Geschichte

Schlittenfahrt am Bernche

in Lahnstein
Ein mit zwei Jungen besetzter Kastenschlitten beim Sprung über die Querrinne, vermutlich Februar 1956. Rechts die Bohnenstange. An der Seite schaut mit Hut Toni Schlösser zu. (Foto: Stadtarchiv Lahnstein)

LAHNSTEIN Die derzeitigen Wetterverhältnisse lassen ältere Mitbürger von ihren Rodelerlebnissen als Jugendliche schwärmen. In Niederlahnstein lockte Anfang und Mitte der 1950er Jahre die noch wenig frequentierte Allerheiligenbergstraße von hoch oben, wo das Gefälle am größten ist, hinunter bis zum „Brückelchen“ unterhalb des Friedhofs als Schlittenbahn.

Nach Schulschluss waren hunderte von Kindern und auch Erwachsenen mit ihren Schlitten unterwegs. Die „Profis“ hatten schwere handgefertigte Kastenschlitten aus stabilem Eichenholz, die alleine schon bis zu 50 kg wogen und je nach Länge von zwei oder drei Jugendlichen besetzt sein konnten.

Kastenschlittenfahren am „Bernche“, Allerheiligenbergstraße

Der Ur-Niederlahnsteiner Heinz Born hat noch einen solchen selbstgebauten Kastenschlitten aus dem Jahr 1955 aufbewahrt. Born erinnert sich: Gestartet wurde je nach Zustand der Bahn: Anfänger und Kinder im noch nicht schulpflichtigen Alter starteten meist am „Kellerchen“ (Stollenbunker oberhalb des Friedhofs) oder bei den „Drei-Tannen“ (Treppenaufgang zur evangelischen Kirche), etwas Mutigere am „Billchen“ (oberhalb der Kurve) oder ab „Tells Greta“, einer Waldschenke bei der Weggabelung zwischen den Straßen Im Lag bzw. Am Allerheiligenberg.

Heinz Born mit seinem 1955 fertiggestellten Zweier-Kasten von 77 cm Länge, 41 cm Breite und 14 cm Höhe (Foto: Bernd Geil / Stadtverwaltung Lahnstein)

Die Profis begannen meist hoch oben am Wasserbehälter. Hier war das Gefälle noch gering, aber vom „Billchen“ an ging es steil bergab. Oft geriet schon hier der schwere Kastenschlitten aus der Bahn, denn bis zur Kurve am Eingang der Kleinen Hohl war der Weg damals noch nicht geteert, Schottersteine ragten aus dem hartgefrorenen Schnee und brachten den Schlitten außer Kurs. Nicht wenige landeten deshalb zuerst mal an der Mauer zur „Kleinen Hohl“. Weiterlesen

Ehemaliger Befestigungsturm ist heute Gedenkstätte

in VG Bad Ems-Nassau
Ehemaliger Befestigungsturm ist heute Gedenkstätte

NASSAU Der aufragende fünfeckige „Eimelsturm“ am Nassauer Friedhof ist einer der beiden Befestigungstürme, die neben den Stadttoren die Abwehrkraft der Nassauer Ringmauer verstärkten.

Wie der in der Nassauer Grabenstrasse stehende „Graue Turm“ auch „Hexenturm“ genannt, verfügt der „Eimelsturm“ über mehrere Namen. So verschaffte ihm 1661 sowie 1691 bis 1796 das etwa 50 Meter seitlich angelegte Seylentor sowie das direkt an den Turm angebaute Seylenpförtchen den Namen Seylturm.

Nassauer „Eimelsturm“ legt lebendiges Zeugnis der Geschichte ab

Ab 1828 bis Ende des 19. Jahrhunderts war vom „Kirchhofsturm“, vom „Turm am Totenhof“ (1841 bis 1868) oder vom „Turm in der Schulstraße“ – dessen Namen er von der 1823 in seiner Nähe erbauten Elementarschule erhielt – die Rede. Erst in den 1920er Jahren bekam er den Namen „Eimelsturm“. Weiterlesen

Das spannende Leben des Josef Zais

in Lahnstein
Postkarte von der Waldschenke Ruppertsklamm. Rechts im Bild Josef Zais mit seinem Verkaufsstand.

LAHNSTEIN Vor 60 Jahren starb Josef Zais, ehrenamtlicher Betreuer der Ruppertsklamm. Diese wurde in den Jahren 1910 bis 1912 von seinem Vater Theodor Zais (1855-1930) erschlossen, was zu einer deutlichen Hebung des Fremdenverkehrs in Niederlahnstein führte.

Aus Dankbarkeit ließ der dortige Verkehrsverein eine Gedenktafel in der Mitte der Klamm anbringen. Die gusseiserne Tafel enthält das Bildnis von Theodor Zais mit der Aufschrift „Dem Erschließer und Beschützer dieser Klamm, Herrn Theodor Zais, 1910 bis 1930 vom Verkehrsverein Niederlahnstein gewidmet“.

