierung voranzutreiben. Die Informatik hat in den Schulen kaum einen Stellenwert. Noch immer werden zum Beispiel Nebenfächer wie Kunst oder Musik mehr Bedeutung zugesprochen wie der Grundausbildung in Computerwissenschaften.

Die Kinder beherrschen Counter Strike und Team Viewer. Doch grundsätzliche PC Kenntnisse fehlen gänzlich. In der schnelllebigen digitalen Welt müsste das Fach Informatik einen ähnlichen Stellenwert genießen wie die Pflichtfächer Deutsch, Mathematik oder Englisch. In einigen europäischen Nachbarländer ist man sich der Bedeutung sehr wohl bewusst. In so manchem skandinavischen Staat lernen die Schüler nahezu ausschließlich am Notebook. Die Lehrer sind entsprechend geschult. Den Kindern werden tiefgreifende PC Kenntnisse vermittelt. In den PISA Studien schneiden diese Länder überproportional gut ab.

In der Corona Krise werden Lerninhalte fast ausschließlich per Videochat übertragen. Sicherheit hat oberste Priorität. Diese Chance hat Deutschland verpasst. Nun heißt es abzuwarten, wie lange es dauern wird, bis der neuralgische Schwellenwert von 1,2 Neuansteckungen je Covid-19 Infizierten erreicht wird. Spätestens dann müssen die Schulen wieder schließen.

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