Wie Theodor war auch sein am 09. Dezember 1879 in Niederlahnstein geborener Sohn Josef ein großer Naturfreund und in seiner Freizeit in der Klamm anzutreffen, um sie von Geröll und Gehölz zu befreien und die von seinem Vater geschaffenen Stege und Stufen zu pflegen und zu erneuern. Er kam mit den Besuchern gerne ins Gespräch, die als Krönung des Aufstiegs meist in der Waldschenke einkehrten und dort ihre Begeisterung in ausliegenden Gästebüchern kundtaten. Weiterlesen

Erinnerungen an Optik Meuser und Vorgänger

in Lahnstein
Rätselfoto aus Niederlahnstein (Foto: Stadtarchiv Lahnstein)

LAHNSTEIN Das Suchbild in der letzten Folge betraf das Geschäftshaus Adolfstraße 47 und entstand um 1930. An der Tür stehen der damalige Inhaber Richard Wolf mit Ehefrau Anna und den Kindern Maria und Karl.

Der derzeitige Besitzer und Enkel von Anna Wolf  und zugleich letzte Geschäftsinhaber Karl Peter Meuser hat dem Stadtarchiv Lahnstein Dokumente, Geschäftsbücher, Presseberichte und Fotos übergeben, die die Geschichte des Hauses und seiner Nutzung von 1865 bis heute dokumentieren.

Adolfstraße 47 „Uhren und Optik Wolf mit der Inhaberfamilie“ um 1930 (Foto: Karl Peter Meuser)

Das zweistöckige Haus wurde 1865 erbaut und 1872 von Heinrich Seibel an Franz August Halm verkauft, der hierin ein Uhrengeschäft mit Goldwaren eröffnete. Von 1892 bis 1914 führte Halms Sohn August das Geschäft, anschließend dessen Gehilfe Peter Siebertz als „Uhren-, Gold- und Silberwarengeschäft verbunden mit Optik“. Siebertz, der 1917 Meusers Großmutter Anna Maria Müller (1887-1986) ehelichte, starb bereits 1920. Weiterlesen

Gedenken an Ortsbrandmeister Franz Lock

in Lahnstein
Wasserwehrzug Niederlahnstein im Jahr 1928. Franz Lock als Ortsbrandmeister und 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Niederlahnstein steht in der zweiten Reihe als zweiter von links. Vor dem Rettungsring steht sein Ortsbrandmeister-Stellvertreter und 2. Kommandant Wilhelm Breitenbach, zwischen beiden der Führer der Wasserwehr Peter Münch. (Foto: Sammlung Stadtarchiv Lahnstein)

LAHNSTEIN Was Johann Zell für Oberlahnstein, war Stadtbaumeister Franz Lock für Niederlahnstein: Als Vorsteher der Bauverwaltung war er über 30 Jahre für die Modernisierung des städtischen Straßen- und Kanalnetzes zuständig. Das städtische Wasserwerk wurde erweitert. Zahlreiche städtische, Behörden- und Privatbauten sind unter seiner Leitung und fachmännischen Beratung entstanden.

Geboren wurde er am 03. Mai 1881 in Oberlahnstein als Sohn von Schmied Burghardt Lock und Anna Maria Schlosser. Nach seiner Schulentlassung erlernte er das Zimmerhandwerk bei der Firma Gebrüder Leikert. Im Anschluss an die Militärzeit studierte Lock an der Baugewerbeschule in Bingen und verließ sie mit dem Prädikat „mit Auszeichnung“. Im April 1910 wurde er Stadtbaumeister von Niederlahnstein und blieb dies bis zum Erreichen der Altersgrenze im Januar 1946. Weiterlesen

Lahnstein hat Geschichte

in Lahnstein
Brand des ehemaligen Hotels 1981. (Fotos: Stadtarchiv Lahnstein)

LAHNSTEIN Alte Lithographien und Ansichtskarten belegen, dass der Martinsberg um 1900 noch kaum bebaut war. Außer der Heilig-Geist-Kapelle, die bereits 1332 urkundlich erwähnt wird, stand dort gegenüber am Bergweg, dem heutigen Rheinhöhenweg, seit 1897 eine Villa, in der Peter Heil die Gastwirtschaft „Zur Heilquelle“ betrieb. Benannt war sie nach der Süßwasserquelle neben der Kapelle, der schon im 14. Jahrhundert heilende Wirkung nachgesagt wurde.

Gastwirt Peter Heil starb im März 1901 mit 64 Jahren. Drei Jahre später starb auch sein Sohn und Nachfolger Ludwig Josef Heil, der 1899 Katharina Adler geehelicht hatte. Die Villa Heilquelle wurde an den aus Köln stammenden Jakob Michels versteigert. 1916 wurde mit Gottfried Landmann ein ehemaliger Bierbrauer aus Tsingtau Eigentümer und das Gebäude als „Villa Landmann“, später auch “Haus Rheineck“ bekannt. Weiterlesen

Bad Ems im 18. Jahrhundert

in VG Bad Ems-Nassau
Bad Ems im 18. Jahrhundert

BAD EMS Der Jahreswechsel bietet Anlass zu einem etwas anderen Rückblick, nämlich auf die Zeit vor 300 Jahren und damit auf das Jahr 1720. Es ist geprägt von einem großen Dorfbrand, während die Bürgermeisterrechnung Einblicke in das Gemeindeleben vermittelt. Schließlich darf auch der Blick auf den Alltag und auf das Emser Bad nicht fehlen.

Bad Ems war seit dem Mittelalter ein bekanntes Bad und erfreute sich auch im 17. und 18. Jahrhundert großer Beliebtheit. Grafen und Kurfürstinnen gehörten zu den Gästen. Wie sah es 1720 auf dem Bad aus? Zwischen dem Dorf Ems und dem Bad stand nur ein Gebäude, das herrschaftliche Logierhaus von Thüngen, heute als „Vier Türme“ bekannt. Eine kleine, noch recht neue Häuserzeile erstreckte sich im Bereich der heutigen Römerstraße 11 bis 18. Im Bereich des heutigen westlichen Hotelanbaus, also genau im heutigen Wellnessbereich stand seit dem Mittelalter das Armenbad. Weiterlesen

Geschichte – Dorfbrand vor 300 Jahren

in VG Bad Ems-Nassau
Das damalige Rathaus (zuletzt Koblenzer Straße 23, Ecke Marktstraße) überstand den Brand von 1720 und wurde erst 2007 abgerissen. Ein Strebenkreuz des Fachwerks wurde geborgen und ist im Museum zu sehen. Foto: Thomas Papzien

BAD EMS Der Jahreswechsel bietet Anlass zu einem etwas anderen Rückblick, nämlich auf die Zeit vor 300 Jahren und damit auf das Jahr 1720.

Es ist geprägt von einem großen Dorfbrand, während die Bürgermeisterrechnung Einblicke in das Gemeindeleben vermittelt. Schließlich darf auch der Blick auf den Alltag und auf das Emser Bad nicht fehlen.

Jährlich erstellte die Gemeinde, wie noch heute, eine Rechnung über Einnahmen und Ausgaben. Diese Rechnungen sind im Stadtarchiv erhalten, so wie noch heute das Verbandsgemeindearchiv die Jahresrechnungen aufbewahrt. Oberhaupt der Gemeinde war der Schultheiß, während der Bürgermeister vor allem so etwas wie der Gemeinderechner war. Weiterlesen

Lahnstein hat Geschichte

in Lahnstein
Ansicht des Unternehmens in Lahnstein in den 1940er Jahren.

LAHNSTEIN Am 04. Juni 1866 wurde der Oberlahnsteiner Ehrenbürger und Firmengründer der Zschimmer & Schwarz GmbH & Co KG Chemische Fabriken, Ernst Max Schwarz, in Elbing / Westpreußen geboren.

Aufgewachsen in Königsberg / Ostpreußen, absolvierte er eine Lehre als Drogist. Anschließend war er für einige Jahre als Reisender für bedeutende Drogen-, Chemikalien-, Farben- und Gerbstoffhandelshäuser in Dresden und Chemnitz tätig.

1894 gründete er mit Otto Zschimmer (1863-1933) in Chemnitz die offene Handelsgesellschaft Zschimmer & Schwarz für den Verkauf von Drogen, Farben und Chemikalien. 1909 begann die erste eigene Produktion auf einem Fabrikgelände im thüringischen Greiz-Dölau. Durch die Ergänzung chemischer Fabriken wuchs die Beschäftigtenzahl bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf zirka 1.200 Personen. Max Schwarz war nicht nur Fabrikant, sondern auch Kirchenpatronatsherr in Drebach im Erzgebirge und bis 1933 Handelsgerichtsrat in Chemnitz. Weiterlesen

Hans Hamm und sein Beitrag zur Stadtgeschichte

in Lahnstein
Hans Hamm (rechts) bei der Ausstellungsvorbereitung im Stadtarchiv mit Bernd Geil (links) und Willi Eisenbarth (Foto: Stadtarchiv Lahnstein)

LAHNSTEIN Am 02. November 2020 verstarb Heimatforscher Hans Hamm im Alter von 94 Jahren. Seit Jahrzehnten war er leidenschaftlicher Sammler von Postkarten aus Lahnstein und Umgebung. An diesem Hobby ließ er die Lahnsteiner teilhaben, stellte er diese doch dem Stadtarchiv für Ausstellungen, Bildbände, Kalender und Presseberichte zur Verfügung.

Geboren wurde Hamm in Oberlahnstein als Sohn des städtischen Friedhofswärters Lorenz Hamm. Seine Kindheit verbrachte er daher beim Friedhof an der Sebastianusstraße, wo im ehemaligen Friedhofswärterhaus heute seine Verwandten leben.

Nach der Volksschule machte er von 1941 bis 1943 eine Ausbildung zum Eisenschiffbauer bei der Nassauischen Eisenschmiede der Geschwister Helbach. Diese betrieben die Helling Niederlahnstein.

Im September 1943 musste Hans Hamm zum Reichsarbeitsdienst, wo er bis Dezember 1943 eingesetzt wurde. Im Mai 1944 wurde er zur Marine eingezogen. Weiterlesen

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